Es gibt verschiedene medizinische Kriterien, um ein Reizdarmsyndrom festzustellen. Nach der aktuellen Definition der deutschen Fachgesellschaften spricht man von einem Reizdarm, wenn

  • länger als drei Monate anhaltende Beschwerden wie beispielsweise Bauchschmerzen oder Blähungen auftreten, die auf den Darm zurückzuführen sind und in der Regel mit einem veränderten Stuhlgang einhergehen (beispielsweise kann sich die Häufigkeit des Stuhlgangs verändern, es kann Durchfall, aber auch Verstopfung auftreten);
  • die Beschwerden zu einer spürbaren Verschlechterung der Lebensqualität führen;
  • es keine Hinweise darauf gibt, dass die Beschwerden durch eine andere Erkrankung verursacht werden.

Um die funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen besser erkennen und behandeln zu können, unterscheiden die Ärzte dann noch einmal zwischen Beschwerden des oberen und des unteren Verdauungsapparates. Den Magen betreffend sprechen sie von funktioneller Dyspepsie oder Reizmagen, bei Darmproblemen vom Reizdarmsyndrom.

In den Industrieländern gehören Reizmagen und Reizdarmsyndrom zu den häufigsten Verdauungsstörungen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer: Es leiden rund 14 von 100 Frauen und 9 von 100 Männern an der Krankheit. Klinische Studien haben gezeigt, dass die Mehrzahl der Patienten sowohl von Beschwerden im Ober- als auch im Unterbauch betroffen ist.

Patienten mit einem Reizmagen oder einem Reizdarmsyndrom verbindet aufgrund ihrer Beschwerden eine große psychische Anspannung. Insgesamt können beide Erkrankungen den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Darüber hinaus ist eine möglichst klare Diagnose von großem Wert, denn viele Patienten stehen zusätzlich unter hohem Leidensdruck, weil sie eine organische Erkrankung hinter ihren Symptomen vermuten.

Das Krankheitsbild Reizdarmsyndrom

Auch beim Reizdarmsyndrom sprechen die Ärzte von einer Funktionsstörung - bestimmte Vorgänge im Verdauungstrakt scheinen demnach nicht fehlerfrei abzulaufen. Die Beschwerden zeigen sich über einen langen Zeitraum in ähnlicher Form und können einen Menschen Monate, Jahre, oder sogar für immer begleiten.

Die Krankheit tritt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Die Häufigkeit liegt in der Bevölkerung westlicher Industrieländer bei 10 bis 20 Erkrankten von 100. Ärztliche Hilfe nimmt jedoch nur ein Viertel der Betroffenen in Anspruch.

Das Reizdarmsyndrom zeichnet sich durch folgende Symptome aus - wobei nicht alle Beschwerden auftreten müssen:

  • Bauchschmerzen mit Erleichterung nach dem Stuhlgang
  • Krämpfe im Unterleib
  • Unwohlsein
  • Völlegefühl
  • Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang
  • (Schmerzhafte) Blähungen
  • Schleimiger Ausfluss
  • Druckgefühl im Unterbauch

Wie bei der funktionellen Dyspepsie (Reizmagen) unterscheiden Ärzte beim Reizdarmsyndrom ebenfalls verschiedene Typen. Die Einteilung richtet sich dabei nach Auffälligkeiten des Stuhls und Ausprägung der jeweiligen Beschwerden.

  • Typ I: Diarrhoe dominant: Durchfälle (Diarrhoe) sind das vorherrschende Problem.
  • Typ II: Obstipation dominant: Patienten dieses Typs leiden am meisten unter Verstopfung (Obstipation).
  • Typ III: Diarrhoe und Obstipation im Wechsel: Die Betroffenen haben abwechselnd mit Durchfall und Verstopfung zu kämpfen.
  • Typ IV: Meteorismus (Blähsucht)/Schmerz dominant: Die Kennzeichen dieses Typs sind vermehrte Gasbildung ohne wesentlichen Abgang der Darmgase, Blähungen und Schmerzen.

Ursachen - keine gesicherten Erkenntnisse

Funktionelle Dyspepsie (Reizmagen) und Reizdarmsyndrom teilen die Eigenschaft, dass Magen und Darm organisch nicht krankhaft verändert sind. Es gibt verschiedene Faktoren, durch die diese Krankheiten nach aktuellem Stand der Wissenschaft entstehen. Außergewöhnliche psychische Belastungen wie Angst, Panik oder Depressionen, die sich auf den Magen-Darm-Trakt übertragen, sind ein möglicher Auslöser der funktionellen Dyspepsie.

In diesem Fall hätte die Krankheit einen psychosomatischen Hintergrund: Die seelische Anspannung äußert sich parallel oder auch zeitlich verzögert durch körperliche Beschwerden.

Beim Reizdarmsyndrom gibt es keine gesicherten Erkenntnisse über den Hintergrund der Erkrankung. Die Ärzte vermuten als Hauptursache, dass die Darmwand der Betroffenen empfindlicher auf Dehnung reagiert als bei gesunden Menschen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass möglicherweise entzündliche Prozesse der Darmschleimhaut das Reizdarmsyndrom fördern können. Kleine Entzündungen - man nennt sie Mikroentzündungen - sorgen dabei für die Produktion von Hormonen und Botenstoffen, zum Beispiel Histamin und Serotonin, die anregend auf das Nervensystem im Darm wirken. Experten vermuten, dass unter anderem dadurch Reizdarmsymptome hervorgerufen werden könnten.

Einfluss der Geschwindigkeit

Transportiert die Darmmuskulatur den Nahrungsbrei zu schnell, wird ihm nicht genug Wasser entzogen - die Folge ist Durchfall. Rutscht der Speisebrei zu langsam durch den Darm, kommt es zu Verstopfung. Denn dem Nahrungsbrei wurde zu viel Wasser entzogen.

Transport des Speisebreis durch den Darm

Die Geschwindigkeit, in der der Speisebrei durch den Darm transportiert wird, ist entscheidend für seine Beschaffenheit:

Bei durchschnittlicher Geschwindigkeit (Abbildung links) verläuft auch die Verdauung normal. Bewegt sich der Speisebrei zu schnell, kommt es zu Durchfall (Abbildung Mitte). Wenn die Nahrung zu langsam durch den Darm rutscht, entsteht Verstopfung (Abbildung rechts).

Krämpfe entstehen, wenn sich die Muskulatur übermäßig zusammenzieht. Die Beschwerden werden häufig noch von einer gestörten Bewegungsfähigkeit des oberen Verdauungstraktes, der Gallenwege, Harnblase und der Lungenfunktion begleitet. Vergleichbar zum Reizmagen kann das Reizdarmsyndrom bei einigen Patienten wohl auch aus einer früheren Darminfektion hervorgehen.

Psychische Belastungen sind weniger die Ursache als die Folge eines Reizdarmsyndroms.

Einfluss der Psyche

Ein weiterer Grund, dass ein Reizdarmsyndrom entsteht, könnte ein gestörter Informationsaustausch zwischen Gehirn und Darm sein: Große psychische Belastungen könnten die Darmtätigkeit vermindern oder beschleunigen. Allerdings sind sich die Wissenschaftler darüber einig, dass bei einem Teil der Patienten psychische Störungen eher die Folge des Reizdarmsyndroms sind und nicht dessen Ursache. Ist die Psyche jedoch erst einmal angegriffen, verstärken sich mitunter auch die Symptome - ein Kreislauf entsteht.

Einfluss der Ernährung

Bestimmte Nahrungsmittel, die Ernährungsweise und das Essverhalten eines Patienten scheinen seinen Zustand zwar zu beeinflussen, sie lösen die Beschwerden aber nicht aus.

Diagnostik - organische Ursachen ausschließen

Es gibt keine eindeutigen Merkmale, an denen Mediziner eine funktionelle Magen-Darm-Krankheit festmachen können. Erschwerend kommt hinzu, dass organische Erkrankungen ähnliche Beschwerden hervorrufen. Die Diagnose kann der Arzt letztlich nur stellen, indem er Schritt für Schritt organische Ursachen ausschließt.

Ausführliches Arztgespräch zu Beginn

Um dem Grund für Ihre Beschwerden auf die Spur zu kommen, erhebt der Arzt zunächst eine gründliche Anamnese. So heißt das Gespräch, das er mit Ihnen führt, um mehr über die Krankheitsgeschichte zu erfahren. Er wird Ihnen viele Fragen stellen, um herauszufinden, woher die Beschwerden rühren. Dabei ist es für den Arzt eine große Hilfe, wenn Sie Ihre Symptome möglichst genau beschreiben.

Neben Auskünften darüber, wie, wo und wann die Beschwerden sich äußern und wie lange sie schon bestehen, sind für ihn auch Informationen zu Ihren Ernährungsgewohnheiten wesentlich. Der Arzt wird Sie eventuell sogar bitten, über einen längeren Zeitraum eine Art Tagebuch über Ihre Beschwerden zu führen. Deren Stärke, Dauer und Häufigkeit könnten bereits den Verdacht auf eine funktionelle Magen-Darm-Erkrankung erwecken und die Reizdarm-Diagnose so erleichtern.

Weiterhin sind Angaben zu Ihren Lebensumständen wichtig: Leben Sie in einer Partnerschaft und haben Sie Kinder? Welchen Beruf üben Sie aus? Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Rauchen Sie? Wie steht es mit Ihrem Alkoholkonsum? Leiden Sie unter Schlafstörungen? Haben Sie in letzter Zeit an Gewicht verloren oder zugenommen? Liegen Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten vor? Stehen Sie derzeit beruflich oder privat stark unter Stress?

Annäherung an die Diagnose

Aus den gegebenen Informationen versucht der Arzt dann, erste Hinweise zu bekommen. Durch konkrete Nachfragen zu einzelnen Punkten kreist er Ihren speziellen Fall ein und grenzt ihn damit nach und nach von anderen Ursachen ab. Bösartige Tumore in der Familiengeschichte des Patienten, Blutungen oder eine starke ungewollte Gewichtsabnahme könnten beispielsweise Anzeichen einer organischen Erkrankung sein, die unbedingt näher untersucht werden müssen.

Bei Frauen wird der Arzt auch die Möglichkeit einer gynäkologischen Ursache in Betracht ziehen und die Patientin gegebenenfalls zur weiteren Abklärung an einen Frauenarzt überweisen.

Ebenso muss der Mediziner die Beschwerden von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen - Morbus Crohn und Colitis ulcerosa - unterscheiden. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, die Bauchschmerzen und Durchfall verursachen. Bei Morbus Crohn wechseln sich entzündete und gesunde Bereiche im Darm ab, während bei Colitis ulcerosa der gesamte Dickdarm betroffen ist. Warum diese Krankheiten ausbrechen, ist noch unklar.

Auch Zöliakie, eine Überempfindlichkeit gegen das Eiweiß Gluten, das in vielen Getreidesorten vorkommt, kann ähnliche Symptome aufweisen und muss daher ausgeschlossen werden.

Gegebenenfalls werden Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten (zum Beispiel ein Laktosetoleranztest zum Aufdecken einer Laktoseintoleranz) oder Lebensmittelallergien durchgeführt.

Klinische Untersuchung

Nach der Anamnese, die Anhaltspunkte für das weitere Vorgehen geliefert hat, wird der Arzt Sie körperlich untersuchen. Dazu misst er Ihren Puls und Ihren Blutdruck, hört Ihr Herz und Ihre Lunge ab und betastet Ihren Bauchbereich. Außerdem nimmt Ihnen der Arzt Blut ab und wird Sie eventuell darum bitten, später eine Stuhlprobe einzureichen. Der Stuhl wird auf Blutspuren und - insbesondere bei Durchfall - auf Krankheitserreger untersucht.

Aus den Ergebnissen der jeweiligen Laboruntersuchungen kann er weitere Schlüsse ziehen. Sowohl im Blut als auch im Stuhl sind funktionelle Dyspepsie (Reizmagen) und Reizdarmsyndrom allerdings nicht nachweisbar - die Tests dienen nur dazu, andere Ursachen auszuschließen.

Ultraschall des Bauches

Wenn Ihre Beschwerden länger als vier Wochen andauern, wird der Arzt Ihnen voraussichtlich weitere Untersuchungsverfahren vorschlagen - angefangen mit einem Ultraschall Ihres Bauchraumes, der Abdomen-Sonografie. Mithilfe dieser Methode kann der Mediziner Veränderungen an den Organen erkennen, die etwa auf einen Tumor hinweisen.

Bei der völlig schmerzfreien Untersuchung liegen Sie auf dem Rücken, während der Arzt den Schallkopf bedient, der Bilder aus Ihrem Körper auf einen Bildschirm überträgt. Er bewegt den Schallkopf auf Ihrem Bauch hin und her, sodass er die Organe aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten kann. Der Vorgang dauert zwischen fünf Minuten und einer Viertelstunde.

Darmspiegelung

Abhängig von Ihren Beschwerden wird der Arzt eine Spiegelung des Dickdarms, die Koloskopie, erwägen.

Wie bei der Magenspiegelung gehen Sie dafür am besten zu einem Gastroenterologen, dem Facharzt für Innere Medizin. Dabei kommt auch hier ein flexibler Schlauch (Koloskop) zum Einsatz, der in diesem Fall durch den After in den Darm geschoben wird.

Mittels der Spiegelung kann der Mediziner Rückschlüsse auf Erkrankungen wie Darmpolypen, Darmkrebs oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ziehen. Indem er mit dem Koloskop Luft in den Darm bläst und dieser sich nachfolgend ausdehnt, kann der Arzt das Organ besser einsehen. Am Tag zuvor müssen Sie Ihren Darm mithilfe eines Abführmittels entleeren und zwei bis drei Liter Flüssigkeit trinken, um den Darm durchzuspülen. Danach dürfen Sie nichts mehr zu sich nehmen.

Die Spiegelung dauert insgesamt etwa 20 bis 30 Minuten. Da sie schmerzhaft sein kann, wird der Mediziner Sie fragen, ob sie ein Beruhigungsmittel oder eine Narkose haben möchten. Auch hier darf die TK nur unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für die Narkose übernehmen.

In der Regel wird Ihr Arzt die beschriebenen Verfahren nutzen, je nach Ermessen aber eventuell weitere Maßnahmen ergreifen – zum Beispiel eine Computertomografie des Bauchraums anordnen. Wichtig: Die körperlichen Untersuchungen verfolgen den vorrangigen Zweck, eine organische Erkrankung aufzudecken.

Die Diagnose

Wenn Ihr Arzt alle in Frage kommenden Organe ergebnislos auf andere Erkrankungen hin geprüft hat, steht die Diagnose funktionelle Magen-Darm-Erkrankung fest. Die dazu gehörenden Krankheitsbilder Reizmagen und Reizdarmsyndrom bieten außer ihren typischen Symptomen keine weiteren Anhaltspunkte, anhand derer sie sich beweisen ließen. Für Patienten ist es daher oft ein langer Weg, bis sie wissen, was ihnen fehlt.

Blick auf Ihr Leben - wie Sie sich selbst helfen können

Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist eine Heilung der funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen nicht möglich. Das Ziel der Therapie besteht vielmehr darin, dass Sie Ihre Beschwerden langfristig in den Griff bekommen und so wieder aktiver und unbeschwerter leben können.

Wenn der Arzt die Diagnose "Funktionelle Magen-Darm-Erkrankung“ stellt, sind einige Patienten zunächst froh, dass sie nicht unter einer lebensbedrohlichen Krankheit leiden und auch ihre Lebenserwartung nicht verkürzt ist. Für andere, die sich manchmal von ihrem Umfeld oder auch von Ärzten nicht ganz ernst genommen fühlen, ist es ein Fortschritt, überhaupt eine Diagnose zu erhalten. So werden sie nicht mehr als nervöser Charakter eingestuft, dessen Beschwerden von allein wieder abklingen.

Die Diagnose ist für diese Patienten daher ein erster Schritt, einen anderen Umgang mit der Krankheit zu finden: Magen-Darm-Probleme werden generell nur ungern thematisiert, auch für mehrmalige Toilettengänge schämen sich die Betroffenen. Die Tatsache, dass eine Erkrankung die Symptome auslöst, erleichtert es ihnen bisweilen, die Angelegenheit offener anzusprechen. Ihr Arzt wird Sie im Gespräch beraten, wie Ihnen am besten geholfen werden kann.

Da die Ursachen des Reizdarmsyndroms noch nicht zufriedenstellend geklärt sind, fällt es Medizinern allerdings schwer, geeignete Therapien zu entwickeln: Eine allgemeine Behandlungsmethode gibt es nicht. Dennoch steht fest, dass sich das Vorgehen nach den vorherrschenden Beschwerden richtet und längst nicht alle Patienten Medikamente benötigen.

Auseinandersetzung mit dem Alltag

Stress und psychische Belastungen könnten eine Ursache des Reizdarmsyndroms sein - oder die Beschwerden zumindest verstärken. Wenn es also darum geht, die Symptome zu lindern, ist eine intensive Auseinandersetzung mit Ihrem Alltag unvermeidbar.

Der Arzt wird Ihnen raten, Ihr Berufs- und Privatleben auf bestimmte Merkmale abzuklopfen: Welche Situationen und Umstände lösen bei Ihnen Stress oder Überforderung aus? Wie äußert sich das? Fühlen Sie sich von anderen zu stark beansprucht? Kennen Sie Wege, mit Ihrer Anspannung umzugehen? Vielleicht gelingt es Ihnen schon im Gespräch mit dem Arzt, gewisse Schwachstellen zu benennen.

Niemand ist in der Lage, Stress dauerhaft auszuweichen, aber ein bewusster Umgang mildert ihn zumindest ab. Daher ist es wichtig, eine persönliche Strategie zu entwickeln, wie Sie Nervosität und Überlastung künftig begegnen wollen.

Entspannung und Bewegung

Als guten Ausgleich empfinden viele Menschen Entspannungsübungen oder Stressbewältigungstrainings, etwa Autogenes Training, Hatha Yoga oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Diese und weitere Kursangebote finden Sie unter www.TK.de/gesundheitskurse oder in Sportvereinen und Volkshochschulen.

Im Rahmen der Übungen konzentrieren Sie sich ganz auf Ihren Körper und Ihre Atmung. Dadurch können Sie den Alltag für eine gewisse Zeit ausblenden. Um Anspannung abzubauen, powern sich andere dagegen lieber aus. Sportarten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen sind dazu besonders geeignet. Egal, für was Sie sich letztlich entscheiden: Bewegung ist ein Ventil für psychischen Druck und kann Sie bei der Stressbewältigung unterstützen. Als weiteren positiven Effekt regt sie die Verdauung an.

Ernährungsgewohnheiten auf dem Prüfstand

Nach der Diagnose besteht kein Anlass, Ihre Ernährung von heute auf morgen umzustellen. Denn Mediziner betonen: Es gibt keine spezielle Diät für Menschen mit Reizdarm.

Dennoch ist es lohnenswert, das eigene Essverhalten unter die Lupe zu nehmen. In dem Zusammenhang kann der Besuch einer Ernährungsberatung sinnvoll sein. Manche Patienten beobachten beispielsweise, dass sie offenbar bestimmte Lebensmittel nicht vertragen und sich ihre Beschwerden nach dem Verzehr verschlimmern.

Um einen Überblick zu erhalten, ist ein Ernährungsprotokoll nützlich: Hier können Sie eintragen, wann Sie welches Lebensmittel zu sich genommen und wie Sie sich danach gefühlt haben. Selbst wenn keine Symptome auftreten, sollten Sie das vermerken. So gewinnen Sie nach einiger Zeit einen Eindruck davon, welche Lebensmittel Sie in der Zukunft besser meiden.

