Jede zweite Frau hat mindestens einmal im Leben eine sogenannte Zystitis. Auslöser sind Bakterien, in den meisten Fällen handelt es sich um das Darmbakterium "Escherichia coli". Bei Frauen haben die Krankheitserreger leichtes Spiel: Durch die nur vier Zentimetern kurze Harnröhre steigen die Bakterien besonders schnell in die Blase auf. Deshalb ist die Blasenentzündung auch ein typisches Frauenleiden. Natürlich werden auch Männer nicht verschont, aber der Harnwegsinfekt trifft sie deutlich seltener.  

Die Medizin unterscheidet zwischen einer "komplizierten" und einer "unkomplizierten" Blasenentzündung. Der Infekt ist unkompliziert, solange im Bereich der Harnwege und Blase keine funktionellen Einschränkungen vorliegen, die Nieren nicht betroffen sind und keine Begleiterkrankungen auftreten. Ist jedoch einer dieser Faktoren erfüllt, können Komplikationen auftreten - die Blasenentzündung ist dann also "kompliziert".

Wie entsteht eine Blasenentzündung?

"In den meisten Fällen handelt es sich um eine bakterielle Zystitis, also um eine Infektion, die durch Bakterien hervorgerufen wird", sagt Petra Rudnick vom TK-Ärztezentrum und ergänzt: "Zu den häufigsten Erregern zählen die Escherichia coli Bakterien. Sie sind Teil der natürlichen Darmflora und dort in ihrer Funktion unentbehrlich", sagt die Allgemeinmedizinerin.

Bei Frauen ist die Harnröhre mit einer Länge von nur vier Zentimetern sehr kurz, so finden die Bakterien schnell den Weg in die Harnröhre und steigen in die Blase auf. Hinzu kommt, dass die Öffnung der Harnröhre bei Frauen nah am Darmausgang liegt. So kann ein falsches Hygieneverhalten (Wischrichtung bei der Reinigung nach dem Stuhlgang) die Scheide verschmutzen und damit einen Harnwegsinfekt herbeiführen.

Zahlen und Fakten zur Blasenentzündung

Über die Hälfte aller Frauen erkrankt mindestens einmal im Leben an einem Harnwegsinfekt (Zystitis). Wiederum die Hälfte aller Frauen, die eine akute Blasenentzündung hatten, bekommt innerhalb eines Jahres eine weitere Infektion.

Kompliziert ist die Blasenentzündung, wenn Bakterien in die Nieren aufsteigen und eine Entzündung (Pyelonephritis) hervorrufen. Achten Sie daher auf Schmerzen im Bereich der Nieren (Flankenschmerz) und Fieber. Eine Nierenbeteiligung kann gefährlich sein und sollte rasch behandelt werden.

Wie erkenne ich eine Blasenentzündung?

Häufiger Harndrang, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sind die typischen Symptome einer Blasenentzündung. Aber auch krampfartige Schmerzen im Unterleib und ein veränderter Geruch des Urins deuten auf einen Harnwegsinfekt. Bei Fieber und Blut im Urin ist ein Arztbesuch dringend notwendig.

Symptome im Überblick

  • Häufiger Harndrang

  • Schmerzen beim Wasserlassen

  • Brennen beim Wasserlassen

  • Erschwerte Blasenentleerung 

  • Häufiges Wasserlassen mit geringen Urinmengen (trotz starkem Harndrang kommen nur einige Tropfen)

  • Krampfartige Beschwerden im Unterleib (Blasenkrampf)

  • Strenger Geruch des Urins

  • Trübung des Urins (eitriger Ausfluss)

  • Blut im Urin

  • Inkontinenz

  • Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl 

Wann ist das Risiko für eine Blasenentzündung erhöht?

Häufiger Geschlechtsverkehr erhöht das Risiko für eine sogenannte "Honeymoon Zystitis", denn Bakterien können sehr leicht in die Harnröhre aufsteigen. Spermienabtötende Verhütungscremes und -gele sowie ein Diaphragma können das Risiko ebenfalls erhöhen.

Leiden Männer unter Harnwegsinfekten kann dies auf eine Prostatavergrößerung hindeuten. Deshalb ist ein Arztbesuch schon bei den ersten Symptomen wichtig. Grundsätzlich gilt: Ein Harnwegsinfekt bei einem Mann gilt immer als "kompliziert" und sollte beim ersten Auftreten fachärztlich abgeklärt werden.

"Treten Blasenentzündungen immer wieder auf, ist es wichtig, nach der genauen Ursache der Infektion zu forschen", sagt Petra Rudnick und ergänzt: "Eventuell liegt eine Erkrankung vor, die gezielt behandelt werden muss." Außerdem verursacht eine nicht ausgeheilte bakterielle Infektion wiederkehrende Blasenentzündungen", betont die Allgemeinmedizinerin.

Der Harnwegsinfekt kann auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten. Ebenso kann eine Bestrahlung im Bereich des Beckens eine Blasenentzündung hervorrufen (Strahlenzystitis).

Risikofaktoren im Überblick

  • Schlechte Immunabwehr

  • Kälte (z. B. beim Sitzen auf kaltem Steinboden)

  • Nasse Badesachen

  • Übertriebene Intimhygiene schädigt die Vaginalflora, die eine natürliche Barriere gegen Krankheitserreger schafft

  • Schwangerschaft: der veränderte Hormonhaushalt führt zu einer Weitung der Harnwege

  • Östrogenmangel während und nach den Wechseljahren

  • Diabetes mellitus - Betroffene sind sehr Infekt anfällig. 

  • Harnstau oder Restharn in der Blase, z. B. bei Prostatavergrößerung, Harnsteinen oder bei Blasenfunktionsstörungen

  • Tragen eines Dauerkatheter

  • Bestrahlung im Bereich des Beckens

  • Einnahme bestimmter Medikamente

Wie wird eine Blasenentzündung festgestellt?

Schon bei den ersten Symptomen einer Blasenentzündung ist ein Termin beim Hausarzt oder Urologen, ggf. auch Gynäkologen ratsam. Anhand der Beschwerden kann der Arzt einschätzen, ob es sich um eine unkomplizierte Blasenentzündung handelt oder nicht.

Der Patient gibt außerdem eine Urinprobe ab. Wichtig ist dabei, den sogenannten "Mittelstrahlurin" aufzufangen. Das bedeutet, dass nicht die ersten und letzten Tropfen in das Uringefäß wandern sollten. Die höchste Genauigkeit erreicht man allerdings durch die Verwendung des Katheterurins. In der Arztpraxis wird die Urinprobe mithilfe eines Harnstreifentests auf weiße und rote Blutkörperchen, Eiweiß und Nitrit untersucht und indirekt auf das Vorhandensein von Bakterien geschlossen. Bei einer unkomplizierten Harnwegsinfektion ist der Harnstreifentest meist  ausreichend, um die Diagnose zu bestätigen und eine entsprechende Therapie einzuleiten.

Weitere Untersuchung des Urins sowie das Anlegen einer Urinkultur kommen für Patienten infrage, die unter wiederkehrenden Infektionen leiden, schwanger sind oder Vorerkrankungen haben. In diesen Fällen ist es wichtig Art und Anzahl der Bakterien genauer zu bestimmen, um die Therapie noch gezielter zu planen. 

Mit einem Ultraschallgerät (Sonografie) kann der Arzt die Nieren und die Harnblase untersuchen. Diese Untersuchung ist bei komplizierten Harnwegsinfekten oder einer Nierenbeteiligung sinnvoll. Bei einer Blasenspiegelung wird ein Schlauch mit einer kleinen Kamera am Ende (Endoskop) durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Die Kamera zeigt z. B. Veränderungen an der Blasenwand. Die Untersuchung kann zudem Hinweis auf eine Chronifizierung, ergeben, auf Anomalitäten des Harntrakts wie Harnröhrenengen und letztlich einen Blasentumor ausschließen. Eine Blasenspieglung wird z. B. bei schweren, wiederkehrenden Entzündungen empfohlen.

Wie wird eine Blasenentzündung behandelt?

