Ernäh­rung bei Diabetes mellitus

Für Personen mit Typ-2-Diabetes ist eine gute Ernährung ein wichtiger Grundpfeiler der Behandlung. Sie sollten sich ausgewogen ernähren und die Kalorienmenge beachten. 

Grundsätzlich gelten für Menschen mit Diabetes die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für alle anderen Menschen auch. Empfehlenswert ist eine bewusste, ausgewogene Ernährung. Dazu gehört, dass man nicht zu viele Kalorien zu sich nimmt. Die Nahrung sollte nur mäßig Fett und ausreichend Vitamine, Spurenelemente und Ballaststoffe enthalten.

Auf "leere“ Kalorien, also Lebensmittel, die viele Kalorien, aber wenig Nährstoffe wie Vitamine und Mineralien liefern (zum Beispiel Pommes und viele Fertignahrungsmittel) sollte man möglichst verzichten. Der Nährwert der Nahrungsmittel sollte im Mittelpunkt stehen. Gefragt ist Qualität statt Masse!

Diabetiker können fast alle Lebensmittel und Speisen genießen, ohne dass dies ihrer Gesundheit schaden muss. Allerdings sollten Menschen mit Diabetes mehr über die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln wissen.

In der Ernährungsschulung, beim Arzt und bei der Diätassistentin erhalten Diabetiker eine kompetente Beratung. Sie erfahren, welche Lebensmittel sie bevorzugt essen und welche Speisen und Getränke sie eher selten oder nur in kleinen Portionen verzehren sollten.

Ebenso erhalten sie Informationen über geeignete Mengen und eine günstige Verteilung der Mahlzeiten. Zusätzlich zu den allgemeinen Informationen erhält der Patient auch eine individuelle Beratung, um die Ernährung auf seine ganz persönliche Situation abzustimmen.

Übrigens: Spezielle Diabetiker-Lebensmittel sowie energiehaltige Zuckeraustauschstoffe werden heute nicht mehr empfohlen. Energiefreies Süßen mit Süßstoffen ist, wenn erwünscht, möglich.

Wenn eine Insulinbehandlung erfolgt (beim Typ-1-Diabetes und in vielen Fällen von Typ-2-Diabetes) sind beim Essen einige zusätzliche Regeln zu berücksichtigen. Diabetiker sollten auch auf die Menge der Kohlenhydratzufuhr achten und diese mit der Insulindosis abstimmen.

Eiweiß und Fett

Für Menschen mit Diabetes gilt, sich ausgewogen und bei Übergewicht zusätzlich kalorienreduziert zu ernähren. Der folgende Abschnitt gibt einen Überblick, wie die Mahlzeiten zusammengesetzt und in welchem Verhältnis Eiweiß und Fette enthalten sein sollten.

Eiweiß

Die tägliche Eiweißaufnahme mit der Nahrung sollte etwa zehn bis 20 Prozent der Gesamt-Kalorien betragen. Das entspricht maximal 75 Gramm in einer Kost mit 1.500 Kilokalorien beziehungsweise 100 Gramm in einer Kost mit 2.000 Kilokalorien.

Zuviel Eiweiß kann sich negativ auf die relativ häufigen diabetischen Nierenschäden auswirken. Dies gilt besonders, wenn gleichzeitig ein Bluthochdruck vorliegt und der HbA1c-Wert (Blutzuckerlangzeitwert) schlecht eingestellt ist.

Vor allem tierisches Eiweiß belastet die Nieren, deshalb wird zu mehr pflanzlichen Eiweißquellen in der Nahrung geraten. Bei Vorliegen einer diabetischen Nierenschädigung (Nephropathie) sollte die Eiweißzufuhr höchstens 0,8 bis ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich betragen. Dies entspricht bei einer 70 Kilogramm schweren Person einer Eiweißmenge von 56 bis 70 Gramm pro Tag.

Fette

Diabetiker, insbesondere Typ-2-Diabetiker, haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Mit der richtigen Ernährung können die Betroffenen sehr viel dafür tun, einer frühzeitigen Gefäßschädigung mit Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen. Hierbei spielt eine entscheidende Rolle, wie viel und vor allem auch welche Fette mit der Nahrung in den Körper gelangen.

Die Gesamtfettaufnahme soll höchstens 35 Prozent der Gesamtenergie liefern. Bei Übergewichtigen kann eine Beschränkung der Fettaufnahme auf 30 Prozent der Gesamtenergie die Gewichtsreduktion erleichtern. Die Aufnahme von gesättigten Fetten sollte auf weniger als sieben Prozent der täglichen Kalorienaufnahme beschränkt werden. Besonders viele solcher ungünstigen Fette enthalten zum Beispiel fettes Fleisch, Wurst und Käse, Sahne, Speck, Schokolade, Pralinen, Kuchen, Kekse, creme- und schokoladengefülltes Gebäck sowie zahlreiche fettreiche Fertignahrungsmittel.

Es ist leider schwer zu schmecken, welche Fette in der Herstellung verwendet worden sind. Bei Chips, Gebäck, Schokolade und Fast Food sind es die schlechten Transfette und gesättigten Fettsäuren.Außerdem sollte die Aufnahme von Trans-ungesättigten Fettsäuren (zum Beispiel gehärtete Fette oder Öle) auf ein Minimum beschränkt bleiben. Produkte, in denen gehärtete Fette oder Öle enthalten sind, sollten Diabetiker nur selten und in sehr kleinen Mengen verzehren.

Viele Öle, wie zum Beispiel Rapsöl, Olivenöl, Erdnussöl und Haselnussöl haben einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren, die ohne gesundheitlichen Nachteil großzügiger (maximal zehn bis 20 Prozent der Gesamt-Kalorien) genutzt werden können.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate (Einfach-, Zweifach- und Mehrfachzucker) dürfen 45 bis 60 Prozent der aufgenommenen Gesamtenergie ausmachen. Vor allem bei hoher Kohlenhydratzufuhr sollten reichlich Ballaststoffe enthalten sein. Empfehlenswert sind zum Beispiel Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Vollkornprodukte. Etwa die Hälfte der verzehrten Getreideprodukte sollten Vollkornprodukte sein.

Diabetiker sollten die Menge, Art und Verteilung der Kohlenhydrate so anpassen, dass sie langfristig normale Blutzuckerwerte (HbA1c-Werte) erreichen. Erfolgt eine Behandlung mit Insulin oder oralen Antidiabetika, dann ist es wichtig, die Dosierung der Medikamente und den Zeitpunkt der Anwendung mit der Menge und der Art der Kohlenhydrate abzustimmen.

Eine kohlenhydratreduzierte Ernährung kann die Gewichtsabnahme erleichtern.

Zucker

Der Gehalt an Einfachzuckern (Glukose, Fruktose) in vielen Süßigkeiten ist für die Stoffwechseleinstellung des Diabetikers oft das geringere Problem. Wer sich als Diabetiker gesund ernährt, kann sich ab und zu durchaus süße Extras erlauben. Zu viel davon macht sich allerdings rasch bemerkbar. Gewichtszunahme, Verschlechterung der Blutfette oder hohe Blutzuckerwerte und hohe HbA1c-Spiegel sind die Folge.

Die Aufnahme von Zucker sollte zehn Prozent der täglichen Kalorienaufnahme nicht überschreiten. Das entspricht zirka 30 bis 50 Gramm pro Tag. Hierbei ist zu beachten, dass Zucker in fast allen Lebensmitteln enthalten ist. Dies gilt auch für Nahrungsmittel wie Früchte oder Obst. Viele Lebensmittel, die nicht der Rubrik Süßigkeiten zugeordnet werden, können trotzdem große Mengen Zucker enthalten (Alkohol, Ketchup et cetera).

Gelegentlich wird damit geworben, dass Lebensmittel nicht mit normalem Haushaltszucker (Glukose), sondern mit Fruchtzucker (Fruktose) gesüßt sind. Solche fruktosegesüßten Nahrungsmittel sind aber nicht gesünder. Schon seit Langem kritisieren Gesundheitsexperten den steigenden Konsum von Getränken und Nahrungsmitteln, die Fruktosesirup enthalten.

Mittlerweile bestätigen verschiedene Studien, dass die Zufuhr hoher Mengen fruktosegesüßter Getränke einen weitaus ungünstigeren Einfluss auf die Gesundheit haben kann als das Süßen mit Glukose. Fruktose wird industriell aus Maisstärke gewonnen und als Glukose-Fruktose-Sirup oder HFCS (High Fructose Corn Syrup) in größerer Menge zahlreichen Lebensmitteln zugesetzt.

