Bandscheibenvorfall - Wirbelsäule stärken

Ein Bandscheibenvorfall entsteht oft sehr plötzlich. Stechende Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule mit ausstrahlenden Schmerzen in ein Bein oder einen Arm sind typische Zeichen. Gefühlsstörungen oder gar Lähmungserscheinungen können ebenfalls auftreten. Es gibt aber auch Fälle, da leben Betroffene viele Jahre mit einem Bandscheibenvorfall, ohne ihn zu bemerken.

Bandscheiben sind Stoßdämpfer, die wie ein Polster zwischen den Wirbeln unserer Wirbelsäule liegen. Sie bestehen aus einem Gallertkern und einem Faserknorpelring, der den Kern umgibt. Reißt der Faserring ein, dann quillt der Gallertkern hervor und kann auf die Nerven im Wirbelkanal drücken.

 

Die meisten Patienten mit einem Bandscheibenvorfall sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Ursache ist der natürliche Verschleiß der Bandscheiben im Laufe des Lebens. Zu starke dauerhafte Belastung der Wirbelsäule kann den Verschleiß aber beschleunigen. Auch eine untrainierte Rückenmuskulatur und eine häufige ungünstige Körperhaltung können zu einer zu starken Belastung der Wirbelsäule führen. Dann kann schon das Heben einer Getränkekiste den vorgeschädigte Faserring so stark belasten, dass er reißt.

 

Wo sitzt eigentlich die Bandscheibe?

Jeder Wirbel unserer Wirbelsäule besteht aus einem kompakten Wirbelkörper mit daran nach hinten anschließenden halbkreisförmigen Wirbelbögen. Die Wirbelbögen bilden so zusammen mit den Wirbelkörpern den Wirbelkanal (Spinalkanal). Spezielle Fortsätze der Wirbelbögen formen die vier Wirbelgelenke und als seitliche Querfortsätze und einen hinteren Dornfortsatz Ansatzhebel für die Muskulatur. Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich die Bandscheiben. Die 24 Wirbel und 23 Bandscheiben der Wirbelsäule werden durch Bänder und Muskeln dynamisch stabilisiert. Der Gallertkern der Bandscheibe steht unter Druck und trägt so zur Stabilisierung der Wirbelsäule entscheidend bei.

 

Ärzte sprechen von einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusion), wenn der Faserring der Bandscheibe zwar intakt, aber schon geschwächt ist und sich in den Spinalkanal vorwölbt. Dies ist eine Vorstufe des eigentlichen Bandscheibenvorfalls. Bei einem Bandscheibenvorfall (Prolaps) quillt der unter Druck stehende Gallertkern durch den beschädigten Faserring. Wenn das hervorgequollene Bandscheibenmaterial (Bandscheibensequester) auf Nervengewebe innerhalb des Spinalkanals drückt, sind starke Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Lähmungen mit Verlust oder Abschwächung von Muskelreflexen mögliche Folgen. 

 

Beschwerden werden meist durch Druck auf Nervenwurzeln im Spinalkanal hervorgerufen. Nervenwurzeln sind Nervenfasern aus dem Rückenmark, die in einem Nervenknoten zusammenlaufen und dann den Spinalkanal durch seitliche Nervenaustrittslöcher verlassen. An dieser Stelle können die Nervenwurzeln leicht unter Druck geraten. Die Beschwerden entstehen dann in bestimmten Bereichen des Körpers, wie Armen oder Beinen, die man dann genau den entsprechenden  Nerven einer bestimmten Stelle der Wirbelsäule  zuordnen kann. Ein Bandscheibenvorfall kann in selteneren Fällen auch direkt auf das Rückenmark und darin befindliche lange Nervenbahnen drücken. Dann treten komplexere Ausfälle auf.

 

Bandscheibenvorfälle können in allen drei Abschnitten der Wirbelsäule auftreten - der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule. Der thorakale Bandscheibenvorfall im Bereich der Brustwirbelsäule entsteht sehr selten. Der Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule wird "zervikaler Bandscheibenvorfall" genannt  und kommt häufiger vor. Die Lendenwirbelsäule ist am häufigsten von einem Bandscheibenprolaps betroffen. Ein solcher lumbaler Bandscheibenvorfall findet sich in den meisten Fällen im unteren  Bereich der Lendenwirbelsäule, der am stärksten druckbelastet wird, mehr als 90 Prozent davon zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel (L4/L5) oder fünften Lendenwirbel und dem Kreuzbein, dem Sacrum (L5/S1).

