Nach aktuellen Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO leben weltweit 257 Millionen Menschen mit Hepatitis B und 71 Millionen mit Hepatitis C. Bis 2030 sollen diese Infektionen drastisch eingedämmt werden. Auch in Deutschland sind Hunderttausende von chronischer Hepatitis B und C betroffen.

Um Hepatitis B und C einzudämmen bzw. zu eliminieren, ist nicht nur Prävention sehr wichtig. Unverzichtbar ist auch, dass Betroffene rechtzeitig diagnostiziert und behandelt werden: Eine Hepatitis-Infektion spürt man lange nicht und auch die typische Gelbfärbung der Haut und Augen bleibt oft aus. Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Gelenkbeschwerden sind eher unspezifisch.

Wer nichts von seiner Infektion weiß, hat keine Chance, diese zu behandeln - und kann unwissentlich die Infektion an andere weitergeben. Wer ein Risiko für eine Virushepatitis hat, tut gut daran, sich weiter untersuchen zu lassen. Auf der Webseite Lebertest.de der Leberhilfe Projekt gUG können Sie mit einem anonymen Online-Test herausfinden, ob es in Ihrem Leben Risikofaktoren für Hepatitisinfektionen oder andere Lebererkrankungen gab.

Hepatitis A - die "Reisehepatitis"

Wird die Leberentzündung durch das Hepatitis-A-Virus hervorgerufen, spricht man von einer Hepatitis A. Es kommt vor allem in Ländern mit niedrigem Hygienestandard vor. Die Betroffenen stecken sich meist im Urlaub an, weshalb die Hepatitis A in Deutschland oft auch als "Reisehepatitis" bezeichnet wird.

Wie kann man sich mit Hepatitis A infizieren?

Hepatitis-A-Infizierte scheiden die Viren mit dem Stuhlgang aus. Die Infektion erfolgt in der Regel durch die Aufnahme von kontaminiertem Leitungswasser (zum Beispiel beim Zähneputzen) oder andere kontaminierte Lebensmittel (zum Beispiel Muscheln, mit Fäkalien gedüngtes Gemüse), über kontaminierte Oberflächen oder Gebrauchsgegenstände sowie bei engem Kontakt zu infizierten Personen.

Auch bei Sexualkontakten mit infizierten Personen kann eine Übertragung von Hepatitis-A-Viren stattfinden, vor allem bei homosexuellen Männern.

Wie verläuft die Hepatitis A?

Die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten von Krankheitszeichen (Inkubationszeit) beträgt etwa zwei bis sieben Wochen, im Allgemeinen 25 bis 30 Tage. Erkrankte Personen sind ein bis zwei Wochen vor und bis zu einer Woche nach Auftreten der Gelbfärbung von Haut und Augen (Ikterus) ansteckend. Infizierte Säuglinge können das Virus unter Umständen für die Zeit von mehreren Wochen im Stuhl ausscheiden.

Die Hepatitis A verläuft häufig milde oder völlig ohne Beschwerden, vor allem bei Kindern.

Wie bei vielen anderen Viruserkrankungen sind mögliche Symptome zunächst Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall (Diarrhö). Auch ein allgemeines Krankheitsgefühl und eine erhöhte Temperatur können hinzukommen.

Kommt es in der Folge zu einer Leberbeteiligung, kann sich diese (bei einigen Patienten) durch eine Gelbfärbung der Haut und der Augen (Ikterus) äußern. Die Gelbfärbung beruht auf einer Einlagerung von Gallenfarbstoff. Sie verschwindet meistens nach wenigen Tagen bis mehreren Wochen wieder.

Viele Betroffene leiden zusätzlich unter einem mehr oder weniger starken Juckreiz. Bei einigen Patienten verfärben sich der Urin dunkel und der Stuhlgang hell. Eine Schwellung der Leber kann sich schmerzhaft bemerkbar machen, bei jedem vierten Patienten ist auch die Milz vergrößert.

Diese Symptome gehen bei den meisten Patienten nach zwei bis vier Wochen wieder zurück. Bei jedem zehnten Patienten hält die Hepatitis A über mehrere Monate an, heilt aber dennoch ohne Komplikationen aus.

Eine chronische (dauerhafte) Verlaufsform gibt es so gut wie nie.

Sehr selten, in bis zu 0,1 Prozent der Fälle, kann die Hepatitis A einen schweren, rasch fortschreitenden Verlauf nehmen, zu einer weitgehenden Zerstörung der Leber führen und damit lebensbedrohlich sein. Dies kommt mit zunehmendem Alter häufiger vor, besonders gefährdet sind aber auch Patienten mit einer vorgeschädigten Leber (zum Beispiel mit chronischer Hepatitis B oder C).

