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Unterzuckerung im Schlaf
Im Wachzustand lassen sich Unterzuckerungen, medizinisch Hypoglykämien, meist gut erkennen und behandeln. Im Schlaf werden zu niedrige Blutzuckerwerte von Menschen mit Diabetes mellitus hingegen häufig nicht bemerkt. Welche Anzeichen deuten auf nächtliche Unterzuckerungen hin und wie lassen sie sich möglicherweise vermeiden?
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Karoline Höß, Dres. Schlegel + Schmidt Medizinische Kommunikation GmbH
Woran bemerke ich eine nächtliche Unterzuckerung?Eine Unterzuckerung im Wachzustand kann sich beispielsweise durch Heißhunger, Schweißausbrüche, Wortfindungsstörungen oder andere Symptome äußern. Tritt die Unterzuckerung jedoch im Schlaf auf, fallen nach dem Aufwachen häufig folgende Anzeichen auf:AbgeschlagenheitKopfschmerzenUngewöhnlich niedrige oder sehr hohe Blutzuckerwerte nach dem AufwachenUm einer möglichen nächtlichen Unterzuckerung auf die Spur zu kommen, können Sie Ihren Blutzucker nachts zwischen 2:00 und 3:00 Uhr messen.Falls Sie ein CGM-System verwenden, können Sie eine nächtliche Unterzuckerung auch in Ihrer Glukose-Verlaufskurve sehen. Außerdem können die meisten CGM-Systeme so eingestellt werden, dass sie vor drohenden Über- oder Unterzuckerungen warnen.
Praktisch, aber mit Verzögerung!Die Abkürzung CGM steht für Continuous Glucose Monitoring, also kontinuierliche Blutzucker-Überwachung. Die kleinen Geräte werden meist am Oberarm getragen und messen den Zucker im Unterhautfettgewebe. Steigt oder fällt der Blutzuckerspiegel, zeigt sich die Veränderung erst ein paar Minuten später im Gewebe. Beim Sport oder nach dem Essen ändert sich der Blutzucker schnell, dann weichen die Werte aus dem CGM-System vom tatsächlichen Blutzucker ab.Wenn Sie sofort wissen möchten, ob beispielsweise eine Unterzuckerung vorliegt, sollten Sie Ihren Blutzucker direkt aus einem Tropfen Blut messen. Mehr zum Thema: Zahlt die TK Geräte zur kontinuierlichen Blutzucker-Messung (CGM-Systeme)?
Mit Unterzucker aufgewacht - wie reagiere ich richtig?Wenn Sie nachts aufwachen und eindeutige Anzeichen einer Unterzuckerung feststellen, sollten Sie sofort Kohlenhydrate zu sich nehmen, beispielsweise in Form von Fruchtsaft, zuckerhaltiger Limonade oder Traubenzucker. Anschließend können Sie wie gewohnt Ihren Blutzucker messen. Die Symptome von Über- und Unterzuckerung können ähnlich sein. Wenn Sie unsicher sind, können Sie zuerst Ihren Blutzucker messen und dann entsprechend reagieren.Zuckerreiche Nahrungsmittel sollten immer in Reichweite sein, um im Fall einer Unterzuckerung rasch gegensteuern zu können. Fetthaltige Süßigkeiten wie Schokolade sind als Sofortmaßnahme allerdings ungeeignet: Durch das Fett werden die Kohlenhydrate vom Körper langsamer aufgenommen.
Wie kommen hohe Blutzuckerwerte am Morgen zustande?Sinkt der Blutzucker nachts ab, kann der Körper dem entgegenwirken: Dabei werden unter anderem Stresshormone ausgeschüttet, die den Blutzucker ansteigen lassen. Dieses Phänomen wird auch Rebound-Hyperglykämie oder Somogyi-Effekt genannt und ist verhältnismäßig selten.Auch ohne nächtlichen Unterzucker kann der Blutzucker in den frühen Morgenstunden ansteigen. Dieses sogenannte Dawn-Phänomen - zu Deutsch Morgendämmerungsphänomen - hängt damit zusammen, dass der Körper zu dieser Zeit normalerweise bestimmte Hormone ausschüttet, die Zucker aus der Leber freisetzen.
