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Was ist Adipositas?
Sammelt sich übermäßig viel Fettgewebe im Körper an, sprechen Fachleute von Adipositas - einer Erkrankung, die verschiedene Ursachen haben und unter anderem Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen kann. Eine Gewichtsabnahme lässt sich oft mithilfe eines kombinierten Therapiekonzepts aus Ernährung, Bewegung und medizinischer Behandlung erreichen.
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Leonie Pape-Werlich, Dres. Schlegel + Schmidt Medizinische Kommunikation GmbH
Extremes Übergewicht betrifft immer mehr Menschen: Untersuchungen ergaben, dass in Deutschland jeweils rund die Hälfte der Frauen und Männer übergewichtig ist, eine Adipositas lag je bei etwa 20 Prozent vor. Obwohl die Wahrscheinlichkeit für eine Adipositas mit dem Alter steigt, wird die Erkrankung zunehmend bei jungen Erwachsenen festgestellt. Auch bei Kindern und Jugendlichen werden immer häufiger Übergewicht und Adipositas diagnostiziert.Ursachen und RisikofaktorenÜbergewicht entsteht oftmals dadurch, dass mehr Kalorien aufgenommen werden als nötig - eine sogenannte positive Energiebilanz: Was der Körper nicht verbraucht, lagert er als Fett an. Faktoren, die sich negativ auf das Gewicht auswirken können, sind unter anderem:Lebensstil: Viele süße, fettige Speisen und Getränke sowie zu wenig Bewegung begünstigen Übergewicht. Auch Schlafmangel oder Stress können den Stoffwechsel verlangsamen.Erkrankungen: Ist der Hormonhaushalt krankheitsbedingt gestört, z. B. bei einer Schilddrüsenunterfunktion , kann es vermehrt zu Fetteinlagerungen im Gewebe kommen. Bei psychischen Erkrankungen, z. B. Depressionen oder Essstörungen wie Bulimie , wird oft das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl der Betroffenen außer Kraft gesetzt.Medikamente: Antidepressiva , Antiepileptika, Antidiabetika, Glukokortikoide sowie Betablocker können ebenfalls den Appetit steigern und begünstigen oft zusätzliche Wasser- und Fetteinlagerungen im Körper.Familiäre Vorbelastung: Mitunter kann eine Adipositas genetisch bedingt sein. Außerdem können sich bestimmte Verhaltensmuster übergewichtiger Eltern auf ihre Kinder übertragen.Weitere: Sind Sie in Ihrer Mobilität eingeschränkt, haben gerade das Rauchen aufgegeben oder sind schwanger, kann das Ihr Körpergewicht ebenfalls nach oben treiben.Folgen von AdipositasExtremes Übergewicht beeinträchtigt oft stark den Alltag und die Lebensqualität von Betroffenen: So kann es die Beweglichkeit und Kondition einschränken - selbst leichte Bewegung wird mitunter als anstrengend empfunden. Und auch die psychische Gesundheit leidet meist aufgrund von körperlichen Einschränkungen und gesellschaftlichen Stigmata, die übergewichtige Menschen betreffen.Adipositas kann sich auf viele verschiedene Arten auf den Körper auswirken - einige davon entstehen erst im Verlauf mehrerer Jahre. Das Risiko für Begleiterkrankungen ist jedoch bereits bei der Adipositas-Vorstufe erhöht und steigert sich mit zunehmendem BMI (mehr zur Einteilung lesen Sie unten). Mögliche Folge- und Begleiterscheinungen sind unter anderem:Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z. B. Bluthochdruck , Koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinsuffizienz und Schlaganfall Orthopädische Erkrankungen wie Gelenkprobleme und degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparats, z. B. Rückenschmerzen , Hüft- oder Kniegelenksarthrose Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Gicht , Fettstoffwechselstörungen wie erhöhte Cholesterin- und TriglyceridwerteErkrankungen der Organe, z. B. von Niere, Leber oder Gallenblase Metabolisches Syndrom - verschiedene Krankheitsbilder, die in Kombination auftreten, z. B. Bluthochdruck und erhöhte Blutzuckerwerte Krebserkrankungen verschiedener OrganePsychische Erkrankungen, bspw. DepressionenWeitere: Störungen der Blutgerinnung, chronische Entzündungen, Atemwegskomplikationen wie Schlafapnoe , schwere Verläufe von Infektionen und Magen-Darm ErkrankungenDiagnose: Wann ist das Gewicht zu hoch?Basis für die Diagnose einer Adipositas ist der sogenannte Body-Mass-Index, kurz BMI: Er beschreibt das Verhältnis des Körpergewichts zur Körpergröße. Anhand des BMI teilt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Gewichtsklassen bei Erwachsenen wie folgt ein:Untergewicht: BMI < 18,5Normalgewicht: BMI 18,5-24,9Übergewicht: BMI ≥ 25Präadipositas: BMI 25-29,9Adipositas Grad I: BMI 30-34,9Adipositas Grad II: BMI 35-39,9Extreme Adipositas Grad III: BMI ≥ 40Mit dem
