Daher vergrößert sich die Schilddrüse der Schwangeren, was in gewissem Maße ganz normal ist. Schon die alten Ägypter bewerteten die Zunahme des Halsumfangs als Schwangerschaftszeichen. Normalerweise treten Schilddrüsenfehlfunktionen in der Schwangerschaft nicht auf.

Sehr wichtig ist die ausreichende Jodzufuhr in der Schwangerschaft, da der Jod-Bedarf pro Tag mit 200 Mikrogramm deutlich höher liegt als bei Nicht-Schwangeren. Eventuell ist nach Rücksprache mit dem Arzt sogar eine zusätzlich Gabe von Jod in Tablettenform notwendig, wenn der Bedarf über die Nahrung (jodiertes Speisesalz, Seefisch) nicht gedeckt werden kann.

Durch die ansteigenden Schwangerschaftshormone Östrogen und Humanes Choringonadotropin (HCG) verändern sich  auch die Schilddrüsenhormonwerte. Daher reicht es zur Kontrolle der Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft nicht aus, nur das Hormon Thyroidea stimulierendes Hormon (TSH) der Hirnanhangsdrüse zu bestimmen, sondern es müssen die freien Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) im Blut gemessen werden. Außerdem können Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse stattfinden.

Besteht der Verdacht auf eine Schilddrüsenfehlfunktion, zum Beispiel durch ein zu starkes Wachstum der Schilddrüse oder knotige Veränderungen, dann muss dies zum Wohl des Kindes dringend abgeklärt werden. Wichtig ist, dass alle Schilddrüsenwerte sehr engmaschig überwacht werden, da sich durch das wachsende Baby auch der Schilddrüsenstoffwechsel stetig verändert. Die wichtigsten Schilddrüsenerkrankungen während und unmittelbar nach einer Schwangerschaft sind:

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Struma, auch Kropf genannt
  • "Post-Partum"-Thyreoiditis, Schilddrüsenentzündung nach der Entbindung

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Die Ursachen einer mangelnden Bildung von Schilddrüsenhormonen sind vielfältig. Die Gründe liegen meist in einer Schilddrüsenentzündung. Die Beschwerden einer Unterfunktion beginnen oft langsam, uncharakteristisch und schleichend. Bei vermehrter Müdigkeit, Verstopfung, Muskelschmerzen, verminderter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit und vermehrtem Kältegefühl ist das Vollbild einer Unterfunktion erreicht. Bei einer nicht behandelten Schilddrüsenunterfunktion kommt es häufig zu Empfängnisproblemen, sodass vor einer geplanten Schwangerschaft auf jeden Fall eine adäquate Therapie eingeleitet werden muss. Durch eine Schilddrüsen-Hormonbestimmung aus dem Blut können auch leichte Formen einer Unterfunktion festgestellt werden.

Therapie: Eine Unterfunktion kann sicher mit Schilddrüsenhormonen (Tabletten) behandelt werden und die Therapie schadet dem Kind in keiner Weise. Im Gegenteil, nur wenn die Therapie sofort nach Diagnose begonnen wird, besteht keine Gefahr für das Baby. Wird eine Frau schwanger, die bereits wegen einer Unterfunktion behandelt wird, so kann eine geringfügige Dosissteigerung der Medikamente erforderlich werden.

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Eine überaktive Schilddrüse und eine vermehrte Produktion an Schilddrüsenhormonen beruht in der Schwangerschaft zumeist auf der sogenannten Basedow-Krankheit. Aber auch schon vorher bestehende überaktive Schilddrüsenknoten können Auslöser sein. Frauen, die an einer Überfunktion der Schilddrüse leiden, haben meist kein Problem, schwanger zu werden. Daher ist es wichtig, vor einer geplanten Schwangerschaft, den Schilddrüsenhormonhaushalt zu normalisieren.

Eventuell sind im Vorfeld neben der medikamentösen Therapie auch eine Operation oder eine Radiojodbehandlung zu erwägen, denn beide Therapien können in der Schwangerschaft nicht mehr durchgeführt werden. Da sich in der Schwangerschaft auch die Abwehrlage der werdenden Mutter ändert, beobachtet man häufig ein Aufflammen von Autoimmunerkrankungen wie auch der Basedow-Krankheit in der Frühschwangerschaft. In der Spätschwangerschaft hingegen nimmt die Erkrankungsaktivität ab, manchmal heilt sie sogar aus, und die Therapie kann oft beendet werden.

Bei der Basedow-Krankheit handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper aus bisher nicht geklärten Gründen Antikörper gegen körpereigenes Gewebe produziert. Diese Antikörper stimulieren die Zellen der Schilddrüse und regen deren Vermehrung an, wodurch es zu einer gesteigerten Schilddrüsen-Hormonproduktion kommt. Da diese sich nicht am Bedarf des Körpers orientiert und sich durch körpereigene Signale nicht unterdrücken lässt, kann es zu Symptomen wie vermehrtem Schwitzen, erhöhtem Pulsschlag, Schlaflosigkeit, vermehrter Darmtätigkeit, Nervosität und Müdigkeit kommen. Da diese Symptome zum Teil auch schwangerschaftsbedingt sein können, ist die Diagnosestellung manchmal schwierig.

Therapie: In der Schwangerschaft und auch Stillzeit können bestimmte lang erprobte Schilddrüsenblocker wie die Wirkstoffe Thiamazol und Carbimazol sicher gegeben werden. Da sie jedoch auch in den Blutkreislauf des Ungeborenen übertreten, sollte die niedrigste notwendige Dosis unter engmaschigen Laborkontrollen gegeben werden. Eine Einnahme von Jod sollte auf keinen Fall erfolgen!

Post-Partum-Thyreoiditis

Dies ist eine Entzündung der Schilddrüse, die vier Prozent aller Frauen nach der Entbindung betrifft. Bei dieser Sonderform kommt es im Anschluss an die Geburt (post partum) bei der Mutter zu einer temporären Schilddrüsenunter- oder auch -überfunktion. Sie heilt im Allgemeinen ohne Folgen aus. Manchmal lassen sich auch hier Antikörper gegen die Schilddrüse nachweisen wie bei einer anderen chronischen Schilddrüsenentzündung, der Hashimoto-Thyreoiditis.

Struma (Kropf)

Ein Kropf ist eine gutartige, meist knotige Vergrößerung der Schilddrüse. Diese bildet sich meist aufgrund von Jodmangel: Liegt in der Schilddrüse zu wenig Jod zur Hormonproduktion vor, so versucht der Körper dies auszugleichen, indem übersteigert Schilddrüsenzellen gebildet werden. Diese sollen so lange wie möglich die Funktion der Schilddrüse aufrechterhalten. Somit vermehrt sich das Schilddrüsengewebe langsam und es kommt zum Kropf. Zur Diagnose werden Laborwerte, Ultraschalluntersuchungen und eventuell eine Szintigraphie herangezogen.

Therapie: Zur Vorbeugung einer Struma und auch zur Therapie werden zum einen Jod und zum anderen auch niedrig dosiertes Schilddrüsenhormon in Tablettenform verabreicht. Dadurch wird die Vergrößerung der Drüse gestoppt und nach einer gewissen Zeit sogar vermindert. Beide Medikamente sind in entsprechender Dosierung unbedenklich für das Ungeborene und sollten daher, wenn notwendig, auch eingenommen werden.

Jede Schilddrüsenstörung der Mutter gefährdet das Wachstum des Kindes und auch die Funktion der kindlichen Schilddrüse! Eine adäquate Therapie ist daher unumgänglich.