Kopfverletzungen entstehen durch äußere Gewalteinwirkung auf Schädel und/oder Gehirn. Daneben können je nach Unfallhergang auch andere Organe wie Auge, Nase, Mund und Kiefer verletzt sein.

Schädel-Hirn-Traumata sind meist die Folge von Stürzen, sei es beim Fahrradfahren oder Skifahren, bei der Arbeit oder im Haushalt, oder Verkehrsunfällen. In Deutschland sterben nach Schätzungen jährlich etwa 10.000 Menschen daran. Unter Jugendlichen sind Schädel-Hirn-Traumata mit Abstand die häufigste Todesursache. Experten gehen davon aus, dass es unter 100.000 Einwohnern jedes Jahr zu 400 Schädel-Hirn-Verletzungen verschiedener Schweregrade kommt, von denen 300 stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Was ist bei Kopfverletzungen am Unfallort zu tun?

Wenn es bei einem Unfall zu Kopfverletzungen gekommen ist, sollte als erstes überprüft werden, ob der Verletzte bei Bewusstsein ist. Ist das nicht der Fall, wird zunächst kontrolliert, ob Atmung und Herzschlag vorhanden sind. Bei einem Stillstand von Atmung und Kreislauf muss sofort mit einer Herzmassage und/oder Atemspende begonnen werden. Wenn ein bewusstloses Unfallopfer atmet, sollte man es vorsichtig in die stabile Seitenlage bringen. Da die Halswirbelsäule verletzt sein kann, sind heftige Bewegungen zu vermeiden. Offene Schädelverletzungen sollten nach Möglichkeit steril abgedeckt werden.

Fremdkörper, die den Schädelknochen durchdrungen haben, dürfen nicht entfernt werden, da dabei die Gefahr besteht, dass Teile des Gehirns zusätzlich verletzt und Blutungen verstärkt werden. Erst der Arzt im Krankenhaus entfernt den Fremdkörper. Blutungen aus Platzwunden am Kopf lassen sich durch einen Kompressionsverband stoppen. Dazu wird steriles Verbandsmaterial auf die Wunde aufgebracht und mit festem Druck dort fixiert.

Bei Verdacht auf eine Schädel-Hirn-Verletzung muss sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Dies gilt auch, wenn keine Bewusstlosigkeit eingetreten ist oder der Betroffene gleich wieder zu sich kommt. Schädelbrüche und Hirnverletzungen sind von außen oft nicht sichtbar. Auch Verletzungen von Gefäßen des Gehirns oder der Hirnhäute können Blutungen verursachen, die nach kurzer Zeit zur Bewusstlosigkeit führen und lebensbedrohlich sind.

Außerdem sind Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen nach dem Unfall oft benommen oder verwirrt. Deshalb sollten Ersthelfer dafür Sorge tragen, dass der Verunfallte nicht einfach nach Hause geht oder sich unbeobachtet zurückzieht. Wichtig ist die engmaschige Kontrolle der Bewusstseinslage, damit Verschlechterungen erkannt und dann sofort behandelt werden können.

Welche Schädelbrüche gibt es?

Der knöcherne Schädel kann entweder an seiner Unterseite (Schädelbasisfraktur), im oberen Bereich - der Kalotte (Hirnschädelfraktur) -, oder im Gesicht (Gesichtsschädelfraktur) brechen. Oft sind diese Brüche nur schwer erkennbar, weil Kopfhaare, Schwellungen oder Blutergüsse sie verdecken. Haarkleine Risse lassen sich mit bloßem Auge gar nicht erkennen. In manchen Fällen bereitet ein Schädelbruch auch fast keine Schmerzen.

  • Zeichen eines Schädelbruches können sein:
  • Sichtbare oder tastbare Stufen im Gesicht oder am Schädel
  • Austritt von klarer (Hirn-)Flüssigkeit aus Nase oder Ohr
  • Schwierigkeiten beim Schließen des Mundes
  • Asymmetrie im Gesicht
  • Gefühlsstörungen
  • Blutergüsse in einer oder beiden Augenhöhlen
  • Schielstellung eines Auges
  • Sehen von Doppelbildern

Man unterscheidet offene Schädelbrüche, bei denen Gehirnmasse ungeschützt frei liegt, oder geschlossene mit intakter Hirnhaut. Alleinige Verletzungen des Schädelknochens ohne eine Beteiligung der Hirnhäute und des Gehirns bedürfen keiner speziellen Therapie. Schädelfrakturen sind aber vor allem dann sehr gefährlich, wenn Blutgefäße des Gehirns mit verletzt wurden.