 

Wie entsteht der Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall entsteht durch den Verschleiß und die starke Belastung des Bindegewebsrings der Bandscheibe. Der Faserring verliert seine stabile Funktion und reißt bei großer Belastung ein. Der Gallertkern tritt aus und drückt auf eine Nervenwurzel oder das Rückenmark.

 

"Die Häufigkeit der Bandscheibenvorfälle nimmt ab dem 50. Lebensjahr wieder ab", sagt der Chirurg Dr. Thomas Schang vom TK-Ärztezentrum und ergänzt: "Der Bandscheibenkern verliert mit zunehmendem Alter immer mehr an Flüssigkeit und steht weniger unter Druck. Es kommt wahrscheinlich auch daher seltener zu Einrissen des Faserrings."

 

Bewegungsmangel und Übergewicht sind die Hauptrisikofaktoren für Bandscheibenvorfälle. Menschen, die sich kaum bewegen, oft in falscher Körperhaltung am Computer sitzen und zu viele Kilos auf die Waage bringen, haben typischerweise eine schwache Bauch- und Rückenmuskulatur. Eine solche Instabilität des Körpers führt zur Fehlbelastung der Bandscheiben.

 

Verletzungen der Wirbelsäule, beispielsweise durch einen Treppensturz oder Verkehrsunfall, sind nur selten die eigentliche Ursache eines Bandscheibenvorfalls.

 

Wie äußert sich der Bandscheibenvorfall?

Nicht jeder Bandscheibenvorfall verursacht Probleme: Rund ein Viertel aller erwachsenen Menschen haben einen Bandscheibenvorfall, der keine Beschwerden hervorruft. Ob ein Bandscheibenvorfall Symptome verursacht, hängt davon ab, ob die Rückenmarksnerven oder gar das Rückenmark betroffen sind.

 

Ein Hauptsymptom eines Bandscheibenvorfalls sind Schmerzen im Rücken, die bis in die Arme oder Beine ausstrahlen. Hinzu können  Gefühlsstörungen, etwa ein Kribbelgefühl oder Gefühlsverlust kommen. Wo genau die Symptome  auftreten, hängt davon ab, wo der Bandscheibenvorfall im Bereich der Hals-, Brust-, oder Lendenwirbelsäule auftritt:

  • Ein Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich (zervikaler Bandscheibenvorfall) findet sich bevorzugt zwischen dem fünften und sechsten oder dem sechsten und siebten Halswirbelkörper. Typischerweise strahlen die Schmerzen in die Arme aus. Auch Gefühlsstörungen (Parästhesien) und Muskellähmungen sind mögliche Symptome.
  • Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Brustwirbelsäule ist sehr selten. Symptome sind Rückenschmerzen, die meist auf die Höhe des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts begrenzt sind und sich ringförmig über den Brustkorb ausbreiten.
  • Der lumbale Bandscheibenvorfall (Lendenwirbelsäule) tritt häufig zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel (L4/L5) oder zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem ersten Steißbeinwirbel (L5/S1) auf. Schmerzen und/oder Taubheitsgefühl treten dann in bestimmten streifenförmigen Bereichen des Beines auf. Taubheitsgefühl im Fuß spricht zum Beispiel für eine Schädigung der untersten Bandscheibe (L5/S1)
Hexenschuss, Ischialgie und Brachialgie

Der Hexenschuss: Lässt sich nach einem plötzlich auftretenden stechenden Schmerz der Rücken nicht mehr strecken, sprechen Mediziner vom Hexenschuss (Lumbago). Der Hexenschuss entsteht zum Beispiel durch ruckartiges Heben einer Getränkekiste, schnelles Aufrichten oder Drehen des Oberkörpers. Die Schmerzen sind Zeichen einer starken Muskelverspannung im Bereich der Rückenmuskulatur. Hexenschuss und Bandscheibenvorfall sind verschiedene Diagnosen.