Kann eine nächtliche Unterzuckerung gefährlich sein?Grundsätzlich wird zwischen milden und schweren Unterzuckerungen unterschieden, unabhängig von der Tageszeit, zu der sie auftreten. Bei einer milden Unterzuckerung können Betroffene sich selbst helfen und beispielsweise Kohlenhydrate zu sich nehmen. In der Regel haben milde Unterzuckerungen keine schädlichen Folgen. Sobald die Symptome der Unterzuckerung so stark sind, dass Hilfe von Dritten gebraucht wird, liegt eine schwere Unterzuckerung vor. Schwere Unterzuckerungen können zu Bewusstlosigkeit führen und unbehandelt lebensbedrohlich sein. Wie Sie bei einer schweren Unterzuckerung helfen können, erfahren Sie in unserem Artikel "Zuckerschock: was im Diabetes-Notfall zu tun ist" . Unterzucker und plötzlicher Herztod: Gibt es einen Zusammenhang? Ein anderer Notfall, der gelegentlich in Verbindung mit nächtlicher Hypoglykämie genannt wird, ist der plötzliche Herztod, manchmal auch "Tod-im-Bett-Syndrom" genannt. Wichtig für Sie zu wissen ist allerdings: In den meisten Fällen ist er die Folge einer Koronaren Herzkrankheit , einer Herzmuskelerkrankung oder eines angeborenen Herzfehlers. Diese Erkrankungen können schwere Herzrhythmusstörungen verursachen, die unter Umständen zum plötzlichen Herztod führen können. Bei Menschen mit Diabetes ist das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöht. Das hat verschiedene Gründe:Menschen mit Diabetes leiden generell häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z. B. der Koronaren Herzkrankheit.Eine mögliche Folgeerkrankung von Diabetes ist die kardiale autonome Neuropathie. Hier sind Nerven geschädigt, die das Herz-Kreislauf-System steuern, was zu Herzrhythmusstörungen führen kann.Schwere Hypoglykämien können an der Entstehung von Herzrhythmusstörungen beteiligt sein.Wie kann ich einer Unterzuckerung im Schlaf vorbeugen?Sie können verschiedene Maßnahmen ergreifen, um das Risiko einer Unterzuckerung während der Nacht zu verringern:Ein leicht erhöhter Blutzucker vor dem Schlafengehen kann helfen, einer nächtlichen Unterzuckerung vorzubeugen. Sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin darauf an, in welchem Bereich Ihr Blutzucker abends idealerweise liegen sollte.Kohlenhydrate mit hohem Ballaststoffanteil wie etwa Vollkornprodukte helfen, den Blutzucker stabil zu halten. Versuchen Sie, solche Nahrungsmittel in Ihre abendlichen Mahlzeiten zu integrieren.Korrigieren Sie erhöhte Blutzuckerwerte abends nur vorsichtig nach unten.Alkohol führt dazu, dass weniger Zucker aus Ihrer Leber ins Blut gelangt. Trinken Sie deshalb abends nur wenig oder am besten gar keinen Alkohol.Nach intensiven Sporteinheiten kann der Energiebedarf des Körpers noch einige Zeit erhöht sein. Auch Stunden später kann es deshalb noch zu einer Unterzuckerung kommen, weshalb Sie besser tagsüber anstatt spät abends Sport machen sollten.Falls Sie öfter Hinweise auf eine nächtliche Unterzuckerung bemerken, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin suchen. Möglicherweise kann Ihre Insulintherapie entsprechend angepasst werden.
Unterzuckerung durch Alkohol?Die Leber gibt normalerweise ständig kleine Mengen Glukose, also Traubenzucker, ins Blut ab und stabilisiert so den Blutzuckerspiegel. Steigt der Energiebedarf, setzt der Körper das Hormon Glukagon frei. Glukagon mobilisiert die übrigen Zuckerspeicher der Leber und lässt den Blutzucker ansteigen.Alkohol hemmt diese beiden Prozesse, wodurch es zu Hypoglykämien kommen kann. Weil die Wirkung von Alkohol lange anhält, treten die Unterzuckerungen häufig erst im Schlaf auf.
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