In Afrika und in fernöstlichen Ländern infizieren sich wesentlich mehr Menschen mit der Gonorrhoe. Die Erkrankung kommt besonders bei jungen, sexuell aktiven Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren mit häufigem Partnerwechsel vor. Während andere Infektionskrankheiten eine lebenslange Immunität hinterlassen, sind bei der Gonorrhoe wiederholte Infektionen möglich.

Das Bakterium Neisseria gonorrhoeae, so benannt nach ihrem "Entdecker" Albert Neisser, ruft die Gonorrhoe hervor. In den befallenen Zellen lagern sich die Bakterien paarweise zusammen, daher auch die Bezeichnung Diplokokken. Ein anderer Name für die Erreger lautet Gonokokken.

Nach dem in Deutschland am 1. Januar 2001 in Kraft getretenen Infektionsschutzgesetz sind die Gonorrhoe und der Nachweis der Gonokokken nicht mehr meldepflichtig.

Wie bekommt man Gonorrhoe?

Die Übertragung der Erreger erfolgt fast ausschließlich durch Geschlechtsverkehr. Dabei gelangen die Gonokokken nicht nur bei Genital-, sondern auch bei Oral- oder Analverkehr in die Rachen- oder Darmschleimhaut. Die Übertragungswahrscheinlichkeit vom Mann auf die Frau ist bei einmaligem Kontakt etwa doppelt so hoch wie umgekehrt.

Bekommt eine infizierte Mutter ein Kind, kann das Kind sich bei der Passage durch den Geburtskanal mit dem Erreger anstecken. Die Erkrankung äußert sich bei den Neugeborenen dann mit schweren Entzündungen der Augen (Gonoblennorrhoe), die unbehandelt zu Blindheit führen können. Diese Erkrankung ist in den Industrieländern mittlerweile sehr selten.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Ein Teil der Männer und Frauen, die mit Gonokokken infiziert sind, entwickeln keine deutlichen Anzeichen einer Gonorrhoe.

Innerhalb von zwei bis sieben Tagen nach der Ansteckung (Inkubationszeit) kann eine eitrige Entzündung entstehen. Diese manifestiert sich beim Mann meist als Harnröhrenentzündung (Urethritis) mit eitrigem Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen. Komplizierend können selten Entzündungen von Nebenhoden und Prostata hinzukommen.

Bei der Frau sind nicht selten ebenfalls die Harnröhre und der Gebärmutterhals betroffen. Die Entzündung kann sich unter Umständen auch auf die Bartholin-Drüsen an den kleinen Schamlippen und die Eileiter ausbreiten. Bei der Entzündung des Gebärmutterhalses tritt eitriger, grün-gelber Ausfluss auf. Eine Urethritis verursacht auch bei der Frau Schmerzen beim Wasserlassen und häufigen Harndrang. Vom Gebärmutterhals kann sich die Infektion auf andere Geschlechtsorgane wie Eileiter, Gebärmutterschleimhaut oder Eierstöcke ausdehnen. Kommt es zu einer sogenannten oberen Gonorrhoe mit Entzündung der Eileiter (Salpingitis), sind starke Unterbauchschmerzen oder Fieber mögliche Beschwerden. Langfristige Folgen für die Frau können zum Beispiel Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit sein.

Auch Enddarm und Rachen können betroffen sein

Bei beiden Geschlechtern ist auch eine Entzündung des Enddarms möglich (Proktitis). Dabei können Schmerzen im betroffenen Bereich, Ausfluss, Durchfall und Juckreiz auftreten. Es gibt aber auch symptomlose Verläufe. Abhängig von den sexuellen Praktiken kommt eine Gonorrhoe unter Umständen auch im Rachen vor (Pharyngitis). Sie kann sich durch Schluckstörungen, Halsschmerzen, Rötung und Absonderungen äußern, allerdings bestehen oft keine Beschwerden.

Symptomlose Verläufe gibt es jedoch nicht nur, wenn Rachen und Enddarm betroffen sind. Eine Gonorrhoe kann bei 40 bis 80 Prozent der betroffenen Frauen und etwa zehn Prozent der Männer ohne Beschwerden verlaufen. Allerdings besteht bei derartigen Infektionen trotzdem Ansteckungsgefahr!

