Die folgenden Werte sollte der Arzt alle drei Monate kontrollieren:

  • Gewicht und Taillenumfang
  • Blutdruck
  • Blutzucker (nüchtern und nach dem Essen)
  • HbA1c-Wert

Einmal jährlich sollten folgende Kontrollen erfolgen:

Untersuchung beim Augenarzt (zur frühzeitigen Erkennung von Augenschäden)

  • Prüfen der Nervenfunktion
  • Inspektion der Füße auf Nervenstörungen und Durchblutungsstörungen
  • Körperliche Untersuchung einschließlich Untersuchung der Beingefäße
  • Ruhe-EKG (Elektrokardiogramm), gegebenenfalls Belastungs-EKG
  • Bestimmung der Blutfette (Gesamt-Cholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeride)
  • Bestimmung des Serum-Kreatinins
  • Untersuchung des Urins auf Eiweißausscheidung (Mikro- oder Makroalbuminurie)

Alle diese Untersuchungen sind Bestandteil des von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft entwickelten Gesundheitspass Diabetes.

Manchmal können weitere technische Untersuchungen notwendig sein, wie zum Beispiel eine 24-Stunden-Blutdruckmessung oder ein Ultraschall des Herzens.

Stoffwechsel und Blutdruck

Neben den Blutglukosewerten und dem Blutzuckerlangzeitwert HbA1c sollte der Arzt auch die Blutfettwerte (Gesamt-Cholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeride) und den Blutdruck in regelmäßigen Abständen kontrollieren.

Augen

Eine Untersuchung der Augen durch den Augenarzt sollte bei Typ-1-Diabetikern und bei Typ-2-Diabetikern ab Diagnosestellung des Diabetes einmal jährlich erfolgen.

Bei Kindern mit Typ-1-Diabetes ist vor dem elften Lebensjahr erst dann eine Untersuchung der Augen notwendig, wenn der Diabetes bereits seit fünf Jahren besteht. Auch wenn sich die Sehfähigkeit plötzlich verschlechtert, sollte der Augenarzt eine Untersuchung vornehmen.

Bestehen bereits Netzhautveränderungen, so sind häufigere Kontrollen sinnvoll.

Schwangere Diabetikerinnen sollten ihre Augen sofort bei Feststellung der Schwangerschaft untersuchen lassen, danach alle drei Monate. Bei bereits bestehenden Netzhautveränderungen sind die Intervalle noch kürzer zu wählen.

Auch vor und nach einer schnellen und starken Blutzuckersenkung sind Kontrollen durch den Augenarzt sinnvoll, weil dann die Gefahr besteht, dass sich Netzhauterkrankungen verschlechtern.

Der Augenarzt überprüft bei der Untersuchung zunächst die Sehschärfe. Anschließend erhält der Patient Augentropfen, damit sich die Pupillen erweitern. Jetzt kann sich der Arzt die Linse, den Glaskörper und die Netzhaut durch einen Augenspiegel (Ophthalmoskop) ansehen und beurteilen, ob krankhafte Veränderungen vorliegen.

TIPP: Bei dauerhaft schlechter Blutzuckereinstellung kommt es häufig zu Schwankungen der Sehschärfe. Solche Schwankungen sind auch in der ersten Zeit bei Einstellung auf Insulin möglich und führen dazu, dass sich die Stärke der benötigten Brillengläser mehrfach ändern kann. Ähnliche Effekte können sich auch bei diabetischen Netzhautveränderungen ergeben.

Brillenkorrekturen beim Diabetiker sollten daher nur bei stabiler Blutzuckereinstellung und unter Berücksichtigung des aktuellen Netzhautbefundes erfolgen.

Nieren

Eine regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion sollte bei Typ-1-Diabetikern ab dem fünften Jahr der Diabeteserkrankung beziehungsweise bei Kindern ab dem Einsetzen der Pubertät erfolgen. Bei Typ-2-Diabetikern sollte der Arzt die Nierenfunktion sofort nach Diagnose der Diabeteserkrankung überprüfen.

Einer Studie aus dem Jahr 2014 zufolge haben etwa zehn Prozent der Typ-2-Diabetiker in Deutschland eine Nephropathie, bei den Typ-1-Diabetikern sind etwa 15 Prozent von einer Nephropathie betroffen.

Die Funktion der Nieren sollte mindestens einmal pro Jahr überprüft werden. Dies kann zum Beispiel im Rahmen der ohnehin anstehenden vierteljährlichen Untersuchungen beim Hausarzt erfolgen. Dabei untersucht der Arzt den Urin auf Eiweißausscheidungen und bestimmt die Höhe des Kreatinin-Wertes im Blut.

Für den Nachweis des Eiweißes Albumin im Urin stehen Schnelltests zur Verfügung. Dabei wird zwischen wenig und viel Urin-Albumin unterschieden. Man spricht von einer Mikroalbuminurie beziehungsweise von einer Makroalbuminurie.

Für die Messung kommen verschiedene Methoden zum Einsatz. Möglich ist die Bestimmung von Albumin im Morgen- oder Spontanurin nüchtern vor dem Frühstück. Eine andere Methode ist das Sammeln des Urins in einem Gefäß über 24 Stunden (24-Stunden-Sammelurin).

Bei der Beurteilung der ermittelten Werte ist zu berücksichtigen, dass neben einer Nierenschädigung auch andere Faktoren kurzfristig die Eiweißausscheidung im Urin erhöhen können. Dazu gehören ein schlecht eingestellter Blutzucker, körperliche Anstrengung, Harnwegsinfekte, unkontrollierter Bluthochdruck, das Vorliegen einer Herzinsuffizienz, eine akute fieberhafte Erkrankung oder operative Eingriffe. Ebenso muss der Arzt andere Nierenerkrankungen ausschließen, die nicht durch den Diabetes bedingt sind.

Ergeben zwei Proben im Abstand von zwei bis vier Wochen einen positiven Befund, muss man von einer diabetischen Nierenschädigung (Nephropathie) ausgehen.

Die Nieren verlieren langsam ihre lebensnotwendige Filterfunktion.

Diabetiker, bei denen bereits eine Schädigung der Nieren bekannt ist, sollten die Urin-Albuminausscheidung häufiger bestimmen lassen, und zwar je nach Stadium der Nierenerkrankung zwei- bis viermal jährlich. Zusätzlich sollten diese Patienten mindestens einmal jährlich die Blutkonzentration von Kreatinin, Harnstoff und Kalium messen lassen.

Nerven

Bei den ärztlichen Kontrollen zur diabetischen Nervenschädigung (Neuropathie) unterscheidet man zwischen Vorsorgeuntersuchungen und einer speziellen Diagnostik zum Nachweis von Nervenschädigungen.

Die allgemeine Vorsorgeuntersuchung (einmal jährlich) und die Verlaufskontrolle einer bereits bekannten Neuropathie (mindestens alle sechs Monate) führt in der Regel der Hausarzt durch. Nachdem der Patient einen speziellen Fragebogen ausgefüllt hat, prüft der Arzt die Hautbeschaffenheit und die Wahrnehmung verschiedener Reize an den Beinen und Armen. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die Inspektion der Haut im Bereich der Füße. Bei Diabetikern ist das Risiko für eine Fußamputation im Vergleich zu Nicht-Diabetikern um das Zehn- bis 22-Fache erhöht. Die wichtigsten Risikofaktoren für eine Amputation sind Nervenschäden und Durchblutungsstörungen. Der Arzt beurteilt auch die Hauttemperatur, die Gelenkbeweglichkeit, die Fußpulse und den Gang.

