Analkrebs ist selten. Nur ein bis zwei Prozent der Bevölkerung erkranken daran. Das Tückische an dem Tumor ist: Schamgefühl und unspezifische Symptome führen häufig dazu, dass der Krebs erst spät entdeckt wird.

Erste Anzeichen ernst nehmen

Für viele Menschen ist das Ende ihres Verdauungstrakts ein Tabuthema. Ein juckender After wird häufig mit mangelnder Hygiene in Verbindung gebracht, obwohl die Auslöser dafür häufig ganz andere sind. Auch wenn die folgenden Symptome nur vereinzelt auftreten und nicht zwangsläufig auf eine Krebserkrankung deuten, sollten Sie in jedem Fall Ihren Arzt aufsuchen:

  • Ihr Afterbereich juckt und Sie leiden unter einem Fremdkörpergefühl.
  • Sie haben Schmerzen, wenn Sie Ihren Darm entleeren.
  • Ihr Stuhl ist blutig oder ungewöhnlich geformt, z. B. Bleistiftstuhl.
  • Sie leiden unter Verstopfung oder Durchfall.
  • Wenn Sie Ihre Leistengegend abtasten, spüren Sie, dass die Lymphknoten vergrößert sind.
  • Sie fühlen sich häufig abgeschlagen.
  • Sie haben ohne erkennbaren Grund mehrere Kilo abgenommen.

Diagnose

Ihr Hausarzt kann eine erste körperliche Untersuchung durchführen und Ihren Anus äußerlich abtasten. Vermutet er eine Erkrankung des Enddarms oder des Afterbereichs, wird er Sie zu einem Facharzt überweisen:

  • Rektale Untersuchung: Der Proktologe tastet zunächst Ihren After und Enddarm mit dem Finger ab und überprüft zum Beispiel, ob Sie bei Druck Schmerzen empfinden oder sich etwa Hämorrhoiden ertasten lassen. 
  • Anschließend tastet er Ihre Lymphknoten im Leistenbereich ab.
  • Rektoskopie: Mithilfe einer Enddarmspiegelung kann er Ihren Darm auf Veränderungen, wie zum Beispiel Tumoren, überprüfen. Dabei führt der Arzt ein Endoskop durch den After in den Enddarm ein. Während der Untersuchung entnimmt er eine Gewebeprobe, die anschließend ins Labor geschickt wird.

Deuten die Untersuchungen auf ein Analkarzinom hin, prüft er, wie groß der Tumor ist und welche weiteren Körperregionen er möglicherweise befallen hat. Der Tumor wird mithilfe der sogenannten TNM-Klassifikation in Stadien eingeteilt. Anschließend kann er mit der passenden Therapie beginnen:

  • Koloskopie: Um weitere Tumoren oder andere Veränderungen des Darmtrakts auszuschließen, führt er eine vollständige Spiegelung des Darms durch.

Ein Tumor kann streuen. Um sogenannte Metastasen in anderen Organen auszuschließen, untersucht er ebenfalls den Bauchraum, die Brust, das Herz und die Lunge. 

Innerer und äußerer Analkrebs

Bei einem Analkanalkrebs liegt die Geschwulst an der inneren Schleimhaut des Afters und wächst in den Enddarm hinein. Der Analrandkrebs ist ein Tumor, der am Rand des Afters zur Haut hin nach außen liegt.

Kombinierte Therapie

Für die Behandlung sind in erster Linie Art (Analrand- oder Analkanalkarzinom) und Ausmaß der Erkrankung entscheidend:

  • Früh entdeckte Analrandkarzinome können in vielen Fällen vollständig operativ entfernt werden. Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, kann der Arzt den Tumor mithilfe einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie (Radiochemotherapie) behandeln. Die heute eingesetzten Verfahren schonen den Schließmuskel und erhalten seine Funktion.
  • Krebserkrankungen des Analkanals werden üblicherweise ebenfalls mit einer kombinierten Radiochemotherapie behandelt. Dabei werden zusätzlich die Lymphknoten im Leistenbereich bestrahlt. In der Regel dauert die Therapie ein bis zwei Monate.
  • Sollte der Arzt im Anschluss an die Behandlung noch Reste des Tumors nachweisen können, wird er den letzten Darmabschnitt und den Schließmuskel operativ entfernen und einen künstlichen Darmausgang legen. In über 90 Prozent der Fälle heilt ein operiertes Analrandkarzinom jedoch sehr gut aus.
  • Tritt erneut ein Tumor an gleicher Stelle auf – Mediziner sprechen auch von Lokalrezidiv – kann der Arzt wieder mit der kombinierten Radiochemotherapie behandeln. Weitere Absiedlungen des Tumors, die bereits andere Organe befallen haben, werden meist mittels Chemotherapie behandelt und in Einzelfällen operativ entfernt.

Regelmäßige Nachsorge

Um zu verhindern, dass die Erkrankung erneut auftritt und einen Tumor gegebenenfalls frühzeitig zu entdecken, sollten Sie nach einer Behandlung unbedingt die regelmäßigen Nachsorgetermine wahrnehmen:

  • Die erste Kontrolluntersuchung erfolgt dabei 6 Wochen nach dem Eingriff. 
  • Danach sollten Sie in den ersten 12 Monaten vierteljährlich, ab dem zweiten Jahr halbjährig bei Ihrem behandelnden Arzt vorstellig werden. 
  • Zwischen dem dritten und fünften Jahr wird die Untersuchung nur noch alle zwölf Monate fällig.

Bei der Nachsorge wird der Arzt Sie zu Ihrem allgemeinen Zustand nach dem Eingriff befragen und einige körperliche Untersuchungen durchführen. Dabei wird er unter anderem erneut Ihren Enddarm spiegeln und auf eine mögliche Neubildung des Tumors inspizieren. In den ersten drei Jahren wird er außerdem Ihren Brustkorb alle sechs Monate röntgen und Ihren Bauchraum mittels Ultraschall untersuchen. Zudem ist in den ersten drei Jahren nach der Therapie eine jährliche MRT des Beckens üblich. 

So erfolgt die Virenübertragung

80 bis 85 Prozent infizieren sich durch sogenannte humane Papillomaviren (HPV), die während des Geschlechtsverkehrs übertragen werden.

Die meisten durch HPV-Viren hervorgerufenen Tumoren sind gutartig. Dann kommt es lediglich zu einer Warzenbildung im Genitalbereich, zum Beispiel in Form von Feigwarzen. Einige Typen der DNA-Viren, sogenannte Highrisk-Typen, können jedoch Krebserkrankungen im Bereich des Gebärmutterhalses, der Genitalien oder des Analbereichs hervorrufen.

Im Krankheitsverlauf führt eine chronische HPV-Infektion dazu, dass sich das Gewebe verändert und zu einem bösartigen Tumor entwickelt. Häufig bleibt dieser Vorgang über einen langen Zeitraum unbemerkt.

Zu den weiteren Risikofaktoren zählen:

Die HPV-Impfung  

Eine Impfung ist die sicherste Methode, Ihr Kind vor einer Ansteckung mit HP-Viren zu schützen. Dabei empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts, sowohl Mädchen als auch Jungen  im Alter zwischen 9 und 14, spätestens aber bis zum 18. Lebensjahr, impfen zu lassen. Im besten Fall erfolgt die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Nur dann bietet sie einen fast vollständigen Schutz.