Nicht jeder Mensch ist in der Lage, Laktose abzubauen und zu verwerten. Bei der Laktose-Intoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) liegt ein Mangel des Enzyms Laktase vor. Infolgedessen kann die Laktose im Dünndarm nicht gespalten und auf natürliche Weise verdaut werden.

Der Milchzucker gelangt dann unverdaut in den Dickdarm, wo er von Bakterien aufgenommen und zu Milchsäure, Essigsäure und verschiedenen Gasen wie zum Beispiel Methan und Kohlendioxid verarbeitet wird. Diese Stoffe führen zu den für die Laktose-Intoleranz typischen Beschwerden. Nach dem Genuss von Milch und Milchprodukten leiden die Betroffenen unter Völlegefühl, Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall.

Die Laktose-Intoleranz ist nicht mit einer Milchallergie zu verwechseln. Bei der Allergie handelt es sich um eine Reaktion des Immunsystems auf ein körperfremdes Eiweiß. In der Milch sind verschiedene Eiweiße enthalten (Casein, Molkenproteine). Nicht jeder Allergiker reagiert auf alle Eiweiße, daher werden manchmal gekochte Milch oder Sauermilchprodukte trotz Milchallergie vertragen.

Wie häufig ist die Laktose-Intoleranz?

Gesunde Säuglinge produzieren während der Stillzeit noch genügend Laktase. Erst mit der Umstellung von Milch auf feste Kost nimmt die Produktion von Laktase ab. Ein Laktasemangel kommt im Erwachsenenalter weltweit vor. Wie viel Laktase der Körper dann noch bildet, variiert in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Besonders häufig kommt die Milchzuckerunverträglichkeit in Afrika und Asien vor. Dort sind mehr als 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen. Aus diesem Grund verzichtet die asiatische Küche gänzlich auf Kuhmilch und Milchprodukte.

Etwa zehn Prozent der Europäer und weißen Amerikaner haben im Erwachsenenalter einen Laktasemangel. Die Zahl hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die Fähigkeit Laktose zu verdauen, wird mit zunehmendem Alter geringer. Etwa 70 Prozent der Europäer im Alter von 60 Jahren können keine Laktose mehr verdauen. Durch bessere Aufklärung und Information von Ärzten, Medizinern und Betroffenen werden Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden immer gezielter auf die Laktose-Intoleranz hin untersucht.

Was ist die Ursache für die Laktose-Intoleranz?

Es gibt verschiedene Formen von Laktose-Intoleranz.

Primäre Laktose-Intoleranz

  • Endemische Laktose-Intoleranz: Diese häufigste Form der Laktose-Intoleranz ist vererbt. Betroffen sind hauptsächlich Bewohner wärmerer Gegenden der Erde. Sie tritt meist nach dem fünften Lebensjahr auf und ist rückbildungsfähig.
  • Angeborener Laktasemangel: Diese Erkrankung ist selten. Zugrunde liegt ein Gendefekt, der dazu führt, dass Laktase nicht oder nur schwach aktiv ist. Die typischen Beschwerden einer Milchzuckerunverträglichkeit treten bereits im Säuglingsalter auf. Die betroffenen Säuglinge reagieren sehr stark auf kleinste Laktose-Mengen. Ohne Behandlung können schwere Entwicklungsschäden entstehen. Neugeborene mit einem angeborenen Laktasemangel benötigen eine besondere Ernährung, denn bei ihnen stellt Milchzucker in der Regel ihre einzige Energiequelle dar.
  • Entwicklungsbedingter Laktasemangel: Dieser tritt selten bei frühgeborenen Kindern auf und ist rückbildungsfähig. 

Sekundäre Laktose-Intoleranz

Die sekundäre, erworbene Laktoseintoleranz hat keine erbliche Ursache. Hier liegt die Ursache der Laktoseunverträglichkeit in Erkrankungen des Dünndarms (zum Beispiel Magen-Darm-Infekte oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn). Sie können die für die Produktion der Laktase verantwortlichen Anteile des Dünndarmes (Mikrovilli) schädigen, sodass diese keine oder nur ungenügend Laktase produzieren. Der daraus entstehende Laktasemangel kann vorübergehend oder lebenslang bestehen. Wird die Grunderkrankung erfolgreich behandelt, ist es möglich, dass sich der Laktasemangel wieder zurückbildet.

Ursache für eine sekundäre Laktoseintoleranz kann auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten sein wie zum Beispiel Antibiotika (Bakterien abtötende Medikamente) oder Zytostatika (das Zellwachstum hemmende Arzneistoffe, die vor allem im Rahmen der Chemotherapie von Krebserkrankungen eingesetzt werden).

Welche Beschwerden verursacht die Laktose-Intoleranz?

Welche Beschwerden auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, ist individuell sehr unterschiedlich und hängt unter anderem von der Schwere des Laktasemangels und der Menge des verzehrten Milchzuckers ab.

Der Verzehr kleiner Mengen Milchzucker verursacht oft nur schwach ausgeprägte oder keine Beschwerden.

Unmittelbar oder einige Stunden nach dem Genuss von größeren Mengen Milch beziehungsweise laktosehaltigen Lebensmitteln können folgende Beschwerden auftreten:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Unwohlsein
  • Durchfälle
  • Blähungen
  • Kalter Schweiß

Neben diesen Hauptsymptomen können auch unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen vorkommen.