Die zeitgerechte Behandlung der Blasenentzündung ist wichtig, um Komplikationen wie eine Nierenbeteiligung zu verhindern

"Bislang empfehlen nationale und internationale Leitlinien zur Behandlung der Blasenentzündung grundsätzlich eine Antibiotikatherapie", sagt Petra Rudnick und ergänzt. "Schon bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt verordnet der behandelnde Arzt deshalb meist ein Antibiotikum."

Wenn mit Antibiotika behandelt wird, müssen die Medikamente genau nach ärztlicher Empfehlung eingenommen werden. Auch wenn die Symptome schon nach kurzer Zeit abklingen, darf die Therapie nicht vorzeitig beendet werden. Dies kann zu einer erneuten Infektion führen.

Sind  Antibiotika wirklich nötig, um eine Blasenentzündung zu heilen?

Eine Studie der Universitätsmedizin Göttingen belegt nun, dass Antibiotika gar nicht sein müssen: Oft klingt die Entzündung von selbst ab und entzündungshemmende Wirkstoffe reichen für die Behandlung der Beschwerden aus. 494 Frauen, die mit typischen Anzeichen eines Harnwegsinfekts ihren Hausarzt aufsuchten, nahmen an der Studie teil. Eine Gruppe erhielt sofort ein Antibiotikum. Die andere Gruppe bekam ein Medikament, das Schmerzen lindert und die Entzündung hemmt (Ibuprofen). Insgesamt wurden zwei Drittel der Patientinnen, die mit einem Schmerzmittel behandelt wurden, ohne Antibiotikatherapie gesund. Bei sehr wenigen Frauen traten Nierenbeteiligungen auf. Dies war häufiger in der Gruppe, die nur mit Schmerzmitteln behandelt wurden. Fazit: Für sonst gesunde Frauen mit leichten bis mittelschweren Symptomen einer Blasenentzündung ist die symptomatische Behandlung häufig ausreichend und das Risiko von Komplikationen gering. Die Forscher empfehlen daher, bei Patientinnen mit einem unkomplizierten Harnwegsinfekt zunächst auf Antibiotika zu verzichten.

Was können sie selbst tun?

Trinken, trinken, trinken - am besten zwei bis vier Liter am Tag! Denn die erhöhte Flüssigkeit spült Krankheitserreger aus der Blase. Warme Tees aus Preiselbeeren, Birke, Bärentraube und Löwenzahn wirken besonders gut bei einem Harninfekt, denn sie fördern den Harndrang. Die Teemischungen sind in Reformhäusern, Drogerien und Apotheken erhältlich.

Tipps für die Selbstbehandlung:

  • Viel Trinken: zwei bis vier Liter am Tag

  • Harndrang nicht halten, sondern rechtzeitig die Toilette aufsuchen und die Blase vollständig entleeren.

  • Wenn es nicht besser wird: rechtzeitig einen objektiven Befund einholen (Urinuntersuchung) 

Wie können Sie selbst einer Blasenentzündung vorbeugen?

Sie können ganz einfache Verhaltensweisen in Ihren Alltag integrieren, um einer Blasenentzündung vorzubeugen:

  • Viel trinken: zwei bis drei Liter Wasser oder warme Tees am Tag spülen die Harnwege und Blase. Dies verhindert, dass sich Bakterien langfristig festsetzen und eine Entzündung hervorrufen.

  • Regelmäßig Wasserlassen: Die Blase frühzeitig und vollständig entleeren. Nicht abwarten bis sie prall gefüllt ist. 

  • Warme Kleidung: Füße, Unterleib und Rücken sollten immer warm sein.

  • Intimhygiene: Den Intimbereich nur mit warmem Wasser und pH-neutralen Waschlotionen reinigen. Besonders nach dem Geschlechtsverkehr sollte der Intimbereich von Bakterien befreit werden.

  • Auswahl des Verhütungsmittels: Für Frauen, die zu Blasenentzündungen neigen, sind bestimmte Verhütungsmittel empfehlenswert. Kondome halten Bakterien, die  beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, von den Harnwegen fern.