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Wer kennt sie nicht, die Angst vor der Prüfung, dem Bewerbungsgespräch oder der Präsentation vor der versammelten Abteilung? Viele Menschen bekommen dieses mulmige Gefühl in den Griff, indem sie sich entweder besonders gut auf das Ereignis vorbereiten oder sich von der Vorstellung lösen, die Situation perfekt lösen zu müssen. Andere werden von dieser Angst förmlich aufgefressen und bekommen dann gar nichts mehr auf die Reihe.

Angst hat jeder mal

Angst zu haben, sagt Dr. Michael Cugialy, bedeutet meist, dass etwas als sehr wichtig oder bedeutsam empfunden wird. Und: Sie tritt in allen Lebensphasen auf und geht auch wieder. "Jeder Mensch muss im Laufe seines Lebens bestimmte Entwicklungsaufgaben bewältigen, je nach Aufgabe fällt dem einen das leichter, dem anderen schwerer", erzählt der Psychotherapeut, der an der FU Berlin Studenten psychologisch berät.

Eine solche Entwicklungsaufgabe steht auch in den Mittzwanzigern an. Der sichere Hafen aus Uni, Ausbildungsplatz und Elternhaus wird verlassen und damit auch ein Stück der eigenen Identität. Plötzlich ist man erwachsen, muss folgenreiche Entscheidungen treffen: Was will ich werden, wer will ich sein?

Mann der mit acht Armen diverse Dinge, wie Aktentasche, Hantel oder Geld jongliert Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Cugialys Erfahrung nach packen die meisten Studierenden diesen Schritt ganz gut. Manche wünschen sich sogar nichts sehnlicher, als das Studium abzuschließen und endlich gutes Geld zu verdienen. Doch einige werden von einer lähmenden Angst gepackt: Dann wird die Masterarbeit lange, manchmal über Jahre aufgeschoben und der Fokus auf den Nebenjob oder Hobbys gelegt, um sich ja den Unsicherheiten des neuen Lebensabschnitts nicht stellen zu müssen. Das kann sogar teilweise unbewusst ablaufen.

Hinschauen und Frosch schlucken

Dabei geht kein Weg am Hinschauen vorbei. Vermeidungsstrategien müssen zur Bewältigung von Ängsten durchbrochen werden. "Setzt euch mit euren Problemen aktiv auseinander, notiert euch eure Angstgedanken", lautet sein Rat. Stehen die Befürchtungen schwarz auf weiß vor uns, so die Idee dahinter, dann wirken sie besser bewältigbar und haben unser Leben schon weit weniger im Griff. So ist auch bald wieder Platz für andere Gedanken.

"Höhenangst wird nicht auf der Couch kuriert, sondern auf dem Berg." Dr. Michael Cugialy

Doch zur Bewältigung von Aufschieberitis & Co. gehört noch mehr. Hinschauen bedeutet letztlich auch, den Frosch zu schlucken. Heißt übersetzt: Wer sich vor der ungewissen beruflichen Zukunft fürchtet, sollte sich an einem Tag in der Woche aktiv mit dem Stellenmarkt auseinandersetzen, zur Berufsberatung gehen, Jobmessen oder Existenzgründerseminare besuchen - und vielleicht auch schon die ersten Bewerbungen schreiben. "Solche konkreten Maßnahmen funktionieren in der Regel", meint der Psychologe.

Auch wenn nur selten hinter Zukunfts- und Existenzängsten psychiatrische Diagnosen wie eine echte Depression stecken, können solche Sinnkrisen zwischen 20 und 30 – auch Quartelife-Crisis genannt - enormen Leidensdruck erzeugen. Experten sprechen vom Verlust der Genussfähigkeit. Studentenberatungsstellen wie an der FU Berlin, die es an fast jeder Hochschule und bei Studentenwerken gibt, können hier sehr passgenau helfen. Auch Familienberatungsstellen der Städte und Kommunen sind geeignete Anlaufstellen. Im Zweifel helfen niedergelassene Psychotherapeuten weiter.

Wenn die Angst krank macht

Die Angst als lähmender Dauerzustand, der auf die Stimmung drückt - und das nicht nur ein paar Tage, sondern wochen- oder sogar monatelang?  Dann ist der Hausarzt erst einmal der richtige Ansprechpartner. Wenn eine Depression dann diagnostiziert wird, kann auch der TK-DepressionsCoach helfen, die Symptome zu lindern. 

Cugialy versucht, seine Ratsuchenden zu Experten für ihre eigenen Probleme zu machen, damit sie diese verstehen und leichter lösen können. Manchmal reichen dafür sogar schon ein paar wenige Gespräche, manchmal braucht es eine längere Verhaltenstherapie. Aber einen Ausweg aus der Krise, ist Cugialy überzeugt, den gibt es immer.