Wie wird der Schweregrad eines Schädel-Hirn-Traumas eingeschätzt?

Je nach der Schwere der Gehirnschädigung werden Schädel-Hirn-Traumata in drei Grade unterteilt.

SHT 1. Grades (Leichtes Schädel-Hirn-Trauma)

Gehirnerschütterung (Commotio cerebri). Sie hinterlässt keine organische Gehirnverletzung. Die Symptome sind Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerz, Schwindel, und Kreislaufstörungen. Die Bewusstlosigkeit unmittelbar nach dem Unfall darf dabei nicht länger als fünf Minuten andauern. Ein teilweiser Gedächtnisverlust für die Zeit um den Unfall tritt bei nicht wenigen Betroffenen auf. Die Beschwerden sollten innerhalb von wenigen Tagen verschwunden sein.

SHT 2. Grades (Mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma)

Gehirnprellung (Contusio cerebri). Die Schädigung umschriebener Bereiche des Gehirns führt dabei zu Ausfallerscheinungen mit unterschiedlichen Symptomen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Lähmungen
  • Sprachstörungen
  • Sehstörungen
  • Empfindungsstörungen

Begleitend treten Erbrechen und Übelkeit, Kopfschmerzen, starke Kreislaufprobleme und Störungen der Atmung auf. Eine Bewusstlosigkeit kann bis zu 30 Minuten anhalten. Die Beschwerden bilden sich innerhalb eines Monats zurück.

SHT 3. Grades (Schweres Schädel-Hirn-Trauma)

Gehirnquetschung (Compressio cerebri). Die Bewusstlosigkeit hält dabei über eine Stunde lang an und es kommt zu erheblichen Zerstörungen des Gehirngewebes. Meist heilen sie nicht ohne Restschäden ab. Je nach betroffenem Hirnareal kommt es zu Nervenausfällen und erheblichen Störungen grundlegender Körperfunktionen wie Atmung und Kreislauf. Auch Krampfanfälle sind möglich.

Schwere Hirnverletzungen können folgende Dauerschäden hinterlassen:

  • Psychische Veränderungen in Antrieb, Gedächtnis und Persönlichkeit
  • Lähmungen
  • Ausfall von Sinnesempfindungen (besonders oft Verlust des Riechsinns)
  • Sprachschwierigkeit
  • Krampfanfälle (Epilepsie)

Schwerste Hirnverletzungen mit einer Beteiligung des Mittelhirns können im schlimmsten Fall zum Tod, einem dauerhaften Koma oder einem Wachkoma (Apallisches Syndrom) führen.

Ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma kommt am häufigsten vor. Bei etwa 80 von 100 Betroffenen mit Schädel-Hirn-Trauma handelt es sich um ein SHT 1. Grades. In jeweils etwa zehn Prozent der Fälle liegt ein mittelschweres oder ein schweres Schädel-Hirn-Trauma vor. Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma (SHT 3. Grades) ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Welche Komplikationen sind besonders gefährlich?

Gefürchtet sind Blutungen des Gehirns oder der Hirnhäute nach Kopfverletzungen. Da der Schädelknochen das Gehirn fest umschließt, kann er der bei Blutungen entstehenden Ausdehnung des Hirnes nicht nachgeben. Die Folge sind Einklemmungen lebenswichtiger Bereiche des Hirnstammes. Bei schweren Verletzungen kann das Gehirn auch ohne Blutung so stark anschwellen, dass es zu Platzmangel im Schädel kommt. Man spricht dann von einem Hirnödem. Diese lebensbedrohliche Situation wird in der Klinik durch die sofortige Eröffnung des Schädelknochens behandelt.