Die Infektion hinterlässt eine lebenslange Immunität, das heißt: Wer einmal eine Hepatitis-A-Infektion überwunden hat, kann nicht noch einmal an Hepatitis A erkranken.

Wie wird eine Hepatitis A diagnostiziert?

Der Verdacht auf eine Lebererkrankung besteht beim Auftreten charakteristischer Symptome wie zum Beispiel eine Gelbfärbung der Haut. Auch erhöhte Leberwerte (Transaminasen) können Hinweise auf eine Lebererkrankung sein.

Diese Symptome können auch bei anderen Lebererkrankungen auftreten. Daher sollte der Arzt mithilfe einer Blutuntersuchung das Ausmaß der Leberschädigung und die Art der Erkrankung feststellen. Weitere Hinweise erhält er durch die Befragung des Patienten nach besonderen Risiken für eine Hepatitis-A-Infektion.

Die Leberfunktion kann er anhand bestimmter Blutparameter (Transaminasen, Nachweis von Abbauprodukten des roten Blutfarbstoffs etc.) beurteilen. Bestimmte Antikörper gegen das Hepatitis-A-Virus beweisen eine frische Hepatitis-A-Infektion.

Eine Infektion mit Hepatitis A ist meldepflichtig. Der Arzt muss laut Infektionsschutzgesetz die Erkrankung namentlich melden, wenn der Verdacht auf eine Hepatitis A besteht, wenn die Erkrankung vorliegt (mit Antikörpernachweis) und im Falle des Todes. Auch bei einem Nachweis der Erreger von Hepatitis A, ohne dass der Betroffene Krankheitszeichen zeigt, besteht Meldepflicht. Der Arzt informiert die regionalen Gesundheitsämter. Von dort werden die Daten an das Robert Koch-Institut gemeldet, das die Hepatitis A erfasst.

Wie kann eine Hepatitis A behandelt werden?

Eine spezifische medikamentöse Behandlung der Hepatitis A gibt es nicht. Symptomatische Maßnahmen bestehen in der Behandlung der Allgemeinsymptome (zum Beispiel Erbrechen und grippeähnliche Beschwerden). Die Betroffenen sollten sich körperlich schonen, gegebenenfalls Bettruhe einhalten, und strikt auf Alkohol verzichten. Weiterhin ist auf eine kohlenhydratreiche und fettarme Ernährung zu achten. Strenge diätetische Maßnahmen sind nicht notwendig.

Die Einnahme von Medikamenten sollte nur nach ärztlicher Anordnung erfolgen. Regelmäßig eingenommene Medikamente muss der Arzt in dieser Situation auf ihre Verträglichkeit hin überprüfen.

In den meisten Fällen von Hepatitis A ist eine Krankenhauseinweisung der Patienten nicht erforderlich, sofern sie zu Hause in ausreichendem Maß versorgt werden können.

Wie ist ein Schutz vor Hepatitis A möglich?

Maßnahmen wie gründliches Händewaschen, die Vermeidung von Leitungswasser zum Zähneputzen, Trinken oder zur Zubereitung von Speisen in Ländern mit erhöhtem Vorkommen von Hepatitis A, das Tragen von Handschuhen bei möglichem Kontakt zu Hepatitis-A-Kranken sowie die Desinfektion der Hände sind gut geeignet, um das Infektionsrisiko zu verringern.

Sinnvoll ist außerdem die Desinfektion von Oberflächen, die möglicherweise mit Hepatitis-A-Viren kontaminiert sind, zum Beispiel die Toilette.

Die Infektion über Blut und Blutprodukte wie bei anderen Hepatitisformen ist zwar möglich, aber selten.

Vor Reisen in Risikogebiete (zum Beispiel tropische Gebiete, Mittelmeerraum, Osteuropa) ist eine Impfung gegen Hepatitis A empfehlenswert. Reisende werden gebeten, sich rechtzeitig auf den Seiten des Auswärtigen Amtes zu informieren:

Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes

Außerdem wird die Impfung Personen empfohlen, die einer erhöhten gesundheitlichen oder beruflichen Gefährdung durch Hepatitis-A ausgesetzt sind.

Zusätzlich ist bei Personen, für die eine Hepatitis A eine besondere Gefahr bedeutet, zum Beispiel aufgrund einer bestehenden Hepatitis B oder C, eine passive Impfung mit spezifischen Antikörpern gegen das Virus möglich. Sie erfolgt grundsätzlich in Kombination mit der aktiven Impfung.

