Frauen sind viermal häufiger betroffen als Männer

Infekte der Harnwege betreffen Frauen jeden Alters: Mädchen genauso wie junge Frauen und solche ab 60 Jahren. Zu etwa 95 Prozent sind Bakterien der Auslöser von Blasenentzündungen. "Zu den häufigsten Erregern zählen die Escherichia-coli-Bakterien. Sie sind Teil der natürlichen Darmflora und dort in ihrer Funktion unentbehrlich", sagt die Allgemeinmedizinerin Petra Rudnick vom TK-Ärztezentrum. Harnröhren- und Darmausgang liegen bei Frauen von Natur aus näher zusammen als bei Männern. Zudem ist die weibliche Harnröhre mit wenigen Zentimetern deutlich kürzer, sodass Bakterien schneller den Weg in die Blase finden.

Eine Blasenentzündung, auch Zystitis genannt, kann unangenehm sein:

  • Sie fühlen ständigen Harndrang, können aber nur wenig Urin lassen.
  • Es brennt und schmerzt beim Wasserlassen.
  • Sie haben Schmerzen im Unterleib.

Auch Blut im Urin kann ein Hinweis auf eine Blasenentzündung sein. Haben Sie Fieber oder Schmerzen in der Flanke, suchen Sie einen Arzt auf. Denn eine Blasenentzündung kann bis in die Nierenbecken aufsteigen.

Junge Männer sind selten betroffen

Eine häufige Ursache für Infekte bei Männern ist zum Beispiel eine verengte Harnröhre. Weiterführende Untersuchungen können dann sinnvoll sein. Ein weiterer Risikofaktor ist das Alter: Jeder fünfte Mann ab 60 Jahren ist jährlich von mindestens einer Blasenentzündung betroffen. 

Viel trinken und warm halten 

Die meisten Blasenentzündungen heilen von allein wieder vollständig aus. Nehmen Sie eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit zu sich und entleeren Sie regelmäßig Ihre Blase. Sie können auch auf harntreibende Blasentees zurückgreifen, zum Beispiel aus der Apotheke. Oft werden auch Säfte oder Präparate aus Cranberry empfohlen; einen eindeutigen Nutzen konnten Experten in Studien bisher aber nicht nachweisen. Gegen die Schmerzen können Sie zu einer Wärmflasche oder einem warmen Körnerkissen greifen. So bekommen Sie leichte Harnwegsinfekte oft selbst in den Griff. Nach einer Woche ist jede zweite Blasenentzündung von allein ausgeheilt. 

Die "Honeymoon-Zystitis"

Eine Blasenentzündung in den Flitterwochen kann der Freude frisch verliebter Paare schnell einen Dämpfer verpassen. Die sogenannte Honeymoon-Zystitis verdankt ihren Namen einem einfachen Zusammenhang: Häufiger Geschlechtsverkehr erhöht das Risiko für Blasenentzündungen, denn dieser kann die Schleimhäute reizen und Bakterien in die Harnröhre eintragen. Gehen Sie nach der schönsten Nebensache der Welt zeitnah zum Wasserlassen, um effektiv vorzubeugen.

Ärztliche Behandlung kann die Infektdauer verkürzen

Suchen Sie mit einer Blasenentzündung Ihren Haus- oder Frauenarzt auf, wenn Sie starke Beschwerden verspüren, Schmerzen in der Flanke haben oder schwanger sind. Auch bei Begleiterkrankungen der Blase oder der Nieren ist eine ärztliche Begutachtung sinnvoll. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder bestimmte Medikamente können die Abwehrkräfte schwächen. Ihr Arzt wird Sie körperlich untersuchen und kann auch eine Blut- und Urinuntersuchung oder einen Ultraschall der Harnwege veranlassen. 

Bei leichten Beschwerden kann in Rücksprache mit Ihrem Arzt schon ein schmerz- und entzündungshemmendes Mittel wie Ibuprofen genügen, um Ihre Beschwerden zu lindern. Haben Sie starke Beschwerden, kann er Ihnen ein Antibiotikum verschreiben. Nehmen Sie das Medikament genau wie verordnet ein. Mehr als 80 Prozent der Harnwegsinfekte lassen sich so erfolgreich behandeln. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, die Bakterien im Urin genauer zu bestimmen. Bessern sich die Beschwerden innerhalb von zwei Wochen nicht, suchen Sie Ihren Arzt erneut auf.

Blasenentzündungen in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen sind besonders oft von Blasenentzündungen betroffen, auch wenn viele von Ihnen davon kaum etwas bemerken. Gründe dafür sind hormonelle Veränderungen und etwas erweiterte Harnwege. Zögern Sie nicht, schon bei leichten Beschwerden Ihren Arzt aufzusuchen. 

Vorbeugen: kleine Maßnahmen, große Wirkung

"Treten Blasenentzündungen immer wieder auf, ist es wichtig, nach der genauen Ursache der Infektion zu forschen", sagt die Medizinerin Petra Rudnick und ergänzt: "Eventuell liegt eine Erkrankung vor, die gezielt behandelt werden kann." Einige Frauen können beispielsweise ihre Blase nicht vollständig entleeren. Auch Hormonschwankungen des weiblichen Zyklus oder in den Wechseljahren spielen eine Rolle. Sie können das Scheidenmilieu beeinflussen und Harnwegsinfekte begünstigen, genau wie ein geschwächtes Immunsystem oder andere Grunderkrankungen. 

Schon mit einfachen Maßnahmen können Sie weiteren Entzündungen meist vorbeugen:

  • Nehmen Sie täglich ausreichend Flüssigkeit zu sich. So werden Bakterien regelmäßig aus der Blase gespült.
  • Reinigen Sie Ihren Intimbereich möglichst nur mit warmem Wasser oder mit einem Sitzbad und tupfen Sie ihn mit einem Handtuch trocken. Die natürliche Flora kann durch Waschlotionen oder übermäßige Intimhygiene gestört werden.
  • Entleeren Sie bald nach dem Geschlechtsverkehr Ihre Blase. So können Sie Ihre Harnwege auf natürliche Weise reinigen.
  • Nutzen Sie ein Diaphragma oder eine Verhütungscreme, kann auch ein Wechsel der Verhütungsmethode hilfreich sein. 
  • Achten Sie z. B. nach dem Stuhlgang drauf, im Intimbereich von vorne nach hinten zu wischen. So gelangen weniger Bakterien in die Harnröhre.
  • Wechseln Sie nasse Kleidung gleich, zum Beispiel nach dem Schwimmen. Tragen Sie angemessen warme und trockene Kleidung. So vermeiden Sie eine Unterkühlung.

Leiden Sie unter wiederkehrenden Blasenentzündungen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. In bestimmten Situationen kann ein Antibiotikum vorbeugend über mehrere Monate eingenommen werden. Andere Medikamente können helfen, Bakterien in der Blase zu binden und auszuscheiden oder diese abzutöten.