Die Schilddrüse (Thyreoidea) ist ein walnussgroßes Organ, das sich kurz unterhalb des Kehlkopfes an die Luftröhre schmiegt. Normalerweise ist sie durch die Halsmuskeln verdeckt und lässt sich allenfalls beim Schlucken tasten, weil sie sich dann nach oben schiebt. Eine gesunde Schilddrüse besteht aus zwei Lappen, die schmetterlingsförmig aneinandergeschmiegt sind. Ihr Gewebe ist sehr weich und sie wiegt durchschnittlich etwa zwischen zwölf und 20 Gramm.

Aus Eiweiß und Jod produziert die Schilddrüse die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Die Hormone beeinflussen den Stoffwechsel, den Kreislauf und das Wachstum, aber auch das psychische Wohlbefinden. Gesteuert wird die Produktion der Schilddrüsenhormone durch zwei Zentren im Gehirn und deren Steuerungshormone: durch den im Zwischenhirn liegenden Hypothalamus mit seinem Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH) sowie durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) mit ihrem Thyroidea-Stimulierenden-Hormon (TSH).

Ist die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut normal, spricht man von einer normalen Stoffwechsellage (Euthyreose). Wird eine größere Menge an Schilddrüsenhormonen hergestellt, als der Körper braucht, so liegt eine Überfunktion der Schilddrüse vor (Hyperthyreose). Im Gegensatz dazu findet sich bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) eine zu geringe Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blut.

Eine Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis) kann je nach auslösender Ursache sehr unterschiedliche Symptome zur Folge haben. Häufig ist eine Vergrößerung der Schilddrüse. Gelegentlich treten Schluckbeschwerden und Schmerzen auf. Abhängig von der Art der Schilddrüsenentzündung können Allgemeinsymptome vorkommen. Bestimmte Entzündungen lösen eine Überfunktion (Hyperthyreose), andere eine Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse aus. Bei einer Thyreoiditis kann auch eine normale Schilddrüsenfunktion (Euthyreose) vorliegen.  

Welche Formen der Schilddrüsenentzündungen gibt es?

Neben akut, also plötzlich auftretenden Entzündungen gibt es langsam verlaufende, chronische Entzündungen der Schilddrüse.

Akute Schilddrüsenentzündungen

Akute Thyreoiditis

Diese Entzündung ist sehr selten und wird meist durch Bakterien ausgelöst, selten durch Strahlen oder durch einen Virusinfekt. Die Schilddrüse ist typischerweise schmerzhaft, druckempfindlich, geschwollen. Die Haut im Bereich der Schilddrüse ist gerötet und überwärmt, es bestehen Schluckbeschwerden und eine Lymphknotenschwellung im Halsbereich. Die akute Thyreoiditis entwickelt sich meist innerhalb von Stunden und geht mit Fieber einher. Die Schilddrüsenhormone sind meist nicht verändert, gelegentlich kann aber auch eine Überfunktion auftreten.

Subakute Thyreoiditis de Quervain

Sie wird vermutlich durch Viren ausgelöst. Möglicherweise besteht auch eine erbliche Veranlagung für diese Form der Schilddrüsenentzündung. Die Schilddrüse ist meist einseitig geschwollen, beim Abtasten fühlt sie sich typischerweise derb an und ist meist sehr druckschmerzhaft. Diese Schilddrüsenentzündung entwickelt sich innerhalb von wenigen Tagen und geht mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit, gelegentlich auch mit Fieber einher. Häufig findet sich im Anfangsstadium eine Schilddrüsenüberfunktion, die im Verlauf in eine Unterfunktion umschlägt. Auch die Thyreoiditis de Quervain ist selten. Der Begriff "subakut" beschreibt den etwas langsameren Beginn und Verlauf im Vergleich zu der oben genannten akuten Entzündung.

Chronische Schilddrüsenentzündungen

Hashimoto-Thyreoiditis

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Form einer Entzündung der Schilddrüse. Hier handelt es sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, bei der der Körper die eigene Schilddrüse fälschlicherweise als "Fremdkörper" ansieht, Antikörper gegen das Gewebe produziert und durch eine chronische Entzündung langsam zerstört.

Diese Form der Schilddrüsenerkrankung ist die häufigste Ursache der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Betroffen sind vor allem Frauen nach dem 40. Lebensjahr. Die Ursache der Erkrankung ist unklar, eine erbliche Veranlagung wird diskutiert. Außerdem kommt die Hashimoto-Thyreoiditis gehäuft zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen vor. Auch Rauchen und eine hohe Jodversorgung sind Faktoren, die die Erkrankung begünstigen.

