Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin ist der Prostatakrebs bei deutschen Männern die häufigste Krebserkrankung. Bei 26 Prozent aller neu an Krebs erkrankten Männer ist die Vorsteherdrüse betroffen.

Jedes Jahr diagnostizieren Ärzte in Deutschland rund 58.000 neue Prostatakrebserkrankungen, Tendenz steigend. Nach dem Lungen- und Dickdarmkrebs nimmt das Prostatakarzinom mit 10,1 Prozent Platz drei auf der Häufigkeitsskala der krebsbedingten Todesfälle ein, bei der Betrachtung aller Todesursachen liegt Prostatakrebs an siebter Stelle.

Prostatakrebs ist in erster Linie eine Erkrankung des höheren Alters, weniger als zehn Prozent der Prostatakarzinompatienten sind jünger als 60 Jahre. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 69 Jahren. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft in Frankfurt stehen die Heilungschancen für neun von zehn Männern gut, wenn ein Arzt die Erkrankung frühzeitig erkennt.

Der Anteil früher Stadien steigt. Diese Stadienverschiebung führt man auf die Bestimmung des Tumormarkers PSA (Prostataspezifisches Antigen) zurück. Insgesamt tragen circa 40 Prozent der männlichen Bevölkerung in den westlichen Industrieländern das Risiko, im Laufe ihres Lebens ein Prostatakarzinom zu entwickeln, aber nur etwa zehn Prozent werden symptomatisch und nur drei Prozent sterben daran.

Die Ursachen der Erkrankung sind bisher weitgehend ungeklärt. Da Männer in verschiedenen Ländern unterschiedlich häufig erkranken, gehen Experten davon aus, dass unter anderem Umweltbedingungen und die Ernährung eine Rolle spielen.

Auch das Geschlechtshormon Testosteron, welches Wachstum und Funktion der Prostata steuert, ist an der Entstehung von Prostatakrebs beteiligt. Ebenso diskutieren Fachleute erbliche Faktoren, da Prostatakrebs familiär gehäuft auftritt. Männer, deren Brüder und/oder Väter an einem Prostatakarzinom erkrankt sind/waren, tragen ein über zweifach erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens ein Prostatakarzinom zu entwickeln.

Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten eines Prostatakarzinoms.

Anders als bei anderen Tumorerkrankungen erhöht das Vorliegen eines Diabetes mellitus offensichtlich nicht das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Metaanalysen zeigen im Gegenteil eher ein erniedrigtes Risiko für Prostatakarzinom bei Diabetikern.

Wie macht sich Prostatakrebs bemerkbar?

Beschwerden bereitet das Prostatakarzinom meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Nur regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können daher die rechtzeitige Diagnose und Behandlung gewährleisten.

Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Harnstrahlabschwächung, häufiges und nächtliches Urinieren kommen sowohl bei gutartiger Prostatavergrößerung als auch bei einer bösartigen Prostatageschwulst vor. In fortgeschrittenen Stadien äußert sich eine Krebserkrankung häufig mit allgemeinen Gesundheitsproblemen wie unklarer Gewichtsabnahme, Leistungsminderung und Blutarmut. Selten kommt es zu blutigem Urin oder Samenflüssigkeit im Urin sowie Beschwerden beim Stuhlgang.

Wie erkennt der Arzt Prostatakrebs?

Das Prostatakarzinom entsteht meist im äußeren Anteil der Vorsteherdrüse, der dem Enddarm zugekehrt ist. Der Arzt kann diesen Teil der Prostata vom Darm aus mit dem Finger tasten. Schon kleine Unregelmäßigkeiten und Verhärtungen an der normalerweise glatten Oberfläche der Prostata lassen sich so erkennen und begründen einen Verdacht auf ein Karzinom.

Jährliche Vorsorgeuntersuchung

Früherkennung ist sinnvoll, weil sie zu einer erfolgreicheren Behandlung und damit auch zu längerem Überleben führt. Da das Prostatakarzinom in einem frühen Stadium durch eine Operation heilbar ist, sollte jeder Mann ab 45 Jahren die gesetzliche Krebsfrüherkennung wahrnehmen. Bei Männern mit familiär erhöhtem Risiko für ein Prostatakarzinom kann diese Altersgrenze um fünf Jahre vorverlegt werden.

