Schnupfen oder Halsschmerzen sind häufig auch im Ohr zu spüren. Klingt auf den ersten Blick überraschend, aber da der Nasen-Rachen-Raum und das Ohr über die Ohrtrompete miteinander verbunden sind, können Viren und Bakterien diese sogenannte Eustachische Röhre wie einen Verbindungskanal nutzen und ins Mittelohr wandern. Die akute Mittelohrentzündung macht sich dort durch starke Schmerzen bemerkbar.

Was genau ist das Mittelohr? 

Das Mittelohr verstärkt die Schallwellen, bevor sie ins Innenohr gelangen. Und es gleicht den Druck im Ohr aus. Das geschieht meist automatisch. Wenn sich allerdings der Luftdruck stark verändert, kann das Trommelfell nicht mehr ausreichend vibrieren. Es kommt zum Druckstau. Der unangenehme Druck im Ohr mindert das Hörvermögen. Schlucken oder Gähnen hilft meist, denn es bringt das Trommelfell zum Schwingen, angesammelte Flüssigkeit kann in den Rachenraum abfließen. Das Mittelohr umfasst das Trommelfell, die Paukenhöhle mit Hammer, Amboss und Steigbügel sowie die Ohrtrompete. Ein fein aufeinander abgestimmtes System, das leider auch störanfällig ist.

Anders als die akute Mittelohrentzündung, an der besonders häufig kleine Kinder erkranken, kann die chronische Mittelohrentzündung in jedem Lebensalter auftreten. Da sie sich in der Regel nicht durch Schmerzen bemerkbar macht, ist Wachsamkeit geboten: "Wenn Sie das Gefühl haben, schlechter zu hören und immer wieder Flüssigkeit aus Ihrem Ohr austritt, sollten Sie sofort einen Termin beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt vereinbaren", rät  Dr. Klaus Domdey, HNO-Arzt im TK-Ärztezentrum.

Mittelohrentzündung kann schwerhörig machen

Die Symptome deuten auf eine chronische Schleimhauteiterung oder eine chronische Knocheneiterung hin. Und damit auf eine der Formen, in denen uns die chronische Mittelohrenzündung das Leben schwer machen kann. Denn unbehandelt kann sie zu Schwerhörigkeit, Tinnitus, Schwindel bis hin zu Hirnhautentzündung führen. "Das wäre der schlimmste Fall", gibt Domdey zu bedenken und beruhigt: "Wenn Sie zum Arzt gehen, lässt sich die chronische Mittelohrentzündung wirksam therapieren."

Akute Mittelohrentzündung - Ursachen

Am Anfang steht häufig ein ganz normaler Schnupfen. Denn "die Ursache der akuten Mittelohrentzündung ist  häufig ein Virus-Infekt der Schleimhäute der oberen Luftwege", erklärt HNO-Arzt Dr. Domdey im TK-Ärztezentrum. Und eine Erkältung mit Halsschmerzen und Schnupfen ist oft auf Viren zurückzuführen. "Bei einem Virusinfekt schwillt die Schleimhaut in der Ohrtrompete an. Dadurch kann das Mittelohr nicht mehr ausreichend belüftet werden, so dass sich dort ein Entzündungsprozess entwickeln kann. Hierbei können sich Keime vermehren", erklärt Domdey den Zusammenhang.

Bakterien verursachen nur einen Teil der akuten Mittelohrentzündungen und zwar dann, wenn sie aus dem Nasen-Rachenraum über die Tube in das Mittelohr wandern. Besonders betroffen sind davon Patienten mit häufigen oder auch chronischen Entzündungen im Bereich der Nasenschleimhäute oder Nasennebenhöhlen. Falls Ihr Kind entzündlich vergrößerte Nasen-Rachen-Mandeln hat - Ihnen vielleicht besser bekannt unter dem Begriff "Kinder-Polypen" - besteht ebenfalls das Risiko, dass eine Mittelohrentzündung bakterielle Ursachen hat. Aber dies betrifft längst nicht alle Mittelohrentzündungen: Viele beruhen auf einer Virusinfektion, was in Sachen Schmerzen unwesentlich ist, bei der Therapie, vor allem der Therapie mit Antibiotika, aber eine wichtige Rolle spielt.

