Was sind Zysten?

Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Gewebe, die sich in nahezu allen Geweben und Organen des Körpers bilden können. Typischerweise sind sie innen von einer dünnen Schicht Oberflächengewebe (Epithel) ausgekleidet und von einer Kapsel aus Bindegewebe umgeben. Zysten sind in der Regel gutartig.

Der flüssige Inhalt der Zyste ist oft mit Gewebeanteilen vermischt und kann aus Gewebeflüssigkeit, Blut und einem schleimigen Sekret oder Ähnlichem bestehen.

Ob und wie eine Zyste behandelt wird, hängt im Einzelfall davon ab, in welchem Organ sie sich befindet, wie groß die Wahrscheinlichkeit einer bösartigen Entartung (Umwandlung in Krebs) ist und wie stark die Beschwerden sind, die sie hervorruft. Auch die Größe der Zyste muss bei der Therapie berücksichtigt werden.

Wie entstehen Zysten an den Eierstöcken?

Zysten am Eierstock (Ovar) können sich grundsätzlich auf zwei verschiedenen Wegen bilden: Sie entwickeln sich entweder als sogenannte funktionelle Zysten oder als Retentionszysten. Erstere entstehen unter dem Einfluss der Geschlechtshormone; Letztere bilden sich heraus, wenn das Sekret einer Drüse nicht abgegeben wird, sondern in der Drüse verbleibt.

Es kann sich aber auch ein zystischer Tumor neu herausbilden. Dahinter muss sich nicht zwangsläufig eine bösartige Geschwulst verbergen, denn meist handelt es sich um gutartige zystische Tumoren.

Zu den Retentionszysten gehören zum Beispiel die Dermoidzysten, bei denen es sich um angeborene Fehlbildungen handelt, die von den Keimzellen abstammen. Diese können Talg, Knorpel- oder Knochengewebe enthalten und sind in der Regel gutartig. Nur in seltenen Fällen entartet eine Dermoidzyste in einen bösartigen Tumor.

Funktionelle Zysten

Bei der Frau sind schon vor der Geburt Eizellen im Eierstock vorhanden. Jede Eizelle ist kugelförmig von anderen Zellen umgeben (Follikel). Während der Geschlechtsreife entwickeln sich in jedem Monatszyklus einige Follikel mit einer Eizelle weiter. Ein, manchmal auch zwei oder mehr Follikel entwickeln sich so weit, dass sie wie eine Zyste aussehen (Eibläschen).

In der Zyklusmitte platzt der Follikel und die Eizelle springt (Eisprung, Ovulation). Sie wird von den Gewebeenden des Eileiters aufgenommen. Der restliche Follikel wandelt sich in den sogenannten Gelbkörper um, der Hormone, unter anderem Gestagene, bildet. Kommt es zu keiner Schwangerschaft, erlischt die Hormonproduktion und der Gelbkörper bildet sich zurück. Anschließend reift die nächste Eizelle heran und der Monatszyklus beginnt von Neuem.

Dieses komplexe System steht unter hormoneller Steuerung und ist sehr störanfällig. Zysten können zum Beispiel entstehen, wenn ein Follikel weiter wächst, ohne dass ein Eisprung stattgefunden hat (Follikelzyste). Auch wenn sich der Gelbkörper (Corpus luteum) nicht zurückbildet, kann sich der Follikel wegen der bestehenden Hormonproduktion weiter entwickeln und eine Zyste bilden (Corpus-luteum-Zyste).

Die Zysten können eine Größe von vier bis sechs Zentimetern erreichen, aber auch bis zu zehn Zentimetern groß werden. Sie bilden sich in der Mehrzahl der Fälle von allein wieder zurück.

Polyzystische Ovarien

Beim sogenannten Syndrom der Polyzystischen Ovarien (PCO) ist die Oberfläche der Eierstöcke mit Zysten durchsetzt. Die Eierstöcke sind dadurch oft vergrößert, ein Eisprung findet häufig nicht statt.

Das Syndrom kann außerdem mit Regelstörungen, einem männlichen Behaarungstyp (Hirsutismus) und einem erhöhten männlichen Geschlechtshormon-Spiegel im Blut einhergehen.

