Galt der hartnäckige Husten bisher als typische Kinderkrankheit, betrifft die Anzahl der Neuerkrankungen vor allem Erwachsene. Zwei Drittel der Infektionen treten bei Personen über 19 Jahren auf.

Mediziner vermuten, der Grund für diese Altersverschiebung liegt darin, dass immer mehr Erwachsene die Auffrischung der Impfungen vergessen. Die Grundimmunisierung im Kindesalter ist jedoch nur für etwa zehn bis 20 Jahre aktiv - sie bietet keinen lebenslangen Schutz gegen eine Infektion.

Was ist Keuchhusten?

Bei einer Keuchhusteninfektion (Pertussis) befallen Bakterien (Bordetella pertussis oder Bordetella parapertussis) die Schleimhäute der oberen Atemwege und verursachen starke, krampfartige Hustenanfälle. Mit normalem Husten ist dieser Infekt nicht zu vergleichen. Die Hustenattacken sind so schwer, dass Betroffene erbrechen. Anders als Kinder leiden Erwachsene selten an Erstickungsanfällen. Die Krankheit schwächt Betroffene aber erheblich.

Impfschutz nach STIKO

Die Keuchhustenimpfung sollte nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission am RKI selbstverständlich sein: Bei Kleinkindern sind es vier Teilimpfungen gegen Keuchhusten. Dazu kommen zwei Auffrischungen, einmal im Kindes-, einmal im Jugendalter.

Für Erwachsene wird ein Pertussis-Schutz zusammen mit der Auffrischung für Tetanus und Diphtherie empfohlen - aber leider oft vergessen.

So schnell breitet sich der Husten aus

Keuchhusten ist hoch ansteckend: Durch kleinste infizierte Speicheltröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen können sich Menschen mit dem Erreger anstecken. Kommen Erwachsene oder Kinder ohne Schutzimpfung mit den Bakterien in Kontakt, erkranken sie zu 80 Prozent auch an Keuchhusten.

Die ersten Symptome zeigen sich nach sieben bis 20 Tagen. Der Betroffene ist dann für etwa drei bis sechs Wochen hoch ansteckend - je nachdem ob er behandelt wird, oder nicht.

Auch Erwachsene und Kinder mit Impfschutz können nach dem Kontakt mit Erkrankten das Bakterium vorübergehend tragen und weitergeben, ohne selbst zu erkranken.

Wichtig: Keuchhusten ist meldepflichtig!

Seit dem Jahr 2013 müssen in Deutschland der Verdacht auf Keuchhusten, jede Erkrankung und der Tod durch Pertussis unter Angabe des Namens des Betroffenen an das örtliche Gesundheitsamt gemeldet werden.

So erkennen Sie eine Keuchhusteninfektion

Die Keuchhusteninfektion wird in drei Krankheitsstadien eingeteilt: Im ersten Stadium zeigen sich eher unspezifische Krankheitssymptome. Erst ab dem zweiten Stadium entsteht der typische Keuchhusten.

Stadium catarrhale

Die Keuchhusteninfektion beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Schnupfen, Halsschmerzen und Husten. Daher wird die Keuchhusteninfektion zu diesem Zeitpunkt oft gar nicht bemerkt. Nach ein bis zwei Wochen verschlimmern sich die Symptome.

Wichtig zu wissen: Keuchhusten ist schon im ersten Stadium ansteckend. Betroffene Personen können nach Ausbruch der ersten Symptome für etwa fünf bis sechs Wochen andere Personen infizieren. Durch eine Behandlung mit Antibiotika verkürzt sich die Zeit der Ansteckung auf fünf Tage. 

Stadium convulsivum

Im Stadium convulsivum beginnen die klassischen Keuchhustensymptome: krampfartige Hustenanfälle, die bis zu 30-mal am Tag auftreten. Nach jedem Hustenanfall holen die Patienten keuchend Luft. Kinder sind von diesen Hustenanfällen meist stärker betroffen als Erwachsene. Würgeanfälle und Erbrechen kommen hinzu. Der Husten belastet den Brustkorb so stark, dass sogar Rippen brechen können. Diese Phase der Erkrankung dauert vier bis sechs Wochen.

Bei Kindern entsteht außerdem Fieber und ein Halskribbeln. Gefährlich wird der Keuchhusten für Säuglinge: Die krampfartigen Hustenattacken können in einem Atemstillstand enden.

Stadium decrementi

Die Hustenanfälle werden in diesem Stadium schwächer. Eine Ansteckung ist in dieser Phase nicht mehr möglich. Das letzte Keuchhustenstadium dauert unterschiedlich lang an: Unbehandelt klingen die Symptome oft erst nach sechs bis zehn Wochen ab.

Warum Keuchhusten oft zu spät erkannt wird

Keuchhustensymptome erscheinen bei Erwachsenen oft zurückhaltender. Die Hustenanfälle sind weniger heftig, und statt einzelner Anfälle zeigt sich ein kontinuierlicher Hustenreiz. In vielen Fällen halten wir den Keuchhusten deshalb für einen gewöhnlichen Husten und suchen erst gar keinen Arzt auf. Wenn Keuchhustensymptome aber nicht ernst genommen werden und keine Behandlung erfolgt, können sich die Bakterien im Körper ausbreiten und zu einer Lungen- oder Mittelohrentzündung führen.