BMI-Rechner der TK können Sie Ihren individuellen BMI berechnen.Bereits bei der Adipositas-Vorstufe, also einem BMI zwischen 25 und 29,9, ist es ratsam, aktiv zu werden und einer weiteren Gewichtszunahme und eventuellen Folgeerkrankungen frühzeitig entgegenzusteuern. Spätestens ab einem BMI von 30 ist eine ärztliche Behandlung der Adipositas erforderlich.Der BMI ist jedoch nur bedingt aussagekräftig. Denn neben dem Gewicht ist auch die Fettverteilung ausschlaggebend für Ihr individuelles Gesundheitsrisiko. Bauchfett, auch viszerales Fett genannt, setzt nämlich permanent krankmachende Botenstoffe frei. Es hat unter anderem einen entscheidenden Einfluss auf das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 oder Bluthochdruck. Ob bei Ihnen der Anteil an Bauchfett zu hoch ist, lässt sich mithilfe der sogenannten Waist-to-Hip-Ratio , kurz WHR, feststellen. Dafür wird das Verhältnis Ihres Hüftumfangs zum Taillenumfang ermittelt.Wichtig ist außerdem zu untersuchen, in welchem Verhältnis Fett- und Muskelmasse in Ihrem Körper stehen und wie hoch die jeweiligen Anteile sind. Das kann durch eine sogenannte bioelektrische Impedanzanalyse, kurz BIA, bestimmt werden.Zusätzlich können kurze Bewegungstests anzeigen, wie es um Ihre Ausdauer und Muskelkraft bestellt ist. Um weitere bestehende Erkrankungen oder Risikofaktoren zu erfassen, lässt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine Blutprobe im Labor analysieren und misst Ihren Blutdruck. Außerdem wird sie oder er sich ausführlich nach Ihrem Bewegungs- und Essverhalten, Ihrem Stresspegel sowie Ihrer allgemeinen Lebensqualität erkundigen.Sie vermuten, adipös zu sein, und sind unsicher, an wen Sie sich wenden sollten? Ihre hausärztliche Praxis ist Ihre erste Anlaufstelle. Hier können bereits einige wichtige Indikatoren untersucht werden. Falls nötig, überweist Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt Sie für bestimmte Untersuchungen an entsprechende Fachärztinnen oder -ärzte.
Dünne Dicke oder das TOFI-PhänomenBauchfett birgt übrigens nicht nur für Adipositas-Betroffene ein gesundheitliches Risiko. Auch normalgewichtige Menschen können einen hohen Anteil an viszeralem Fett aufbauen - obwohl sie äußerlich schlank sind und einen unbedenklichen BMI haben. Daher wird dieser Körpertyp auch als TOFI bezeichnet, was für "Thin Outside, Fat Inside" steht. Ursachen und Behandlung beziehungsweise Vorbeugung sind oft die gleichen wie bei Menschen mit Übergewicht.
Individuelles TherapiekonzeptDie Behandlung ermöglicht Ihnen, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen und langfristig halten zu können. Damit sollen auch Folgeerkrankungen vorgebeugt und bereits bestehende Begleiterscheinungen eingedämmt werden. Welche Therapiebausteine für Sie optimal sind, wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen festlegen. Machen Sie sich bewusst: Es geht darum, Ihre Lebensqualität zu steigern. Setzen Sie sich realistische Ziele und feiern Sie auch kleine Erfolge.Ernährungs- und BewegungstherapieIm Falle einer Adipositas wird meist zuerst bei der Ernährung und der körperlichen Aktivität angesetzt. Da diese beiden Faktoren zusammen hohe Erfolgschancen bieten, wird oft eine Kombinationstherapie unter fachlicher Anleitung angeboten. In Sachen Ernährung wird in der Regel empfohlen, täglich etwa 500 Kilokalorien weniger aufzunehmen und zu Lebensmitteln zu greifen, die einen hohen Ballaststoffanteil haben sowie fett- und zuckerarm sind. Hilfreich ist eine individuelle Ernährungsberatung, bei der Sie Schritt für Schritt lernen, gesündere Alternativen zu wählen, ohne unter Hungergefühlen zu leiden. Sogenannte Formula-Diäten mit Eiweißshakes sollten nur unter ärztlicher Begleitung durchgeführt werden.
Wichtig zu wissen:Sind Sie schwanger oder stillen gerade ein Baby, ist eine Kalorienreduktion nicht empfehlenswert. Menschen mit Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie und schweren Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1 wenden sich am besten an eine Fachärztin beziehungsweise einen Facharzt.
