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Volleyball - wie jeden Dienstag. Dass dieses Training aber nicht wie jedes andere ablaufen wird, ahnt Alex nicht. Er fühlt sich gut. Das Training beginnt. Nach dem Aufwärmen folgt das Einschlagen. Die Spieler stellen sich hintereinander auf und schmettern nacheinander den Ball über das Netz. Alex läuft an, springt ab und schlägt den Ball auf die andere Spielfeldhälfte. Er landet, läuft unter dem Netz durch, um seinen Ball wiederzuholen. Doch anstatt den Ball zu greifen, legt er sich einfach auf den Hallenboden. Der nächste Spieler ist an der Reihe. Auch er läuft an, springt ab und schmettert den Ball. Der Ball schlägt neben Alex‘ Gesicht auf. Er reagiert nicht.

Das ist der Moment, in dem Alexanders Team ahnt: Etwas stimmt nicht. Zwei Mitspieler, ein Physiotherapeut und ein Polizist, reagieren geistesgegenwärtig. Sie laufen zu Alex, greifen seinen Arm, suchen seinen Puls. Erfolglos. Alex‘ Herz hat aufgehört zu schlagen. Die beiden Mannschaftskameraden beginnen, Alex zu reanimieren. Mitspieler rufen den Notarzt. In Alex‘ Blutkreislauf bilden sich Gerinnsel. Sie verschließen Blutgefäße in seinem Gehirn.

In der Sporthalle und im Krankenwagen: Insgesamt 50 Minuten lang wird Alex reanimiert. Im Krankenhaus versetzen ihn die Ärzte in ein künstliches Koma. Diagnose: Herzinfarkt und Schlaganfall mit Hirnblutung. Sie vermuten, dass er eine Erkältung verschleppt hat und sich sein Herzmuskel entzündet hat. Als Alex nach zwei Tagen aus dem künstlichen Koma geholt wird, ist sein Vater dabei. Er hat Angst. Wird sein Sohn ein Pflegefall sein? Alex wacht auf, ist desorientiert. Wo bin ich? Was ist passiert? Immer wieder stellt er die gleichen Fragen, weil er die Antworten nach kurzer Zeit wieder vergisst. „Volleyballtraining, zusammengebrochen, 50 Minuten reanimiert“ – ein Pfleger hängt ein Schild an das Bett, damit Alex nicht immer wieder nachfragen muss.

Volleyballtraining, zusammengebrochen, 50 Minuten reanimiert

„An diesen Zettel kann ich mich erinnern“, erzählt Alex zwei Jahre später, „ansonsten setzt meine Erinnerung etwa eine Woche nach dem Unfall wieder ein.“ Auch seine Orientierung wird langsam besser, die Gedanken werden klarer. Es wird schnell deutlich: Alex hat dank der gut ausgeführten Reanimation seiner Mitspieler keine geistigen Schäden erlitten. Doch seine Beine kann er nicht bewegen.

Eine folgenschwerere MRT

Nach 14 Tagen auf der Intensivstation beginnt die stationäre Rehabilitation. Wochenlang liegt Alex nur auf dem Rücken und wird von Therapeuten bewegt. Er muss wieder lernen zu fühlen, muss Bewegungsabläufe üben. Sein Körper hat viele Muskeln abgebaut. Als er trotz Therapie keine Fortschritte macht, wird der Chefarzt stutzig. Alex kann seine Beine nicht bewegen, dafür aber die Hände. Auch hat er keine Probleme zu sprechen oder zu schlucken. Sehr untypisch für einen Schlaganfall. Der Arzt schickt ihn in die Magnetresonanztomographie (MRT). Diese kann auch Verletzungen im Gewebe und den Organen darstellen. Die Diagnose: inkomplette Querschnittslähmung. Durch den Herzinfarkt wurden auch Nervenbahnen beschädigt.

„Querschnitt – das hört sich hart an. Ich dachte, ich kann nie wieder laufen“, sagt Alex, „da habe ich schon ein paar Tränen verdrückt.“ Die Verzweiflung hält nicht lange an. Aus Frust wird Ehrgeiz. Alex macht plötzlich doch kleine Fortschritte. „Es gibt sogar ein Video von dem Moment, in dem ich das erste Mal mein Bein bewusst bewegen konnte. Ich sitze auf dem Bett, die Beine hängen runter. Dann schaffe ich es, mein rechtes Bein auf das Bett zu heben. Zwar ganz schief, aber ohne Hände“, erinnert er sich.

Er fängt an, mit einem Rollator zu laufen. Bald kann er mit stützenden Schienen, sogenannten Orthesen, erste Schritte machen. Nach sechs Monaten stationärer Reha beginnt die sechswöchige ambulante Reha: Physiotherapie, Ergotherapie, Krafttraining. Die entscheidenden Fortschritte wird er aber bei einer anderen Therapie machen – in einer kleinen, unscheinbaren Stadt an der Ruhr mehr als anderthalb Jahre nach dem schicksalhaften Volleyballtraining.