Darüber hinaus empfehlen Experten, bei der Ernährung auf gewisse Aspekte zu achten: 

  • Nehmen Sie lieber mehrere kleine als wenige große Mahlzeiten zu sich, und verteilen Sie sie gleichmäßig auf den Tag.
  • Essen Sie langsam, nehmen Sie kleinere Bissen und kauen Sie bewusst. Bestenfalls konzentrieren Sie sich nur auf Ihre Mahlzeit und lassen sich dabei nicht ablenken (laufender Fernseher, lesen, nur einen Happen im Stehen essen und so weiter)
  • Trinken Sie ausreichend, rund eineinhalb Liter täglich. Sollten Sie an einer Herz- oder Nierenschwäche leiden, sprechen Sie zuvor mit Ihrem Arzt über die für Sie angemessene Trinkmenge.
  • Meiden Sie stark gewürzte Speisen, aber auch sehr süße, salzige, scharfe, fettige und zu heiße oder zu kalte Lebensmittel. All diese Maßnahmen - Sport, Entspannung, Anpassung der Essgewohnheiten, Stressabbau - können Ihre funktionelle- Magen-Darm-Erkrankung zwar nicht heilen, aber Ihre Beschwerden lindern. Es geht weniger um Verzicht als um den Versuch, Ihren Lebensstil zu ändern und dadurch Ihre Lage positiv zu beeinflussen.
  • Auf Alkohol, Koffein und Nikotin sollten Sie weitgehend verzichten: Diese Stoffe reizen die Magen- und Darmschleimhaut zusätzlich und können die Symptome verstärken.

Kritische Situationen vermeiden

Zu einem durchdachten Umgang mit der Krankheit gehört ebenso, dass Sie für sich passende Vorsichtsmaßnahmen treffen: Wenn Sie zu Durchfall neigen, suchen Sie in regelmäßigen Abständen eine Toilette auf.

Lassen Sie dies etwa zur Routine werden, bevor Sie das Haus verlassen. Erkundigen Sie sich in fremder Umgebung gleich danach, wo die nächste Toilette zu finden ist.

Bei Unverträglichkeiten von Lebensmitteln können Sie in Restaurants die Inhaltsstoffe eines Gerichts erfragen und um eine andere Zubereitung bitten. Leiden Sie unter Verstopfung, sollten Sie die Toilette dagegen nicht zu häufig aufsuchen, sondern nur dann, wenn Sie wirklich Stuhldrang verspüren.

Bei der medikamentösen Therapie des Reizdarmsyndroms orientieren sich Ärzte vorrangig an der Einteilung der Beschwerdetypen. Arzneien, die den Stuhl regulieren, werden bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms auch längerfristig eingesetzt. Medikamente sollten allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen erfolglos waren.

Reizdarmsyndrom - die Symptome medikamentös behandeln

Es kann sein, dass in Absprache mit dem Arzt verschiedene Arzneimittel getestet werden müssen, bis das im Einzelfall wirksame Medikament gefunden ist.

Typisches Symptom: Durchfall (Typ I: Diarrhoe dominant)

Für Patienten, die hauptsächlich von Durchfall betroffen sind, empfehlen Experten sogenannte Antidiarrhoika wie Loperamid. Das Mittel hemmt die Darmtätigkeit, sodass der Stuhl länger im Darm verbleibt und eingedickt wird.

Loperamid kann folgende Nebenwirkungen verursachen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Schwindel, Benommenheit, Mundtrockenheit und Darmverschluss.

Weiterhin sind bei diesem Typ des Reizdarmsyndroms trinkbare Quellmittel wirksam, genauer Ballaststoffpräparate aus Flohsamen. Flohsamen gehören zu den löslichen Ballaststoffen, die Wasser im Darm binden und so den Stuhl fester machen.

