Die Gehirnerschütterung wird auch als leichtes Schädel-Hirn-Trauma (SHT) bezeichnet. Ein SHT ist eine Verletzung des Schädels beziehungsweise des Gehirns. Sie entsteht durch äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf oder Hals, zum Beispiel bei Sport- oder Verkehrsunfällen oder auch heftigen Schüttelbewegungen.

Die SHT lassen sich in mehrere Formen einteilen, die sich vor allem in der Schwere und im Verlauf der Symptome unterscheiden. Dazu gehören das leichte SHT (Gehirnerschütterung, fachsprachlich auch Commotio cerebri genannt), das mittelschwere SHT sowie das schwere SHT. Ein leichtes SHT hinterlässt häufig keine bleibenden Schäden, auch wenn die Beschwerden einen längeren Zeitraum anhalten können. 

Wie macht sich eine Gehirnerschütterung bemerkbar?

Als wichtiges Kennzeichen gilt die kurzzeitige, unter 15 Minuten anhaltende Störung des Bewusstseins bis hin zur Bewusstlosigkeit, die maximal eine Stunde bestehen kann. Zu weiteren möglichen Merkmalen gehört eine Erinnerungslücke (Amnesie), die die Zeit während des Unfallgeschehens und die Stunden danach betrifft. Es gibt aber auch Erinnerungslücken für den Zeitraum vor dem Ereignis.

Zusätzlich treten häufig

  • Kopf- und Nackenschmerzen,
  • Schwindel,
  • Übelkeit und Erbrechen sowie
  • Kreislaufbeschwerden

 auf.

Weitere vorübergehende Beschwerden können unter anderem in Form von verändertem Geschmacks- und/oder Geruchssinn, Müdigkeit, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit vorkommen. 

Welche Untersuchungen sind erforderlich?

Zunächst befragt der Arzt seinen Patienten zum Unfallhergang und zu seinen Beschwerden (Anamnese). Falls der Verletzte noch bewusstlos ist oder er sich nicht an das Geschehen erinnert, hilft es, Begleitpersonen zu befragen.

Die Schwere eines Schädel-Hirn-Traumas beurteilt der Arzt mithilfe einer Art Checkliste, der Glasgow-Coma-Scale. Anhand der Reaktionen des Patienten auf äußere Reize oder verbale Aufforderungen kann der Arzt den Bewusstseinszustand einschätzen.

Auf eine gründliche körperliche Untersuchung folgt eine intensive neurologische Untersuchung, die auf Funktionsstörungen des Nervensystems hinweisen kann. Weiterhin können bildgebende Verfahren wie die Computertomografie und unter Umständen auch Röntgenaufnahmen des Kopfes eingesetzt werden.

Im Einzelfall sind weitere Untersuchungen erforderlich. Dazu gehören zum Beispiel die Messung der elektrischen Hirnströme im Elektroenzephalogramm (EEG) oder spezielle Untersuchungen durch einen Augen- oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt.

In bestimmten Fällen sollten die Betroffenen über einen Zeitraum von 24 Stunden im Krankenhaus beobachtet werden, um mögliche Folgen wie eine Blutung im Gehirn rechtzeitig zu erkennen und somit eingreifen zu können.

Wie wird eine Gehirnerschütterung behandelt?

Liegen keine ernsten Verletzungen vor, beschränkt sich die Behandlung einer Gehirnerschütterung darauf, die Symptome zu lindern. Dabei helfen kurzzeitige Bettruhe und die Gabe von leichten Schmerzmitteln und Medikamenten gegen die Übelkeit. Die Bettruhe sollte jedoch nicht lange andauern. Physikalische und physiotherapeutische Therapien wie Krankengymnastik, Kälte- oder Wärmebehandlung können die Behandlung ergänzen.

Insgesamt sollte der Patient nach einer gewissen Erholungszeit wieder rasch am normalen Alltags- und Berufsleben teilnehmen.

Was sind die Folgen einer Gehirnerschütterung?

In der Regel heilt eine Gehirnerschütterung folgenlos aus. Erinnerungslücken bilden sich häufig ganz oder teilweise innerhalb von wenigen Tagen zurück. Manchmal bestehen über einige Tage Symptome wie Konzentrationsstörungen oder leichte Wesensveränderungen, zum Beispiel depressive Verstimmungen.

In zehn bis 20 Prozent der Fälle kann sich ein sogenanntes chronisches posttraumatisches Syndrom entwickeln, bei dem die Beschwerden länger als drei bis sechs Monate bestehen. Es äußert sich mit dumpfen, drückenden Kopfschmerzen, möglicherweise begleitet von Symptomen wie Befindlichkeitsstörungen, depressiver Verstimmung oder subjektiv verminderter Leistungsfähigkeit.

In manchen Fällen sind die chronischen Folgeerscheinungen schwer zu beeinflussen. Um chronische Beschwerden zu behandeln, setzt der Arzt unter Umständen Medikamente ein, die normalerweise gegen Depressionen verordnet werden. Weitere Therapieoptionen sind physikalische Behandlungen der Schulter-Nacken-Region etwa Krankengymnastik und Massage. Hilfreich ist oft auch das Erlernen und Anwenden von Entspannungstechniken wie der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson.