Woran erkennt man das chronische Müdigkeits-/Erschöpfungssyndrom?

Bei einem chronischen Müdigkeits-/Erschöpfungssyndrom, auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME) genannt, entwickelt sich oft ein Teufelskreis aus starker Erschöpfung und leichter Erschöpfbarkeit.

In den meisten Fällen treten Müdigkeit und Erschöpfung plötzlich auf. Sie können sich aber auch über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln und unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Vielen Betroffenen fällt es zunehmend schwer, ihre alltäglichen Aufgaben zu erfüllen und ihre Sozialkontakte aufrecht zu erhalten. Neben der lähmenden Erschöpfung leiden sie oft unter weiteren Symptomen:

Körperliche Beschwerden

  • Grippeähnliche Symptome mit Halsschmerzen und geschwollenen Lymphknoten
  • Schlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf
  • Muskelverspannungen, Kopf- und Gliederschmerzen
  • Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden
  • Gewichtsveränderungen
  • Verlust der Libido
  • Herz-Kreislaufbeschwerden
  • Kurzatmigkeit

Psychische Beschwerden

•    Geringe Belastbarkeit
•    Stimmungsschwankungen, Ängste, Panikattacken
•    Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

Welche Ursachen gibt es?

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bisher nicht bekannt. Experten vermuten, dass Infektionen, Immundefekte und hormonelle Störungen zu den Auslösern zählen. Berufliche und private Belastungen und der individuelle Umgang damit spielen eine wichtige Rolle. Auch Bewegungsmangel oder einseitige Ernährung können die Symptome verstärken.

Diagnose und Therapie

Ihr Arzt wird in seiner Befragung und Untersuchung zunächst verschiedene andere Ursachen für chronische Müdigkeit und Erschöpfung ausschließen. Dazu gehören beispielsweise Tumorerkrankungen oder Multiple Sklerose. Diabetes mellitus, Leber- oder psychische Erkrankungen wie Depression können ebenfalls Erschöpfung und Müdigkeit auslösen. Leiden Sie unter nächtlichen Atemaussetzern (Schlafapnoe), kann dies die Ursache für mangelnde Erholung sein. Auch bestimmte Medikamente können extrem müde machen, daher prüft ihr Arzt gegebenenfalls auch Ihren Medikamentenplan. 

CFS ist schwer zu diagnostizieren und wird trotz moderner Diagnosemöglichkeiten in vielen Fällen nicht erkannt. Hinweise auf das chronische Müdigkeits- beziehungsweise Erschöpfungssyndrom sind nach Ausschluss anderer Krankheiten:

  • Die Beschwerden bestehen schon mindestens seit sechs Monate.
  • Schlaf führt bei Ihnen nicht zu Erholung
  • Es fällt Ihnen aufgrund Ihrer Erschöpfung schwer, alltäglichen privaten und beruflichen Aufgaben nachzukommen.
  • Sie leiden unter körperlichen oder psychischen Begleitbeschwerden. 

Aktuell gibt es keine spezielle Therapie mit nachgewiesener Wirksamkeit. Daher wird Ihr Arzt Ihnen ein schrittweises Vorgehen vorschlagen, das sich an Ihrem derzeitigen Leistungsvermögen ausrichtet. 

Das Hauptziel ist dabei, die Symptome zu lindern. Medikamente können beispielsweise dazu beitragen, Schmerzen zu mindern, und in einer Verhaltenstherapie können Sie neue hilfreiche Verhaltensweisen erlernen.

Was unterscheidet CFS von einer Depression?

Beide Erkrankungen gehen mit großer Erschöpfung, Gedächtnisproblemen, Verlust der Libido und Schlafstörungen einher. CFS beginnt in vielen Fällen plötzlich und wird auch von grippeähnlichen Symptomen begleitet (Kopf-, Halsschmerzen, schmerzhafte Lymphknoten, Fiebrigkeit). Eine Depression entwickelt sich dagegen meist schleichend.

Während sich die Symptome einer Depression durch regelmäßige körperliche oder geistige Aktivität spürbar bessern, verschlechtert sie sich bei CFS zunehmend. Menschen mit einer Depression neigen dazu, sich zurückzuziehen und zu resignieren, während Menschen mit CFS in der Regel aktiv nach Hilfe suchen. 

Was können Sie als Betroffener selbst tun?

Durch Selbstmanagement können Sie Ihr persönliches Gleichgewicht zwischen Leistungsfähigkeit und Entspannung wiederfinden. Das hilft dabei, den Teufelskreis von Inaktivität und Müdigkeit zu durchbrechen. 

Überprüfen Sie Ihre Lebensweise und Ihren Tagesablauf. Loten Sie dabei Ihre eigenen Leistungsgrenzen neu aus und richten Sie Ihr Tagespensum daran aus. 

Mögliche Maßnahmen:

  • Geregelter Tagesablauf mit festen Mahlzeiten sowie ausreichenden Phasen für Aktivität und Erholung
  • Ernährungsumstellung: vollwertig und ausgewogen mit viel Obst und Gemüse
  • Bewegung: vorsichtig dosieren und achtsam stufenweise aufbauen
  • Entspannungsverfahren erlernen und regelmäßig praktizieren
  • Anschluss an eine Selbsthilfeorganisation wie Fatigatio e. V., Bundesverband Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS/CFIDS/ME), www.fatigatio.de

Seien Sie dabei geduldig mit sich selbst und setzen Sie sich realistische Etappenziele. Es braucht Zeit, um neue Abläufe zu verinnerlichen und auch ihr Körper reagiert oft erst mit Verzögerung auf die neue Routine.