Im Rahmen dieser jährlichen Vorsorgeuntersuchung tastet der Arzt mit dem Finger vom Enddarm aus die Prostata ab. Bei verdächtigen Befunden schließen sich Ultraschalluntersuchungen oder die Entnahme einer Gewebeprobe an. So kann der Arzt bösartige Tumore frühzeitig entdecken, auch wenn diese noch keine Symptome verursachen.

Biopsie

Um Prostatagewebe entnehmen zu können, führt der Arzt eine sogenannte Biopsiepistole, die mit einer Nadel ausgestattet ist, in den Enddarm ein. Unter Ultraschallkontrolle entnimmt er dann etwa acht bis zwölf Gewebeproben.

Anschließend untersucht ein speziell dafür ausgebildeter Mediziner, der Pathologe, das Gewebe unter einem Mikroskop. So kann er feststellen, ob ein bösartiger Tumor vorliegt. Gleichzeitig beurteilt der Experte dabei, wie sehr sich die Tumorzellen schon vom gesunden Gewebe unterscheiden. So kann er abschätzen, wie aggressiv das Karzinom ist.

Für den Patienten ist die Gewebeentnahme zwar unangenehm, aber fast schmerzlos. Nach der Untersuchung kann ein leichtes Druckgefühl oder kurzzeitig blutiger Urin auftreten. Eventuell bestehen für kurze Zeit Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Zu Entzündungen der Prostata oder stärkeren Blutungen kommt es nur sehr selten.

PSA-Wert

Zusätzlich kann der Arzt eine Blutuntersuchung auf das prostataspezifische Antigen (PSA) vornehmen. Das PSA ist ein Eiweiß aus den Drüsenzellen der Prostata und im Blut nachweisbar. Erhöhte PSA-Werte können ein Hinweis auf eine Veränderung der Prostata sein. Sie finden sich jedoch nicht nur, wenn ein bösartiger Tumor vorliegt.

Als mögliche andere Ursachen kommen eine Entzündung der Prostata, eine gutartige Prostatavergrößerung sowie mechanische Manipulationen an der Prostata infrage. Der PSA-Wert hat vor allem im Verlauf der Prostatakrebs-Erkrankung einen großen Stellenwert, da eine plötzliche Erhöhung seiner Konzentration auf das Wiederauftreten des Karzinoms hindeutet.

Wie sieht die Behandlung des Prostatakarzinoms aus?

Die Therapie des Prostatakarzinoms richtet sich nach dem Stadium, in dem sich der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose befindet, sowie nach dem Alter, dem Gesundheitszustand und anderen persönlichen Faktoren des Patienten.

Eine dauerhafte Heilung ist nur möglich, wenn die Behandlung den Tumor entfernt oder vernichtet. Infrage kommen eine Operation, Bestrahlung und eine medikamentöse Therapie. Da die Behandlung jedoch sehr unangenehme Nebenwirkungen haben kann und die Krankheit nicht bei jedem Patienten Beschwerden hervorruft oder tödlich verläuft, können auch eine abwartende Strategie und engmaschige Kontrollen sinnvoll sein - je nach Tumorstadium, Alter und Gesundheitszustand des Patienten.

Abwarten

Vor allem für ältere Patienten, die keine belastenden Beschwerden haben, und bei sehr kleinen, sehr langsam wachsenden Prostatakarzinomen ist eine abwartende Strategie geeignet. Aufgrund ihres Alters sterben sie möglicherweise bevor der Prostatakrebs soweit fortschreitet, dass er Symptome hervorruft. Es ist das Ziel des aktiven Beobachtens, unnötige Belastungen für den Patienten durch eine sofortige Behandlung zu vermeiden.

Engmaschige Kontrolle

In sehr frühen Krankheitsstadien und bei langsam wachsenden Tumoren ist es möglich, dass der Arzt die Vorsteherdrüse sehr häufig kontrolliert, ohne therapeutisch einzugreifen. Dazu untersucht er regelmäßig die Prostata, bestimmt den PSA-Wert im Blut und veranlasst bei Bedarf erneut die Entnahme von Gewebeproben. Es wird zunächst also keine Operation, Bestrahlung oder sonstige Behandlung durchgeführt.

