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Insuline als Therapiewerkzeug
Seit 1922 wird das Hormon Insulin zur Behandlung von Diabetes mellitus angewendet. Seither hat sich die Insulintherapie stetig weiterentwickelt: Lang- und kurzwirksame Insuline sowie sogenannte Insulinpens haben neue Möglichkeiten für Menschen mit Diabetes geschaffen.
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Karoline Höß, Dres. Schlegel + Schmidt Medizinische Kommunikation GmbH
Was bewirkt Insulin im Körper?Wenn wir Kohlenhydrate wie Brot oder Nudeln essen, gelangt Glukose, also Traubenzucker, aus der Nahrung ins Blut: Der Blutzuckerspiegel steigt an. Dann wird Insulin aus der Bauchspeicheldrüse gebraucht, damit die Glukose von den Körperzellen aufgenommen und gespeichert werden kann. Bei Menschen ohne Diabetes Typ 1 wird Insulin außerdem kontinuierlich in kleinen Mengen freigesetzt. Dieses sogenannte Basal-Insulin hilft dabei, den Zucker- und Fettstoffwechsel zu regulieren.
100 Jahre InsulintherapieBis ins 20. Jahrhundert hinein war Diabetes Typ 1 weder heil- noch behandelbar. Um 1900 wurden Insulin und seine Wirkung auf den Blutzuckerspiegel mehrfach unabhängig von Forschenden in verschiedenen Ländern entdeckt. Die erste erfolgreiche Behandlung von Typ 1 Diabetes bei einem Menschen erfolgte 1922 in Toronto, Kanada. Die Forscher Frederick Banting und Charles Best verkauften das Patent auf die Insulinherstellung 1923 für einen Dollar an die Universität von Toronto - sie wollten die lebensrettende Behandlung so vielen Menschen wie möglich zugänglich machen. Noch im selben Jahr begann die industrielle Herstellung von Insulin. Seither hat sich die Insulintherapie stetig weiterentwickelt.Bis 1975 stammte das Insulin für die Diabetes-Behandlung ausschließlich aus den Bauchspeicheldrüsen von Schlachttieren. Mit der Entwicklung der Gentechnik wurde es möglich, menschliches Insulin von Bakterien herstellen zu lassen. Seit 2005 wird daher in Deutschland kein tierisches Insulin mehr produziert.
Welche unterschiedlichen Insuline gibt es?Die moderne Insulintherapie will möglichst gut nachahmen, was im Körper von Menschen ohne Diabetes passiert. Die verschiedenen Insuline unterscheiden sich darin, wie schnell die Wirkung nach dem Spritzen eintritt, wann die maximale Wirksamkeit erreicht ist und wie lange sie insgesamt im Körper aktiv bleiben.Langwirksame Insuline oder Insuline mit Verzögerungsprinzip haben eine verlängerte Wirkdauer von 14 bis über 42 Stunden. Die maximale Wirksamkeit erreichen sie nach sechs bis 14 Stunden. Diese Insuline spritzen Sie ein- bis zweimal täglich. Sie simulieren das Basal-Insulin und sollen dafür sorgen, dass der Blutzucker zwischen den Mahlzeiten stabil bleibt.Normalinsulin entspricht dem Insulin, das in der menschlichen Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es kann bis zu acht Stunden lang wirken, wobei sich die maximale Wirkung meist nach etwa drei Stunden entfaltet. Normalinsulin spritzen Sie in der Regel kurz vor einer Mahlzeit. Einen sogenannten Spritz-Ess-Abstand müssen Sie dabei normalerweise nicht einhalten.Kurzwirksame Insuline wirken nach dem Spritzen etwas schneller als Normalinsulin. Vor allem aber klingt ihre Wirkung deutlich schneller wieder ab, meist innerhalb von drei bis fünf Stunden. Die maximale Wirksamkeit ist dann bereits nach etwa zwei Stunden erreicht. Auch kurzwirksame Insuline spritzen Sie meist vor den Mahlzeiten.Langwirksame oder verzögert wirksame Insuline werden in manchen Fällen auch mit Normalinsulin oder kurzwirksamen Insulinen kombiniert. Diese Misch-Insuline spritzen Sie normalerweise kurz vor den Hauptmahlzeiten. Sie sollen den Insulin-Grundbedarf decken und gleichzeitig verhindern, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen zu stark ansteigt. Die Menge an kurzwirksamem Insulin können Sie hier aber nicht individuell anpassen.