Akute Mittelohrentzündung - Risiken

Besonders betroffen sind Kinder bis zum sechsten Lebensjahr. Das hat damit zu tun, dass die Ohrtrompete in diesem Alter noch sehr kurz ist und damit Keime aus dem Nasen-Rachen-Raum sehr viel leichter ins Mittelohr vordringen können als bei Erwachsenen. Falls Sie also Eltern sind und Ihr Kind betroffen ist, sind Sie in großer Gesellschaft. Das lindert zwar nicht den Schmerz und erspart auch keine durchwachten Nächte, aber vielleicht schenkt es ein bisschen Zuversicht: Akute Mittelohrentzündungen gehören zur Kindheit sozusagen dazu und verlaufen bis auf sehr wenige Ausnahmefälle komplikationsfrei.

Neben der kurzen Ohrtrompete gibt es eine Reihe weiterer Ursachen, die das Risiko einer akuten Mittelohrentzündung für die Kleinen erhöhen. Nicht alle kann man als Eltern umgehen oder aus der Welt schaffen, aber um die Erkrankung bei Kindern feststellen und damit richtig behandeln zu können, ist es gut, diese Risikofaktoren zu kennen: 

  • Ist Ihr Kind ein Schnuller-Fan? Das ständige Saugen am Schnuller gehört zu den bekannten Risiko-Faktoren.
  • Hat Ihr Kind vergrößerte Rachenmandeln?
  • Liegen Grunderkrankungen wie eine Gaumenspalte, Funktionsstörungen der Ohrtrompete oder ein geschwächtes Immunsystem vor?
  • Ist Ihr Kind in den ersten sechs Lebensmonaten schon einmal an einer akuten Mittelohrentzündung erkrankt? Dann neigt das Mittelohr zu wiederholt auftretenden Infekten.
  • Raucht jemand in Ihrer Familie? Passivrauchen, so haben Studien festgestellt, führen bei Säuglingen und Kleinkindern vermehrt zu akuten Mittelohrentzündungen
  • Besteht eine Allergie oder Neurodermitis?

Wer Schnupfen hat, sollte nach Möglichkeit nicht fliegen. Das gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Denn Flugreisen sind eine echte Herausforderung für das Mittelohr, das ja den Job des Druckausgleichs im Ohr übernimmt. Wenn dazu ein Schnupfen oder eine Erkältung bekommt, ist das Mittelohr überfordert. Eine Virusinfektion hat dann leichtes Spiel. Lässt sich die Flugreise nicht verschieben, helfen abschwellende Nasentropfen beim Druckausgleich, vor allem vor der Landung.

Akute Mittelohrentzündung - Beschwerden

Bemerkbar macht sich die akute Mittelohrentzündung durch stechende oder pulsierende Ohrenschmerzen, die sich innerhalb von wenigen Stunden steigern. Diese Schmerzen können in einem Ohr oder beiden auftreten. Manchmal ist dann auch die Hörfähigkeit beeinträchtigt, weil die Schallwellen nicht mehr optimal an das Innenohr weitergeleitet werden. Zu den heftigen Schmerzen gesellen sich häufig Fieber, Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Säuglinge zeigen häufig den "Ohrzwang", das heißt sie greifen sich ständig an das Ohr. Insgesamt sind sie unruhig, haben keinen Appetit und mögen nicht trinken.

Ist Schleimhaut im Nasen-Rachenraum aufgrund einer Infektion geschwollen, wird die Ohrtrompete eingeengt. Das hat zur Folge, dass das Mittelohr nicht ausreichend belüftet wird. Dadurch finden die Keime den idealen Nährboden, um zu wachsen. Das kann dazu führen, dass sich Flüssigkeit in den Paukenhöhlen ansammelt, dem sogenannten Paukenerguss. Der Druck auf das Trommelfell steigt. Es ist gerötet, vorgewölbt und es kann ein Riss entstehen. Durch diesen Riss läuft die angesammelte Flüssigkeit ab. Der Druck auf das Ohr lässt sofort nach.

Bei Kindern ist dieser Ohrenfluss in der Regel erst geruchslos, trübe und wässrig, später zunehmend dickflüssig und eitrig. Klingt die Entzündung ab, wird das Sekret zäh und schleimig. Gerade bei Säuglingen weist das eitrige Ohrsekret auf eine akute Mittelohrentzündung hin.

