Die Erkrankung tritt bei etwa 0,1 bis vier Prozent der Bevölkerung auf. Sie kann in jedem Alter vorkommen, beginnt aber meist zwischen dem zehnten und 20. Lebensjahr. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen. Die Vitiligo tritt in 30 Prozent der Fälle familiär gehäuft auf.

Die Krankheit ist weder ansteckend, noch sind größere Schäden der Haut zu befürchten. Sie ist auch keine Vorstufe von bösartigen Veränderungen der Haut. Je nach Ausmaß der Erkrankung kann die psychische Belastung groß sein.

Häufig kommt die Vitiligo zusammen mit anderen Erkrankungen vor, zum Beispiel mit Hashimoto-Thyreoiditis (eine autoimmun verursachte Schilddrüsenentzündung), perniziöser Anämie (bestimmte Form der Blutarmut), kreisrundem Haarausfall, Diabetes mellitus oder weiteren Autoimmunerkrankungen.

Was sind die Ursachen?

Die eigentliche Ursache der Vitiligo ist nicht bekannt. Sie tritt allerdings in einigen Familien gehäuft auf, sodass eine erbliche Veranlagung bestehen könnte. Etwa drei von zehn Betroffenen haben ein Familienmitglied, das ebenfalls Vitiligo hat.

Man vermutet, dass der Erkrankung ein autoimmunes Geschehen zugrunde liegen könnte. Dabei greift der Körper eigene Zellen an, in diesem Fall Melanozyten (Pigmentzellen). Bei einigen Patienten lassen sich Autoantikörper gegen Melanozyten nachweisen.

Darüber hinaus können psychischer Stress und auch Hautstress wie schwere Sonnenbrände oder lokale Hautschädigungen - zum Beispiel im Rahmen einer Schuppenflechte - Krankheitsauslöser sein. Seltene Ursachen sind beruflich bedingte Expositionen gegenüber bestimmten chemischen Substanzen wie beispielsweise Hydrochinonverbindungen in der Gummiindustrie.

Wie äußert sich eine Vitiligo?

Die Erkrankung verursacht meist keine Beschwerden. Möglich ist ein Juckreiz insbesondere bei Sonnenexposition. Es bilden sich linsen- bis geldstückgroße scharf begrenzte, auch unregelmäßig geformte weiße Flecken auf der Haut. Die depigmentierten Stellen können später ineinander übergehen und so größere Areale bilden.

Besonders häufig betroffen sind Handrücken und Fingerstreckseiten, Ellenbogen und Knie, der Bauchnabel, außerdem Hautbereiche um den Mund und die Augen herum, Bereiche im Anal- und Genitalbereich. Im schlimmsten Fall ist der ganze Körper befallen. Manchmal verliert auch die Körperbehaarung ihre Farbe, was im Bartbereich und am Kopfhaar zu weißen Strähnen führen kann.

Die Erkrankung kann fortschreiten, aber auch zum Stillstand kommen. Viele Betroffene empfinden die Vitiligo als ästhetisch sehr störend. Die Erkrankung kann bei stärkerer Ausprägung einen hohen Leidensdruck erzeugen. Die Haut ist durch den fehlenden Pigmentschutz besonders lichtempfindlich, sodass die Patienten stark sonnenbrandgefährdet sind und deshalb ein konsequenter Lichtschutz dringend erforderlich ist. 

Was ist der Unterschied zum Albinismus?

Beim Albinismus handelt es sich um einen angeborenen und genetisch bedingten Pigmentmangel. Die Bildung des Farbstoffes Melanin ist durch den Defekt eines bestimmten Enzyms, der Tyrosinase, gestört.

Infolgedessen zeichnen sich die Betroffenen durch eine weißblonde Kopf- und Körperbehaarung aus. Ihre Hautfarbe ist hellrosa. Da die Pigmente auch in der Regenbogenhaut (Iris) und der Netzhaut (Retina) des Auges fehlen, sind Menschen mit Albinismus lichtscheu und leiden häufig unter einer Sehschwäche.

Wie stellt der Arzt die Diagnose einer Vitiligo?

Durch die typischen Hautveränderungen bei einer Vitiligo kann der Hautarzt die Diagnose meist sehr rasch stellen. Bei sehr hellen Hauttypen oder im Anfangsstadium kann er ein sogenanntes Wood-Licht (UVA-Licht) zur Untersuchung verwenden.