Die Erkrankung verläuft in der Regel harmlos, die Unterfunktion der Schilddrüse muss allerdings vom Arzt behandelt werden.

Die typischen Symptome der Unterfunktion beginnen schleichend und äußern sich mit Antriebsarmut, Muskel- und Konzentrationsschwäche, Depressionen, Gewichtszunahme, Verstopfung, verlangsamtem Herzschlag, trocken-struppigen Haaren, trockener Haut, Kribbeln in Händen und Füßen und einer erniedrigten Körpertemperatur.

Riedel-Struma

Dies ist eine sehr seltene chronische Entzündung der Schilddrüse, bei der die Schilddrüse bindegewebig umgebaut wird. Aus unbekannten Gründen bildet sich hartes Narbengewebe. Der Prozess geht auf die benachbarten Strukturen über, das heißt, der narbige Umbau kann sich in die umgebende Muskulatur fortsetzen. Die Schilddrüse fühlt sich "eisenhart" an. Langfristig stellt sich ebenfalls eine Unterfunktion ein.

Post-Partum-Thyreoiditis

Dies ist eine weitere Entzündung der Schilddrüse, die vier Prozent aller Frauen im Anschluss an die Entbindung (post partum) betrifft. Bei dieser Sonderform kommt es nach der Geburt bei der Mutter zu einer temporären Schilddrüsenunterfunktion. Sie heilt im Allgemeinen ohne Folgen aus. Manchmal lassen sich Antikörper gegen die Schilddrüse nachweisen wie bei der Hashimoto-Thyreoiditis.

Thyreoiditis durch andere Krankheiten

Vor allem Infektionen wie Tuberkulose, Syphilis oder auch Sarkoidose, Lymphdrüsen- oder andere Erkrankungen des Immunsystems können begleitend die Schilddrüse befallen und eine Entzündung auslösen. 

Wie wird eine Schilddrüsenentzündung diagnostiziert?  

Tastuntersuchung

Der Arzt tastet die Schilddrüse ab und kann dabei feststellen, ob sie vergrößert und/oder druckschmerzhaft ist.

Blutuntersuchungen

Der Arzt bestimmt die Schilddrüsenhormone (T3, T4) und den TSH-Wert. Bei chronischen Schilddrüsenentzündungen lassen sich häufig bestimmte Schilddrüsen-Antikörper im Blut nachweisen. Akute Entzündungen gehen meist mit einem Anstieg der Entzündungswerte sowie der weißen Blutkörperchen im Blut einher. Diese Werte zeigen, dass im Körper eine akute Infektion vorliegt.

Sonografie (Ultraschall) der Schilddrüse

Ultraschalluntersuchungen ermöglichen es, die Größe und die Struktur der Schilddrüse zu beurteilen.

Biopsie

Außerdem kann der Arzt kleine Gewebeproben der Schilddrüse zur Untersuchung unter dem Mikroskop entnehmen (Feinnadelbiopsie).

Schilddrüsenszintigrafie

Eine Szintigrafie dient der Überprüfung der Schilddrüsenfunktion, in dem man die Jodanreicherung in der Schilddrüse misst. Bei der Untersuchung bekommt der Patient eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene gespritzt. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse nimmt die Schilddrüse typischerweise die markierte Substanz weniger oder gar nicht auf, bei einer Überfunktion liegt in bestimmten Bereichen der Schilddrüse eine zu starke Aufnahme der Substanz vor. 

Wie werden die einzelnen Erkrankungen behandelt?

Akute Thyreoiditis

Sind Bakterien die Ursache der Entzündung, ist eine Therapie mit einem Antibiotikum erforderlich, also mit einem Medikament, das die Bakterien abtötet. Antibiotika werden meist in Tablettenform gegeben, bei schweren Erkrankungen als Infusion über eine Vene. Zusätzlich zur Therapie mit Antibiotika sollte der Patient bei Fieber Bettruhe einhalten und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Den Hals kann man von außen kühlen, zum Beispiel mit Halswickeln.

Subakute Thyreoiditis de Quervain

Diese Entzündung verläuft häufig milde und heilt in der Mehrzahl der Fälle spontan aus. Die Therapie erfolgt mit entzündungshemmenden Medikamenten, den sogenannten Antiphlogistika. Diese wirken gleichzeitig schmerzlindernd. Bei einem schweren Krankheitsverlauf und starken lokalen Beschwerden erhalten die Patienten zusätzlich Kortison, das eine noch stärkere entzündungshemmende Wirkung hat. Durch diese Therapie sollte es innerhalb eines Tages zu einer Besserung der Beschwerden kommen.