Die Ursache der PCO sind Hormonstörungen. Die genaue Entstehung ist nicht bekannt, es wird jedoch eine familiäre Häufung beobachtet. Die Therapie dieses Syndroms richtet sich nach den Beschwerden.

Schokoladen- oder Teerzysten

Schokoladen- oder Teerzysten bilden sich bei der sogenannten Endometriose. Bei dieser Erkrankung findet sich versprengtes Gewebe der Gebärmutterschleimhaut in anderen Organen, zum Beispiel im Eierstock. Diese Gewebesprengsel in den Eierstöcken bluten während der Monatsblutung, genau wie die übrige Gebärmutterschleimhaut. Da aber kein Abfluss für das Blut im Eierstock besteht, kommt es zur Bildung von Zysten.

Zystische Tumoren

Echte Neubildungen können solide, das heißt aus Gewebe bestehend sein, in Form einer Zyste wachsen oder aus beidem bestehen. Diese Neubildungen (Tumoren) können sowohl gutartig als auch bösartig sein. Gutartige zystische Tumoren sind oft sogenannte Kystome oder Kystadenome. Bösartige Tumoren werden als Ovarialkarzinome (Eierstockkrebs) bezeichnet.

Welche Beschwerden verursachen Eierstockzysten?

Zysten am Eierstock machen oft überhaupt keine Beschwerden und fallen meist zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung auf. So erklärt sich auch das Auftreten von sehr großen Eierstockzysten, die erst durch einen vergrößerten Bauchumfang auffallen.

Uncharakteristische Beschwerden entstehen oft durch den Druck auf die Nachbarorgane, wobei es zum Beispiel zu Verstopfung, Beschwerden beim Wasserlassen, Harnstau in den Nieren oder zu einer Wasseransammlung im Bauchraum (Aszites) kommt. Des Weiteren können – in Abhängigkeit von der Zystenform - Blutungsunregelmäßigkeiten auftreten (ausbleibende Regel, Dauerblutung). Auch ziehende Schmerzen im rechten oder linken Unterbauch sind manchmal ein Zeichen für Eierstockzysten. Ebenso können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Die genannten Symptome kommen nicht nur bei Zysten im Eierstock vor, ebenso können sie bei einer Vielzahl anderer Erkrankungen auftreten.

Welche Komplikationen können auftreten?

Komplikationen sind in der Regel eher selten. Bei einigen Frauen können die Zysten einreißen beziehungsweise platzen. Kleine geplatzte Zysten machen oft keine Symptome, wohingegen große eingerissene Zysten heftige Schmerzen im Unterbauch auslösen können. Zudem kann es zu größeren Blutungen in den Bauchraum kommen, die eine schnelle operative Behandlung erfordern.

Auch die sogenannte Stieldrehung eines Eierstocks, die vor allem bei größeren Zysten und bei Tumoren auftreten kann, muss sofort behandelt werden. Auslöser sind oft abrupte Körperbewegungen. Da sich der Eierstock um seine Aufhängung dreht, kommt es zur Verhinderung des Blutabflusses, später auch des Blutzuflusses, was stärkste Schmerzen verursacht. Wird die Stieldrehung nicht schnell behandelt, kommt es zum Absterben des Eierstocks.In der Regel ist ein operativer Eingriff erforderlich.

Wie erkennt der Arzt Zysten der Eierstöcke?

Nach einem Gespräch (Anamnese) zum Beispiel über aktuelle Beschwerden, eventuelle Unregelmäßigkeiten der Regelblutung und Krankheiten in der Vorgeschichte, weitere Erkrankungen, einen möglichen Kinderwunsch sowie eine eventuelle Medikamenteneinnahme führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Bei der gynäkologischen Untersuchung kann eine große Zyste oder ein großer Tumor am Eierstock schon getastet werden. Der Arzt tastet mit einem Finger durch die Scheide oder den After die inneren Organe ab, mit der anderen Hand untersucht er den Unterbauch.

