Ödeme - wenn sich Wasser im Gewebe ansam­melt

Wenn Flüssigkeit aus den Gefäßen austritt und sich im umliegenden Gewebe ansammelt, spricht man von einem Ödem. Obwohl die ausgetretene Flüssigkeit nicht nur Wasser sondern auch Proteine (Eiweiß) enthält, wird dabei oft von Wassersucht gesprochen. Ab einer gewissen Menge an Flüssigkeit im Gewebe tritt eine Schwellung auf; die darüber liegende Haut spannt sich. Man unterscheidet dabei eiweißarme und eiweißreiche Ödeme, die unterschiedlich behandelt werden.

Ödeme können generalisiert oder lokalisiert auftreten. Dabei können fast alle Körperteile betroffen sein, zum Beispiel Füße, Beine oder Gesicht. Auch in der Lunge kann sich Flüssigkeit ansammeln, z.B. wenn die Pumpleistung des Herzens deutlich eingeschränkt ist. Dann kommt es zu Luftnot. 

Ein Ödem im Gehirn kann nach schweren Kopfverletzungen und Hirnblutungen auftreten.

Die weit überwiegende Zahl der Ödeme aber findet sich im Bereich der Füße, Knöchel und Unterschenkel. Das liegt größtenteils an der Schwerkraft: Die Flüssigkeit sackt bei aufrechter Körperhaltung nach unten. Deswegen sind solche Schwellungen häufig gegen Abend besonders ausgeprägt und bilden sich über Nacht teilweise zurück.

Welche Ursachen hat ein Ödem?

Leichte Knöchelödeme können manchmal auch beim Gesunden nach längerem Stehen oder Sitzen oder bei großer Hitze sowie bei Frauen kurz vor der Regelblutung und in der Schwangerschaft vorkommen. Auch bei Verletzungen, z.B. Verstauchungen des Fußgelenkes, entstehen häufig Flüssigkeitseinlagerungen, die zu einer Schwellung führen. Diese Ödeme bilden sich normalerweise von selbst wieder zurück.

Hinter ausgeprägten generalisierten Ödemen verbergen sich oft aber auch ernste Erkrankungen, zum Beispiel:

  • Nierenkrankheiten, zum Beispiel Nierenentzündung
  • Leberkrankheiten, zum Beispiel Leberzirrhose
  • Herzerkrankungen, zum Beispiel Herzschwäche, Herzmuskelentzündungen oder Herzklappenfehler

Bei lokalisierten Ödemen liegen meistens andere Ursachen vor, zum Beispiel:

  • Venenerkrankungen, zum Beispiel Venenschwäche, Varizen (Krampfadern) und Thrombose (Blutgerinnsel in den Venen)
  • Störungen des Abflusses der Lymphe (eiweißreiche Gewebeflüssigkeit), zum Beispiel bei Fehlanlage, nach Operationen oder bei Krebserkrankungen
  • Tumorerkrankungen (selten)

Auch Medikamente können Ödeme verursachen, zum Beispiel einige blutdrucksenkende Medikamente, Schmerzmittel (zum Beispiel ASS, Kortisonpräparate und Antidepressiva). Häufig handelt es sich dabei um eine relativ harmlose Nebenwirkung; gelegentlich jedoch liegt eine ernstzunehmende Unverträglichkeit vor, die das Absetzen des Medikaments und eventuell weitere Maßnahmen erforderlich macht.

Welche Untersuchungen führt der Arzt durch?

Der Arzt wird zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten führen. Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung achtet der Arzt genau auf die Verteilung der Ödeme, tastet die Leber und hört die Lungen ab.

Außerdem prüft er mit einem Hautfaltentest, ob es sich um eine eiweißarme Flüssigkeitseinlagerung oder ein eiweißreiches Lymphödem handelt.

Schließlich sind spezielle Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen, Ultraschall-, Blut- und Urinuntersuchungen notwendig, um die Grunderkrankung zu diagnostizieren.

Wie werden Ödeme behandelt?

Die Behandlung von Ödemen unterscheidet sich grundsätzlich nach ihrer Ursache und die Behandlung der Grunderkrankung steht im Vordergrund.

Eiweißarme Ödeme, die z.B. durch eine Herzschwäche verursacht werden, können mit entwässernden Medikamenten (Diuretika) ausgeschwemmt werden. Dadurch werden die Beschwerden der betroffenen Menschen häufig gelindert. Nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten sollte gegebenenfalls auch die tägliche Flüssigkeitsaufnahme eingeschränkt werden.

Eiweißreiche Lymphödeme werden mit Kompression behandelt. In schweren Fällen erfolgt eine komplexe zweiphasige Entstauungstherapie. Diese beginnt mit einer manuellen Lymphdrainage und hat das Ziel, den Abfluss der Lymphflüssigkeit zu verbessern. Daran sollte sich in jedem Fall eine Kompressionsbehandlung anschließen. In der Phase I der Therapie werden dabei die betroffenen Extremitäten täglich bandagiert, um den Umfang zu reduzieren. In der Phase II (Erhaltungsphase) werden Kompressionsstrümpfe nach Maß verordnet. Individuell wird entschieden, ob sich flach- oder rundgestrickte Strümpfe besser eignen. Diese müssen konsequent getragen werden, um den nachhaltigen Erfolg der Lymphdrainage nicht zu gefährden. Unterstützend wirkt in vielen Fällen eine zusätzliche Bewegungstherapie.

Patienten mit Lymphödemen sollten auf eine sorgfältige Hautpflege Wert legen, weil ein Lymphödem häufig mit einer sehr trockenen, juckenden und möglicherweise auch infizierten Haut einhergeht. Besonders geeignet sind zum Beispiel natürliche und hautverwandte Fette und Öle sowie Harnstoffpräparate.