Tückisch an Blutungen und Schwellungen ist, dass sie auch erst einige Zeit nach dem Unfall auftreten können. Eine zunehmende Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit Eintrübung des Bewusstseins sowie Benommenheit, nachdem der Betroffene schon wieder bei Sinnen war, sind dringliche Warnzeichen. Auch Wochen nach dem Unfall kann eine langsame Sickerblutung noch problematisch werden. Besonders ältere Menschen sind nach zum Teil nur geringfügigen Traumata dadurch gefährdet.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Die Schwere eines Schädel-Hirn-Traumas schätzt der Arzt anhand der sogenannten Glasgow-Coma-Scale (GCS) ein. Er beurteilt damit motorische Reaktionen, die verbale Reaktion und das Augenöffnen. Die Ergebnisse der Untersuchungen kann der Arzt auf der Glasgow-Coma-Scale mit Punktwerten abgleichen und anhand der sich ergebenden Summe den Schweregrad des Schädel-Hirn-Traumas ermitteln. Eine Person, die kein medizinisch bedeutsames Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat, kann die Augen spontan öffnen, sich auf Aufforderung hin bewegen und auf Fragen angemessen antworten. Der so beschriebene Zustand entspricht dem Maximalwert auf der Glasgow-Coma-Scale, das sind 15 Punkte.

Bei schwereren Verletzungen werden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, die alle Organsysteme betreffen. Ständige Kontrollen von Atmung, Kreislauf und Bewusstsein können notwendig sein. Solche Überwachungen sind auf Intensivstationen möglich.

Um Störungen der Hirnfunktion zu erkennen, werden die elektrischen Hirnströme im EEG (Elektro-Enzephalogramm) aufgezeichnet. Eine Untersuchung der Hirnflüssigkeit (Liquordiagnostik) kann auf kleine Blutungen hinweisen.

Zur genauen Diagnosestellung kommen vor allem bildgebende Verfahren zur Anwendung. Ein Röntgenbild ist in vielen Fällen entbehrlich, da rein knöcherne Verletzungen keine weitere Behandlung erfordern und Hirnverletzungen im Röntgenbild nicht feststellbar sind. Falls ein Verdacht auf Verletzungen des Gehirns oder Hirnblutungen besteht, wird deshalb ein Computertomogramm (CT) oder Magnetresonanztomogramm (MRT, auch Kernspintomogramm genannt) angefertigt. Geschädigtes Hirngewebe und Blutergüsse sind darauf gut zu sehen.

Wie werden Schädel-Hirn-Traumen behandelt?

Wichtig ist vor allem die intensive Überwachung des Patienten in der Zeit nach der Verletzung. Zeichen eines angestiegenen Hirndruckes müssen sofort erkannt werden. In dem Fall können durch eine Operation, bei der die Schädeldecke eröffnet wird, Blutergüsse ausgeräumt, Blutungen gestillt und Schwellungen entlastet werden. Sind Kreislauf und Atmung beeinträchtigt, sind gegebenenfalls Intensivmaßnahmen nötig.

Schädelfrakturen heilen nach einiger Zeit von selbst. Verschiebungen oder Einbrüche des Knochens müssen jedoch in ihre Position zurückgebracht werden. Brüche des Gesichtsschädels machen zum Teil aufwendige Rekonstruktionen durch den Kiefer- und Gesichtschirurgen notwendig. Offene Schädelfrakturen werden operativ verschlossen, Risse der Hirnhaut vernäht.

Hirnverletzungen können nicht ursächlich behandelt werden. Ziel einer Behandlung ist es, eine weitere Schädigung von Hirnsubstanz durch Schwellungen oder Blutungen infolge der Verletzung zu vermeiden. Je nach Beschwerden und Art der Verletzung werden Medikamente gegen Schmerzen, Kreislaufstörungen, Infektionen und Krämpfe verabreicht.

Kopfverletzungen ohne Nervenschäden heilen im Allgemeinen innerhalb von sechs Wochen aus. Bei Schäden des Gehirns oder von ihm ausgehenden Nervensträngen kann die Rehabilitation jedoch erheblich länger dauern. Direkt im Anschluss an den Unfall ist es oft nicht möglich, Ausmaß und Folgen der Gehirnschädigung abzusehen. Erst im weiteren Verlauf wird erkennbar, ob sich die Beschwerden wieder völlig zurückbilden oder ob Behinderungen zurückbleiben.