Laut Studien verbessern sie die Beschaffenheit des Stuhls und sorgen dafür, dass der Patient seltener die Toilette aufsuchen muss. Ferner mildern sie Beschwerden wie Blähungen und Schmerzen. Flohsamenpräparate können aufgrund ihrer stuhlregulierenden Eigenschaften sowohl bei Durchfall als auch bei Verstopfung eingesetzt werden.

Mögliche Nebenwirkungen der Flohsamenpräparate sind unter anderem krampfartige Magen-Darm-Beschwerden und Elektrolytverluste. Elektrolyte sind Mineralstoffe, die im menschlichen Körper lebenswichtige Aufgaben erfüllen - zum Beispiel Kalzium, Magnesium und Phosphat.

Typisches Symptom: Verstopfung (Typ II: Obstipation dominant)

Leiden Patienten hauptsächlich an Verstopfung, empfehlen Ärzte ebenfalls Flohsamen. Diese quellen im Darm stark auf, erhöhen den Druck und kurbeln somit den Weitertransport des verbliebenen Speisebreis in Richtung Ausgang an. Der Schleim, der in den Samenschalen enthalten ist, trägt ebenfalls zu einer erhöhten Gleitfähigkeit innerhalb des Darms bei.

Neben den bereits genannten Nebenwirkungen kann insbesondere eine höhere Dosierung Blähungen auslösen. Falls Ballaststoffe nicht helfen, sind Abführmittel der nächste Schritt. Sie können aber unerwünschte Begleiterscheinungen wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und eine Störung des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes mit sich bringen.

Typisches Symptom: Durchfall und Verstopfung (Typ III: Diarrhoe u. Obstipation im Wechsel)

Bei dieser Mischform zwischen Typ I und Typ II wird entsprechend dem gerade vorherrschen-den Symptom behandelt: Entweder mit Antidiarrhoika (Loperamid) beziehungsweise löslichen Ballaststoffen wie Flohsamen (Typ I) oder mit wasserlöslichen Ballaststoffen (Flohsamen) beziehungsweise Abführmitteln (Laxantien) entsprechend dem Typ II.

Typisches Symptom: Schmerzen (Typ IV: Meteorismus/Schmerz dominant)

Um die Schmerzen des Typ-IV-Patienten zu bekämpfen, hat der Arzt die Möglichkeit, krampflösende Medikamente, Spasmolytika, zum Beispiel den Wirkstoff Butylscopolamin, zu verordnen. Krampflösende Medikamente sollen die Spannung der Darmwand nach einer Mahlzeit verringern, die sich gegebenenfalls in krampfartigen Bauchschmerzen und Durchfall ausdrückt. Auf Spasmolytika können Patienten mit Hautreaktionen, Schwindel und Müdigkeit reagieren.

Pflanzliche Präparate

Der medizinische Nutzen von pflanzlichen Präparaten, etwa Pfefferminzöl (magensaftresistente Kapseln mit Pfefferminzöl), Kümmelöl oder Produkten mit Bauernsenf, ist nicht zweifelsfrei belegt. Dennoch können die Patienten laut Expertenmeinungen ausprobieren, ob die Mittel ihre Beschwerden abschwächen.

Kostenübernahme bei medikamentöser Behandlung

Die Kosten für eine medikamentöse Behandlung des Reizdarmsyndroms mit rezeptfreien Medikamenten dürfen bei Patienten ab dem Alter von zwölf Jahren nur im Einzelfall von der Techniker Krankenkasse übernommen werden. Bei diesen Medikamenten handelt es sich überwiegend um apothekenpflichtige Arzneimittel, die Sie ohne Rezept direkt in der Apotheke erwerben können.

Rezeptfreie Medikamente sind in der Regel vom Patienten selbst zu bezahlen. Sie können sich zuvor bei der TK informieren, ob die Kosten für Ihre medikamentöse Behandlung übernommen werden.

Eine Ausnahme bildet die Therapie mit Arzneimitteln der Phytotherapie, der Homöopathie und der Anthroposophie. Diese Kosten übernimmt die TK bei ärztlicher Verordnung auf Privatrezept grundsätzlich bis zu einem Höchstbetrag pro Versichertem in Höhe von 100 Euro im Kalenderjahr.

