Kinder, junge Erwachsene und Personen mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel mit HIV infizierte Menschen, sind besonders gefährdet, an einer Enzephalitis zu erkranken. Eine Enzephalitis kann zusammen mit einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) auftreten. In diesem Fall spricht man von einer Meningoenzephalitis.

Was löst eine Gehirnentzündung aus?

Die Ursachen für eine Entzündung des Gehirns sind:

  • Viren (häufig), die Erkrankungen wie Masern, Mumps und Tollwut hervorrufen. Sogenannte Herpesviren wie Varizellen, die Erreger der Windpocken, oder Herpes-simplex-Virus (HSV) können ebenfalls eine Enzephalitis verursachen. Für Kinder und Immungeschwächte ist vor allem das Zytomegalievirus (CMV) gefährlich. Darüber hinaus zählen aber auch Grippeviren, das Poliovirus, das Kinderlähmung hervorruft, oder Viren, die durch Mücken- beziehungsweise Zeckenstiche übertragen werden, etwa der Auslöser der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), dazu.
  • Bakterien (seltener), etwa im Verlauf einer Blutvergiftung (Sepsis), verursacht zum Beispiel durch Streptokokken oder Staphylokokken oder im Rahmen einer Borreliose Pilze oder Parasiten (selten und vor allem bei immungeschwächten Personen), zum Beispiel Kryptokokken oder Toxoplasmen
  • Nicht-infektiöse, örtlich begrenzte Entzündungen im Gehirn, wie bei Multipler Sklerose 

Wie macht sich eine Entzündung des Gehirns bemerkbar?

Eine Enzephalitis kann mit verschiedenen Beschwerden einhergehen. Sie reichen von eher milden bis zu schweren Symptomen. Vor allem virale Infektionen können eher milde verlaufen.

Mögliche Krankheitszeichen sind grippeähnliche Symptome wie:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Gelenkschmerzen sowie
  • Übelkeit und Erbrechen

Weitere teilweise schwere Krankheitszeichen:

  • Verwirrtheit
  • Halluzinationen
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Sehstörungen wie Doppeltsehen
  • Sprachstörungen
  • Epileptische Anfälle
  • Muskelschwäche
  • Lähmungen
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Bewusstseinsverlust
  • Hautausschläge

Sind auch die Hirnhäute betroffen, können unter Umständen Symptome wie Nackensteifigkeit oder Lichtscheu auftreten.

Wie wird eine Enzephalitis diagnostiziert?

Anfangs befragt der Arzt den Patienten und möglichst auch dessen Angehörige ausführlich (Anamnese). Menschen mit Enzephalitis sind in ihrer Wahrnehmung und in ihrem Denken sowie ihrer Mitteilungsfähigkeit oft eingeschränkt, sodass die Befragung von Angehörigen weitere wichtige Informationen liefern kann. Der Arzt erkundigt er sich beispielsweise nach Reisen, Mücken- oder Zeckenstichen, vorausgegangenen Infektionen oder eventuell bestehenden Erkrankungen. Es folgen die körperliche und die neurologische Untersuchung.

Ergibt sich daraus der Verdacht auf eine Gehirnentzündung, können unter anderem folgende Untersuchungen stattfinden:

  • Blutuntersuchung auf Entzündungszeichen und Erreger
  • Entnahme von Hirnwasser (Gehirnflüssigkeit, Liquor) aus dem Rückenmark (Lumbalpunktion), das auf Entzündungszeichen oder Erreger untersucht wird
  • Bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) des Schädels, um Veränderungen im Gehirn, zum Beispiel Hirnschwellungen (Hirnödeme) oder Eiteransammlungen (Abszesse) oder Hinweise auf andere Erkrankungen wie Hirnblutung oder Tumoren zu erkennen
  • Elektroenzephalografie (EEG), das heißt Messung der Hirnströme, um mögliche Störungen festzustellen 

Wie sieht eine Behandlung aus?

Die Behandlung der Gehirnentzündung richtet sich unter anderem nach der Art der Ursache und dem Verlauf der Enzephalitis.

Mild verlaufende Gehirnentzündungen lassen sich zum Beispiel mit Bettruhe, ausreichender Flüssigkeitsaufnahme und/oder mit fiebersenkenden und schmerzstillenden Medikamenten therapieren.

Andere Behandlungsmöglichkeiten sind Arzneimittel, die Viren (Virostatika), Bakterien (Antibiotika) oder Pilze (Antimykotika) bekämpfen. Die Behandlung mit Arzneimitteln richtet sich nach dem jeweiligen Auslöser der Enzephalitis. Abhängig von bestehenden Symptomen und dem Auslöser kann der Arzt entzündungsdämpfende Mittel wie Glukokortikoide oder Medikamente, die epileptische Anfälle verhindern, einsetzen.

Schwere Beeinträchtigungen des Bewusstseins, der Atmung und des Kreislaufs erfordern in der Regel eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus, um lebensgefährliche Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und fachgemäß behandeln zu können.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose einer Gehirnentzündung hängt von der Schwere der Erkrankung, der Ursache, das heißt der Art des Erregers, vom Zeitpunkt der Diagnosestellung und vom Allgemeinzustand des Patienten ab. Wird die Gehirnentzündung frühzeitig erkannt und sofort behandelt, ist die Prognose in der Regel gut.

Bei bestehenden schweren Grunderkrankungen und einer geschwächten körpereigenen Abwehr, wie es bei einer HIV-Infektion der Fall ist, nimmt die Enzephalitis oft einen dramatischen und nicht selten lebensbedrohlichen Verlauf. Potenziell lebensbedrohliche Komplikationen sind beispielsweise ein andauernder Krampfanfall (Status epilepticus) oder eine Schwellung des Gehirns (Hirnödem). Durch Viren verursachte Gehirnentzündungen, die ohne Komplikationen verlaufen, heilen jedoch häufig ohne Folgen aus.

Warnsignale wie plötzliches hohes Fieber mit Übelkeit, Bewusstseinsstörungen und Kopfschmerzen sind ernst zu nehmen und sollten umgehend im Krankenhaus abgeklärt werden.

Eine Entzündung des Gehirns erfordert eine zügige ärztliche Behandlung, um Komplikationen möglichst zu vermeiden. Dazu gehören etwa epileptische Anfälle oder neurologische Ausfälle (zum Beispiel Lähmungen).

Länger anhaltende Folgen können sein:

  • Müdigkeit
  • Gangprobleme
  • Gedächtnisstörungen oder
  • Bleibende Schäden zum Beispiel Lähmungen oder Sprachstörungen