Nach dem Kontakt mit einem Hepatitis-A-Kranken bieten die aktive und die passive Immunisierung zwar einen gewissen Schutz, sie können den Ausbruch der Erkrankung aber nicht bei allen Betroffenen sicher verhindern. Deshalb sollten Kontaktpersonen mindestens zwei Wochen lang besondere hygienische Maßnahmen einhalten.

Hepatitis B - weltweit häufigste Virushepatitis

Die HBV-Infektion gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Sie wird durch das Hepatitis-B-Virus (HBV) hervorgerufen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist ein knappes Drittel der Weltbevölkerung (zwei Milliarden) mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert.
Besonders häufig ist die Hepatitis B in Zentralafrika, Südostasien, Süd- und Osteuropa und im Pazifikraum. Schätzungsweise drei Prozent der Weltbevölkerung haben eine chronische Hepatitis B.
In Deutschland haben weniger als ein Prozent der Menschen eine chronische HBV-Infektion, genauer gesagt tragen nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts nur etwa 0,3 Prozent der Menschen in Deutschland Antigene gegen den Erreger in sich, das heißt, dass sie aktuell mit HBV infiziert sind. Bei etwa fünf Prozent ist eine frühere oder noch vorhandene Hepatitis-B-Infektion nachweisbar.

Aus dem Jahr 2014 sind von der akuten Hepatitis B insgesamt 755 neue Fälle bekannt (die tatsächliche Fallzahl kann aber höher liegen). Männer waren davon häufiger betroffen als Frauen.

Seit 1995 besteht in Deutschland eine allgemeine Impfempfehlung für Säuglinge, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Auch Personen mit erhöhtem Risiko für eine Hepatitis-B-Infektion sollten sich impfen lassen.

Wie verläuft die Hepatitis B und wie kann sie erkannt werden?

Der Verlauf der Krankheit ist sehr variabel. Bei circa einem Drittel der HBV-Infizierten zeigen sich keine Beschwerden. Daher bleibt die Erkrankung auch häufig unerkannt. Bei einem weiteren Drittel äußert sich die Infektion lediglich durch unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Unwohlsein sowie Fieber, ohne dass die typischen Zeichen einer Lebererkrankung, wie zum Beispiel eine Gelbfärbung der Haut, auftreten.

Das letzte Drittel entwickelt neben unspezifischen Beschwerden eine akute (plötzlich auftretende) entzündliche Lebererkrankung. Wie bei vielen anderen Viruserkrankungen treten zunächst grippeartige Symptome und Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Übelkeit, Erbrechen, Gelenkschmerzen und Fieber auf. Die Lebererkrankung kann sich durch eine Gelbfärbung der Haut und der Augen (Ikterus) äußern.

Die Gelbfärbung beruht auf einer Einlagerung von Gallenfarbstoff (Bilirubin). Sie verschwindet meistens nach zwei bis vier Wochen wieder. Oft tritt begleitend ein mehr oder weniger starker Juckreiz auf. Zusätzlich können sich der Urin dunkel und der Stuhl hell verfärben. Eine Schwellung der Leber kann sich schmerzhaft bemerkbar machen, mitunter ist auch die Milz vergrößert.

Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit zwischen der Ansteckung mit dem Hepatitis-B-Virus und dem Ausbruch der Krankheit kann ein bis sechs Monate betragen, im Durchschnitt etwa zwei bis vier Monate.

In seltenen Fällen (bei einem halben bis zu einem Prozent der Betroffenen) kommt es in der akuten Erkrankungsphase zu einem äußerst schweren und schnellen Verlauf der Hepatitis. Bei dieser sogenannten fulminanten Hepatitis droht ein Leberversagen. Deshalb müssen diese Patienten unbedingt und sofort ins Krankenhaus.

Welche Komplikationen können auftreten?

Bei der Hepatitis B besteht die Gefahr, dass die Entzündung nicht ausheilt. Dann bleiben die Viren im Körper und können die Leber fortlaufend schädigen. Wenn das Hepatitis-B-Virus länger als sechs Monate nachweisbar ist, spricht man von einer chronischen Hepatitis. Diese kann auch dann vorliegen, wenn die akute Erkrankung unbemerkt blieb.

Etwa zehn Prozent der HBV-infizierten Erwachsenen entwickeln eine chronische Hepatitis. Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem und bei Kindern ist das Risiko sogar noch höher. 30 bis 90 Prozent der Patienten mit geschwächtem Immunsystem und etwa 90 Prozent der Kinder entwickeln eine chronische Hepatitis B.