Bei Menschen mit Laktasemangel kann auch eine Osteoporose hinzukommen. Ursache ist vermutlich, dass diese Menschen sehr wenig oder keine Milch verzehren und damit zu wenig Kalzium aufnehmen.

Wie wird die Milchzucker-Unverträglichkeit erkannt?

Oft merkt der Betroffene selbst, dass er Milch oder laktosehaltige Nahrungsmittel nicht verträgt. Das Auftreten der Beschwerden nach Milchaufnahme und die Beschwerdefreiheit, wenn Milch und Milchprodukte vollständig gemieden werden (Milchkarenz), sind somit für die Diagnose bedeutsam.

Ein Diättest kann den Verdacht auf eine Laktose-Intoleranz bestätigen. Dabei müssen die Patienten eine mehrtägige konsequente Diät einhalten, bei der Laktose strikt ausgeschlossen wird. Liegt tatsächlich eine Laktose-Intoleranz vor, verschwinden die Symptome.

Der Arzt kann mithilfe verschiedener Tests die Laktose-Intoleranz nachweisen oder ausschließen.

Laktose-Toleranztest

Bei diesem Test erhält der Patient 50 Gramm reinen Milchzucker, den er mit etwas Wasser trinken muss. Wenn er eine Laktose-Intoleranz hat, steigt daraufhin sein Blutzuckerspiegel nicht oder nur gering an, da die Laktose im Darm nicht gespalten werden kann und deshalb nicht in den Körper aufgenommen wird. Oft treten im Anschluss an den Test Beschwerden auf.

H2-Atemtest

Nach dem Trinken einer Laktoselösung auf nüchternen Magen atmen Patienten mit Laktose-Intoleranz vermehrt Wasserstoff (H2) ab. Der Grund dafür ist, dass beim Abbau des unverdauten (nicht gespaltenen) Milchzuckers durch die Darmbakterien Wasserstoff freigesetzt wird. Die Wasserstoffwerte der Atemluft werden mithilfe eines Gerätes gemessen. Daneben können Beschwerden auftreten.

Gentest

Mithilfe eines Abstriches der Wangenschleimhaut lässt sich die genetische Form der Laktose-Intoleranz nachweisen.

Was kann man bei Laktose-Intoleranz tun?

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Möglichkeit, die Ursache der Laktose-Intoleranz zu behandeln.

Leichte Beschwerden lassen sich durch Medikamente, welche die fehlende Laktase enthalten, bessern. Diese können als Tabletten oder Kaudragees unmittelbar vor dem Verzehr milchhaltiger Nahrung eingenommen werden. Man bekommt sie rezeptfrei in Apotheken, teilweise auch in Reformhäusern. Die Dosierung hängt zum einen vom Laktose-Gehalt der Mahlzeit und zum anderen von der Schwere der Laktose-Intoleranz ab. Jeder Einzelne sollte die individuelle Dosierung für sich selbst herausfinden, am besten in enger Zusammenarbeit mit seinem behandelnden Arzt.

Zu vermeidende Lebensmittel

Wenn Milchprodukte starke Beschwerden verursachen, sollten die Betroffenen diese Lebensmittel nicht oder nur in geringen Mengen zu sich nehmen:

  • Vollmilch, Kondensmilch, Trockenmilchpulver und Schlagsahne
  • Schokolade, Milcheis, Puddings und Cremespeisen
  • Butter

Zu achten ist auf den Laktosegehalt von:

  • Teigwaren wie Milchbrötchen und Gebäck, Kuchen und Torten
  • Wurstwaren, Fertiggerichten, Salatdressings und Süßstoffen
  • Medikamenten (vor allem Tabletten)

Ausnahmen:

  • Vollreifer Hartkäse (zum Beispiel Emmentaler, Appenzeller, Brie, Camembert und Schafskäse) verursacht in der Regel keine Beschwerden, da der Milchzucker beim Reifungsprozess abgebaut wird.
  • Auch relativ laktosereiche Sauermilchprodukte sind individuell gut verträglich. Die Milchsäurebakterien in Joghurt, Dickmilch, Kefir & Co. bauen im Darm größere Mengen Milchzucker ab und machen somit die körpereigene Laktase zur Verdauung der Laktose weitgehend "überflüssig". Allerdings gilt das nur für nicht erhitzte Produkte, da das Enzym der Milchsäurebakterien durch Erhitzung inaktiv wird. 

Da Milch und Milchprodukte einen hohen Anteil an Kalzium enthalten, welches für den Knochenbau sehr wichtig ist, sollte bei einer Auslassdiät auf eine ausreichende Kalziumaufnahme geachtet werden. So besitzen beispielsweise Fleisch, Brokkoli, Grünkohl, Tomaten, Tofu und Sojaprodukte viel Kalzium. Auch Kalziumzusätze in Pulver- oder Brausetablettenform sind eine Möglichkeit, den täglichen Kalziumbedarf zu decken.

Alternativen zu Kuhmilch und Milchprodukten sind Sojaprodukte, Reis- und Kokosmilch.

Zunehmend gibt es in Reformhäusern und vereinzelt in Supermärkten laktosefreie Milch und Milchprodukte. Daneben werden auch direkt mit Laktase angereicherte Milch und Milcherzeugnisse angeboten.