Frau steht an einem Gemüsebeet im Stadtgarten
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Was für ein fieser Cliffhanger... Bis morgen warten, um die Auflösung in der nächsten Episode zu sehen? Unmöglich! Ein Klick und schon startet die nächste Folge der neuen Lieblingsserie. Ob bei Amazon Prime Video, Sky oder Netflix: Die Streaming-Anbieter präsentieren einen schier endlosen Katalog an packenden Stories. Da fällt es schwer, den Serienmarathon zu unterbrechen. Dabei wäre eine Pause durchaus sinnvoll, denn völlig unbedenklich ist das "Bingen" allerdings nicht.

Das Gedächtnis leidet unter dem Dauerkonsum

Ein australisches Forscherteam der University of Melbourne fand heraus, dass es für unser Gedächtnis einen Unterschied macht, ob man Serien am Stück oder in wöchentlichen Häppchen schaut. Laut der Wissenschaftler konnten sich Probanden, die die Serie "The Game" am Stück sahen, 24 Stunden nach der letzten Folge besser an die Handlung erinnern, als Woche-für-Woche-Zuschauer. Die Erinnerung an die Serie war bei den Letztgenannten dafür allerdings noch 140 Tage nach der letzten Episode präsent, bei Binge-Watchern zu diesem Zeitpunkt kaum mehr.

Edgar Erdfelder, Leiter des Lehrstuhls für kognitive Psychologie der Universität Mannheim, führt das auf den Lernprozess des Menschen zurück: Der Mensch, so Erdfelder, lernt besser, wenn er sich den Stoff aufteilt. Zu viel Input auf einmal führt dazu, dass relevante Infos schlechter verarbeitet werden.

Anfälliger für Angstzustände und Depressionen

Es sich alleine auf dem Sofa bequem machen und dann Folge um Folge schauen - das klingt zwar gemütlich, darunter kann aber auch die mentale Gesundheit leiden. Denn durch die stundenlange Einsamkeit beim "Bingen", wird die Myelin-Produktion im Gehirn gedrosselt, wie US-amerikanische Forscher der University of Buffalo und der Mount Sinai School of Medicine herausfanden. Das führt dazu, dass unseren Nerven eine Art Schutzschicht fehlt. Was wiederum zur Folge hat, dass wir anfälliger für Depressionen und Angstzustände werden.

Stundenlange Serienmarathons stören den Schlaf

Selbst nach dem Binge-Watching, hat unser Körper häufig mit den Folgen zu kämpfen. Denn wer abends kein Ende findet und am nächsten Morgen früh aufstehen muss, raubt sich selbst wertvolle Stunden Schlaf. Eine Studie unter 18- bis 25-Jährigen ergab, dass Binge-Watcher eine 98 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit haben, schlechter zu schlafen. In einem Drittel aller Fälle sei der schlechte Schlaf sogar direkt auf den exzessiven Serienkonsum zurückzuführen. Denn: Wer bei "Stranger Things" stundenlang durch den Düsterwald irrt, entflieht dem nicht nach dem Ausschalten. Die Story fesselt so sehr, dass wir auch im Schlaf nicht davon loskommen.

Wenig Bewegung, viel Junk Food

Was viele vergessen: Wer täglich viel Zeit vor dem Fernseher verbringt, dem mangelt es an Bewegung. Und seien wir ehrlich: Die wenigsten Serien-Fans trinken beim Binge-Watching nur Wasser und essen Gemüsehäppchen. Zuckerhaltige Getränke und süße Lebensmittel gehören häufig zum Serien-Genuss dazu.

Wenig Bewegung und schlechte Ernährung - eine Kombination, die der Gesundheit noch zusätzlich schadet.

Muss ich Netflix, Amazon und Co. also den Rücken kehren?

Sollte man die Abos der Streaming-Dienste also aus Liebe zur eigenen Gesundheit kündigen? Nein, es gibt keinen Grund, so drastisch zu reagieren. Die Dosis macht das Gift. Am Abend ein oder zwei Folgen seiner aktuellen Lieblingsserie zu schauen, ist völlig in Ordnung und absolut ungefährlich. Es hat sogar einen positiven Nebeneffekt: Man hat länger etwas von der spannenden Handlung.

Tipp: Lieber früh mit dem Fernsehen beginnen und zum eigentlichen Tagesabschluss lieber zu einem Buch greifen oder ruhige Musik hören - dann schläft man auch besser.

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