Operation

Während der Operation entfernt der Chirurg die Prostata, die beiden Samenbläschen und das umgebende Gewebe vollständig. Die Ärzte sprechen bei dieser Methode von der radikalen Prostatektomie. Nur Patienten, bei denen der Tumor die Ummantelung der Prostata noch nicht durchbrochen hat, müssen sich im Anschluss an eine Operation keiner weiteren Therapie unterziehen. Ziel der Operation ist es, mit der Entfernung des Prostatakrebses den Betroffenen zu heilen.

Neben der "offenen" Prostatektomie beim Prostatakarzinom - dabei erfolgt der Zugang zur Prostata durch einen Schnitt im unteren Bereich des Bauches (Bauchschnitt) - lässt sich die Prostata heute auch mit der "Schlüssellochtechnik" entfernen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Arzt die Prostata auch über einen kleinen Schnitt am Damm entfernen kann. Bei jedem Patienten wird individuell entschieden, welche Operationsmethode am geeignetsten ist.

Bei der vollständigen Prostataentfernung kann es passieren, dass der Operateur auch die für die Erektion zuständigen Nerven durchtrennt. Viele Patienten verlieren daher ihre Erektionsfähigkeit. Inzwischen gibt es auch nervschonende Verfahren, bei denen das Risiko einer Impotenz sehr gering ist.

Die Patienten sollten das Problem der Impotenz und seiner Folgen ausführlich mit ihrem Arzt besprechen. Der Verlust der Erektionsfähigkeit beeinflusst nicht die sexuelle Lust oder das Gefühl im Penis. Auch ein Orgasmus ist noch erlebbar, der Samenerguss bleibt nach der Entfernung der Prostata allerdings trocken, da nun die von der Vorsteherdrüse und den Samenbläschen produzierte Flüssigkeit fehlt.

Weiterhin kommt es durch eine Schädigung des Blasenschließmechanismus bei fünf bis zehn Prozent der Patienten auch ein Jahr nach der Operation noch zu unfreiwilligem Harnabgang. Beckenbodengymnastik vor und nach der Operation unter Anleitung eines Physiotherapeuten senkt dieses Risiko.

Strahlentherapie

Eine Strahlenbehandlung kann in Abhängigkeit von der Ausbreitung der Erkrankung eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung der Behandlung darstellen. Radioaktive Strahlen schädigen dabei die Zellen. Gesunde Körperzellen können diese Schäden im Gegensatz zu den Tumorzellen allerdings schnell wieder reparieren.

Heutzutage gilt die Bestrahlung in vielen Fällen als Alternative zu einer radikalen Operation. Die Strahlentherapie führt zu den gleichen Ergebnissen, hat jedoch weniger Nebenwirkungen.

Brachytherapie

Eine weitere Möglichkeit zur Bestrahlung ist die Brachytherapie. Dabei platziert der Arzt eine kleine Strahlenquelle direkt in den Tumor, sodass die radioaktive Strahlung die Krebszellen von innen zerstören kann. Das Einbringen der Strahlenquelle in den Tumor geschieht mithilfe von Punktionsnadeln. Befindet sich der Prostatakrebs noch im Anfangsstadium, ist die Brachytherapie so gut wirksam wie die Bestrahlung von außen.

Jede Art der Bestrahlung eines Prostatakarzinoms wird sehr sorgfältig geplant, um umliegende Gewebe wie Harnblase und Darm zu schonen und bestmögliche Behandlungsergebnisse erzielen zu können.

Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können sich Tochterabsiedlungen in den Knochen (Knochenmetastasen) entwickeln, die Schmerzen verursachen, da die Krebszellen den Knochen lokal zerstören. Eine Bestrahlung der Knochenmetastasen kann die Zersetzung des Knochens aufhalten und die Schmerzen eindämmen und Knochenbrüchen vorbeugen. Auch bestimmte Medikamente (Bisphosphonate) oder eine sogenannte Radionuklidbehandlung mit Isotopen, zum Beispiel Strontium, können dem Knochenabbau entgegenwirken. Dabei wird der ganze Körper mit einem radioaktiven Stoff behandelt.