Zur Untersuchung des willkürlichen (peripheren) Nervensystems gehört die Prüfung

  • der Schmerzempfindung (zum Beispiel durch kurzes Drücken eines Zahnstochers oder einer Einmalnadel auf die Haut),
  • der Berührungsempfindlichkeit (zum Beispiel mit einem Wattebausch),
  • der Druckempfindung (durch Drücken eines steifen Nylonfadens (Monofilament) auf verschiedene Hautstellen an der Fußsohle),
  • der Vibrationsempfindung (durch Halten einer schwingenden Stimmgabel an das Großzehengrundgelenk oder an den Innenknöchel),
  • der Temperaturempfindung und
  • der Muskeleigenreflexe (zum Beispiel Abschwächung oder Fehlen der Achillessehnenreflexe an den Fersen und der Patellarsehnenreflexe an den Knien).

Zusätzlich folgen Funktionstests zur Überprüfung des unwillkürlichen Nervensystems (autonome Neuropathie). Dies geschieht anhand einfacher Tests, bei denen der Arzt den Puls und den Blutdruck in Ruhe bestimmt.

Anzeichen für eine autonome diabetische Neuropathie ist eine Erhöhung der Herzschlagrate in Ruhe (Puls liegt über 100 pro Minute). Typisch ist auch ein plötzlicher Blutdruckabfall bei Lageänderungen vom Sitzen oder Liegen zum Stehen (sogenannte orthostatische Dysregulation), der zu Schwindel und Bewusstseinsverlust führen kann.

Auch Magen-Darm-Beschwerden (zum Beispiel Völlegefühl, Blähungen, Verstopfung, Durchfall), Störungen der Blasenfunktion, sexuelle Probleme, eine veränderte Schweißabsonderung und andere Beschwerden können auf eine Erkrankung des unwillkürlichen Nervensystems hinweisen.

Weiterführende Untersuchungen zum endgültigen Nachweis und zur Ursachenklärung einer Neuropathie übernimmt in der Regel der Facharzt für Neurologie oder ein Spezialist in einem Diabeteszentrum.

Hier wird auch der Schweregrad einer bestehenden Neuropathie bestimmt. Der Neurologe befragt den Patienten nach typischen Beschwerden und führt eine körperliche Untersuchung durch. Zusätzlich bestimmt er die Nervenleitgeschwindigkeiten und die Stärke der Nerven- und Muskelimpulse.

Zum Nachweis einer Nervenerkrankung des unwillkürlichen vegetativen Nervensystems (autonome Neuropathie) können verschiedene organbezogene Funktionstests erfolgen (Herz, Magen-Darm-Trakt, harnbildende und harnableitende Organe, Sexualfunktion und anderes). Bis auf die Funktionstests des Herzens sind diese Untersuchungen jedoch relativ aufwendig.

Zähne

Diabetiker mit schlecht eingestelltem Blutzucker haben ein erhöhtes Risiko für Entzündungen des Zahnfleisches (Parodontitis). Eine gute Mundhygiene und der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt sind deshalb besonders wichtig.

Diabetiker sollten zweimal jährlich Kontrollen der Zähne, des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut durchführen lassen. Um einer Zahnfleischentzündung vorzubeugen, ist eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung empfehlenswert.

Auch der Befall mit Hefepilzen, der oft keine Beschwerden bereitet und deshalb unbemerkt bleibt, tritt bei Diabetikern im Mundbereich gehäuft auf. Einen Pilzbefall im Mund kann der Zahnarzt leicht erkennen und behandeln.

Inzwischen weiß man, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht. In verschiedenen Studien gingen ausgeprägte und wiederkehrende Zahnfleischentzündungen mit einer höheren Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher.

Umgekehrt gibt es Hinweise, dass eine intensive Parodontitisbehandlung oder besser noch das Vermeiden von Zahnfleischproblemen durch eine gute Mundhygiene möglicherweise auch das Herz-Kreislauf-Risiko senken kann.

Eine Zahnfleischentzündung wirkt sich auch negativ auf den Diabetes aus und kann eine Zunahme der Insulinresistenz und erhöhte Blutzuckerspiegel zur Folge haben. Auch das Risiko für Folgeerkrankungen des Diabetes wie Nierenerkrankungen steigt durch eine Parodontitis.