Besteht eine chronische Hepatitis B, kann es durch den anhaltenden Vorgang von Zellschädigung, Reparaturversuch und Ersatz von funktionstüchtigem Lebergewebe durch Narbenbildung zu einer Einschränkung der Leberfunktion kommen. Im Verlauf kann die Leber verhärten und schrumpfen – eine Leberzirrhose entsteht.

Das kann weitreichende Folgen haben. Dazu zählen unter anderem Stauungen des Blutes mit Wassereinlagerung und Krampfadern, zum Beispiel in der Speiseröhre und lebensgefährliche Blutungen. Langfristig kann die andauernde Schädigung bösartige Veränderungen des Lebergewebes (Leberkrebs) verursachen.

Wie kann man sich infizieren?

Die Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus erfolgt ausschließlich über Blut und andere Körperflüssigkeiten wie Speichel, Tränenflüssigkeit, Sperma, Vaginalsekret. Die chronische Infektion, also das Verbleiben des Virus im Körper mit erhaltener Ansteckungsgefahr, ist äußerlich nicht erkennbar.

Schätzungen zufolge hat die sexuelle Übertragung in Deutschland einen Anteil von 40 bis 70 Prozent an den Neuinfektionen. Hierfür spricht die Altersverteilung der akut Erkrankten: Einen großen Teil der akuten Hepatitis-B-Fälle beobachtet man in der Gruppe der jungen Erwachsenen.

Ein hohes Infektionsrisiko besteht bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern. Eine weitere wichtige Infektionsquelle ist die gemeinsame Nutzung von Injektionsnadeln, zum Beispiel durch Drogenabhängige. Unter unhygienischen Bedingungen kann es auch bei Tätowierungen oder Piercings zur Übertragung des Hepatitis-B-Virus kommen.

Weiterhin ist eine Übertragung des Virus von der Mutter auf das Kind in der Zeit um die Geburt herum (perinatal) möglich, wenn das Neugeborene keine aktive und passive Impfung erhält.

Ein erhöhtes Infektionsrisiko haben auch Menschen, die im Gesundheitswesen beschäftigt sind.

Früher bestand auch bei Blutübertragungen ein Infektionsrisiko. Dieses hat jedoch in den letzten Jahren durch immer genauere Tests der Blutspenden auf Hepatitis B deutlich abgenommen.

Wie kann man sich vor Hepatitis B schützen?

Folgende Maßnahmen sind sinnvoll, um einer Infektion mit Hepatitis-B-Viren vorzubeugen:

  • Beim Geschlechtsverkehr schützen Kondome vor einer HBV-Infektion und anderen Erkrankungen. Das Benutzen von Kondomen ist vor allem bei neuen und häufig wechselnden Partnern sinnvoll.
  • Drogenabhängige sollten Nadeln und Spritzen nicht gemeinsam verwenden.
  • Bei allen schwangeren Frauen sollte eine Untersuchung auf Hepatitis B erfolgen. Neugeborene, deren Mütter mit HBV infiziert sind, sollten möglichst bald nach der Geburt eine Impfung und Antikörper gegen Hepatitis-B-Viren erhalten.
  • Medizinisches Personal sollte entsprechende hygienische Maßnahmen einhalten, zum Beispiel Tragen von Schutzhandschuhen, Desinfektion von Gegenständen.
  • Personen mit engem Kontakt zu HBV-Infizierten sollten darauf verzichten, Zahnbürsten, Rasierapparate, Nagelscheren usw. gemeinsam zu benutzen.

Außerdem gibt es eine Impfung gegen Hepatitis B, die für alle Säuglinge und Kleinkinder empfohlen wird, außerdem für Kinder und Jugendliche, die bisher keine Impfung gegen Hepatitis B erhalten haben. Auch Erwachsene mit erhöhtem Infektionsrisiko sollten sich impfen lassen. Der Hepatitis-B-Impfstoff ist sehr gut verträglich. Schwere Nebenwirkungen oder Komplikationen sind nicht bekannt.
Zur Risikogruppe gehören:

  • Personen mit engem Kontakt zu einem Virusträger
  • Beruflich gefährdete Personen (zum Beispiel medizinisches Personal) und Personen in Fürsorgeeinrichtungen
  • Personen, die ein Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko bevorzugen (zum Beispiel homosexuelle Männer, Personen mit häufigem Partnerwechsel)
  • Drogenabhängige
  • HIV-infizierte Personen
  • Personen mit chronischen Lebererkrankungen oder Erkrankungen, die häufige Blutübertragungen oder eine Dialyse (künstliche Blutwäsche) erforderlich machen
  • Reisende, die sich längere Zeit in einem Gebiet mit häufigem Vorkommen von Hepatitis B aufhalten

Personen, die sich durch HBV-haltige Gegenstände verletzt haben (zum Beispiel Injektionskanülen) oder Kontakt zu möglicherweise HBV-infiziertem Blut oder anderen Körperflüssigkeiten hatten und keinen ausreichenden Impfschutz haben, sollten so bald wie möglich eine Impfung und Antikörper gegen Hepatitis-B-Viren erhalten (Postexpositionsprophylaxe).