Hormontherapie

Eine medikamentöse Hormontherapie ist vor allem dann angezeigt, wenn sich der Tumor schon ausgebreitet hat und nicht mehr lokal behandelbar ist. Um trotz der fortgeschrittenen Erkrankung für den Patienten eine gewisse Lebensqualität zu erhalten, verordnet der behandelnde Arzt oft sogenannte Antihormone oder Substanzen mit hormonähnlicher Wirkung.

Das Prostatakarzinom wächst meist in Abhängigkeit vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron. Antihormone können die Wirkung des Testosterons blockieren, hormonähnliche Substanzen schalten indirekt die Produktion des Hormons in den Hoden aus. Auf diese Weise stoppt die Hormontherapie das Wachstum des Prostatakarzinoms.

Der Arzt kann durch regelmäßige Kontrollen des PSA-Werts überprüfen, ob die Therapie erfolgreich ist.

Zu den möglichen Nebenwirkungen einer Hormontherapie bei Prostatakrebs, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können, zählen Antriebsverlust, Hitzewallungen, Erektionsschwierigkeiten sowie Libidoverlust und Osteoporose (Verminderung der Knochenmasse).

Die Möglichkeiten der Antihormontherapie haben sich durch neuere Medikamente innerhalb der letzten Jahre stark erweitert: Zielgerichtete Medikamente können bei einigen Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung helfen, auch dann, wenn eine "klassische" Hormontherapie nicht mehr wirkt. Die Substanz Abirateronacetat hemmt ein Enzym, das für die Testosteronbildung wichtig ist. Damit wird von vornherein körpereigenes Testosteron unterdrückt und nicht nur blockiert. Als begleitende Behandlung erhalten betroffene Männer ein Kortikoid ("Kortison").

Chemotherapie

Im Rahmen einer Chemotherapie verabreicht der Arzt Medikamente, die Zellen daran hindern, sich zu vermehren. In der Fachsprache heißen diese Arzneistoffe Zytostatika. Diese aggressive Therapieform kommt zum Einsatz, wenn Strahlen- oder Hormontherapie nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben oder der Tumor erneut auftritt.

Zytostatika schädigen nicht nur Krebszellen. Auch gesunde, sich schnell teilende Zellen wie die der Schleimhäute oder Haarwurzeln reagieren sehr empfindlich auf diese Medikamente. Daher gehören Übelkeit, Erbrechen oder Haarausfall zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie.

Warum ist Nachsorge so wichtig?

Auch nach erfolgreicher Behandlung ist eine Heilung des Prostatakarzinoms erst nach einigen Jahren sicher. Daher ist die anschließende Tumornachsorge sehr ernst zu nehmen.

Nur mithilfe regelmäßiger Nachsorgeuntersuchungen kann der Arzt Rezidive, das heißt ein Wiederauftreten der Krankheit, rechtzeitig erkennen und behandeln. Dabei ist die Kontrolle des PSA-Wertes besonders wichtig. Auch Ultraschall- und Tastuntersuchungen führt der Arzt im Rahmen der Kontrollen regelmäßig durch.

Bei den regelmäßigen Nachsorgeterminen können Betroffene mit ihrem Arzt auch über mögliche Begleiterkrankungen und sonstige körperliche oder seelische Beschwerden sprechen und gemeinsam Lösungen finden.

Bestimmte Rehabilitationsmaßnahmen zur Verbesserung körperlicher Funktionen kann der Arzt im Anschluss an eine Krebsbehandlung individuell verordnen. Dazu gehören zum Beispiel Beckenbodengymnastik oder andere Bewegungstherapien sowie Elektro- und Ergotherapie. Auch bei der Auswahl wichtiger seelischer Betreuungsmöglichkeiten ist der behandelnde Mediziner behilflich. Wertvoll sind in diesem Zuge außerdem Gespräche mit anderen Betroffenen, beispielsweise in einer Selbsthilfegruppe.