"Die meisten akuten Mittelohrentzündungen heilen von selbst ab", weiß Dr. Klaus Domdey, HNO-Arzt im TK-Ärztezentrum. Dennoch ist es wichtig, bei Ohrenschmerzen den Arzt aufzusuchen, um den Grund für die Schmerzen klar zu erkennen und die Behandlung festzulegen. Denn erkrankt Ihr Kind mehrfach an einer Mittelohrentzündung und wird diese nicht fachgerecht behandelt, kann das Hörvermögen dauerhaft eingeschränkt werden, was sich zusätzlich negativ auf die sprachliche Entwicklung auswirken kann. Ein Risiko, das Sie als Eltern sicher nicht eingehen wollen.

Akute Mittelohrentzündung - Diagnose

Feststellen kann der Kinder- oder Hausarzt die akute Mittelohrentzündung meist, indem er das Trommelfell mit einem Otoskop untersucht. Denn die Entzündung führt dazu, dass sich das Trommelfell rötlich verfärbt und vorwölbt. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt setzt ein Ohr-Mikroskop ein. Mit speziellen Winkel-Endoskopen kann er gegebenenfalls zudem die Nase und den Nasen-Rachenraum untersuchen. Die Nasennebenhöhlen können mit Ultraschall begutachtet werden. Zudem führt er mit dem Patienten evtl. einen Hörtest durch.

Bisweilen wird auch das Sekret, das aus dem Ohr austritt, im Labor untersucht oder bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomographie eingesetzt. Das ist vor allem dann notwendig, wenn die Entzündung trotz medikamentöser Therapie nicht abklingt.

Akute Mittelohrentzündung - Therapie

Die wichtigste Grundregel lautet: Zum Arzt gehen, wenn der Verdacht auf eine akute Mittelohrentzündung besteht. Das gilt besonders auch für Kinder. Denn nur der Kinderarzt bzw. Hals-Nasen-Ohren-Arzt kann beurteilen, was wann wirklich hilft.

Das Ziel der Therapie liegt darin, die Schmerzen zu stillen, das Fieber zu senken und die Entzündung abklingen zu lassen. 

  • Abschwellende Nasentropfen: Bei einer beginnenden akuten Mittelohrentzündung rät der Arzt meist zu abschwellenden Nasentropfen.
  • Schmerzstillende und fiebersenkende Mittel: Da die Entzündung sehr schmerzhaft ist, gilt es erst einmal, die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Dafür verschreibt der Arzt Tabletten, Tropfen oder Zäpfchen, die antientzündlich, abschwellend und eben schmerzstillend wirken und Wirkstoffe wie zum Beispiel Ibuprofen enthalten..
  • Antibiotika: Nicht jeder Patient mit einer akuten Mittelohrentzündung braucht ein Antibiotikum. Wann sie nötig sind, kann nur der Arzt entscheiden, indem er die Vor- und Begleiterkrankungen berücksichtigt und abklärt, was der Auslöser für die Entzündung ist. Abhängig vom Befund kann daher eine Behandlung mit Antibiotika angezeigt sein.
  • Trommelfellschnitt: Das Verfahren klingt dramatischer als es ist. Denn häufig reißt das Trommelfell von selbst minimal ein, um den Druck auszugleichen. Wenn das nicht der Fall ist, sich die Schleimhautflüssigkeit im Ohr staut und zu starken Schmerzen führt, die sich nicht medikamentös beseitigen lassen, ritzt der Arzt das Trommelfell leicht ein und saugt den Erguss durch die Öffnung ab. Dieser Eingriff erfolgt bei Erwachsenen unter örtlicher Betäubung, bei Kindern meist unter Vollnarkose. Der Schnitt wächst in der Regel innerhalb weniger Wochen wieder zu. Häufen sich allerdings Mittelohrentzündungen, wird in den Schnitt ein kleines Röhrchen gesetzt, damit das Mittelohr belüftet wird und ausheilen kann. Dieses Paukenröhrchen, wie es von Medizinern genannt wird, wird innerhalb von sechs bis zwölf Monaten von alleine abgestoßen und das Tommelfell heilt selbstständig zu.
  • Alternative Verfahren: Da akute Mittelohrentzündungen bei Kindern zum Großwerden dazu gehören, haben sich eine Reihe von Hausmitteln etabliert. Dazu gehören Traubenkernkissen, Säckchen mit abgekochten Zwiebeln oder Wadenwickel gegen das Fieber. Jede dieser Methoden hat ihre Befürworter, wissenschaftlich gesehen konnte ihre Wirksamkeit allerdings nicht bestätigt werden. Aber da sie von vielen Patienten als angenehm empfunden werden, können sie in der Regel bedenkenlos komplementär eingesetzt werden. Komplementär heißt allerdings, dass sie die ärztlich empfohlene Therapie nicht ersetzen können. 