Die Ischialgie: Der dickste Nerv des Körpers, der Ischiasnerv, setzt sich erst außerhalb der Wirbelsäule aus Nervenfaserbündeln der untersten Abschnitte der Lendenwirbelsäule und der oberen Abschnitte des Kreuzbeins zusammen (L4-S3). Der Ischiasnerv kann durch Verletzungen, starke Verspannungen oder  Engpassstellen der Hüftmuskeln unter Druck geraten und geschädigt werden. Die so entstehenden ins Bein ausstrahlenden Schmerzen nennt man Ischialgie (Ischiasschmerzen). Ischialgie  kann also auch ohne einen Bandscheibenvorfall auftreten.

Die Brachialgie: In den Arm ausstrahlende Schmerzen (Brachialgie) können durch einen zervikalen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden aber auch durch Druck auf Nerven des Armes außerhalb der Wirbelsäule.

  

"Ein seltener, aber gefährlicher Notfall ist das sogenannte Kaudasyndrom infolge eines Bandscheibenvorfalls im Lendenwirbelsäulenbereich", sagt Dr. Thomas Schang und ergänzt: "Der Abschnitt des Spinalkanals unterhalb des zweiten Lendenwirbels enthält kein Rückenmark mehr, sondern nur noch ein schweifartiges Bündel von Nervenfasern, die aus den höhergelegenen Rückenmarksabschnitten stammen. Kommt es hier zur Schädigung mehrerer Nervenwurzeln, ist die Funktion von Blase und Darm gestört. Neben akuten Blasen- und Darmentleerungsstörungen ist die Haut an den Innenseiten der Oberschenkel taub. Auch Erektionsstörungen können auftreten. Das Kaudasyndrom ist ein Notfall und muss sofort behandelt werden", betont der Chirurg. "Das gleiche gilt für das Konussyndrom, bei dem die gleichen Symptome durch Druck auf den untersten Abschnitt des Rückenmarks (Konus medullaris)  in Höhe des zweiten Lendenwirbels bedingt werden."

 

Wie wird der Bandscheibenvorfall festgestellt?

Der Arzt lässt sich zunächst Art, Umfang und Dauer der Beschwerden schildern. Damit kann in den meisten Fällen bereits eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Dann erfolgt eine Untersuchung auf Gefühlsstörungen und Lähmungserscheinungen. Lähmungserscheinungen werden orientierend anhand von Funktionsausfällen festgestellt, wie zum Beispiel Verlust des Zehenstandes auf einem Bein und Ausfälle von Muskelreflexen. 

 

Durch einfache Tests kann ein Problem im Bereich des Spinalkanals meist  schon von der Ischialgie oder dem Hexenschuss abgegrenzt werden.

 

Eine bildgebende Diagnostik  (Röntgen, MRT, CT) soll in der Regel erst nach sechs Wochen erfolgloser Behandlung vorgenommen werden. Sehr viele sinnlose Röntgenbilder, CT, oder MRT lassen sich so vermeiden. Die Entscheidung zur Empfehlung einer bildgebenden Diagnostik liegt aber immer in der Verantwortung des behandelnden Arztes.

 

Wenn der Verdacht auf ein Problem im Bereich des Spinalkanals besteht, das bereits zu Lähmungserscheinungen führt oder wenn ein Unfallereignis mit Verdacht auf einen Wirbelbruch  vorgelegen hat, soll umgehend eine bildgebende Diagnostik erfolgen. Dies gilt auch, wenn weitere Warnhinweise (red flags) bestehen wie Verdacht auf einen Wirbelbruch bei Osteoporose, eine Tumorerkrankung, eine Infektion/Fieber, auffälliger Gewichtsverlust, Schmerzverstärkung nachts oder weitere Zunahme von Gefühlsstörungen.

 

Eine normale Röntgenuntersuchung  zeigt eine gute Übersicht  knöcherner Veränderungen. Bandscheiben und Nervengewebe sind auf dem Röntgenbild nicht direkt sichtbar. Weichteilveränderungen wie eine Abflachung der Bandscheibe können aber oft indirekt beurteilt werden.  Wenn es um eine genaue Diagnostik zu einem Bandscheibenvorfall und die Entscheidung zu einer Operation geht, reicht ein Röntgenbild in der Regel nicht aus. Dann ist eine Kernspintomografie (MRT) die erste Wahl, weil damit Weichteilveränderungen wie Bandscheibenvorfälle und Kontakt mit Nervengewebe gut darstellbar sind.

 

Ein MRT arbeitet mit wechselnden Magnetfeldern zur Bilderzeugung und stellt keine Strahlenbelastung dar. Dennoch muss auch die Notwendigkeit eines MRT gut begründbar sein. Nicht alle Patienten dürfen eine MRT-Untersuchung bekommen. Das muss vom Radiologen vorher abgeklärt werden.

 

Eine Computertomografie (CT) zeigt knöcherne Veränderung besser als ein MRT. Auch kleine Veränderungen lassen sich im CT oft besser darstellen. Die Strahlenbelastung einer CT-Untersuchung ist hoch. Sie muss daher besonders gut begründbar sein.

 

Die Myelografie ist eine Röntgen-, die Myelo-CT eine CT-Untersuchung mit Kontrastmittel, das in den Wirbelkanal gespritzt wird. Beide Untersuchungen können das Bandscheibengewebe und einzelne Nervenwurzeln indirekt als Aussparung darstellen. Gelegentlich kann die Myelografie eine Entscheidungshilfe für oder gegen eine Operation sein.

 

Liegt eine Lähmung vor, kann der Arzt eine Elektromyografie (EMG) oder die Elektroneurografie (ENG) veranlassen. Das EMG misst die Aktivität einzelner Muskeln. Die ENG zeigt, welche Nerven durch den Bandscheibenvorfall eingeengt werden und wie stark ein bereits eingetretener Nervenschaden ist.

 

Wie kann ohne Operation geholfen werden?

Bei Vorliegen von Lähmungserscheinungen nach einem frischen Bandscheibenvorfall soll der behandelnde Arzt dem Patienten in aller Regel eine rasche operative Behandlung empfehlen.

 

Solange keine Lähmungserscheinungen bestehen, kann und soll konservativ, also ohne Operation, behandelt werden.

 

Der natürliche Verlauf eines Bandscheibenvorfalls besteht darin, dass der ausgetretene Gallertkern im Laufe von zwei bis drei Monaten austrocknet und schrumpft. Unter Druck geratenes Nervengewebe wird dann wieder entlastet, sodass schon einige Wochen nach dem Bandscheibenvorfall eine deutliche Besserung der Schmerzsymptomatik auftreten kann.

 

Bei anhaltenden schweren Schmerzen trotz intensiver konservativer Therapie mindestens für sechs Wochen kann auch ohne Lähmungserscheinungen eine Bandscheibenoperation empfohlen werden.

 

Bei über 90 Prozent der Patienten wird der Bandscheibenvorfall konservativ behandelt. Diese konservative Therapie besteht keinesfalls aus Bettruhe, sondern in ausreichender Schmerzbekämpfung und möglichst frühzeitiger Aufnahme von Bewegung. Eine frühzeitig einsetzende Physiotherapie besteht anfangs in einer schonenden Manuellen Therapie.

 

Chiropraktische Manipulationen, oft auch als "Einrenken" der Wirbelsäule bezeichnet, sind bei frischen Bandscheibenvorfällen mit Schmerzausstrahlung in Arme oder Beine  sehr gefährlich. Der Nutzen von Massagen ist umstritten. Nach Beherrschung der Schmerzsymptomatik erfolgt der Übergang in eine aktivere Physiotherapie mit gezielter Stärkung der Muskulatur.

 

Auch wenn der ausgetretene Gallertkern schrumpft, bleibt doch  die Abflachung der geschädigten Bandscheibe bestehen. Die Wirbelsäule bleibt deshalb im betroffenen Abschnitt weniger stabil. Dem kann durch eine bessere muskuläre Stabilisierung entgegen gewirkt werden. Bleibt die Instabilität bestehen, dann kann es zu zusätzlichen Verschleißerscheinungen an den Wirbelgelenken kommen, einer Spondylarthrose. Diese wiederum kann zu chronischen Rückenschmerzen führen, die unmittelbar gar nicht mehr durch den Bandscheibenvorfall bedingt sind. Deshalb ist eine frühzeitige Physiotherapie wesentlich.

 

Schmerzmittel sollte der Patient wie vom Arzt verordnet nach einem festen Zeitplan einnehmen - nicht nur dann, wenn er starke Schmerzen verspürt. So lässt sich verhindern, dass sich Schmerzen und Muskelverspannung gegenseitig auslösen.

 

Schmerzmedikamente sollen grundsätzlich so wenig wie möglich aber so viel wie notwendig verwendet werden. Nach einem Stufenschema werden zunächst die Medikamente mit den geringsten Nebenwirkungen angewendet. In der ersten Stufe kann Paracetamol versucht werden. Die nächste Stufe der Schmerzbehandlung sind Medikamente, die gleichzeitig schmerzhemmend und entzündungshemmend wirken, zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen (NSAR: nicht steroidale Antirheumatika). Mit einem Bandscheibenvorfall sind nämlich meist auch entzündliche Reizzustände und Schwellungen des geschädigten Gewebes verbunden. Entzündungshemmung wirkt durch Abschwellen des Gewebes auch druckmindernd.

 

Das am stärksten entzündungshemmende Medikament ist Kortison, das sowohl als Tablette eingenommen werden kann als auch direkt an den Ort der Gewebsschädigung injiziert werden kann.

 

Falls die Medikation mit NSAR nicht ausreicht oder wegen zu starker Nebenwirkungen nicht möglich ist, kann eine Kombination oder ein Ersatz mit anderen Schmerzmitteln wie zum Beispiel mit Metamizol (Novaminsulfon) erfolgen. Tramadol oder Tilidin sind stärker wirkende Opiat-ähnliche Medikamente (Opioide). Bei sehr schlecht beherrschbaren Schmerzen können kurzfristig auch stärkere Opioide wie Fentanyl mit Einschränkungen zum Einsatz kommen.

 

Die wichtigsten Nebenwirkungen:

Paracetamol kann bei Überdosierung schwere Leberschäden verursachen.

NSAR können bei empfindlichen Personen und/oder hohen Dosen zu Schäden an der Magenschleimhaut führen. Bei Asthmatikern können Asthmaanfälle ausgelöst werden. Patienten mit Nierenschwäche, insbesondere ältere Patienten, können einen Ausfall der Nierenfunktion erleiden.

Metamizol (Novaminsulfon) kann in sehr seltenen Fällen eine schwere Schädigung der weißen Blutkörperchen auslösen.

Opioide, Opiate können Verstopfung, Müdigkeit, Blutdruckabfall und Muskelkrämpfe verursachen, Gewöhnungseffekte zeigen und Abhängigkeit erzeugen und müssen daher mit Bedacht eingesetzt werden.

Länger anhaltende Schmerzen können zur Ausprägung eines "Schmerzgedächtnisses" der Nervenzellen führen. Eine erfolgreiche Schmerzbehandlung ist dann sehr erschwert.

 

Bei chronischen Schmerzen kann ein psychologisches Training zur besseren Schmerzverarbeitung sinnvoll sein.

 

Wann wird operiert?

Bandscheibenoperationen gehören zu den am häufigsten durchgeführten Eingriffen in Deutschland. Doch mit der Entscheidung für eine Operation sind Ärzte heute zurückhaltender als früher. Absolute Notwendigkeit für eine Operation sind das akute Kaudasyndrom mit Funktionsstörungen von Blase und Darm und plötzlichen Erscheinungen im Sinne einer sogenannten "Reithosenanästhesie" (Taubheitsgefühl an der Innenseite beider Oberschenkel) sowie die komplette Unterbrechung der Nervenleitung einer Nervenwurzel, die zu einer Lähmung von Beinen oder Armen führt.

 

Das Ziel der Bandscheibenchirurgie ist, die eingeengte Nervenwurzel zu befreien und einen erneuten Vorfall von Restgewebe zu vermeiden. Es kommen ganz unterschiedliche Operationsverfahren in Frage. Der Patient sollte sich das Operationsverfahren, alle Risiken und mögliche Komplikation von seinem behandelnden Arzt erklären lassen.