Hashimoto-Thyreoiditis

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis stellt sich mit dem zunehmenden Untergang von funktionsfähigem Schilddrüsengewebe eine Unterfunktion der Schilddrüse ein. Der Mangel an Schilddrüsenhormonen muss lebenslang durch die Einnahme des Hormons L-Thyroxin ausgeglichen werden. Die genaue Dosis wird aus den Schilddrüsenwerten im Blut bestimmt. Die Behandlung erfolgt einschleichend, beginnt also mit einer niedrigen Dosierung und wird langsam gesteigert, da sonst vorübergehend die Symptome einer Überfunktion entstehen können. Regelmäßige Blutuntersuchungen zur Dosiskontrolle sind erforderlich.

Riedel-Struma

Diese Schilddrüsenentzündung ist einer Behandlung durch Medikamente nicht zugänglich. Die Therapie der Wahl ist die operative Entfernung der Schilddrüse. Manchmal wird ein kleiner Schilddrüsenrest belassen. Nach der Entfernung der Schilddrüse müssen die Patienten lebenslang Schilddrüsenhormon in Tablettenform einnehmen. Die richtige Dosierung legt der Arzt anhand der Ergebnisse von Blutuntersuchungen fest.

Post-Partum-Thyreoiditis

Die Post-Partum-Tyreoiditis verläuft häufig leicht und erfordert dann keine spezielle Therapie. Bei einer Unterfunktion werden Schilddrüsenhormone in Tablettenform gegeben. Die Dosierung bestimmt der Arzt anhand von Blutuntersuchungen.

Nur bei einer schweren Überfunktion kommen Schilddrüsenhemmstoffe (Thyreostatika) zum Einsatz, dann auch nur in sehr niedriger Dosierung. Da die Medikamente in die Muttermilch übergehen und die Schilddrüsenfunktion des Kindes stören können, müssen Mütter gegebenenfalls abstillen.

Thyreoiditis durch andere Erkrankungen

Bei Schilddrüsenentzündungen, die begleitend bei anderen Erkrankungen auftreten, ist die entsprechende Behandlung dieser Grunderkrankung wichtig. Bei einer sehr starken Entzündung der Schilddrüse können entzündungshemmende Medikamente notwendig sein. Gegebenenfalls muss man auch Hormonstörungen der Schilddrüse ausgleichen. Bei Unterfunktion erhalten die Patienten Schilddrüsenhormon in Tablettenform. Bei einer ausgeprägten Überfunktion können vorübergehend Schilddrüsenhemmstoffe (Thyreostatika) helfen.

Wie ist der Verlauf einer Schilddrüsenentzündung?

Der Verlauf der Entzündung ist abhängig von der Art der Erkrankung. Die akute Thyreoiditis und die Thyreoiditis de Quervain heilen unter der Therapie aus. Dies dauert bei der akuten Thyreoiditis nur einige Wochen und kann bei der Thyreoiditis de Quervain zwischen drei und sechs Monaten dauern. In vielen Fällen heilt die Thyreoiditis de Quervain auch spontan ohne Behandlung aus.

Die Hashimoto-Thyreoiditis führt langfristig immer zu einem Untergang des hormonaktiven Schilddrüsengewebes. Entsprechend benötigen die Patienten ein Leben lang eine Behandlung mit Schilddrüsenhormon in Tablettenform. Die richtige Dosierung der Tabletten muss der Arzt gelegentlich kontrollieren.

Die Riedel-Struma ist mit der Entfernung der Schilddrüse ausgeheilt, die Patienten müssen jedoch lebenslang Schilddrüsenhormone einnehmen, um den Hormonmangel auszugleichen.

Der Verlauf der begleitenden Thyreoiditis ist abhängig von der Art der Grunderkrankung. Bei behandelbaren Erkrankungen ist meist eine Heilung möglich, bei einer chronischen Erkrankung kann die Thyreoiditis auch einen chronischen Verlauf nehmen. Dann ist eine dauerhafte Behandlung entsprechend der Symptomatik erforderlich.

Die Post-Partum-Thyreoiditis verschwindet meist ohne eine spezielle Therapie innerhalb eines Jahres. Sie kann gelegentlich in einen Morbus Basedow oder eine Hashimoto-Thyreoiditis übergehen. Diese Erkrankungen müssen dann entsprechend behandelt werden.