Nach dem Zeitpunkt des Auftretens unterscheidet man Frühgestosen, die bis zur 20. Schwangerschaftswoche auftreten, und Spätgestosen, die nach der 20. Schwangerschaftswoche vorkommen.

Am häufigsten ist die zu den Frühgestosen zählende Emesis gravidarum, das Schwangerschaftserbrechen. Sehr viel gefürchteter sind jedoch die Spätgestosen Präeklampsie, Eklampsie und das HELLP-Syndrom.

Wie häufig ist die wichtigste Frühgestose, das Schwangerschaftserbrechen?

In den ersten Wochen der Schwangerschaft leiden 50 bis 90 Prozent aller werdenden Mütter unter morgendlicher Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen. Überdurchschnittlich häufig tritt die Emesis gravidarum bei Erstgebärenden und Mehrlingsschwangerschaften auf.

Das Schwangerschaftserbrechen ist zwar lästig, aber meist harmlos und muss im Allgemeinen nicht behandelt werden. Zwischen der neunten und der zwölften Schwangerschaftswoche verschwindet die Übelkeit in der Regel wieder.

Gefährlich wird es, wenn die Emesis gravidarum in eine Hyperemesis gravidarum übergeht. Die Schwangeren erbrechen dann bis zu zehn Mal am Tag. Wegen des Flüssigkeits- und Salzverlustes kann ein Krankenhausaufenthalt nötig sein. Insgesamt ist die Hyperemesis gravidarum aber eher selten.

Was versteht man unter den Spätgestosen Präeklampsie und Eklampsie?

Die Spätgestosen Präeklampsie, Eklampsie und das HELLP-Syndrom wurden früher auch unter dem Begriff EPH-Gestosen zusammengefasst. Diese Bezeichnung orientiert sich an den charakteristischen Symptomen: 

  • E: Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe)
  • P: Proteinurie (vermehrte Ausscheidung von Eiweißen im Urin, genauer: Die Schwangere scheidet mehr als 300 Milligramm Eiweiß pro Tag aus)
  • H: Hypertonie (Bluthochdruck: Der systolische Blutdruck, also der erste Messwert, beträgt bei mehrfacher Messung in Ruhe 140 Millimeter Quecksilbersäule (mm/Hg) oder mehr und/oder der diastolische Blutdruck, der zweite Messwert, liegt bei oder über 90 mmHg)

Präeklampsie

Aus der Definition der Präeklampsie wurden die Ödeme mittlerweile herausgenommen, da Wassereinlagerungen im Gewebe auch bei normalen Schwangerschaften auftreten und es schwere Präeklampsien völlig ohne Ödembildung gibt.

Laut der gängigen Definition handelt es sich bei der Präeklampsie um eine Spätgestose mit Bluthochdruck und Proteinurie, die von zusätzlichen Beschwerden wie Übelkeit und Schwindel begleitet sein kann und das Potenzial besitzt, in eine lebensbedrohliche Eklampsie (siehe unten) überzugehen.

Etwa drei bis fünf Prozent aller Schwangeren leiden unter einer Präeklampsie. Besonders häufig betroffen sind Erstgebärende und Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften. Meist tritt die Krankheit im letzten Schwangerschaftsdrittel auf, vor der 20. Schwangerschaftswoche kommt sie praktisch nie vor. Der Verlauf reicht von einem leichten Bluthochdruck bis hin zum Vollbild der Eklampsie.

Das Wiederholungsrisiko für Präeklampsie nach einer vorangegangenen Präeklampsie liegt bei 11,5 - 27 Prozent, im Mittel bei 14 - 16 Prozent, nach zwei vorangegangenen Präeklampsien bei 32 Prozent.

Eklampsie

Diese schwerste Form der Spätgestose ist definiert durch das Auftreten von Krämpfen, die bis zu 48 Stunden nach der Geburt auftreten können, und/oder tiefer Bewusstlosigkeit (Koma). Sie kann, sofern sie nicht sofort intensivmedizinisch behandelt wird, zum Tod von Mutter und Kind führen. Dank der verbesserten Vorsorgeuntersuchungen sind Eklampsien mittlerweile selten geworden.