 

Welche Operationsverfahren gibt es?

Es gibt verschiedene Operationstechniken, um einen Bandscheibenvorfall zu behandeln. Prinzipiell gilt bisher im Bereich der Halswirbelsäule, dass bei einem Bandscheibenvorfall die gesamte Bandscheibe entfernt wird und der betroffene Abschnitt der Wirbelsäule  durch Einbringen eines Platzhalters (Körbchen mit eigenem  Knochenmaterial, Cage) oder einer Bandscheiben-Endoprothese stabilisiert wird.

 

Im Bereich der Lendenwirbelsäule erfolgt in der  Regel lediglich die Entfernung der  vorgetretenen Bandscheibenanteile.

 

Offene Bandscheibenoperation

Heute wird die offene Diskektomie nur noch selten durchgeführt, denn die Rate der Komplikationen ist bei einem offenen Eingriff deutlich höher, als bei mikrochirurgischen Operationen. Bei der offenen Diskektomie öffnet der Chirurg den Rückenmarkskanal und befreit die Nervenwurzel vom Bandscheibengewebe. Um einem erneuten Vorfall vorzubeugen, werden auch Teile des Bandscheibenkerns entfernt. Der Chirurg trägt während der Operation ein Operationsmikroskop oder eine Lupenbrille.

 

Standardverfahren sind heute mikrochirurgische und minimalinvasive Eingriffe, die in verschiedenen Techniken erfolgen können.

 

Mikrochirurgische Bandscheibenoperation

Die mikrochirurgische Diskektomie ist die am weitesten verbreitete Technik zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls. Die Operation erfolgt unter Einsatz eines Operationsmikroskops und kleinster Spezialinstrumente.

 

Durch einen kleinen Schnitt über dem Bereich des Bandscheibenvorfalls kann der Operateur mit dem Mikroskop direkt in den Wirbelkanal sehen. Mit speziellen Operationsinstrumenten wird das Bandscheibengewebe entfernt. Auch größere Risse im Faserring der Bandscheibe kann der Operateur mikrochirurgisch nähen. Bandscheibengewebe (Sequester), das in den Wirbelkanal gerutscht ist, kann ebenfalls entfernt werden.

 

Minimalinvasive Verfahren bei Bandscheibenvorfall

Über ein Endoskop wird ein Katheter bis an den Bandscheibenvorfall vorgeschoben, der erhitzt und verdampft wird. Die Tessys-Technik entfernt den vorgefallenen Anteil der Bandscheibe mit einem Endoskop über das Nervenaustrittsloch des betroffenen Wirbelsäulenabschnittes.

 

Die Wahl des geeigneten Verfahrens hängt von der individuellen Problematik des Patienten ab.

 

Minimal invasive Verfahren bei Bandscheibenvorwölbung

Eine Reihe von Verfahren hat die Stabilisierung  einer vorgewölbten Bandscheibe  zum Ziel,  noch bevor ein Bandscheibenvorfall entstanden ist. Der Faserring einer Bandscheibe muss intakt sein, daher sind diese Eingriffe bei einem aufgetretenen Bandscheibenvorfall nicht möglich.

 

Bei minimalinvasiven Bandscheibenoperationen liegt der Patient auf dem Bauch. Die Haut über dem Bereich des Bandscheibenvorfalls wird lokal betäubt. Der Operateur zerstört oder entfernt Teile des Gallertkerns aus dem Inneren der Bandscheibe, um den Druck auf die Faserhülle zu mindern. Die Vorwölbung zieht sich zurück und der Druck auf die Nervenwurzel sinkt.