Eine mögliche schwerwiegende Folge einer Gonorrhoe ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine dauerhafte Unfruchtbarkeit. Frauen haben zudem ein erhöhtes Risiko für anhaltende Schmerzen im Unterleib. Außerdem können vor allem bei Männern Vernarbungen und Verengungen der Harnröhre auftreten, was das Wasserlassen erschwert.

Bei bis zu drei Prozent der Betroffenen breiten sich die Erreger der Gonorrhoe, die als Gonokokken bezeichneten Bakterien, im Verlauf der Infektion über das Blut auf andere Organe wie die Haut mit Bildung schmerzhafter Pusteln und die Gelenke aus (Disseminierung). Dann besteht ein allgemeines Krankheitsgefühl begleitet von einem Hautausschlag in Form von eitrigen Bläschen an Händen und Handgelenken, Fieber und Entzündung größerer Gelenke mit Schwellung, Rötung und Schmerzen. Unter Umständen treten auch Entzündungen der Hirnhaut (Meningitis), der Herzinnenhaut (Endokarditis) und des Herzbeutels (Perikarditis) auf.

Wie wird die Gonorrhoe diagnostiziert?

Der Verdacht auf Gonorrhoe lässt sich durch eine gezielte Diagnose relativ rasch bestätigen. Der Nachweis von Gonokokken kann direkt aus Abstrichen der betroffenen Schleimhautareale etwa der Harnröhre oder des Gebärmutterhalses erfolgen: Nach spezieller Anfärbung lassen sich die Bakterien unter dem Mikroskop erkennen. Den Beweis bringt eine Anzucht der Erreger aus dem Abstrichmaterial auf einem speziellen Nährboden (Kultur). Dabei lässt sich auch die Empfindlichkeit der Gonokokken auf bestimmte Antibiotika testen.

Es sollte auch nach parallel bestehenden anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie einer Chlamydieninfektion oder Syphilis gesucht werden, denn in 20 bis 50 Prozent der Fälle liegen Doppelinfektionen, das heißt die gleichzeitige Ansteckung mit Gonokokken und anderen sexuell übertragenen Erregern, vor.

Wie wird die Gonorrhoe behandelt?

Die Gonorrhoe lässt sich in ihrem Verlauf durch die richtige Therapie günstig beeinflussen: Frühzeitig erkannt und behandelt ist die Prognose gut, die Gonorrhoe heilt dann in der Regel ohne Folgen aus.

Die Therapie der Gonorrhoe beruht auf der Gabe eines Antibiotikums, das gegen die Gonokokken wirkt. Das sind derzeit vor allem bestimmte Cephalosporine. Unter Umständen kommt bei einer Doppelinfektion ein weiteres Antibiotikum hinzu.

Einige Antibiotika, die früher eine erfolgreiche Behandlung bei Gonorrhoe versprachen, haben mittlerweile ihre Wirksamkeit verloren. Das liegt daran, dass die Erreger inzwischen widerstandsfähig gegen viele Mittel geworden sind, sie haben sogenannte Resistenzen entwickelt. Davon betroffen ist zum Beispiel Penicillin. Bekannt wurden sogar einzelne Fälle, bei denen kein zurzeit verfügbares Antibiotikum gegen Gonorrhoe geholfen hat. Es ist möglich, dass Gonokokken Resistenzen weitergeben. Daher ist davon auszugehen, dass es immer wieder dazu kommen wird, dass Infektionen schwierig zu behandeln sind.

Das gegen Gonokokken wirksame Antibiotikum kann in den Muskel, als Tablette oder in die Vene verabreicht werden. Die Therapie sollte möglichst früh beginnen, damit keine Folgeschäden auftreten. Nach der Behandlung führt der Arzt erneut Untersuchungen durch, um den Behandlungserfolg zu überprüfen.

Wichtig ist, dass die Sexualpartner, auch wenn sie keine Beschwerden haben, untersucht und gegebenenfalls therapiert werden. Nur so lässt sich eine erneute Ansteckung mit den Gonokokken verhindern.

Prinzipiell sollte man sich vor der Ansteckung mit Gonokokken schützen. Hilfreich ist hierbei die Anwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr. Auch die Aufklärung, besonders der Risikogruppen, spielt eine wichtige Rolle.