Zur Diagnosesicherung untersucht er das Blut. Dabei bestimmt er verschiedene Schilddrüsenparameter. Zusätzlich kann er auch Auto-Antikörper bestimmen, vor allem bei Hinweisen auf weitere Autoimmunerkrankungen. Im Zweifel ist eine Hautprobe zu entnehmen, hier kann eine bestimmte Färbungsmethode noch vorhandenes Melanin unter dem Mikroskop sichtbar machen.  

Wie wird die Vitiligo behandelt?

Die Vitiligo ist noch nicht heilbar. An erster Stelle steht das Meiden von Triggerfaktoren (Schlüsselreizen, Auslösern).

Die Therapieansätze zielen auf die Repigmentierung der Haut, die Entzündungshemmung und die Unterdrückung des Immunsystems ab. Sie können allein oder kombiniert zur Anwendung kommen. Welche Behandlung für den einzelnen Patienten infrage kommt, ist abhängig von Ausmaß und Lokalisation der Vitiligo-Herde sowie von der psychischen Beeinträchtigung durch die Hauterkrankung.

Salben

Gute Ergebnisse sind mit Glukokortikosteroiden (Kortison) zu erzielen. Die Repigmentierungsraten in sonnenexponierten Bereichen wie Gesicht und Nacken betragen 75 Prozent. Die Behandlung erfolgt mit Cremes. Bei dieser über Monate dauernden Behandlung sind aber Nebenwirkungen (bleibende Hautveränderungen) zu beachten.

Als Alternative kommen Calcineurininhibitoren infrage. Diese Salben, die das Immunsystem beeinflussen, führen bei Vitiligo ebenfalls zu guten Ergebnissen, sind aber für dieses Anwendungsgebiet nicht offiziell zugelassen.

Phototherapie

Die derzeit wirksamste Phototherapie ist eine Behandlung mit Schmalband-UVB-Strahlung zwei- bis dreimal pro Woche. Sie kann entweder als Ganzkörperbestrahlung oder mithilfe eines Lasers nur an bestimmten Stellen erfolgen.

Die PUVA-Therapie ist eine Kombination aus einer photosensibilisierenden Substanz (Psoralen) und UVA-Bestrahlung. Als alternative photosensibilisierende Substanz kann auch Khellin (KUVA-Therapie) zum Einsatz kommen, das jedoch zur Behandlung der Vitiligo nicht offiziell zugelassen ist. Bei 70 bis 80 Prozent der Patienten kommt es zu einer Repigmentierung. Allerdings ist nur bei 20 Prozent der Patienten eine vollständige Repigmentierung zu erzielen. Und bei 75 Prozent der Patienten tritt die Vitiligo nach einem bis zwei Jahren erneut auf.

Die möglichen Nebenwirkungen der Bestrahlungsbehandlungen sollten dazu veranlassen, Nutzen und Risiken der Therapie abzuwägen. Es kann zu Hautrötungen, Überpigmentierungen an der Grenze zur gesunden Haut und zu entzündlichen Reaktionen kommen.

Auch die Einnahme oder das Auftragen von Antioxidanzien wie Vitamin E, Vitamin C, Ubiquinon oder Ginkgo biloba vor oder während der UV-Bestrahlung können hilfreich sein.

Operation

In seltenen Fällen kommt auch eine Hauttransplantation infrage. Ziel ist, die Pigment-bildenden Zellen, die Melanozyten, von einem gesunden Bereich in die von der Vitiligo betroffenen Bereiche zu transplantieren.

Camouflage

Ist der Leidensdruck gering oder sind weiße Flecken nur vereinzelt und klein, kommen Alternativen in Form von Kosmetika in Betracht. Helfen können Selbstbräuner oder Camouflage-Cremes zum Abdecken der Haut.

Eine weitere Möglichkeit sind kosmetische Tattoos, die vor allem an den Lippen infrage kommen.

Bleichung

Bei ausgeprägter Vitiligo kann auch eine Bleichung der verbliebenen pigmentierten Haut erfolgen. Allerdings kann diese Behandlung zu einer unregelmäßig gefärbten, fleckigen Haut führen. Außerdem ist das Bleichen nicht mehr rückgängig zu machen. Deshalb kommt das Verfahren nur selten zum Einsatz.

Psychologische Behandlung

Psychotherapeutische Verfahren können denjenigen Patienten helfen, die sich durch die Vitiligo stark beeinträchtigt fühlen.