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

Der Verdacht auf eine Lebererkrankung besteht beim Auftreten charakteristischer Symptome wie zum Beispiel eine Gelbfärbung der Haut. Auch erhöhte Leberwerte (Transaminasen) können Hinweise auf eine Lebererkrankung sein. Diese Symptome können jedoch auch bei anderen Lebererkrankungen auftreten.

Daher sollte der Arzt mithilfe weiterer Untersuchungen das Ausmaß der Leberschädigung und die Art der Erkrankung feststellen. So lassen sich beispielsweise Antikörper gegen verschiedene Hepatitis-Viren, verschiedene Virusbestandteile und die DNA der Viren nachweisen.

Außerdem kann der Arzt die Leberfunktion anhand weiterer Blutparameter beurteilen. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann er Krebserkrankungen der Leber und Begleiterkrankungen entdecken. Zusätzlich wird der Arzt HBV-infizierte Patienten auf weitere Infektionen untersuchen, zum Beispiel HIV, Hepatitis A und C, da diese häufig gemeinsam vorkommen.

Bei chronischer Hepatitis B entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe aus der Leber (Biopsie), um das Ausmaß der Erkrankung beurteilen zu können.

Laut Infektionsschutzgesetz ist die akute Hepatitis B eine meldepflichtige Erkrankung. Der Arzt muss dem Gesundheitsamt namentlich den Verdacht auf Hepatitis B, das Vorliegen der Erkrankung und den Tod durch Hepatitis B melden. Meldepflicht besteht auch dann, wenn bei jemandem der Hepatitis B-Erreger nachgewiesen ist, er aber keine Krankheitszeichen aufweist.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Die Behandlung einer akuten Hepatitis B basiert auf körperlicher Schonung und absolutem Alkoholverzicht des Patienten. Weiterhin ist auf eine leichte und ausgewogene Ernährung mit mehreren Mahlzeiten am Tag zu achten. Auf stark fetthaltige Speisen sollten die Betroffenen verzichten.

Die Einnahme von Medikamenten darf nur nach Absprache mit dem Arzt erfolgen. Weil die akute Hepatitis B bei 90 Prozent der Erwachsenen mit gut funktionierendem Immunsystem von selbst abheilt, ist eine spezielle medikamentöse Behandlung nur selten notwendig.

Die seltene fulminante Verlaufsform macht eine Behandlung in speziellen Fachkliniken erforderlich. Bei diesem schweren Verlauf besteht die einzige Behandlungsmöglichkeit oft nur noch in einer Lebertransplantation.

Bei einer chronischen Hepatitis kann eine medikamentöse Behandlung erfolgen, um die Vermehrung der Hepatitis-B-Viren zu unterdrücken und schwerwiegende Folgeschäden zu vermeiden. Die Entscheidung zur Gabe von Medikamenten fällt der Arzt in Abhängigkeit von der Menge der vorhandenen Viren, von den Leberwerten, vom Alter des Patienten, von Begleiterkrankungen und vom Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose oder eines Leberkarzinoms.

Als Medikamente kommen Interferone und Virostatika zum Einsatz

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Medikamenten, die zum Einsatz kommen: Zum einen die Interferone, welche die Abwehrkräfte des Körpers gegen die Virusinfektion unterstützen, und zum zweiten Virostatika, welche die Vermehrung des Virus im Körper unterdrücken.

Durch die Therapie erreicht man nur bei einem Teil der Patienten eine vollständige Beseitigung der chronischen Infektion. Nach dem Absetzen von Virostatika können sich die Erreger oftmals wieder vermehren, sodass eine erneute Therapie notwendig ist. Auch Interferone führen nur bei einem Teil der Patienten zur Heilung.

Während der Behandlung einer chronischen Hepatitis-Infektion mit Interferonen oder Virostatika sind regelmäßige Kontrollen des Krankheitsverlaufes erforderlich.

