Die in Deutschland gesetzlich geregelten Vorsorgeuntersuchungen zählen im internationalen Vergleich zu den umfangreichsten Leistungskatalogen. Kaum ein anderes Land bietet Frauen neben vielen anderen Leistungen gleich drei Ultraschall-Termine an. 

Im Rahmen Ihrer Schwangerschaftsvorsorge wird Ihre Frauenärztin Sie auf die Möglichkeit weiterer Untersuchungen hinweisen. Besteht kein begründetes Risiko, können Sie diese Leistungen als Selbstzahlerin in Anspruch nehmen. In jedem Fall sollten Sie sich im Vorfeld ausführlich von Ihrer Frauenärztin oder einem Humangenetiker zu den unterschiedlichen Optionen beraten lassen. 

Durchblick mit dem IGeL-Monitor

Bei dem großen Angebot an unterschiedlichen Zusatzuntersuchungen den Überblick zu behalten, kann zu einer echten Herausforderung werden. Die große Kunst ist es, den Nutzen klar zu bewerten und mögliche Risiken abzuwägen. Nutzen Sie dazu das Angebot des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V. (MDS). Auf den Seiten des sogenannten IGeL-Monitors finden Sie ausführliche Informationen rund um die individuellen Gesundheitsleistungen und ihre Vor- und Nachteile.

Erweiterte Ultraschalldiagnostik

Im Rahmen der gesetzlichen Schwangerschaftsvorsorge sind drei Ultraschalluntersuchungen vorgesehen, mit deren Hilfe Ihre Frauenärztin die Entwicklung Ihres Kindes beurteilen kann. Sie finden im ersten, zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel statt. Stellt die Ärztin dabei Auffälligkeiten fest, kann sie weitere Untersuchungen durchführen. Bei einem begründeten Verdacht werden die Kosten hierfür von der TK übernommen. 

Wer sich nicht bis zu den vorgesehenen Terminen gedulden kann und "einfach mal gucken" möchte; oder wer ein aufwändigeres, bildgetreueres Verfahren erhalten möchte, konnte diese Ultraschalluntersuchungen bisher als IGeL selbst bezahlen. Eine neue Verordnung verbietet diese zusätzlichen, freiwilligen Ultraschalluntersuchungen. Grund für diese strikte Neuregelung innerhalb der Strahlenschutzverordnung ist, dass keine medizinische Notwendigkeit für solche Untersuchungen besteht. Außerdem ist die Untersuchungszeit deutlich länger als bei einer normalen Ultraschalluntersuchung. Daher sind seit dem 1. Januar 2021 Ultraschallanwendungen ohne ärztliche Indikation untersagt.

Keine Garantie

Einzelne Tests zur Risikoeinschätzung  liefern in der Regel keinen Beweis für eine Fehlentwicklung Ihres Kindes. Die Frauenärztin berechnet anhand unterschiedlicher Werte lediglich die Wahrscheinlichkeit, ob die Entwicklung Ihres Kindes beeinträchtigt ist. Um eine sichere Diagnose zu stellen, sind in den meisten Fällen weitere Untersuchungen nötig.

Invasive Verfahren

Auch wenn invasive Untersuchungsmethoden nur sehr selten zu Komplikationen führen, empfiehlt Ihre Frauenärztin diese nur in Ausnahmefällen. Zum Beispiel, wenn ein auffälliger Ultraschallbefund vorliegt oder Sie die Untersuchungen ausdrücklich wünschen. Gemeinsam können Sie Nutzen und Risiken abwägen.

  • Mit der Fruchtwasseruntersuchung kann Ihre Frauenärztin kindliche Zellen im Labor auf genetische Abweichungen untersuchen lassen. 
  • Bei der Chorionzottenbiopsie entnimmt Ihre Frauenärztin mithilfe einer dünnen Kanüle etwas Gewebe aus der Plazenta. Anschließend wird die Gewebeprobe in einem Labor untersucht. Auch hier ist das Ziel der Untersuchung, mögliche genetische Erkrankungen des Babys zu erkennen. 
  • Auch bei der Nabelschnurpunktion führt die Ärztin eine dünne Nadel durch die Bauchdecke ein und entnimmt etwas Blut aus der Nabelschnur Ihres Kindes. Anschließend kann sie es im Labor auf verschiedene Infektions- und Erbkrankheiten, aber auch Blutarmut oder eine Blutgruppenunverträglichkeit untersuchen lassen. Ihre Frauenärztin führt die Untersuchung meist nach einer auffälligen Fruchtwasseruntersuchung durch.

Schonende Option mit Tücken: der NIPT-Test

Bei dem sogenannten nicht-invasiven Pränatal-Test werden Teile der Erbinformationen in Ihrem Blut untersucht. Da der Test jedoch keine Fehlbildungen wie zum Beispiel einen offenen Rücken, einen Bauchwanddefekt oder einen Herzfehler nachweisen kann, ist in der Regel eine ergänzende Ultraschalluntersuchung notwendig. 

Spezielle Laborwerte

Folgende Laborwerte gehören nicht zu den in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehenen Untersuchungen

  • Toxoplasmose: Die Toxoplasmose ist eine seltene Infektionserkrankung. Betroffene bemerken meist nicht einmal, dass sie erkrankt sind oder leiden nur unter leichten grippeähnlichen Symptomen. Während einer Schwangerschaft können die Parasiten jedoch Organe wie das Gehirn und die Augen des ungeborenen Kindes befallen. Mit einem Bluttest kann Ihre Frauenärztin überprüfen lassen, ob Sie in Ihrem Leben bereits infiziert waren und entsprechende Antikörper entwickelt haben. Vermutet Sie eine akute Infektion, kann sie den Erreger in Ihrem Blut nachweisen lassen.

    Tipp: Um einer Ansteckung vorzubeugen, sollten Sie darauf achten, Fleisch stets gut durchzugaren und Gemüse, Salat und Obst sorgfältig unter fließendem Wasser zu waschen. Wenn Sie Fleisch zubereiten, waschen Sie sich danach gründlich die Hände. Verzichten Sie als Katzenhalterin für die Zeit Ihrer Schwangerschaft möglichst auf direkten Kontakt mit dem Katzenklo und stellen Sie dieses außerhalb der Wohnräume auf.
  • Zytomegalie: Das Zytomegalievirus gehört zu den Herpesviren und äußert sich ebenfalls häufig durch grippeähnliche Symptome. In der Schwangerschaft können die Viren über die Plazenta zum Kind gelangen. In schweren Fällen können sie das Nervensystem, die Niere, die Leber und das Herz Ihres Babys schädigen. Wird der Erreger nachgewiesen, kann Ihre Frauenärztin anschließend eine geeignete Therapie einleiten.
  • B-Streptokokken: Bei einer Infektion mit B-Streptokokken handelt es sich um eine sehr seltene Genitalinfektion, die in die Gebärmutter aufsteigen kann. Die Bakterien können dann die Atmung Ihres Babys beeinträchtigen und Lungen- oder Hirnhautentzündungen auslösen. Manchmal machen sich die Erreger durch eine Harnwegsinfektion bei der werdenden Mutter bemerkbar. 
    Auf Wunsch kann Ihre Frauenärztin zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche einen Abstrich nehmen und diesen im Labor auf eine B-Streptokokken-Infektion untersuchen lassen. Ist das Testergebnis positiv, erhalten Sie unter der Geburt eine einmalige Antibiotikagabe, damit sich Ihr Kind nicht mit den Bakterien infiziert. Damit wird einer potenziellen gefährlichen Infektion Ihres Kindes direkt nach der Geburt vorgebeugt.