Pflanzliche Arzneimittel: Helfen Johanniskraut & Co. bei Depressionen?
Depressive Phasen gehören zum Leben vieler Menschen dazu. Pflanzliche Mittel wie Johanniskraut gelten dabei als vielversprechend und zugleich als sanfte Alternative, um die psychische Gesundheit zu stärken. Aber was sagt die Wissenschaft? Und für wen ist diese Form der Behandlung überhaupt geeignet?
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Alice von Berg, Dres. Schlegel + Schmidt Medizinische Kommunikation GmbH16 bis 20 Prozent der Bevölkerung erleben mindestens einmal im Leben eine Depression . Weltweit sind das etwa 280 Millionen Menschen. Viele Betroffene wünschen sich dabei eine möglichst natürliche Behandlung anstatt synthetischer Antidepressiva. Hier können pflanzliche Mittel eine erste Möglichkeit sein, Depressionen zu behandeln. Was sind pflanzliche Arzneimittel mit antidepressiver Wirkung?Bestimmte pflanzliche oder sonstige natürliche Mittel, denen stimmungsaufhellende Effekte zugeschrieben werden, können zur Behandlung depressiver Verstimmungen oder bei Angstzuständen eingesetzt werden. Dazu zählen etwa:Johanniskraut (Hypericum perforatum) - ein bekanntes pflanzliches Antidepressivum zur StimmungsaufhellungBaldrian (Valeriana officinalis) - bekannt als Beruhigungsmittel sowie Schlafhilfe und seit über 1.000 Jahren fester Bestandteil der traditionellen PflanzenheilkundeLavendel (Lavandula angustifolia) - wirkt beruhigend, stressreduzierend und wird zudem bei Angststörungen eingesetztPassionsblume (Passiflora incarnata) - pflanzliches Mittel mit angstlösender und entspannender WirkungInsgesamt werden diese Mittel - mit Ausnahme von Johanniskraut - also eher bei begleitenden Symptomen depressiver Episoden wie Unruhe, Angst oder Schlafproblemen eingesetzt.Diese pflanzlichen Arzneimittel gelten damit als natürliche Alternativen zu synthetischen Antidepressiva. Natürlich bedeutet jedoch nicht automatisch ungefährlich. Auch pflanzliche Präparate können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben.Wirksamkeit pflanzlicher StimmungsaufhellerDie Wirksamkeit von pflanzlichen Medikamenten als Therapieoption bei psychischen Erkrankungen ist weniger gut erforscht als schulmedizinische Therapieoptionen. Johanniskraut ist dabei das am besten untersuchte pflanzliche Mittel für die alternative Behandlung von Depressionen: Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Johanniskraut vermutlich ähnlich gut bei leichten bis mittelschweren Depressionen wirkt wie synthetische Antidepressiva.Einige Studien deuten zudem darauf hin, dass Johanniskraut weniger Nebenwirkungen hat als Antidepressiva. Allerdings sind die meisten Untersuchungen dazu nicht sehr aussagekräftig. Unklar ist, ob Johanniskraut bei längerer Anwendung wirksam bleibt oder Rückfälle verhindern kann.Anders sieht es bei anderen pflanzlichen Mitteln aus. Viele dieser Präparate wie etwa Lavendel oder Baldrian wurden eher bei Angst und Unruhe oder als Schlafhilfe untersucht, nicht primär als Antidepressivum. Die Grenzen natürlicher Mittel mit antidepressiver Wirkung liegen also auch darin, dass außer Johanniskraut kaum eine ausreichende Evidenz für eine klare antidepressive Wirkung vorliegt. Einige Mittel zeigen in Einzelfallberichten oder kleinen Studien positive Effekte, aber es fehlen größere und aussagekräftige Untersuchungen.Für wen sind natürliche Mittel geeignet?Natürliche Antidepressiva kommen vor allem für Personen mit leichter bis mittelschwerer Depression in Betracht. So kann insbesondere ein Johanniskrautpräparat als erster Behandlungsversuch infrage kommen. Wichtig ist dabei, ein als Arzneimittel zugelassenes Präparat in ausreichender Dosierung zu verwenden und die Behandlung ärztlich zu begleiten. Tatsächlich sind hochdosierte Johanniskrautextrakte für mittelschwere Depression in Deutschland verschreibungspflichtig. Wenn Sie eine solche Alternative bevorzugen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob ein entsprechendes Präparat für Sie geeignet ist.Auch Ihre individuelle Situation spielt eine Rolle: Wenn Sie bereits andere Medikamente einnehmen, sollten Sie bei Johanniskraut besonders vorsichtig sein. Hier kann es nämlich zu vielen Wechselwirkungen kommen, wodurch eine Einnahme unter Umständen ausgeschlossen sein kann.