So enthalten zum Beispiel viele Softdrinks, Konserven, Konfitüren, Fertig-Backwaren, Joghurts oder Ketchup den fruktosehaltigen Maissirup. Diese Art zu süßen ist sehr preiswert und hat eine etwa 1,6-mal stärkere Süßkraft als normaler Haushaltszucker.

Vor allem in den westlichen Industrienationen ist der Verzehr von fruktosehaltigen Softdrinks und Fertignahrungsmitteln in den vergangenen 25 Jahren stark angestiegen. Untersuchungen haben inzwischen gezeigt, dass der übermäßige Konsum fruktosegesüßter Getränke und Fertignahrungsmittel nachteilige Folgen für die Gesundheit haben kann: Unter anderem wirkt sich ein hoher Fruktose-Konsum negativ auf die Fettwerte aus und kann so eine vorzeitige Gefäßschädigung fördern. Bei glukosegesüßten Getränken und Speisen werden solche Veränderungen nicht beobachtet.

Glykämischer Index

Der Glykämische Index (GI) ist ein Maß für die Blutzuckerwirksamkeit von Nahrungsmitteln und sagt aus, wie schnell und wie hoch ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt.

Trotz gleicher Kohlenhydratmenge steigt der Blutzucker bei verschiedenen Nahrungsmitteln unterschiedlich schnell an (Kohlenhydrate sind Zuckerbausteine, die miteinander verknüpft sind).

Je nachdem, welche Kohlenhydrate enthalten sind, wirkt sich die aufgenommene Nahrung unterschiedlich auf die Blutzuckerhöhe aus. So führt zum Beispiel Traubenzucker zu einem sehr schnellen Blutzuckeranstieg, während ballaststoffreiche Nahrungsmittel den Blutzucker nur langsam erhöhen.

Ein Glykämischer Index von 100 Prozent entspricht der Blutzuckerwirksamkeit bei Zufuhr von 10 Gramm (1 Brot Einheit=BE) reinem Traubenzucker. Bananen haben zum Beispiel einen ungefähren Wert von 52. Etwas vereinfacht ausgedrückt, lassen sie den Blutzucker etwa halb so schnell ansteigen wie Traubenzucker. Diabetiker sollten Nahrungsmittel mit einem niedrigen Glykämischen Index bevorzugen.

Besonders günstig ist es, stärkehaltige Kohlenhydrate aufzunehmen, die von Ballaststoffen umhüllt sind (zum Beispiel Vollkornprodukte, Kartoffeln). Da Stärke sehr viele zusammengesetzte Zuckerbausteine enthält, benötigt der Darm mehr Zeit zum Aufspalten. Damit wird der Körper nicht plötzlich mit großen Zuckermengen überlastet, sondern der Blutzuckeranstieg erfolgt allmählich und langsam. Der Körper kann sich besser darauf einstellen, den Energieträger Zucker zu verarbeiten.

Für die Einstellung von Blutzucker und Blutfetten ergeben sich deutliche Vorteile, wenn Diabetiker häufiger Lebensmittel aus der Gruppe mit niedrigem Glykämischen Index verzehren.

Auch durch die Zubereitungsart ändert sich der glykämische Index. Kartoffeln haben gekocht einen höheren Wert als roh und die Kohlenhydrate aus Kartoffelpüree gelangen noch schneller ins Blut. Vereinfacht lässt sich sagen: Der glykämische Index ist umso höher, je stärker ein Lebensmittel verarbeitet ist.Zu den Lebensmitteln mit niedrigem Glykämischen Index zählen Ganzkornprodukte, Teigwaren aus Hartweizen (Pasta), Hülsenfrüchte, einige Gemüse, Früchte sowie Milchprodukte. Haushaltszucker und Honig gehören in die Gruppe der Nahrungsmittel mit mittlerem Glykämischen Index, während zum Beispiel Weißbrot, Kartoffelbrei und Minutenreis in die Gruppe von Lebensmitteln mit hohem, weniger günstigem Glykämischen Index gehören.