Was ist smartes Insulin?Aktuell wird an Insulinen geforscht, die selbstständig reagieren können, wenn der Blutzuckerspiegel steigt oder fällt. Insuline werden dazu mit Stoffen gekoppelt, die sich bei steigendem Blutzuckerspiegel verändern oder vom Insulin ablösen. Die Idee ist, dass diese sogenannten smarten Insuline als größeres, zunächst nicht wirksames Depot verabreicht werden. Nach einer Mahlzeit würde dann genau so viel Insulin aktiv werden, wie notwendig ist, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
Wie wird Insulin gespritzt?In Deutschland wird das meiste Insulin mit sogenannten Insulinpens gespritzt: Im Jahr 2023 lag der Anteil bei 95 Prozent. Insulinpens sind meist etwas größer als ein Kugelschreiber und haben in manchen Fällen auswechselbare Insulinpatronen. Damit das Insulin richtig wirken kann, sollten Sie es in das Fettgewebe zwischen Haut und Muskel spritzen. Es kann bei Kindern und sehr schlanken Erwachsenen hilfreich sein, die Haut mit zwei Fingern anzuheben und in die entstandene Hautfalte zu injizieren. Außerdem gibt es unterschiedlich lange Nadeln für Insulinpens.Da sich Menschen mit Diabetes Typ 1 normalerweise über Jahre hinweg mehrmals pro Tag Insulin verabreichen, ist es sehr wichtig, die Einstichstelle ständig zu wechseln. Viele Menschen mit Diabetes verwenden ein festes Schema, beispielsweise nach Wochentag oder Tageszeit. Am Bauch wirkt Insulin in der Regel am schnellsten. Wenn Sie das Insulin in die Pobacke, den Oberschenkel oder den Oberarm spritzen, tritt die Wirkung oft leicht verzögert ein.Damit die komplette Insulindosis ins Gewebe gelangt, ist es wichtig, dass Sie den Pen senkrecht auf die Haut aufsetzen und den Dosierknopf gerade und bis zum Anschlag mit dem Daumen eindrücken. Warten Sie etwa zehn Sekunden, bevor Sie die Nadel wieder senkrecht aus der Haut ziehen.Wenn Sie sich Insulin verabreichen, sollten Sie sich im Vorfeld idealerweise die Hände waschen und sicherstellen, dass die Injektionsstelle sauber ist. Verwenden Sie Pennadeln immer nur einmal und spritzen Sie nicht durch die Kleidung.Insulin, das Sie auf Vorrat zu Hause haben, sollten Sie im Kühlschrank lagern. Da zu kaltes Insulin bei der Injektion Schmerzen verursachen kann, nehmen Sie neue Insulinpatronen besser eine halbe Stunde vor der Gabe aus dem Kühlschrank. Geöffnete Patronen oder Pens, die Sie aktuell verwenden, können Sie bei Zimmertemperatur normalerweise einen Monat lang aufbewahren. Weitere Angaben zur Lagerung finden Sie im Beipackzettel Ihres Insulins.Wie Ihre individuelle Insulintherapie aussieht, besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Hier lernen Sie beispielsweise auch, wie Sie Ihren Insulinpen richtig anwenden. Für manche Menschen mit Diabetes Typ 1 ist eine Insulinpumpe besser geeignet als ein Pen. In Ausnahmesituationen, zum Beispiel wenn Ihr Insulinpen oder Ihre Insulinpumpe defekt ist, sollten Sie außerdem in der Lage sein, Ihre Insulintherapie übergangsweise mit Spritzen fortzusetzen. Mehr zu den unterschiedlichen Therapieformen lesen Sie in unserem Artikel " .
Deutsche Apotheker Zeitung: 100 Jahre Insulin, 22.07.2021. URL: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2021/daz-29-2021/100-jahre-insulin (abgerufen am: 30.06.2026).Deutsche Diabetes Gesellschaft e. V. (DDG): S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes. Stand: 02.09.2023. URL: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/057-013 (abgerufen am: 30.06.2026).Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Helmholtz Zentrum München - diabinfo: Insulin richtig spritzen: So geht es, 03.11.2019. URL: https://www.diabinfo.de/leben/behandlung/richtig-spritzen.html (abgerufen am: 30.06.2026).Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Helmholtz Zentrum München - diabinfo: Insulintherapie bei Diabetes, 26.07.2021. URL: https://www.diabinfo.de/leben/behandlung/insulintherapie.html (abgerufen am: 01.07.2026).
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