Während der Embryonalentwicklung werden die Hoden unterhalb der Niere angelegt. Sie wandern kurz vor oder nach der Geburt durch die Leistenkanäle in den Hodensack. Auf diesem Weg nimmt der Hoden eine Bauchfellspalte mit, die sich um den Hoden legt und die inneren Hodenhüllen bildet. Bei der Geburt sind bei den meisten Knaben die Hoden im Hodensack bereits angekommen, die Bauchfellspalte hat sich im Bereich der Leiste verklebt.

Etwa ein bis zwei von hundert neugeborenen Jungen in Deutschland weisen eine Hydrozele auf.

Im Hodensack bildet die Bauchfellspalte eine Verschiebeschicht, die normalerweise mit einer geringen Flüssigkeitsmenge gefüllt ist und das ganze Leben bestehen bleibt. Eine ungewöhnlich große Flüssigkeitsmenge in den inneren Hodenhüllen nennt man Hydrozele.

Ist die Spalte im Bereich der Leiste weit offen, kann Flüssigkeit bis zum Hoden gelangen. Diesen Befund beschreibt man als offenen Processus vaginalis oder auch als kindlichen Leistenbruch. Die Flüssigkeit um den Hoden kann in den Bauchraum zurückgedrückt werden.

Meist ist die Flüssigkeitsansammlung morgens geringer als abends und beim schreienden Kind stärker ausgeprägt. Diese klinischen Befunde variieren je nach Weite des noch offenen Bauchfellspaltes. So kann es sein, dass zwar geringe Mengen Flüssigkeit noch in den Hodensack fließen können, aber nicht mehr zurück gelangen. Oft bilden sich diese Befunde in der ersten Lebensmonaten vollständig zurück.

Bei der sogenannten Funikulozele ist der Bauchfellspalt in der Leiste nur teilweise verschlossen und in der Mitte (im Bereich der Leiste) offen, sodass sich hier eine bohnengroße Flüssigkeitsansammlung bilden kann.

Entsteht beim Erwachsenen eine Hydrozele, ist die Bauchfellspalte im Bereich der Leiste zwar verschlossen, es gibt jedoch ein Missverhältnis zwischen der Bildung der - normalerweise geringen - Menge an Flüssigkeit zwischen den Hodenhüllen und deren Wiederaufnahme (Resorption). Die Hydrozele kann ohne erkennbaren Grund entstehen oder als Folge einer weiteren Erkrankung des Hodens (Begleithydrozele) auftreten, zum Beispiel bei Entzündungen, Tumoren, Verletzungen oder Hodenverdrehungen. Auch nach einer Leistenbruchoperation kann es als Komplikation zu einer Hydrozele kommen.

Wie erkennt man eine Hydrozele?

Bei einer Hydrozele ist der Hodensack meistens vergrößert und fühlt sich oft prall elastisch an. Die Spannbreite reicht von einem noch normal großen Hodensack bis zu extremen Vergrößerungen bis auf Ballgröße, abhängig davon, wo sich der Wasserbruch bildet und welche Flüssigkeitsmenge sich ansammelt. Die meisten Hydrozelen bereiten keine Beschwerden. Größere Hydrozelen können ein Druck-, Schwere- oder Spannungsgefühl und/oder Schmerzen erzeugen und ästhetisch störend sein.

Leuchtet man mit einer Lampe durch den Hodensack, so ist die Flüssigkeit durchscheinend. Diese Methode ist jedoch durch die Ultraschalldiagnostik des Hodens abgelöst worden. Mit dem Ultraschall sieht man auch, ob noch andere Krankheiten des Hodens vorliegen. Dies ist jedoch selten.

Wie behandelt man eine kindliche Hydrozele?

Bei Neugeborenen, die keine Symptome und Beschwerden haben, wartet man mit einem Eingriff in der Regel ab, da sich in den ersten Lebensmonaten die noch offene Bauchfellspalte meistens von selbst schließt.

Bleibt der Befund über das erste Lebensjahr hinaus bestehen, wird man die offene Verbindung operativ schließen. Dazu muss ein Schnitt in der Leiste gemacht, der offene Processus vaginalis (Bauchfellspalte) freigelegt und in Richtung Bauchfell verschlossen werden.

Der stationäre Aufenthalt dauert meist nur wenige Tage. Ein geringes Risiko besteht, neben einer möglichen Entzündung, in der Verletzung der Samenleiter oder der Hodengefäße.

Wie behandelt man die Hydrozele des Erwachsenen?

Die Hydrozele eines Erwachsenen kann vom Hodensack aus operiert werden. Hierbei werden die Hodenhüllen eröffnet, um die Flüssigkeit zu entfernen. Dann werden die Hodenhüllen nach hinten umgeschlagen und entfernt oder gerafft. Die Entfernung der Hodenhüllen bringt keinen Nachteil mit sich.

Das Risiko bei der Operation besteht hauptsächlich in einer möglichen Blutung oder Schwellung, vor allem wenn Entzündungen oder Punktionen vorausgegangenen sind. Selten kommt es zum erneuten Auftreten von Hydrozelen. Meist erfolgt die Operation stationär mit einigen Tagen Aufenthalt im Krankenhaus. Zuhause sollte man sich schonen und den Hoden noch einige Tage hoch lagern, um Schwellungen zu vermeiden.

Wenn man Hydrozelen nur punktiert, also hineinsticht, damit die Flüssigkeit abfließen kann, bilden sie sich meist sehr schnell erneut. Von Sklerosierungen (Einbringen von Substanzen zur Verödung) im Rahmen von Punktionen wird abgeraten, da die Hodenhüllen verschwielen. Bei jedem erneuten Auftreten (Rezidiv) gestaltet sich die Operation schwieriger. Bei jeder Punktion besteht außerdem eine Infektionsgefahr.

Liegt eine Begleithydrozele, also ein Wasserbruch des Hodens im Rahmen einer anderen Erkrankung vor, sollte zunächst die Grundkrankheit behandelt werden.