Zur Entwarnung: Eine akute Mittelohrentzündung heilt in der Regel folgenlos nach nur wenigen Tagen ab. Auch ein verletztes Trommelfell wächst von allein innerhalb von zwei Wochen wieder zusammen. Dennoch ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, damit er die Therapie festlegt und den Verlauf der Erkrankung beobachtet. Ebenfalls wichtig ist Schonung. Denn nur wenn der Körper Zeit hat, kann er die Entzündung überwinden und sich vollständig erholen.

Vorbeugen: Welche Tipps schützen im Alltag?

Ein starkes Immunsystem schützt vor Infekten und damit auch vor akuten Mittelohrentzündungen. Ihr Immunsystem machen Sie mit gesunder, ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung fit. Auch Saunabesuche und Wechselbäder stärken die Abwehrkräfte. Allerdings gilt das nur, wenn Sie keine Erkältung haben. Falls Sie bereits verschnupft sind, verzichten Sie besser auf die Sauna ebenso wie auf das Schwimmbad. Und denken Sie daran, genug zu trinken. 1,5 bis 2 Liter Wasser, Saftschorle oder Tee sollten Sie als Erwachsener täglich trinken.

Chronische Mittelohrentzündung - Ursachen

Das Mittelohr ist über einen Gang, die sogenannte Ohrtrompete, mit dem Rachen verbunden. Diese Ohrtrompete hat zwei wesentliche Aufgaben: Sie sorgt für die Belüftung des Mittelohrs und gleicht Druckveränderungen aus, was Sie sicher schon mal im Flugzeug oder beim Tauchen gespürt haben. Ist diese Ohrtrompete nicht mehr voll durchgängig und in ihrer Funktion beeinträchtigt, wird das Mittelohr nicht mehr optimal belüftet. Die Schleimhaut entzündet sich, was eine Form der chronischen Mittelohrentzündung ist. Auch ein Riss im Trommelfell, ausgelöst beispielsweise durch eine Verletzung, kann zu einer chronischen Mittelohrentzündung führen.

Die andere Form beruht auf einer chronischen Knocheneiterung im Ohr. Diese kann entstehen, wenn äußere Hautschichten des Trommelfells beziehungsweise des Gehörgangs in das Mittelohr einwachsen. Ist es dem Mittelohr nicht möglich, diese nach außen abzustoßen, bildet sich ein zwiebelschalenartig aufgebautes Perlgeschwulst. Dieses wird in der Fachsprache Cholesteatom genannt und kann den angrenzenden Knochen schädigen.

Ein weiterer Grund, dass sich so ein Cholesteatom entwickelt, besteht dann, wenn sich das Trommelfell aufgrund von dauerhafter Belüftungsstörungen mit Unterdruck in den Mittelohrraum einzieht. Ein Cholesteatom kann aber auch anlagebedingt sein.

Chronische Mittelohrentzündung - Beschwerden

Wie bereits erwähnt, liegt die Krux der chronischen Mittelohrentzündung darin, dass zu Beginn meist weder Schmerzen noch Beschwerden auftreten. Das macht es für Betroffene so schwierig, überhaupt zu bemerken, dass ihr Mittelohr chronisch entzündet ist. Aber es gibt Anzeichen, die darauf hinweisen: "Wenn Sie auf einem Ohr schlechter hören, kann das ein Indikator sein", erklärt  Dr. Klaus Domdey, HNO-Arzt im TK-Ärztezentrum. "Tritt aus Ihrem Ohr immer wieder ein Sekret aus, weist das ebenfalls auf eine chronische Mittelohrentzündung hin." Denn durch das Loch im Trommelfell gelangt entzündliches Sekret in den Gehörgang und führt zu ständigem Ohrenlaufen.

Der Geruch dieses Sekrets beinhaltet übrigens Informationen über die Art der Entzündung. Denn riecht es unangenehm, können Sie davon ausgehen, dass in Ihrem Ohr ein Cholesteatom entsteht. Diese chronische Knocheneiterung birgt hohe Risiken, denn sie kann Symptome hervorruhen, die das Leben nachhaltig belasten. Dazu gehören Schwerhörigkeit bis hin zur Ertaubung des betroffenen Ohrs, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, eine Gesichtsnervenlähmung, eine Entzündung des Gehirns und der Gehirnhäute sowie eitrige verkapselte Absiedelungen, sogenannte Abzesse. Suchen Sie also rechtzeitig einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) auf, um dies zu vermeiden.

Chronische Mittelohrentzündung - Diagnose

Wichtig ist es, dass Sie dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt möglichst genau die Vorgeschichte sowie Ihre Beschwerden schildern. Daraufhin untersucht er die Trommelfelle mittels eines Ohrmikroskops. Entdeckt er ein Loch, die sogenannte Perforation, in der Mitte des Trommelfells, deutet das auf eine Schleimhauteiterung hin, stellt er das Loch am Rand und/oder ein Perlgeschwulst fest, kann er von einem Cholesteatom ausgehen.

Zudem überprüft er das Hörvermögen mit einem Tonschwellenaudiogramm. Ergibt dieser Hörtest, dass die Hörleistung vermindert ist, deutet das ebenfalls auf eine chronische Mittelohrentzündung hin.

Da ja das Mittelohr über die Ohrtrompete direkt mit dem Rachen verbunden ist, beschränkt sich der Arzt bei der Diagnose nicht nur auf das Ohr, sondern bezieht den gesamten Hals-Nasen-Ohren-Trakt mit ein. Mit besonderen Winkel-Endoskopen macht er sich ein Bild von der Nase, dem Nasenrachen und den Nasennebenhöhlen. Diese Winkel-Endoskope ermöglichen es dem Arzt, um die Ecke zu sehen und zwar im 30-Grad-, 70-Grad-- und 90-Grad-Winkel. Dadurch kann er sich auch von den kleinsten, gewundenen Gängen ein genaues Bild machen. Je nach Sachlage wird der HNO dann entscheiden, ob ihm eine Ultraschall-Aufnahme der Nasen-Nebenhöhlen noch weitere wichtige Anhaltspunkte für die genaue Diagnose gibt.

Was wird noch untersucht?

Immer wieder wird der Arzt Ihr Hörvermögen testen und Ihr Gleichgewichtsorgan checken, denn neben dem Hören ist ja auch das Gleichgewicht im Ohr beheimatet. Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomographie und neurologische Untersuchungen geben Aufschluss über das Ausmaß der Entzündung. Und da es sich ja um eine Entzündung handelt, ist ein Abstrich nötig. Untersucht werden dabei die Bakterienarten, die in dem Sekret enthalten sind, das vom Mittelohr in den Gehörgang abläuft. Diese Bakterien zu kennen, ist für den HNO entscheidend, um das wirksamste Antibiotikum verschreiben zu können. Um die Effektivität der medikamentösen Therapie noch zu erhöhen, erstellt der HNO in der Regel noch ein Antibiogramm. Das ist ein Test, der abprüft, welche Bakterien auf welche Antibiotika empfindlich sind.

Chronische Mittelohrentzündung - Therapie

Vorneweg für Sie nochmals der Hinweis: Die chronische Mittelohrentzündung kann wirklich ernsthafte gesundheitliche Folgen haben, wenn sie nicht richtig therapiert wird. „Richtig“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Sie nicht zu Selbstmedikation und Hausmitteln greifen, sondern unbedingt einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen sollten. Medikamentös wird dieser die Bakterien bekämpfen und chirurgisch die Ursachen der Entzündung beseitigen.

So helfen Antiseptika und Antibiotika vor allem in der akuten entzündlichen Phase einer chronischen Schleimhauteiterung. Die Wirkstoffe töten die Bakterien ab und verhindern so ihre Ausbreitung beispielsweise auf das Innenohr oder das Gehirn.

Wesentlich ist es allerdings, auch die Auslöser der chronischen Mittelohrentzündung auf Dauer zu beseitigen. Und das ist in der Regel nur chirurgisch möglich. In der Operation wird das Trommelfell wieder verschlossen und die Funktionsfähigkeit und Durchgängigkeit der Ohrtrompete wiederhergestellt.

Operation: Warum sie das Mittel der Wahl ist

Egal um welche Form der chronischen Mittelohrentzündung es sich handelt, sie wird nicht von alleine abheilen. Auch eine rein medikamentöse Therapie kann nicht zum dauerhaften Abklingen der Entzündung führen, da die Ursachen beseitigt werden müssen. Und das gelingt nur chirurgisch.

Die Operation erfolgt in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose. Über einen kleinen Schnitt im Gehörgang oder einen Hautschnitt hinter dem Ohr öffnet der Arzt dabei das Mittelohr und verschließt das Loch im Trommelfell mit körpereigenem Gewebe. Die unterbrochene Gehörknöchelchenkette stellt der Operateur mit eigenen Gehörknöchelchen oder Prothesen wieder her. Das bringt Ihnen Ihr Hörvermögen zurück. Handelt es sich um ein Cholesteatom wird der Arzt die Knocheneiterung vollständig entfernen.

Mögliche Risiken und Komplikationen wird der Arzt vor der Operation mit Ihnen besprechen. "Selten kann es zu Wundheilungsstörungen und Wildfleischbildung am Hautschnitt kommen. Selten heilt der Trommelfellersatz nicht ein und wird abgestoßen. Ebenso selten kann es zu Geschmacksstörungen und Ohrensausen kommen", erklärt Dr. Klaus Domdey, HNO-Arzt im TK-Ärztezentrum. Ohrenlaufen oder Entzündungen des Ohrknorpels sind weitere mögliche Risiken.

Worauf sollten Sie nach einer Mittelohr-OP achten?

Nach der Operation ist es sinnvoll, ein Antibiotikum einzunehmen. Das schützt Sie vor möglichen Infektionen. Wie lange Sie dieses Antibiotikum einnehmen sollten, sagt Ihnen Ihr Arzt. In der Regel erstreckt sich die Behandlungsdauer auf sieben bis zehn Tage.

Sobald Sie Schmerzen haben, sollten Sie ein Schmerzmittel einnehmen. Und zwar so früh wie möglich und so regelmäßig wie nötig. Was das in Ihrem speziellen Fall genau zu bedeuten hat, klären Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt.

Abschwellende Nasentropfen sorgen dafür, dass Ihr Mittelohr nach der Operation ausreichend belüftet wird. Wie lange die Tropfen sinnvoll sind, beurteilt Ihr Arzt.

Auch wenn´s schwer fallen mag, sollten Sie nach der Operation möglichst nicht niesen, husten und schnäuzen. Falls Sie eine Erkältung bekommen, gehen Sie unbedingt gleich zum Arzt.

Gönnen Sie Ihrem Körper Ruhe für den Heilungsprozess. Anstrengende Sportarten sind genauso kontraproduktiv wie starke körperliche Anstrengungen. Also schonen Sie sich für den Zeitraum von acht Wochen nach der Operation. Dieses Schongebot gilt auch für Flugreisen. Da der Druckunterschied im Flugzeug Schwerstarbeit für unser Mittelohr bedeutet, sollten Sie zwei Monate lang nach der OP auf Flüge verzichten. Auch das Rauchen verzögert die Heilung.

Solange bis das Mittelohr vollständig abgeheilt ist, darf kein Wasser in den Gehörgang gelangen. Beim Duschen oder Baden hilft eine enganliegende Bademütze. Beim Haarewaschen schützt eingefettete Watte im Ohr gegen eindringendes Wasser. Die Watte danach gleich wieder entfernen, denn ständige Watte im Ohr würde ein feuchtes und warmes Klima erzeugen und damit einen optimalen Nährboden für Bakterien.