Schwere DepressionenGenerell gilt: Je schwerer die Depression ist, desto weniger reicht eine Medikation mit pflanzlichen Mitteln aus. Wenn eine Depression sehr belastend wird oder Suizidgedanken auftreten, sind pflanzliche Mittel nicht mehr ausreichend. In dieser Situation ist schnelle professionelle Hilfe wichtig - Sie sind damit nicht allein.
Johanniskraut im ÜberblickWirkungJohanniskraut enthält unter anderem den Wirkstoff Hyperforin. Er beeinflusst wichtige Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Dadurch können die Stimmung stabilisiert und depressive Symptome gemildert werden. Die Wirkung tritt meist erst nach wenigen Wochen ein, wie es auch bei herkömmlichen Antidepressiva die Regel ist.Risiken und NebenwirkungenJohanniskraut gilt im Allgemeinen als gut verträglich. Dennoch können auch bei Johanniskraut Nebenwirkungen auftreten:Haut- und Lichtempfindlichkeit: Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht (Phototoxizität) ist bekannt; unter Johanniskraut kann es z. B. bei empfindlichen Personen zu Hautrötungen oder Sonnenbrand kommen.Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Bauchschmerzen oder andere gastrointestinale Beschwerden wurden berichtet.Müdigkeit und Unruhe: Einige Betroffene fühlen sich abgeschlagen, andere eher nervös oder unruhig.Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen sind allergische Hautreaktionen möglich.Daher gilt: Egal ob Sie rezeptfreie oder verschreibungspflichtige Johanniskrautpräparate nutzen, halten Sie immer ärztliche Rücksprache.WechselwirkungenEine Besonderheit von Johanniskraut ist sein hohes Potenzial für Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Beispiele für häufige Wechselwirkungen sind:AntidepressivaMedikamente gegen hohe BlutfettwerteBlutverdünnerMedikamente gegen EpilepsieEinige Arzneistoffe zur Chemotherapie bei KrebsArzneimittel gegen Viren, die bei Lebererkrankungen eingesetzt werden Antibabypille : Wenn Sie die Pille nehmen, sollten Sie zusätzliche Verhütungsmittel nutzen.Wann reicht eine Behandlung mit einem pflanzlichen Mittel nicht mehr aus?Pflanzliche Mittel allein reichen für die Behandlung von Depressionen häufig nicht aus. Wenn Symptome wie starke Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Suizidgedanken auftreten, ist professionelle Hilfe dringend notwendig.Warnsignale, die Sie ernst nehmen sollten:Anhaltend gedrückte Stimmung über mehr als 2 WochenVerlust von Interesse und Freude an fast allen AktivitätenRückzug, Erschöpfung, SchuldgefühleGedanken an den Tod oder SelbstmordBitte suchen Sie bei solchen Anzeichen schnellstmöglich ärztlichen Rat. Erste Anlaufstellen können Hausärztinnen, Psychiater oder psychosoziale Beratungsstellen sein. Eine depressive Erkrankung sollte immer ernst genommen werden. Als erste Ansprechperson ist Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt für Sie da.Depression - was hilft noch?Ein gesunder Lebensstil kann eine wertvolle Unterstützung sein - unabhängig von einer medikamentösen oder pflanzlichen Behandlung:Bewegung: Mit regelmäßiger körperlicher Aktivität können Sie Ihr Stresslevel senken und Ihre Stimmung verbessern. Wer auf Gruppenaktivitäten setzt, profitiert auch vom sozialen Miteinander.Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Omega-3-Fettsäuren und wenig Zucker kann das emotionale Gleichgewicht stärken.Tageslicht: Besonders in den Wintermonaten kann Lichttherapie helfen, depressive Verstimmungen zu lindern. Auch regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft sind sinnvoll.Soziale Kontakte: Sprechen Sie mit Menschen, denen Sie vertrauen, offen über Ihre Gefühle. Der Austausch kann entlasten und neue Perspektiven für Sie eröffnen.Wenn Sie diese Tipps in Ihren Alltag einbauen, können Sie Depressionen vorbeugen oder den Heilungsverlauf und die Wirksamkeit anderer Therapien positiv unterstützen.Achtsamkeit und ergänzende TherapieangeboteNeben (natürlichen) Antidepressiva und Änderungen des Lebensstils gibt es zudem weitere therapeutische Ansätze, die insbesondere achtsamkeitsbasierte Verfahren und Entspannungstechniken sowie kreative und soziale Angebote beinhalten. Solche