Ist die Hepatitis im Blut zwar nachweisbar, das Virus aber nicht aktiv (chronisch persistierende Hepatitis), sind lediglich Laborkontrollen erforderlich. Eine chronisch persistierende Hepatitis kann in eine aktive Hepatitis mit fortschreitender Entzündung der Leber übergehen, sie kann aber auch noch nach Jahren ausheilen.

Welche Verhaltensregeln sollten beachtet werden?

Da eine Übertragung der Erkrankung über Blut und Körperflüssigkeiten erfolgt, sollten Patienten mit einer bekannten Hepatitis-B-Infektion offene Wunden mit geeigneten Verbänden abdecken.

Um eine Ansteckung des Partners zu vermeiden, darf Geschlechtsverkehr nur unter Kondomschutz erfolgen. Dies gilt sowohl für Patienten mit einer neu aufgetretenen Hepatitis als auch für Kranke mit der chronischen Form. Außerdem sollten die Partner gegen HBV geimpft sein. Zahnbürsten und Rasierapparate sollten HBV-infizierte Personen nicht gemeinsam mit anderen Menschen benutzen. Für den alltäglichen häuslichen Umgang bestehen keine besonderen Einschränkungen. 

Hepatitis C - häufig chronisch

Die Hepatitis C gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt und ist weltweit verbreitet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) infizieren sich jährlich drei bis vier Millionen Menschen. Etwa 130 bis 170 Millionen Menschen sind chronisch mit Hepatitis C infiziert, das entspricht zwei bis drei Prozent der Weltbevölkerung.

In Deutschland tragen nach einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts 0,4 Prozent der Menschen Antikörper gegen den Erreger in sich.

Einen wirksamen Impfstoff gegen das Hepatitis-C-Virus gibt es bisher nicht. Der Schutz vor einer Infektion ist daher umso wichtiger.

Wie kann man sich mit Hepatitis-C-Viren infizieren?

Die Infektion mit Hepatitis-C-Viren erfolgt in erster Linie über das Blut, seltener über andere Körperflüssigkeiten wie Sperma. Die gemeinsame Nutzung von Injektionsnadeln, zum Beispiel beim Drogenkonsum, ist eine wichtige Infektionsquelle.

Das Risiko der Übertragung durch Geschlechtsverkehr bei stabiler Partnerbeziehung ist gering, aber nicht gänzlich auszuschließen. Ein erhöhtes Risiko, sich beim ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Hepatitis-C-Viren anzustecken, haben homosexuelle, HIV-infizierte Männer.

Bei einem bis sechs Prozent der HCV-infizierten Mütter kommt es zur Übertragung der Viren auf das Kind (während der Geburt oder beim Stillen).

Früher bestand ein gewisses Infektionsrisiko auch bei Blutübertragungen, zum Beispiel für Dialysepatienten, Transplantierte und Menschen, die häufig Bluttransfusionen benötigen (zum Beispiel bei Hämophilie, der Bluterkrankheit). Diese Gefahr hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen, da bei Blutspenden seit Anfang der 1990er Jahre Tests auf das Hepatitis-C-Virus erfolgen.

Was sind die Krankheitszeichen?

Die Infektion mit Hepatitis C verläuft bei etwa 75 Prozent der Betroffenen ohne erkennbare Krankheitszeichen oder nur mit unspezifischen Beschwerden. Mögliche auftretende Symptome ähneln einem grippalen Infekt. Die Betroffenen bringen sie daher oft nicht mit der eigentlichen Erkrankung in Verbindung.

Die Inkubationszeit (Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) liegt zwischen zwei und 26 Wochen, beträgt aber in der Regel sieben bis acht Wochen.

Bei 25 Prozent der Betroffenen tritt die Infektion mit Anzeichen einer akuten, häufig milden Leberentzündung in Erscheinung. Zu Beginn der Krankheit treten dann meist unspezifische Symptome auf. Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Magendruck mit Völlegefühl sind häufig die ersten Anzeichen. Seltener treten Juckreiz und Gelenkbeschwerden auf. Bestimmte Leberenzyme (Transaminasen) können erhöht sein.

Später bemerkt der Betroffene eine Gelbverfärbung (Ikterus) der Haut und der Lederhaut der Augen (Sklera). Im Volksmund wird eine Hepatitis deshalb auch als "Gelbsucht" bezeichnet. Der Stuhl verliert seine dunkelbraune Farbe und wird heller, der Urin färbt sich braun.

Schwere akute Verläufe (fulminante Verläufe) mit raschem Fortschreiten und Tod durch Leberversagen kommen nur sehr selten vor.

Weshalb ist die Hepatitis C eine ernste Erkrankung?