  • Bei der Thermoläsion schiebt der Chirurg einen Katheter unter Röntgenkontrolle in die Bandscheibe vor. Der Katheter wird auf maximal 90 Grad Celsius erhitzt. Durch dieses Verfahren wird das Bandscheibengewebe verkocht und der Faserring soll sich durch die Hitze verfestigen. Dieses Verfahren kann auch mit Strom erfolgen (Radiofrequenzläsion), der in die Bandscheibe geleitet wird.
  • Während der Chemonukleolyse wird mithilfe einer Kanüle das Enzym Chymopapain in die Bandscheibe gespritzt. So wird der Gallertkern im Inneren der Bandscheibe chemisch verflüssigt. Nach einer Wartezeit wird die flüssige Kernmasse über die Kanüle abgesaugt. Das Verfahren erfolgt ebenfalls unter Röntgenkontrolle.
  • Bei der Laserabtragung führt der Operateur eine Kanüle (unter Röntgenkontrolle) in die Bandscheibe. Durch die Kanüle werden Lichtblitze eingebracht, die den Gallertkern im Inneren der Bandscheibe verdampfen lassen. So wird der Kern verkleinert.
  • Auch bei der Perkutanen Nukleotomie führt der Chirurg in lokaler Betäubung eine Kanüle unter Röntgenkontrolle in den betroffenen Bereich der Wirbelsäule ein. Mit einem Schneide- und Sauggerät zerkleinert der Operateur den Bandscheibenkern und saugt ihn ab.

Künstliche Bandscheibe/Prothese

Der Bandscheibenersatz mit einer künstlichen Bandscheibe oder Prothese ist kein Standardverfahren, kommt aber in ausgewählten Fällen in Betracht. Die alte Bandscheibe muss zuvor entfernt werden. Ziel der Behandlung ist es, einen künstlichen Puffer einzubringen und die Beweglichkeit des Wirbelsäulenabschnittes zu erhalten. Dieses Verfahren erscheint vor allem im Bereich der  hochbeweglichen Halswirbelsäule interessant, wo ansonsten nach Entfernung der kompletten Bandscheibe eine Versteifung des Wirbelsäulenabschnittes erfolgen muss. Allerdings muss bei einer Bandscheiben-Prothese mit einer erhöhten Rate von weiteren Eingriffen wegen Lockerung oder Verschiebung der Prothese  gerechnet werden.

 

Was bringt die Zukunft?

Derzeit versuchen Ärzte die abgenutzte Bandscheibe mit  Hydro-Gelsubstanzen und  körpereigenen Zellen zu stärken. Die Zellen werden dem Patienten operativ entnommen, in einem Labor neu gezüchtet und später als körpereigenes Gel in die betreffende Bandscheibe gespritzt. Ziel dieser Methode ist es, degenerativ abgeflachte Bandscheiben der Wirbelsäule zu erhalten. Es liegen jedoch noch keine ausreichenden Erfahrungen zu diesem Verfahren vor.

  

Nach der Operation - das können Sie selbst tun

Wichtig ist die schnelle Mobilisation, also die Wiederaufnahme körperlicher Aktivität schon kurz nach der Operation. Diese besteht aus Krankengymnastik, Rückenschule und möglicherweise der Einnahme entzündungshemmender und schmerzlindernder Medikamente. Längere Schonung wie zum Beispiel Bettruhe verbessern die Operationsergebnisse nicht.

 

"Es ist wichtig, dass die Patienten eine stabile und kräftige Rücken- und Bauchmuskulatur aufbauen", betont Dr. Schang und ergänzt: "Sowohl im Beruf, als auch in der Freizeit ist ein rückenschonendes Verhalten entscheidend für die Gesundheit der Wirbelsäule."

 

Dem Bandscheibenvorfall keine Chance geben

Regelmäßige Bewegung und Sport, aber auch der gezielte Muskelaufbau der Rücken- und Bauchmuskulatur sind entscheidend für eine gesunde und kräftige Wirbelsäule bis ins hohe Alter. Fitnessstudios, Physiotherapeuten und andere Gesundheitszentren bieten Rückenschulen an, um eine richtige Belastung der Wirbelsäule zu erlernen.

 

Da Übergewicht den Rücken stark belastet, sollte das Körpergewicht reduziert werden. 

 

Geeignete Sportarten zur Stärkung der Bandscheiben sind Aerobic, Laufen, Rückenschwimmen, Skilanglauf, Tanzen und Nordic Walking. Weniger gut für die Bandscheiben sind Sportarten die ruckartige Bewegungen erfordern wie zum Beispiel Tennis, Skiabfahrtslauf, Fußball, Handball und Volleyball, Golf, Eishockey, Judo, Karate, Turnen, Kanufahren, Kegeln, Ringen, Rudern und Squash.