Nach einer Eklampsie besteht ein Wiederholungsrisiko für eine Eklampsie in der Folgeschwangerschaft von zwei - 16 Prozent und für eine Präeklampsie von 22 - 35 Prozent.

Welche Ursachen haben die Spätgestosen?

Warum sich eine Präeklampsie entwickelt, ist nach wie vor nicht geklärt. Gefunden wurden Veränderungen der Blutzirkulation im Mutterkuchen (Plazenta). Dabei scheinen Erbfaktoren und Stoffwechselstörungen der Schwangeren eine Rolle zu spielen. Neueren Erkenntnissen zufolge, könnten Störungen in Zellen der Blutgefäße von Bedeutung sein. Es entsteht ein Bluthochdruck der Schwangeren.

Umgekehrt kann ein chronischer Bluthochdruck der Mutter selbst eine Mangeldurchblutung des Mutterkuchens auslösen. Man nimmt an, dass sich beide Mechanismen gegenseitig verstärken. Bluthochdruck und Gefäßschäden beeinträchtigen auch die Funktion der Niere, die vermehrt Proteine (Eiweiße) im Urin ausscheidet. Das Vollbild der Eklampsie entwickelt sich aus einer nicht oder zu spät behandelten Präeklampsie.

Wie verschiedene Studien gezeigt haben, begünstigen einige Umstände die Entstehung einer Präeklampsie. Zu den Risikofaktoren gehören beispielsweise: 

  • Bereits bestehender chronischer Bluthochdruck oder eine chronische Nierenerkrankung. Dann spricht man von einer Pfropfgestose, weil sie sich auf ein bereits vorhandenes Leiden aufpfropft.
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Starkes Übergewicht vor der Schwangerschaft
  • Schwangerschaftsalter über 40 Jahre
  • Präeklampsie in einer vorangegangenen Schwangerschaft
  • Präeklampsie bei Verwandten wie Mutter oder Schwester (familiäre Belastung)
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Erste Geburt

Welche Beschwerden bereitet die Präeklampsie?

Zu den möglichen Symptomen zählen zum Beispiel Schwindel, Kopfschmerzen, Ohrensausen und Herzklopfen. Erste Hinweise auf Ödeme können geschwollene Beine (vor allem an den Knöcheln) und eine übermäßige Gewichtszunahme sein.

Im fortgeschrittenen Stadium werden die Krankheitszeichen deutlicher. Am Übergang zur Eklampsie leiden die Betroffenen dann eventuell auch unter Sehstörungen wie Flimmern vor den Augen, Müdigkeit bis hin zur Benommenheit, Übelkeit und Schmerzen in der Bauchregion. Die relativ unauffällige Symptomatik am Beginn der Erkrankung birgt die Gefahr, dass eine Präeklampsie übersehen wird. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft sehr wichtig.

Welche Gefahren drohen bei Spätgestosen?

Die veränderte Blutzirkulation des Mutterkuchens kann zu einer Unterversorgung des Ungeborenen mit nähr- und sauerstoffreichem Blut führen. Es können Wachstumsstörungen oder eine Frühgeburt folgen. Seltener kommt es zu einer vorzeitigen Plazentalösung, die je nach Ausprägung zum Tod des Kindes im Mutterleib führen kann.

Diese schwere Form der Spätgestose ist auch für die Mutter ein lebensbedrohliches Krankheitsbild. Die Sterblichkeit der Schwangeren liegt bei zwei bis fünf Prozent. Selbst bei sofortiger Entbindung sterben bis zu 20 Prozent der Neugeborenen. Dank Vorsorgeuntersuchungen bei Schwangeren werden Präeklampsien heute meist früh diagnostiziert, was dazu beiträgt, dass Eklampsien selten geworden sind.

Wie wird die Präeklampsie diagnostiziert?

Die Diagnose Präeklampsie beruht auf drei Untersuchungen, die fester Bestandteil jeder Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung sind: 

Blutdruckmessung: Laut Definition spricht man von einer Hypertonie, wenn der Blutdruck bei 140/90 mmHg oder darüber liegt oder wenn im Vergleich zu den vorherigen Untersuchungen der erste Wert (systolischer Wert) um mehr als 30 mmHg und der zweite (diastolischer Wert) um mehr als 15 mmHg angestiegen ist.

