Die Hausstaubmilben-Allergie ist nicht selten. Etwa jeder zehnte Deutsche ist davon betroffen.

Wer eine Hausstaubmilben-Allergie hat, ist nicht gegen die Milbe selbst allergisch, sondern auf einen bestimmten Eiweißstoff in deren Kot. Dieser befindet sich dort, wo Hausstaubmilben zu Hause sind: in Matratzen, Bettdecken, Polstermöbeln oder Teppichen - überall da, wo sich Menschen aufhalten. Dort herrschen für die winzigen, an sich harmlosen Gliedertierchen die besten Voraussetzungen, um zu leben: Ganz oben auf ihrem Speiseplan stehen Hautschuppen.

Hausstaubmilbenallergien haben in den vergangenen Jahren vor allem auch im Kindesalter stark zugenommen. Ein Grund sind vor allem bauliche Maßnahmen zur Wärmedämmung. Dadurch werden Fenster so abgedichtet, dass der Luftaustausch nur noch in sehr begrenztem Ausmaß stattfinden kann. Die dadurch erhöhte Raumluftfeuchtigkeit führt zu verbesserten Lebensbedingungen der Milben.

Die Hausstaubmilbenallergie ruft ganzjährig allergische Beschwerden hervor. Denn die Allergenbelastung durch Hausstaub besteht dauerhaft. Hausstaub beziehungsweise Milben lassen sich kaum vermeiden.

Beim Bettenaufschütteln, Staubwischen oder auch nur durch bloße Bewegung im Zimmer werden die Kotkügelchen in winzige Teile zerstäubt und aufgewirbelt. Je trockener die Luft, desto besser fliegt der Staub. Im Winter macht sich die Hausstaubmilbenallergie verstärkt bemerkbar. Denn dann bringen vor allem Heizungen den "Kot-Staub" in Bewegung, da warme Luft nach oben steigt. Beim Einatmen gelangt der mikroskopisch klein zerlegte Kot in die Atemwege und löst die Allergie aus.

Sind Hausstaubmilben ein Zeichen von Unsauberkeit?

Hausstaubmilben sind winzig und mit bloßem Auge kaum zu sehen: Nur einen halben Millimeter sind die weißlichen Tierchen groß. Rund 10.000 Hausstaubmilben befinden sich in einem Bett - wohlbemerkt in einem ganz normalen, "sauberen" Bett. Denn Hausstaubmilben sind kein Zeichen von Unsauberkeit. Sie gehören zum natürlichen Leben dazu. Sie ernähren sich von Hautschuppen, von denen jeder Mensch täglich bis zu zwei Gramm verliert. Genug, um 1,5 Millionen Tierchen einen Tag lang zu versorgen.

Hausstaubmilben können ihre Körpertemperatur und ihren Wasserhaushalt nicht selber regulieren. Sie sind deshalb den äußeren Lebensumständen völlig ausgeliefert: Ist es extrem heiß oder kalt und trocken, dann sterben sie ab. Das kann man nutzen, um hausstaubmilbenfreie Zonen zu schaffen.

Wie macht sich die Allergie bemerkbar?

Wer gelegentlich beim Staubwischen niest, muss noch lange keine Hausstaubmilbenallergie haben. Morgens ständig tränende Augen und Schnupfen, Hustenanfälle oder Hautausschlag sind dagegen typische Anzeichen für eine Hausstaubmilbenallergie.

Die allergische Reaktion macht sich bemerkbar durch:

  • Laufende oder ständig verstopfte Nase
  • Juck- und Niesreiz
  • Brennende, tränende Augen
  • Asthmatischer Husten
  • Verengung der Bronchien mit anfallsweiser Atemnot
  • Kreislaufprobleme
  • Hautreaktionen (Auslösung oder Verschlechterung eines atopischen Ekzems)

Wenn die Bronchien oder der Kreislauf sehr heftig reagieren, kann es für den Betroffenen gefährlich werden: Die Verengung der Bronchien führt zu einer anfallsweisen Atemnot - wie beim allergischen Asthma. Bei einer schweren allergischen Reaktion kann der Kreislauf binnen kurzer Zeit zusammenbrechen. Man spricht dann von einem allergischen Schock, der lebensbedrohlich sein kann.

Wie wird eine Hausstaubmilben-Allergie diagnostiziert?

Eine genaue Diagnose kann nur der Arzt stellen. Als erstes wird er den Patienten genauer zu den Symptomen befragen:

  • Wie stark sind die Beschwerden?
  • Wie häufig treten sie auf?
  • Zu welcher Tageszeit treten sie meistens auf?
  • Was verschlimmert und was bessert die Beschwerden?