Der nächste Schritt ist eine Untersuchung mittels Ultraschall. Die Ultraschall-Untersuchung wird meist ebenfalls durch die Scheide (Vaginalsonografie) durchgeführt. Dabei lassen sich Eierstock und möglicherweise vorhandene Zysten oder Tumoren darstellen und ihre Größe ausmessen. Zudem ermöglicht der Ultraschall die Unterscheidung zwischen einzelnen Zystentypen.

Mitunter erfolgt eine sogenannte Doppelultraschall-Untersuchung, bei der der Blutfluss dargestellt wird. Daneben können, vor allem bei unregelmäßigen Blutungen, verschiedene Hormone im Blut bestimmt werden. Unter Umständen finden eine Computertomografie (CT) oder eine Kernspintomografie (MRT) statt. Sie können auffällige Strukturen und deren Beziehung zu den Nachbarorganen vor allem bei großen Befunden genauer darstellen als der Ultraschall. In manchen Fällen ist eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) erforderlich, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Dabei kann der Arzt die Eierstöcke begutachten und zur Sicherung der Diagnose Gewebeproben aus der Eierstockzyste entnehmen.

Besteht der Verdacht auf einen bösartigen Tumor mit Wachstumstendenz in andere Organe, so sollten vor einer geplanten Operation die entsprechenden Organe untersucht werden. So lassen sich die Nieren durch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittelgabe darstellen, weiterhin können Blasen- und/oder Darmspiegelungen erfolgen.

Wie werden Zysten des Eierstockes behandelt?

Aus den bisherigen Ausführungen wird deutlich, dass unter dem Begriff Zyste unterschiedliche Krankheitsbilder zusammengefasst werden. Die Schwierigkeit für den behandelnden Art besteht nun darin, gutartige Zysten von den Strukturen abzugrenzen, die gegebenenfalls bösartig sein können. Hinweise ergeben sich beispielsweise durch die Größe der Zysten, das Alter der Patientin und die Darstellung der Zyste im Ultraschall.

Bei Routineuntersuchungen entdeckte kleine Zysten junger Frauen, die sich im Ultraschall mit einem glatten Rand darstellen, sind oft funktionelle Zysten und kommen sehr häufig vor. Sie sind kein Anlass zur Sorge und bilden sich meist spontan zurück. Um sicherzugehen, kontrolliert man die Zyste nach vier bis acht Wochen mittels Ultraschall. Der Arzt wird aber beim geringsten Zweifel an der Gutartigkeit immer zu weiterer Diagnostik raten.

Bei funktionellen Zysten erfolgt also zunächst nur eine Ultraschallkontrolle. Ist die Zyste nach vier Wochen noch vorhanden, kann man eine Hormonbehandlung beispielsweise mit Gestagenen beziehungsweise Östrogen-Gestagen-Präparaten durchführen und den Therapieerfolg anschließend kontrollieren.

Hat sich die Zyste zurückgebildet, ist keine Kontrolle mehr notwendig. Bleibt die Zyste aber bestehen, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Oft erfolgt die Abklärung und mitunter auch die Therapie dann mittels Bauchspiegelung.

Nicht jeder gutartige Tumor kann durch eine Bauchspiegelung entfernt werden. In einem solchen Fall oder wenn bei der Bauchspiegelung der Verdacht auf einen bösartigen Tumor besteht, schließt sich oft in derselben Narkose eine offene Operation an. Besteht schon durch die Diagnostik der Verdacht auf einen bösartigen Prozess, wird meist sofort eine offene Operation durchgeführt.

Was kann man tun, um eine erneute Zystenbildung zu verhindern?

Dermoidzysten können Frauen nicht vorbeugen, da diese Form der Eierstockzyste (Ovarialzyste) eine angeborene Fehlbildung ist.

Mit der Gabe von Hormonen kann bei funktionellen Zysten in bestimmten Fällen versucht werden, eine erneute Zystenbildung zu verhindern. Dabei kann es sich um ein Östrogen-Gestagen-Präparat handeln. Weil auch Hormonpräparate Nebenwirkungen haben, sollte die Frau in jedem Fall ein ausführliches Gespräch mit ihrem Frauenarzt über Nutzen und Risiken einer prophylaktischen Behandlung führen. Viele funktionelle Eierstockzysten bilden sich spontan zurück und das Risiko eines neuerlichen Auftretens ist nur gering.