Die Erkrankung verstehen und akzeptieren

Menschen, die unter Verdauungsstörungen leiden, begleiten große Unsicherheit, Scham und vielleicht sogar Selbstzweifel: Sind meine Beschwerden nur Kopfsache? Bilde ich mir das alles nur ein? Gibt es tatsächlich keine organische Ursache für meine Schmerzen? Warum versteht mich niemand? Ärzte können die funktionellen Magen-Darm-Krankheiten nicht anhand eindeutiger Tests feststellen - das macht die Diagnose so schwierig und erklärt, warum manche Patienten viele Anläufe nehmen müssen, um entsprechende Hilfe zu erhalten.

Funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen haben dennoch eine Gemeinsamkeit: Sie verlaufen individuell. Menschen mit Reizmagen und Reizdarmsyndrom weisen eine Vielzahl von Symptomen auf, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sind und auf unterschiedliche Auslöser zurückgehen - kein Patient ist mit dem anderen vergleichbar, jeder Krankheitsverlauf spezifisch.

Eine korrekte Diagnose ist daher der erste und eigentlich wichtigste Schritt: Das diffuse Beschwerdebild bekommt dann endlich einen Namen und der Patient Gewissheit über seinen Zustand. Steht die Diagnose fest, können Arzt und Patient auch über geeignete Gegenmaßnahmen sprechen.

Da Sie sich auf eine längerfristige, ganzheitliche Therapie einstellen müssen, ist es wichtig, einen Arzt auszuwählen, der erfahren mit dieser Art Krankheitsbild ist und dem Sie vertrauen können. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arzt, um sich eingehend über die Erkrankung, Ursachen und Therapieansätze zu informieren.

Medikamente werden bei Patienten mit funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen hauptsächlich kurzfristig eingesetzt, um ihre Beschwerden zu lindern. Das Wichtigste ist jedoch, dass Sie sich eingehend mit sich selbst und Ihrem Alltag beschäftigen. So finden Sie mögliche Stressfaktoren und können Ihr Leben in gewissen Punkten umstellen und vor allem entschleunigen.

Das Krankheitsbild kann sich verändern, Therapien nicht anschlagen: Auch wenn die Diagnose steht, ist der weitere Behandlungsverlauf nicht immer eindeutig. In Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt gilt es, den für Sie richtigen Weg zu finden, Ihre Erkrankung zu akzeptieren, mit den Symptomen zurechtzukommen, um letztlich wieder zu mehr Lebensqualität zurückzufinden.

Nützliche Links und Adressen

Hier finden Sie Adressen und Links zum Thema Funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen:

  • Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.

Friedrich-List-Straße 13

35398 Gießen

Telefon: 06 41 - 9 74 81-0

Telefax: 06 41 - 9 74 81-18

E-Mail: geschaeftsstelle@gastro-liga.de

www.gastro-liga.de

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.

Godesberger Allee 18

53175 Bonn

Telefon: 02 28 - 37 76-600

Telefax: 02 28 - 37 76-800

E-Mail: webmaster@dge.dewww.dge.de

www.dge.de

  • Deutsche Reizdarmselbsthilfe e. V.

Postfach 70 02 18

60552 Frankfurt am Main

Telefon: 018 05 - 89 61 06

Telefax: 069 - 71 37 78 86

E-Mail: info@reizdarmselbsthilfe.de

www.reizdarmselbsthilfe.de

  • Selbsthilfe bei Reizdarm

Ralf Dieckmann

Austraße 18 a

25376 Krempdorf

Telefon: 0 48 24 - 33 21

E-Mail: raredie@t-online.de

www.selbsthilfe-bei-reizdarm.de

  • Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e. V.

Olivaer Platz 7

10707 Berlin

Telefon: 030 - 31 98 31 5000

Telefax: 030 - 31 98 31 5009
E-Mail: info@dgvs.de
www.dgvs.de