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Moderne Robotik im Ruhrpott

Dezember 2016 in Herdecke – einer ruhigen Gemeinde mit etwa 20.000 Einwohnern. Man kann sich kaum vorstellen, dass es an diesem Ort eines der modernsten Therapiezentren Deutschlands gibt. Am Stadtrand auf einem Hügel liegt das Ambulanticum. Hier kämpfen sich Patienten, die eigentlich schon als austherapiert gelten, ins Leben zurück.

Mehr Informationen über das einmalige Behandlungskonzept im Ambulanticum:

Dass ein „Es tut mir leid, wir können nichts mehr für Sie tun“ kein endgültiges Urteil sein muss, ist nicht nur die Meinung der hiesigen Therapeuten. Ambulanticum-Gründer Dr. Bernd Krahl weiß das aus eigener Erfahrung. Nach zwei Schlaganfällen im Alter von 60 Jahren teilten ihm seine Ärzte mit, dass er sich auf ein Leben in Rollstuhl und Krankenbett einstellen solle. „Ich war ein Klumpen Fleisch, der weder sprechen, schlucken noch sich bewegen konnte“, erzählt der heute 69-Jährige. Doch damit wollte sich der Zahnarzt nicht abfinden und hat nach weiteren Therapiemöglichkeiten im Ausland gesucht. In der Schweiz stand Dr. Bernd Krahl mithilfe eines Gangroboters das erste Mal wieder auf seinen eigenen Beinen, die durch die Maschine bewegt wurden: „Ich schaute an mir herunter und dachte: ‚Donnerwetter, das sind deine eigenen Beine, die da laufen!‘ Sie können sich nicht vorstellen, was das für ein Gefühl war.“

"Mein Ziel ist, wieder normal laufen zu können."

Im Dezember 2016 absolvierte Alex seine erste Intensivtherapie im Ambulanticum. 

Was er geschafft habe, können doch auch andere Schlaganfallpatienten erreichen, dachte sich Bernd Krahl – die Idee für ein ambulantes, interdisziplinäres Therapiezentrum, war geboren. Seit März 2012 werden im Ambulanticum Patienten mit schwersten Schädel-Hirn-Verletzungen, nach einem Schlaganfall, mit einer Querschnittslähmung oder mit spastischer Cerebralparese behandelt. Das Konzept: moderne Therapie – kombiniert mit bewährten Behandlungsmethoden wie zum Beispiel aus der Ergo- und der Physiotherapie. „Wir sind die einzige Therapieeinrichtung, die so gebündelt robotik- und gerätegestützte Therapien anbietet“, sagt Marion Schrimpf, Geschäftsführerin und Lebensgefährtin von Bernd Krahl.

Und von diesem Konzept profitiert auch Alex. Im Dezember 2016 absolviert er seine erste Intensivtherapie im Ambulanticum. Vier bis fünf Stunden täglich trainiert er hier. Auf seinem Plan stehen Physio-, Ergo- und Sporttherapie – alles findet vor Ort statt. Seine Therapeuten können sich jederzeit austauschen, sodass sich die einzelnen Therapieeinheiten ergänzen und nicht konterkarieren. Auch die Übungen mit den modernen Robotern sind ein Grund, warum Alex so viele Fortschritte macht.

Mit dem Gangroboter laufen lernen

Einfach einen Fuß vor den anderen setzen – für gesunde Menschen ist das kein Problem. Für Alex und andere Schlaganfallpatienten ist das eine große Herausforderung. Das Gehirn muss die verloren gegangenen Bewegungsstrukturen erst wieder neu lernen. Je öfter der Patient die Übung wiederholt, desto besser lernt das Gehirn. Das Problem: Meist sind die Muskeln nicht stark genug, um viele Wiederholungen zu schaffen. Während seiner ersten Reha haben Therapeuten Alex dabei unterstützt, ihn gehalten, seine Beine für ihn geführt. „Der Erste, der dabei müde wird, ist allerdings der Therapeut“, erklärt Peter Meisterjahn, therapeutischer Leiter im Ambulanticum. „Mit dem Gangroboter hingegen kann der Patient je nach Geschwindigkeit, hunderte von gleichmäßigen Schritten hintereinander machen. Das ist der entscheidende Vorteil.“

Und wie funktioniert das Gerät genau? Elektrische Führungshilfen bewegen die Beine, während der Körper von einem Gurt gehalten wird. „Wir können den Roboter individuell den Fähigkeiten und Kräften des Patienten anpassen. Es ist möglich, die Geschwindigkeit, die Führungskraft des Motors und die Gewichtsentlastung zu regulieren“, so der Therapeut.

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Seit Mai 2017 läuft Alex‘ zweite Intensivtherapie im Ambulanticum. Seine Fortschritte werden immer offensichtlicher. Mittlerweile läuft er schon Schritte mit der Orthese an nur einem Bein: „Ich weiß nicht wann es so weit ist, aber ich weiß, dass ich wieder ohne Orthesen laufen werde.“

Alex‘ Therapie im Videotagebuch

Seine Behandlung im Ambulanticum hat Alex in einem Videotagebuch dokumentiert. Auf YouTube gibt er tiefe Einblicke in seinen Therapiealltag.