Körperliches Training ist ebenso notwendig wie die Kalorienreduktion. Beim Sport verbraucht Ihr Körper zusätzliche Kalorien und baut Stress ab. Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf Ihr Sättigungsgefühl aus und hilft Ihnen dabei, Körperfett abzubauen und Muskelmasse zu erhalten. Am wirksamsten sind leichte und zugleich gelenkschonende Ausdauersportarten wie Schwimmen, Wassergymnastik, Fahrradfahren, Walking und Wandern. Wenn Sie abnehmen wollen, lassen Sie sich ärztlich beraten, welche Sportarten am besten für Sie geeignet sind. Bewegen Sie sich täglich möglichst eine halbe bis ganze Stunde - das können auch ein Spaziergang oder Erledigungen per Fahrrad sein.VerhaltenstherapieDauerhaft das eigene Essverhalten zu ändern und die körperliche Aktivität zu steigern, kann eine enorme Herausforderung sein. Oft kämpfen Betroffene auch mit den psychischen Folgen ihrer Adipositas. Eine Verhaltenstherapie kann Sie auf Ihrem Weg zu einem gesunden Körpergewicht unterstützen.Zu Beginn einer Verhaltenstherapie beobachten Sie Ihr eigenes Ess- und Trinkverhalten, zum Beispiel mithilfe eines Ernährungstagebuchs. So erkennen Sie, in welchen Situationen Sie zu Schokoriegel, Softdrink & Co. greifen und warum. Danach können Sie gemeinsam mit Ihrer Therapeutin oder Ihrem Therapeuten Strategien entwickeln, alte Gewohnheiten durch neue, gesündere zu ersetzen und diese fest in Ihrem Alltag zu verankern.Medikamentöse TherapieLiegt bei Ihnen eine schwere Adipositas vor oder leiden Sie bereits bei einem BMI von 28 unter schwerwiegenden Begleiterkrankungen, kann Ihnen ein Präparat verschrieben werden, das etwa Ihr Sättigungsgefühl beeinflusst oder die Aufnahme von Fett aus der Nahrung senkt. Je nach Medikament wird es entweder als Tablette eingenommen oder unter die Haut gespritzt.Chirurgische TherapieEine chirurgische Behandlung kommt meist nur in Betracht, wenn alle vorgenannten Therapieoptionen nicht zum Erfolg geführt haben und Sie außerdem unter Adipositas Grad III beziehungsweise Grad II mit Begleiterkrankungen leiden. Bei einem Magenband oder einer Magenverkleinerung wird das Magenvolumen erheblich verkleinert. Nach der OP fühlen Sie sich schneller gesättigt und essen automatisch weniger.Eine andere Möglichkeit ist ein Magenbypass: Dabei wird ebenfalls der Magen verkleinert und auf kürzerem Weg mit dem Darm verbunden. So tritt nicht nur das Sättigungsgefühl schneller ein, auch die Verdauung der Fette findet nicht mehr in vollem Ausmaß statt.Welches Verfahren für Sie am besten geeignet ist, wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin individuell mit Ihnen besprechen. Wichtige Faktoren bei der Wahl sind vor allem Ihr BMI, Alter, Geschlecht und mögliche Begleiterkrankungen. Auch Ihre Motivation und Ihre Bereitschaft, die zum Teil anstrengende Therapie sowie Nachversorgung aktiv und konsequent mitzutragen, spielen dabei eine Rolle.Ihr UnterstützungsnetzwerkFür den Erfolg Ihrer Adipositas-Therapie können Sie selbst einiges tun. Häufig ist es notwendig, das eigene Leben komplett umzukrempeln und tiefgreifende Maßnahmen sehr konsequent umzusetzen. Das ist nicht immer einfach und birgt viele Stolperfallen.Weihen Sie daher auch Personen, die Ihnen nahestehen, in Ihre Pläne ein. Sie können Ihnen bei Ihrem Vorhaben zur Seite stehen: zum Beispiel beim gemeinsamen Kochen oder Sporttreiben, indem sie Sie motivieren, durchzuhalten, oder ein offenes Ohr für Ihre Wünsche und Sorgen haben.Rat und Unterstützung erhalten Sie auch bei Selbsthilfeorganisationen. Hier treffen Sie auf Menschen in ähnlichen Situationen, mit denen Sie sich austauschen können, und erhalten wertvolle Tipps für Ihren Alltag. Umfangreiche Informationen und Adressen von Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe finden Sie unter anderem bei der AdipositasHilfe Deutschland e. V. oder dem Adipositasverband Deutschland e. V.
Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) e. V.: Folge- und Begleiterkrankungen, o. J. URL: https://adipositas-gesellschaft.de/ueber-adipositas/folge-und-begleiterkrankungen/ (abgerufen am: 11.11.2025).Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) e. V.: Interdisziplinäre S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas. 5. Auflage, Stand: 10.2024. URL: https://register.awmf.org/assets/guidelines/050-001l_S3_Praevention-Therapie-Adipositas_2024-10.pdf (abgerufen am: 11.11.2025).Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e. V.: Viszerales Fett (Bauchfett) - 7 Fragen, 7 Antworten, 28.09.2025. URL: https://fet-ev.eu/viszerales-fettgewebe-bauchfett/#6 (abgerufen am: 11.11.2025).Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) - gesundheitsinformation.de: Starkes Übergewicht (Adipositas), 24.08.2022. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/starkes-uebergewicht-adipositas.html (abgerufen am: 11.11.2025).Stiftung Gesundheitswissen: Was ist Adipositas?, 15.08.2023. URL: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/adipositas/allgemeines (abgerufen am: 11.11.2025).
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