Harnuntersuchung: Diese dient dem Nachweis von Eiweiß im Urin (Proteinurie). Gibt es im Schnelltest mit Einführen eines Teststreifens in eine Urinprobe der Schwangeren Hinweise auf eine vermehrte Eiweißausscheidung, wird der Urin über 24 Stunden gesammelt und dann der Eiweißgehalt gemessen.

Gewichtsmessung, Untersuchung der Beine: Einlagerungen von Wasser im Gewebe machen sich durch rasche und übermäßige Gewichtszunahme bemerkbar. Besonders gut lassen sich Ödeme an Füßen und Beinen als teigige Schwellung erkennen. 

Weitere mögliche Maßnahmen sind unter anderem Blutuntersuchungen wie Blutbild, Prüfung der Blutgerinnung, Leber- und Nierenwerte sowie Elektrolyte (Salze), um Komplikationen und Organschäden zu erkennen. Mit der Doppler-Sonografie, einer speziellen Ultraschalluntersuchung, lässt sich der Blutfluss in der Plazenta überprüfen.

Wie werden die Spätgestosen behandelt?

Die Behandlungsmethode richtet sich nach der Schwere und dem Zeitpunkt des Auftretens der Erkrankung. Oft muss die Schwangere ins Krankenhaus, da jede Präeklampsie rasch in eine lebensgefährliche Eklampsie übergehen kann.

In der Klinik werden engmaschig Blutdruck, Eiweißausscheidung im Urin und Gewicht gemessen und es wird geprüft, ob sich das Kind normal entwickelt.

Die einzige ursächliche Therapie der Präeklampsie ist die Entbindung. Unter Umständen wird zuvor versucht, den Blutdruck mit Medikamenten zu senken.

Was ist das HELLP-Syndrom?

Das 1982 erstmals beschriebene HELLP-Syndrom ist eine schwere Form der Spätgestose mit meist sehr hohem Blutdruck, das durch Leberfunktionsstörungen zusätzlich kompliziert wird. Hinzu kommen massive Beeinträchtigungen der Blutgerinnung, die zu Ausfällen der verschiedensten Organe führen können. Die Betroffen klagen über Übelkeit, Erbrechen und starke Schmerzen im Bereich der Leber.

  • Die Diagnose stellt der Arzt mittels Blutuntersuchung anhand der Hauptsymptome, die der Krankheit auch den Namen geben: 
  • Hämolyse (H): Zerfall der roten Blutkörperchen
  • Elevated Liver Enzymes (EL): erhöhte Leberwerte

Low platelet count (LP): niedrige Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten)  

Das HELLP-Syndrom ist lebensgefährlich und muss im Krankenhaus behandelt werden. Abhängig von Faktoren wie Schwangerschaftswoche oder Komplikationen kann eine sofortige Entbindung infrage kommen. Aber auch eine Therapie mit Blutdrucksenkung und Behandlung der Gerinnungsstörungen, die die Schwangerschaft sozusagen fortsetzt, ist unter genauer medizinischer Beobachtung möglich.

Das Wiederholungsrisiko für das Auftreten eines HELLP-Syndroms nach vorausgegangenem HELLP-Syndrom beträgt in Deutschland 12,8 Prozent. 

Was kann man zur Vorbeugung tun?

Einer Spätgestose ist am besten vorzubeugen, indem Schwangere regelmäßig zu den im Mutter-Kind-Pass empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen gehen.

Werdende Mütter, die bereits in einer vorherigen Schwangerschaft unter einer Gestose gelitten haben, sollten das ihrem Gynäkologen mitteilen, da das Risiko für eine weitere Gestose erhöht ist.

Seit Kurzem gibt es zudem Bluttests, die bestimmte Marker messen. Anhand der Ergebnisse sollen sich Schwangere mit einem Risiko für eine Präeklampsie erkennen lassen. Erste Ergebnisse sind offenbar vielversprechend. Die einschlägigen medizinischen Fachgesellschaften empfehlen derartige Tests bislang jedoch (noch) nicht als Routineuntersuchung.