Maßnahmen können die klassische Therapie unterstützen und helfen Betroffenen, selbst aktiv zur Besserung beizutragen.Achtsamkeit und MeditationAchtsamkeit bedeutet, den Moment bewusst und nicht wertend wahrzunehmen. In den letzten Jahren wurden achtsamkeitsbasierte Therapien wie die Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT) speziell für Depression entwickelt. Studien zeigen, dass achtsamkeitsbasierte Übungen und Meditation verschiedene positive psychische Effekte haben: Sie steigern das Wohlbefinden, reduzieren Grübeln und können Angst- sowie Depressionssymptome mäßig verbessern. Achtsamkeit wirkt allerdings eher unterstützend und vorbeugend, weniger als alleinige Akuttherapie.EntspannungstechnikenEntspannungsübungen sind ein weiterer Baustein, der ergänzend sehr empfehlenswert ist. Verfahren wie die Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Yoga oder Atemübungen können körperliche Unruhezustände mindern und zu innerer Ruhe beitragen.Finden Sie heraus, welche Technik für Sie geeignet ist und womit Sie selbst Stress abbauen können. Sie merken schnell, was zu Ihnen passt.Soziale und kreative AnsätzeSelbsthilfe- oder psychoedukative Gruppen können Depressionserkrankten das Gefühl geben, nicht allein zu sein. Dort tauscht man sich mit anderen Betroffenen aus, was Hoffnung geben und praktische Tipps liefern kann. Auch Angehörigengruppen existieren, da das Umfeld oft ebenfalls Unterstützung braucht.Musik- und Kunsttherapie (zum Beispiel Malen, Tagebuchschreiben, Musikmachen) sind ebenfalls Angebote, die vielen Menschen helfen, Gefühlen Ausdruck zu verleihen und Selbstvertrauen zurückzugewinnen.Unterstützungsangebote der TKBei der TK finden Sie zahlreiche kostenfreie Angebote, die Ihre mentale Gesundheit fördern können. Diese Angebote können Sie auf Ihrem Weg zu innerer Balance unterstützen:TK-Coach (App) - das smarte Komplettpaket für ein besseres WohlbefindenDer TK-Coach begleitet Sie mit geprüften Übungen für Fitness und Entspannung sowie mit alltagstauglichen Rezepten. Sie erhalten einen persönlichen Plan, der sich an Ihrer Situation und Ihren Zielen orientiert. Dazu gibt es praktische Tipps, wie Sie motiviert bleiben, und Empfehlungen für eine Ernährung, die zu Ihnen passt.Mehr dazu erfahren Sie hier: Der TK-Coach im Überblick .TK-Online-Kurse und Downloads zu Achtsamkeit & Meditation Achtsamkeit ist mehr als ein kurzer Trend: Sie lädt dazu ein, den Moment bewusst wahrzunehmen. Sie können lernen, Körper und Geist achtsam zu spüren und gelassener mit Stress umzugehen.Bringen Sie Achtsamkeit und Meditation in Ihren Alltag und erfahren Sie mehr über das kostenlose Angebot der Techniker.
Natürlich - aber mit ärztlicher BegleitungNatürliche Antidepressiva wie Johanniskraut können eine sinnvolle Ergänzung bei depressiven Verstimmungen sein. Erkundigen Sie sich immer bei Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt, ob eine Einnahme für Sie sinnvoll ist und ob es mögliche Wechselwirkungen geben kann.
Anheyer, D. et al: Phytotherapeutika in der psychiatrischen Behandlung. Zeitschrift für Phytotherapie 2021/41 (6), S. 279-5.Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depressionen. Stand: 29.09.2022. URL: https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-005l_S3_Unipolare-Depression_2023-07.pdf (abgerufen am: 18.09.2025).Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depressionen. Patientenblatt: Depression - Hilft Johanniskraut gegen Depression? Stand: 29.09.2022. URL: https://register.awmf.org/assets/guidelines/Nationale_Versorgungs-Leitlinie/nvl-005p13-johanniskraut_S3_Unipolare_Depression_2022-10.pdf (abgerufen am: 17.09.2025).Charité - Universitätsmedizin Berlin - Embryotox: Johanniskraut, o. J. URL: https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/ansicht/medikament/johanniskraut (abgerufen am: 18.09.2025).Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) - gesundheitsinformationen.de: Kann Johanniskraut bei Depressionen helfen? URL: https://www.gesundheitsinformation.de/kann-johanniskraut-bei-depressionen-helfen.html (abgerufen am: 17.09.2025).
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