Die Hepatitis C ist eine Erkrankung, die im Vergleich zu anderen Formen einer Hepatitis seltener mit akuten Symptomen im Sinne einer schweren Leberentzündung einhergeht.

Die Krankheit nimmt aber, und das ist das Gefährliche, bei 50 bis 85 Prozent der Betroffenen einen chronischen Verlauf, bei dem die Infektion länger als sechs Monate besteht. Sie verläuft häufig mild und mit unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Oberbauchbeschwerden, Leistungsabfall, Juckreiz und Gelenkbeschwerden. Bei einem Teil der Patienten sind die Leberenzyme (Transaminasen) erhöht.

Dennoch kann eine chronische Infektion schwerwiegende Folgen haben. Bei zwei bis 35 Prozent der chronisch Infizierten kommt es zu einer zunehmenden Verschlechterung der Leberfunktion mit Entwicklung einer Schrumpfleber (Leberzirrhose) innerhalb von etwa 20 bis 25 Jahren.

Die Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko, im Verlauf eine Krebserkrankung der Leber (Leberzellkarzinom) zu entwickeln. Eine regelmäßige Kontrolle beim Arzt ist daher dringend erforderlich.

Die ausreichende Funktion der Leber ist für den menschlichen Körper lebensnotwendig. Die Leber erfüllt zum Beispiel wichtige Aufgaben bei der Entgiftung. Weiterhin produziert sie Eiweiße (sogenannte Gerinnungsfaktoren), die für die Blutstillung wichtig sind. Zudem hat die Leber die Aufgabe, die mit der Nahrung aufgenommenen Eiweiße abzubauen und daraus neue Baustoffe für die Zellen aufzubauen.

Sind diese Leberfunktionen durch die Hepatitis C eingeschränkt, ist mit einer Vielzahl von Komplikationen zu rechnen. Hierzu zählen Blutungen, Wasseransammlungen im Bauchraum (Aszites), Milzvergrößerung, Hirnschädigung und Mangelernährung.

Wie wird eine Hepatitis C diagnostiziert?

Fehlen die charakteristischen Beschwerden der akuten Leberentzündung, wird die Erkrankung oft nicht frühzeitig und unmittelbar nach der Ansteckung, sondern erst später beim Auftreten von Komplikationen (im chronischen Stadium) festgestellt.

Im Fall einer akuten Leberentzündung führen die geschilderten Symptome den Betroffenen zum Arzt und lenken den Verdacht auf eine Hepatitis. Weitere Hinweise erhält der Arzt durch die Befragung des Patienten nach besonderen Risiken für eine Hepatitis-C-Infektion.

Bei der körperlichen Untersuchung kann der Arzt mitunter die Leber am rechten Rippenbogen ertasten. Gelegentlich ist diese Region beim Abtasten schmerzempfindlich. Auch erhöhte Leberwerte (Transaminasen) können ein Hinweis auf eine Lebererkrankung sein.

Diese Zeichen kommen auch bei anderen Lebererkrankungen vor. Daher ist eine Blutuntersuchung notwendig. Dabei lassen sich Genmaterial des Virus oder spezifische Antikörper gegen das Hepatitis-C-Virus nachweisen. Außerdem kann der Arzt die Leberfunktion anhand bestimmter Marker im Blut beurteilen. Urin- und Stuhluntersuchungen ergänzen die Diagnostik.

Mit einer Ultraschalluntersuchung kann er Krebserkrankungen der Leber und Begleiterkrankungen entdecken. Zusätzlich wird der Arzt HCV-infizierte Patienten auf weitere Infektionen untersuchen, zum Beispiel HIV, Hepatitis A und B, da diese häufig gemeinsam vorkommen.

HCV-infizierte Patienten, die serologisch keine Zeichen einer durchgemachten Hepatitis-A- und Hepatitis-B-Infektion aufweisen, sollten Impfungen gegen diese beiden Viruserkrankungen erhalten. Denn eine Infektion mit diesen Viren bei bereits bestehender chronischer Hepatitis-Infektion kann zu schwereren Krankheitsverläufen führen.

Laut Infektionsschutzgesetz ist jede Hepatitis C namentlich meldepflichtig. Die Meldung durch den Arzt muss bei Verdacht auf Hepatitis C, bei Vorliegen der Erkrankung und im Falle des Todes erfolgen. Auch wenn der Erreger der Hepatitis C nachweisbar ist, ohne dass der Betroffene Krankheitszeichen aufweist, besteht Meldepflicht.