Das sollten Sie über die Behandlung wissen

Zeigt die Keuchhustenerkrankung nur leichte Beschwerden, dürfen Babys und Kinder zu Hause behandelt werden. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind viel Ruhe hat und sich körperlich schont. In schweren Fällen einer Keuchhusteninfektion werden kleine Kinder im Krankenhaus behandelt.

Die kleinen Patienten sind oft zu schwach, um den Schleim in den Atemwegen selbstständig abzuhusten. Dann kann nur eine Notfallbehandlung den gefürchteten Atemstillstand der Säuglinge verhindern. Im Krankenhaus wird der Schleim abgesaugt, um diese Komplikation zu verhindern.

Im frühen Krankheitsstadium behandeln Ärzte eine Keuchhusteninfektion bei Erwachsenen und Kindern mit Antibiotika. Sie sorgen dafür, dass sich die Bakterien nicht weiter im Körper ausbreiten und Komplikationen hervorrufen. Auch das Risiko, dass sich andere Menschen anstecken, wird durch eine frühe Antibiotikabehandlung reduziert.

Beginnt die Therapie zu spät, bringen Antibiotika allerdings keinen Erfolg mehr. Der Keuchhusten wird dann nur noch symptomatisch behandelt, zum Beispiel mit Inhalationen und hustenstillenden Medikamenten.

So können Sie die Therapie unterstützen:

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind während der Ansteckungszeit nicht mit anderen Kindern spielt oder in Kontakt mit älteren Menschen tritt, da diese besonders anfällig für eine Infektion sind.
  • Viel Trinken, um den Schleim in den Atemwegen zu lösen. Spezieller Bronchialtee ist ideal.
  • Essen sie leichte und kleine Mahlzeiten, wenn Würgereize auftreten oder sie erbrechen müssen. Saftiges Obst nach einem Anfall kann beruhigen und Wasser zuführen.
  • Eine kühle und feuchte Raumluft (durch das Aufhängen feuchter Handtücher im Zimmer) ist hilfreich.
  • Ruhe und körperliche Schonung ist wichtig, um Hustenattacken zu verhindern.
  • Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten dürfen frühestens fünf Tage nach der Antibiotikatherapie wieder besucht werden. 

Schutzimpfung nicht vergessen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine erste Keuchhustenimpfung schon in den ersten Lebensmonaten. Die Impfung gegen Keuchhusten wird in Kombination mit anderen Impfungen verabreicht. Die nächsten beiden Impfungen folgen im Abstand von vier Wochen im dritten und vierten Lebensmonat. Nach der vierten Impfung zwischen dem elften und 14. Lebensmonat ist die sogenannte Grundimmunisierung gegen Keuchhusten abgeschlossen.

Wie verbreitet ist der Impfschutz?

Nach den jüngsten RKI-Daten waren im Jahr 2014 fast 95 Prozent der Kinder bei der Einschulung gegen Keuchhusten geschützt. Ganz anders bei den Erwachsenen - nur jeder Fünfte bis Zehnte ist geimpft. Der Impfschutz unterscheidet sich nach den Altersgruppen der Erwachsenen: Bei jungen Eltern hat ein Drittel einen Impfschutz, bei Schwangeren ein Fünftel. Dabei gelten Familien mit kleinen Kindern als Hauptrisikogruppe. Denn für Säuglinge ist der Husten lebensgefährlich. Ist eine junge Mutter nicht geimpft, hat ihr Neugeborenes bis zur ersten Impfung im Alter von zwei Monaten keinen Schutz.

Der Impfschutz ist nur zehn bis zwanzig Jahre aktiv. Daher ist eine regelmäßige Auffrischung sehr wichtig: Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren erhalten eine erste Auffrischung der Impfung. Im Alter von neun bis 17 Jahren wird der Impfschutz nochmal erneuert. Für alle Erwachsenen gilt: Den Impfschutz gegen Keuchhusten alle zehn Jahre auffrischen!

Keuchhusten in der Schwangerschaft

Frauen sollten sich möglichst bis zu drei Monate vor einer Schwangerschaft gegen Keuchhusten impfen lassen. Eine Infektion während der Schwangerschaft gefährdet das ungeborene Kind zwar nicht, schwächt aber die Mutter und kann durch die heftigen Hustenanfälle vorzeitig Wehen auslösen.

Impfschutz vergessen?

Eine Infektion mit Keuchhusten ist trotz einer Impfung möglich, besonders dann, wenn die Auffrischung der Impfung vergessen wurde. Experten vermuten, dass die aktuell hohen Krankheitszahlen eine Folge der Vergesslichkeit sind: Bei vielen Erwachsenen ist das Thema Keuchhusten in Vergessenheit geraten. Haben Sie an ihren Impfschutz gedacht?