Vitamine und Mineralien

Vitamine und Spurenelemente sind wichtige Mikronährstoffe, die beim Schutz vor oxidativem Stress eine wichtige Rolle spielen. Oxidativer Stress kann die Zellen schädigen und trägt zur vorzeitigen Arteriosklerose der Blutgefäße bei. Der Körper verfügt über verschiedene Schutzmechanismen, die oxidativem Stress entgegenwirken können.

Mikronährstoffe unterstützen den Körper dabei. Bestimmte antioxidativ wirksame Substanzen wie zum Beispiel die Vitamine A, C und E können schädliche freie Sauerstoffradikale abfangen und damit die Gefäße schützen.

Auch der tägliche Verzehr von Folaten, die zur Gruppe der B-Vitamine gehören, ist wichtig. Ein Folat-Mangel führt zu einem Anstieg des unerwünschten Stoffwechselprodukts Homocystein. Dieses wird mit einer Erhöhung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Gute Nahrungsquellen für Folate sind grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn-Getreideprodukte und Obst.

Bei unzureichender Stoffwechseleinstellung oder während der Schwangerschaft können Diabetiker einen Magnesiummangel entwickeln. Hier ist es wichtig, gute Nahrungslieferanten für Magnesium zu kennen. Diese sind Vollkorn-Getreideprodukte, Milch und Milchprodukte, Geflügel, Fisch, Kartoffeln, viele Gemüsesorten sowie Beerenobst, Orangen und Bananen.

Tipp: Für eine abwechslungsreiche Ernährung sorgen. Dazu gehört auch fünfmal pro Tag eine Portion Gemüse und/oder frisches Obst. Für das Zubereiten von Speisen sollten am besten pflanzliche Öle verwendet werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene:

  • Vitamin A (enthalten in Leber, Butter, Margarine, Eigelb, Milch, Gemüse): Männer 1 mg Äquivalent/Tag, Frauen: 0,8 mg Äquivalent/Tag
  • Vitamin C (enthalten in Obst und Gemüse): Männer und Frauen: 100 mg/Tag
  • Vitamin E (enthalten in Pflanzenölen, Nüssen, Samen): Männer: 12 bis 15 mg Äquivalent/Tag, Frauen: 11 bis 12 mg Äquivalent/Tag
  • Folsäure/Nahrungsfolat (enthalten in Obst, Gemüse, Brot, Milchprodukten): Männer: 400 µg Äquivalent/Tag, Frauen: 400 µg Äquivalent/Tag
  • Magnesium (enthalten in Vollkornprodukten, Milchprodukten): Männer: 350 bis 400 mg/Tag, Frauen: 300 bis 310 mg/Tag 

Alkohol

Früher war Alkohol für Diabetiker aufgrund des Kohlenhydratgehaltes tabu. Heutzutage ist man der Auffassung, dass auch Diabetiker alkoholische Getränke trinken dürfen, allerdings nur in Maßen. Eine Tagesmenge von zehn Gramm Alkohol bei Frauen und 20 Gramm bei Männern sollten sie aber nicht überschreiten. Beispiele: 0,5 Liter Bier enthalten etwa 20 Gramm Alkohol, 0,2 Liter Wein enthalten etwa 16 Gramm Alkohol.

Besonders sollte man beachten:

  • Alkohol enthält viele Kalorien. Besonders kalorienreich sind hochprozentige Getränke (besser geeignet: trockene Weine, sehr trockener Sekt, Bier oder Lightbier). Wer übergewichtig ist und abnehmen möchte, sollte deshalb mit Alkoholgetränken zurückhaltend sein.
  • Kurz nach dem Verzehr von Alkohol steigt der Blutzucker zwar an. Im weiteren Verlauf erhöht Alkohol jedoch die Unterzuckerungsgefahr (Hypoglykämie). Alkohol blockiert die Arbeit der Leber. Diese kann keinen neuen Zucker bilden, da die Leber in erster Linie damit beschäftigt ist, den Alkohol zu entgiften. Deshalb sollten Diabetiker Alkohol bei Behandlung mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin auch nie auf leeren Magen, sondern immer zusammen mit einer kohlenhydratreichen Mahlzeit trinken.
  • Nach Sport oder sonstiger zusätzlicher körperlicher Aktivität ist Alkohol tabu, da die Unterzuckerungsgefahr in diesem Fall besonders groß ist. Die Gefahr einer Hypoglykämie besteht auch noch zwölf bis 24 Stunden nach der Alkoholaufnahme.