Mit einem Hauttest prüft der Arzt, ob der Körper auf das Allergen reagiert oder nicht. Es gibt dabei zwei Testverfahren:

  • Beim Pricktest (to prick = aufstechen) wird das Allergen auf die Haut getropft und dann die Haut darunter leicht angepiekst.
  • Beim Scratchtest (to scratch = ritzen) wird das Allergen auf die leicht angeritzte Haut getropft.

Anschließend begutachtet der Arzt die Reaktion der Haut: Reagiert die Haut an dieser Stelle mit Schwellungen und Rötungen und hat der Patienten entsprechende allergische Beschwerden, handelt es sich um eine Allergie.

Wie kann man einer Hausstaubmilben-Allergie vorbeugen?

Wichtigste Maßnahme bei allen allergischen Erkrankungen ist das Meiden des Allergens. Hausstaubmilben-Allergiker sollten ihr Lebensumfeld so gestalten, dass Hausstaubmilben möglichst wenige Chancen haben, sich breit zu machen. Allein diese Maßnahme führt oft auch ohne Medikamente zur Besserung der Beschwerden und des Allgemeinbefindens.

Die Milbe aus dem Bett verbannen

Weil das Bett die Hauptquelle für Hausstaubmilben ist, wird empfohlen, das Bett milbensicher zu machen. Für Matratzen und Bettzeug gibt es spezielle milbendichte Überzüge (Encasings). Sie reduzieren die Milbenallergenmenge und bessern die Beschwerden. Die Matratzen werden mit diesen Überzügen, die waschbar sein sollten, umhüllt. Die in den Matratzen befindlichen Milben und der allergenhaltige Feinstaub können so nicht mehr nach außen dringen.

  • Am besten ist es, eine neue Matratze direkt mit einem Encasing zu versehen.
  • Oberbett und Kopfkissen sollten bei mindestens 60 Grad Celsius waschbar sein.
  • Federfüllungen bedeuten nicht zwingend ein allergenes Risiko, wenn nicht eine Feder- oder Daunen-Allergie vorliegt.

Allerdings sollten Sie sich vor dem Kauf gut informieren. Die Qualität ist nicht überall gleich gut, wie ein Test der Stiftung Warentest offenbarte.

Von zwölf Allergikerbezügen boten vier keinen Schutz und erhielten deshalb die Note "mangelhaft". Auch für Allergiker, die besonders stark schwitzen, ist nicht jeder Bezug geeignet, weil es eben eine Kunst ist, einen Bezug so dicht zu weben, dass er "milbendicht" ist, und zugleich eine ausreichende Luftzirkulation und Saugfähigkeit bietet.

Allerdings sind milbendichte Bezüge als alleinige Maßnahme nicht ausreichend.

Außerdem gibt es Anti-Milben-Sprays, die man auf die Matratzen, Teppiche oder Möbel sprühen kann, um die Milben zu vernichten. Diese Mittel könnten zwar helfen, die Beschwerden zu verringern, allerdings ist nicht bekannt, ob die darin enthaltenen Substanzen bei langfristiger Anwendung Nebenwirkungen hervorrufen.

Die richtigen Möbel

Aus Matratzen und Polstermöbeln gelangen die Milben (und somit das Milbenallergen) in den Teppich, wo sie meist rasch absterben, aber das Allergen verbleibt. Sie sollten Teppiche regelmäßig reinigen. Andererseits binden Teppiche den Staub, sodass auch im Staub befindliche Allergene - wie der Milbenkot - nicht mehr durch die Luft wirbeln, wie dies beim Glattboden der Fall ist.

Wird ein Teppichboden verwendet, sollte dieser aus kurzflorigem, schadstoffarmem Material bestehen und nach Möglichkeit nicht verklebt, sondern verspannt werden. Auch bei glatten Böden sollte auf schadstoffarmes Material geachtet werden.

Was taugt "die Kraft des Neembaumes" gegen die Allergie?

Den Milben den Garaus zu machen, versprechen Produkte, die mit der Kraft des Neembaumes werben. Sie enthalten ein Öl, das aus sämtlichen Teilen des indischen Baumes gewonnen wird. Dieses Öl soll die Milben abtöten.

