Was sind Hypo­phy­sen­tu­mo­ren?

Hypophysentumoren, also Geschwulste der Hirnanhangsdrüse, machen rund 10 Prozent aller Hirntumoren aus und treten am häufigsten bei 35- bis 45-Jährigen auf. Man unterscheidet Hypophysentumoren, die Hormone produzieren (etwa 60 Prozent der Fälle) von solchen, die keine Hormone bilden.

Hormonproduzierende Tumoren sind zum Beispiel:

  • Prolaktinome: produzieren Prolaktin, das die Milchproduktion in der Brust stimuliert
  • Tumoren, die Wachstumshormon (STH) bilden
  • Tumoren, die Adrenokortikotropes Hormon (ACTH) bilden, das unter anderem die Bildung und Ausschüttung der Nebennierenrindenhormone kontrolliert

Diese Tumoren sind gutartig und bilden keine Metastasen, allerdings kann ihre überschüssige Hormonproduktion zu allerlei Störungen im Körper führen.

Zu den häufigsten nicht-hormonproduzierenden Tumoren zählt das sogenannte Kraniopharyngeom, das bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auftritt.

Welche Funktion hat die Hypophyse?

Die Hypophyse ist eine kirschgroße Drüse im Gehirn, die auch als Hirnanhangsdrüse bezeichnet wird. Sie liegt in der knöchernen Schädelbasis in enger Nachbarschaft zu anderen Hirnstrukturen wie der Sehbahn.

Die Hirnanhangsdrüse besteht aus:

  • Dem Hinterlappen der Hypophyse: Die sogenannte Neurohypophyse dient der Speicherung der Hormone Oxytozin und Vasopressin (ADH, Anti-Diuretisches Hormon), die im Hypothalamus gebildet werden. Der Hypothalamus ist eine zentralnervöse Region des Zwischenhirns.
  • Dem Zwischenlappen der Hirnanhangsdrüse: Er produziert das Melanozyten-Stimulierende Hormon (MSH), das für die Ausbildung der Pigmentierung der Haut oder der Regenbogenhaut des Auges notwendig ist.
  • Dem Vorderlappen: Der auch als Adenohypophyse bezeichnete Vorderlappen produziert sechs Hormone, die vor allem die Funktion anderer untergeordneter Organe und Drüsen regulieren:
  • Die sogenannten Gonadotropine: das Follikel-Stimulierende Hormon (FSH) und das Luteinisierende Hormon (LH)
  • Adrenokortikotropes Hormon (ACTH)
  • Thyroidea-(Schilddrüsen-)Stimulierendes Hormon (TSH)
  • Wachstumshormon (STH, somatotropes Hormon)
  • Prolaktin

Die Hypophysen-Hormone regulieren vielfältige Körperfunktionen, zum Beispiel den Schlaf, das Wachstum, den weiblichen Zyklus, die Harnproduktion, die Funktion der Schilddrüse und der Geschlechtsorgane, den Wasser- und Salzhaushalt im Körper und die Milchproduktion in der Schwangerschaft. Auch die Körpertemperatur und der Zucker- und Fettstoffwechsel werden durch die Hormone kontrolliert.

Welche Beschwerden verursachen diese Tumoren?

Die meisten Hypophysentumoren wachsen sehr langsam und die Symptome treten nur schleichend auf.

Die nicht-hormonbildenden Tumoren rufen dabei eher uncharakteristische Beschwerden hervor, die durch Druck und Verdrängung anderer Hirnstrukturen entstehen. Diese sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Sehstörungen und Blässe. Im Laufe der Zeit bewirken sie eher einen Hormonmangel.

Hormonproduzierende Tumoren

Die Symptome sind davon abhängig, welche Hormone produziert werden.

  • Prolaktinome: führen bei Frauen zum Ausbleiben der Regelblutung, zur Milchproduktion und Milchabsonderung in der Brust, obwohl sie nicht stillen, und eventuell sogar zur Sterilität. Männer leiden unter einem Verlust der sexuellen Lustempfindung und der Potenz.
  • Wachstumshormonbildende Tumoren: Die betroffenen Kinder werden sehr groß, bei Erwachsenen vergrößern sich alle körperfernen Teile wie Hände, Füße, Nase, Ohren und Kinn. Dies bezeichnet man als Akromegalie.
  • Adrenokortikotropes Hormon (ACTH)-bildende Tumoren: führen zu einer sogenannten Stammfettsucht; Kopf und Rumpf werden dicker, die Gliedmaßen aber immer dünner. Daneben können Muskelschwäche, Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte, Arteriosklerose, Knochenschwund (Osteoporose), eine abnorme Körperbehaarung und Depressionen auftreten. 

Wie werden die Tumoren der Hirnanhangsdrüse diagnostiziert?

Der Arzt wird zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten führen. Um eine Veränderung des Aussehens, zum Beispiel eine starke Vergrößerung der Nase erkennen zu können, ist es hilfreich, ein älteres Foto von sich selbst zum Arzttermin mitzubringen.

Nach der körperlichen Untersuchung und bei Verdacht auf einen Tumor der Hirnanhangsdrüse können weitere Untersuchungen notwendig sein, zum Beispiel eine augenärztliche Untersuchung einschließlich Gesichtsfeldbestimmung, Blut- und Hormontests, um Hormonüberproduktion und/oder -ausfälle festzustellen sowie bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT (Computertomografie) oder MRT (Magnetresonanztomografie).

Wie behandelt man Hypophysentumoren?

Der Tumor wird meistens durch eine Operation entfernt. Manche Tumoren können mikrochirurgisch über die Nase operiert werden. Bei sehr großen Tumoren ist es hingegen notwendig, den Schädel zu eröffnen.

Andere Tumoren werden nicht entfernt, sondern nur ihre Hormonwirkung wird durch Medikamente eingedämmt.

Wenn medikamentöse und chirurgische Therapie nicht ausreichend oder nicht angebracht sind, kommt eine Strahlentherapie in Betracht, bei der der Tumor mithilfe von Röntgenstrahlen verkleinert werden kann.

Wie ist die Prognose?

Tumoren der Hypophyse wachsen in der Regel langsam, und die Prognose der Erkrankung ist insgesamt günstig. Sie hängt aber von der Art des Tumors und dem Zeitpunkt, an dem die Diagnose gestellt wurde, ab.

Der Tumor tritt nach der Operation allerdings relativ häufig wieder auf. Dann ist eine erneute Operation oder eine Strahlentherapie notwendig.

Auch nach abgeschlossener Behandlung eines Hypophysentumors sind fortlaufende Kontrollen wichtig, um frühzeitig ein Wiederauftreten der Erkrankung zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln.