Weltweit sollen etwa 600 Millionen Menschen an einer Eisenmangelanämie leiden. Besonders Frauen sind davon betroffen, sie bilden mit rund 80 Prozent die Mehrzahl der Patienten. Der Grund: Bei ihnen geht durch Schwangerschaften, Stillzeit und/oder Regelblutungen viel Eisen verloren, das in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gebunden ist. Der Eisenmangel kann aber verschiedene Ursachen haben.

Blutverlust

Dabei ist der anhaltende Blutverlust offenbar die häufigste Ursache eines Eisenmangels. Hierbei sind vor allem der unbemerkte Blutabgang über den Magen-Darm-Trakt, zum Beispiel bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, Dickdarmpolypen oder bösartigen Tumoren, sowie bei Frauen häufige und/oder sehr starke Regelblutungen zu nennen. Auch zu häufiges Blutspenden, Operationen oder die regelmäßige Dialyse können unter anderem einen Eisenmangel verursachen.

Ernährung

Der Mensch ist darauf angewiesen, Eisen mit der Nahrung aufzunehmen. Je nach Ernährungsgewohnheit kann es zu einer verminderten Eisenaufnahme kommen. Vor allem strikte Vegetarier müssen darauf achten, die notwendige Eisenmenge aus anderen Nahrungsmitteln als Fleisch, der wichtigsten Eisenquelle, zu beziehen.

Mangelnde Eisenaufnahme

In seltenen Fällen liegt eine Störung der Eisenaufnahme vor, sodass zwar genügend Eisen mit der Nahrung zugeführt, dieses aber vom Darm nicht richtig aufgenommen wird. Mögliche Ursachen für solche Störungen sind die operative Entfernung des Magens oder von Teilen des Darms, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn, oder die Zöliakie (Glutenunverträglichkeit).

Gesteigerter Bedarf

In der Schwangerschaft, in der Wachstumsphase, bei schweren Erkrankungen oder nach größeren Operationen benötigt der Körper eine höhere Eisenzufuhr. Ebenso haben Leistungssportler einen höheren Bedarf an Eisen. Wird die Nahrung diesem Bedarf nicht entsprechend angepasst, kann es unter solchen Umständen zu Eisenmangelzuständen kommen.

Wie äußert sich eine Eisenmangelanämie?

Die Beschwerden bei einer Blutarmut sind sehr vielfältig. Sie entstehen, wenn die Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Zu den Beschwerden zählen beispielsweise allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsabfall. Die Betroffenen sind blass und klagen über allgemeine Schwäche und Kopfschmerzen. Auch Atemnot, vor allem bei Belastung, Konzentrationsstörungen und Herzklopfen können auftreten. Manche Betroffene klagen über Schwindel.

Haut- und Nagelveränderungen sind häufig

Zusätzlich können speziell bei der Eisenmangelanämie Nagelveränderungen mit brüchigen Nägeln, Hohl- oder Rillennägeln sowie trockene Haut und Juckreiz auftreten. Auch die Haare werden brüchig und fallen leicht aus. Neben kleinen, schlecht heilenden Einrissen in den Mundwinkeln (Mundwinkelrhagaden) kann es, wenn auch selten, zu Schluckstörungen und Zungenbrennen kommen.

Welche Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Um eine Eisenmangelanämie festzustellen, sind zunächst Analysen von Blutproben notwendig. Dabei werden verschiedene Parameter wie beispielsweise Menge der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Konzentration des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) im Blut, der prozentuale Anteil der festen Bestandteile des Blutes (Hämatokrit) am gesamten Blut, der Speichereiweißspiegel des Eisens (Ferritin) etc. bestimmt.

Daneben können weitere Untersuchungen infrage kommen. Denn um die Blutarmut dauerhaft zu bekämpfen, ist in erster Linie die Behandlung der Grundkrankheit erforderlich. So muss bei einem Blutverlust über den Magen-Darm-Trakt, der durch den Nachweis von Blutbeimengungen im Stuhlgang festgestellt werden kann, eine Magenspiegelung und eine Darmspiegelung erfolgen, um die Blutungsquelle erkennen und behandeln zu können.

Frauen sollten sich gynäkologisch untersuchen lassen

Bei häufiger und/oder sehr starker Regelblutung sollte eine ausführliche Untersuchung durch einen Frauenarzt stattfinden. Sind schwere Erkrankungen, zum Beispiel Tumorleiden, oder spezielle Krankheiten, zum Beispiel eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, für den Eisenmangel verantwortlich, so müssen gezielte Therapien zur Bekämpfung dieser Erkrankungen eingeleitet werden.

Eisen lässt sich ersetzen

Ist der Grund für die Eisenmangelanämie eine unzureichende Aufnahme von Eisen mit der Nahrung, so kann das fehlende Eisen ersetzt werden. Dies kann durch Medikamente und/oder über eine entsprechende Ernährung geschehen. Aber auch wenn bestimmte Krankheiten zugrunde liegen, erfolgt mitunter eine Eisengabe über Medikamente.

Bei schweren Fällen Blutübertragung

Ist die Blutarmut so stark ausgeprägt, dass daraus eine ernste gesundheitliche Bedrohung resultiert, kann sogar eine Bluttransfusion erforderlich sein.

Worauf sollte bei der medikamentösen Therapie geachtet werden?

Zur Behandlung des Eisenmangels wird Eisen in Tabletten- oder Kapselform verordnet. Das Eisenpräparat verursacht eine harmlose Dunkel- bis Schwarzfärbung des Stuhls, durch die sich die Patienten nicht verunsichern lassen sollten.

Nebenwirkungen nicht selten

Die Eisenpräparate können Nebenwirkungen hervorrufen. Sie sollten nüchtern eingenommen werden. Nicht wenige Patienten klagen etwa ein bis zwei Stunden nach der Einnahme auf nüchternen Magen über Übelkeit, Erbrechen und Oberbauchschmerzen, einige auch über Durchfall oder Verstopfung. Diese Nebenwirkungen kommen durch eine Reizung der Darmschleimhaut zustande. Trotzdem sollten Eisenpräparate möglichst mindestens drei Monate lang regelmäßig eingenommen werden, um die körpereigenen Eisenspeicher aufzufüllen.

Daneben lässt sich Eisen auch in Form von Injektionen in ein Blutgefäß applizieren. Allerdings kommt diese Form der Eisengabe weniger häufig zum Tragen.

Zu beachten ist, dass zusätzliche Eisengaben unter ärztlicher Kontrolle erfolgen sollten. Denn auch ein Zuviel an Eisen kann schädlich sein. Eisenpräparate sind frei verkäuflich. Es ist davon abzuraten ohne Rücksprache mit dem Arzt größere Mengen Eisen als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Denn überschüssiges Eisen kann vom Körper nicht ausgeschieden werden und speichert sich in Organen. Es kann zu Organschäden kommen, wenn die Speicher überfüllt sind. Besonders betroffen sind das Herz, die Leber und die Gefäße.  

Wie kann man einer Eisenmangelanämie vorbeugen?

Eine ausgewogene Ernährung hilft, einem Eisenmangel vorzubeugen. Fleisch und Vitamin-C-haltige Nahrungsmittel wie Tomaten oder Petersilie fördern die Aufnahme des mit der Nahrung zugeführten Eisens. Auch Fruchtzucker ist für die Eisenverwertung förderlich. Schwarzer Tee und Kaffee hingegen behindern die Eisenaufnahme. Fisch und Nüsse wie auch grüne Gemüsesorten enthalten viel Eisen. Bei besonders gefährdeten Personen wie zum Beispiel Schwangeren oder Frauen mit besonders starken Regelblutungen wird regelmäßig der Gehalt des roten Blutfarbstoffes bestimmt, um frühzeitig eine Eisenmangelanämie zu erkennen und zu behandeln.

Vegetarier sollte darauf achten, pflanzliche Lebensmittel zu sich zu nehmen, die reich an Eisen sind wie beispielsweise Sojabohnen, Rote Beete und Hirse.

Es lässt sich aber nicht jede Eisenmangelanämie durch eine ausgewogene Ernährung verhindern. Manche Grunderkrankungen wie zum Beispiel chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, die mit einer Eisenmangelanämie einhergehen, müssen ursächlich therapiert werden.