Experten des Aktionsbündnisses Allergieprävention (ABAP) sind skeptisch: "Ein Wundermittel ist es sicher nicht, auch wenn die Werbung viel verspricht." Darin sei kein wirklicher Fortschritt für die Hausstaubmilbensanierung zu erkennen. Folgende Kritikpunkte seien vor allem zu nennen:

  • Die Milbenpopulation nehme nur langsam ab, es tritt aber keine Sofortwirkung ein.
  • Die Milbenallergene bleiben im Bett, wenn nicht parallel gewaschen, gesaugt und abgewartet wird.
  • Auch wenn die akute orale Toxizität unkritisch sei, fehlen wissenschaftliche Studien zur Effektivität und Sicherheit der Langzeitanwendung (Innenraumbelastung, Sensibilisierung).

Was kann man gegen Hausstaubmilben machen?

Einige Tipps, mit denen sich die Milbenzahl reduzieren lässt:

  • Empfehlenswert ist, die Bettwäsche häufig zu wechseln. Waschen von Oberbett, Bettlaken und Kopfkissen bei 60 Grad Celsius, kann die Milben sicher abtöten und die Allergene beseitigen. Die meisten Waschmaschinen halten diesen wärmsten/heißesten Waschpunkt allerdings nur für wenige Minuten. Effizienter sind daher Waschmaschinen mit speziellen Allergiewaschprogrammen.
  • Verzichten Sie, wenn möglich, auf Staubfänger wie Vorhänge, Plüschtiere und offene Bücherregale.
  • Achten Sie darauf, dass das Bett gut belüftet ist: Es sollte auf Füßen stehen und keinen geschlossenen Bettkasten haben. Ein luftdurchlässiger Latten- oder Drahtrost ist empfehlenswert.
  • Regelmäßig die Räume lüften und trocken halten - vor allem im Schlafbereich. Es bietet sich an, eine Stoßlüftung mehrmals täglich für etwa zehn Minuten durchzuführen.
  • Die Wohnung, vor allem das Schlafzimmer, regelmäßig säubern.
  • In Ledermöbeln können sich Milben nicht einnisten.
  • Saugen Sie Teppiche und Teppichböden regelmäßig gründlich. Dafür sollten möglichst dichte Staubsaugergeräte mit Staubsaugerbeuteln und geeigneten Filtern für Allergiker verwendet werden (EPA-HEPA-Filter).
  • Auf Parkettböden oder anderen glatten Böden befinden sich in der Regel weniger Milben als auf Teppichböden. Allerdings ist es wichtig, dass keine großen Fugen oder tiefe Poren vorhanden sind, in denen sich Staub und Feuchtigkeit gut halten. Und vergessen Sie nicht, auch glatte Böden regelmäßig zu reinigen: Wischen Sie glatte Böden regelmäßig, zweimal wöchentlich, feucht! 
  • Plüschtiere, die nicht bei 60 Grad waschbar sind, können von Milben befreit werden, wenn sie über Nacht bei minus 18 Grad in den Gefrierschrank gesteckt werden. Danach einfach absaugen.

Es gibt Staubsauger mit speziellen Feinstaubfiltern, aber erwarten Sie nicht zu viel: Frei von Milben bekommen Sie Teppiche damit nicht. Auch ist die Aufschrift "Für Allergiker geeignet" keine Garantie für unbeschwertes Staubsaugen. Auch für spezielle Luftreiniger ist nicht nachgewiesen, dass sie die allergischen Beschwerden reduzieren.

Wie lassen sich die Beschwerden behandeln?

Medikamente

Medikamente können zwar nicht die Allergie beseitigen, aber sie können die Beschwerden lindern. Antihistaminika unterdrücken die allergische Reaktion, indem sie die Freisetzung des Hauptbotenstoffs allergischer Reaktionen, das Histamin, blockieren. Sie stehen in Form von Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen zur Verfügung. Außerdem können Nasensprays, die ein Glukokortikosteroid enthalten, zum Einsatz kommen. Zusätzlich kann der Arzt einen Leukotrienantagonisten verordnen.

Hyposensibilisierung

Durch eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) kann man den Körper gegenüber den allergieauslösenden Stoffen unempfindlicher machen. Die Therapie besteht darin, die körpereigene Abwehr an das Allergen zu gewöhnen. Dazu spritzt der Arzt die Allergene in ansteigender Dosierung mit einer dünnen Nadel unter die Haut. Diese Behandlung ist meist sehr effektiv, erfordert aber Geduld, denn der Prozess der Hyposensibilisierung kann sich über mehrere (maximal drei) Jahre hinweg ziehen.

Nebenwirkungen der Hyposensibilisierung reichen von leichten allergischen Reaktionen an der Einstichstelle bis, im seltenen Ausnahmefall, zu einer gefährlichen allergischen Reaktion des gesamten Körpers. Daher muss der Patient nach einer Injektion zur Sicherheit noch eine halbe Stunde in der Praxis bleiben.