Bei einer chronischen Hepatitis C sollte der Arzt neben den genannten Maßnahmen Lebergewebe entnehmen (Leberbiopsie). Dadurch kann er die Entzündungsaktivität beurteilen und feststellen, wie weit die Leber geschädigt ist und ob bereits eine Leberzirrhose vorliegt.

Die Diagnose einer chronischen Hepatitis C-Infektion erfordert regelmäßige Verlaufsuntersuchungen.

Wie wird die Hepatitis C behandelt?

Die Therapie der Hepatitis C orientiert sich zunächst an den bestehenden Symptomen. Maßnahmen wie Bettruhe oder strikter Verzicht auf Alkohol gehören dazu. Die Einnahme von Medikamenten sollte nur nach Absprache mit dem Arzt erfolgen. Schwere Verläufe bedürfen der Behandlung im Krankenhaus.

Eine Hepatitis C heilt selten von alleine aus. Bleibt eine akute Hepatitis C über drei bis vier Monate bestehen, erfolgt eine Therapie mit Interferon-alpha. Dieser Wirkstoff aktiviert die Abwehrkräfte des Körpers gegen das Virus. Durch eine solche Therapie lässt sich der Übergang in das chronische Stadium in den meisten Fällen verhindern. Das bedeutet, dass die Erkrankung ausheilt.

Die chronische Hepatitis C behandelt man mit Interferon-alpha in Kombination mit dem Wirkstoff Ribavirin, der die Vermehrung der Viren unterdrückt. Seit 2011 sind zwei weitere antivirale Wirkstoffe zugelassen, die in Kombination mit Interferon-alpha und Ribavirin zum Einsatz kommen.

Die Therapie, die gegen chronische Hepatitis-C-Infektionen eingesetzt wird, kann ambulant durchgeführt werden. Ein Krankenhausaufenthalt wird nur notwendig, wenn es bei der Behandlung zu Komplikationen kommt.

Bei einer Leberzirrhose kann eine Lebertransplantation erforderlich sein.

Wie kann man sich vor einer Hepatitis-C-Infektion schützen?

Bisher gibt es keine Schutzimpfung gegen Hepatitis C. Auch nach einer ausgeheilten Hepatitis C ist eine erneute Ansteckung möglich.

Um eine Ansteckung des Partners zu vermeiden, sollte Geschlechtsverkehr nur unter Kondomschutz erfolgen. HCV-Infizierte sollten außerdem möglicherweise kontaminierte Gebrauchsgegenstände wie Rasierklingen, Nagelscheren, Zahnbürsten nicht gemeinsam mit anderen Menschen benutzen.

Mütter mit einer HCV-Infektion sollten unter Umständen auf das Stillen ihrer Kinder verzichten. Personen, die Drogen konsumieren, sollten Spritzen nicht gemeinsam benutzen.

Hepatitis D - nur in Kombination mit Hepatitis B

Eine Hepatitis D, auch Delta-Hepatitis genannt, ist eine Entzündung des Lebergewebes, deren Ursache Hepatitis-D-Viren sind. Sie kommt nur bei Menschen vor, die auch mit Hepatitis-B-Viren infiziert sind. Eine zusätzliche Infektion mit Hepatitis D kann eine Hepatitis B deutlich verschlechtern und erhöht das Risiko, dass es zu Zirrhose und/oder Leberkrebs kommt.

Das Hepatitis-D-Virus ist ein unvollständiges Virus, das alleine nicht funktionstüchtig ist. Um sich vermehren zu können, benötigt es die Hülle des Hepatitis-B-Virus.

Die Infektion mit Hepatitis-D-Viren kann entweder gleichzeitig mit Hepatitis-B-Viren (Simultaninfektion) oder nachträglich bei einer bereits bestehenden Hepatitis-B-Infektion (Superinfektion) erfolgen.

Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit zwischen der Ansteckung mit dem Hepatitis-D-Virus und dem Ausbruch der Krankheit kann ein bis sechs Monate betragen.

Wie kann man sich anstecken?

Die Übertragung von Hepatitis-D-Viren kann über engen Hautkontakt oder durch ungeschützte Sexualkontakte zu infizierten Personen sowie durch infiziertes Blut erfolgen.

Wie weit ist Hepatitis D verbreitet?

Weltweit sind rund zehn Millionen Menschen mit Hepatitis-D-Viren infiziert. In Deutschland kommt die Infektion sehr selten und fast nur in Risikogruppen vor.Nur circa fünf Prozent der Menschen, die Hepatitis-B-Virus-Träger sind, habenzusätzlich eine Hepatitis-D-Infektion.

Wer ist gefährdet?

Eine besonders hohe Ansteckungsgefahr besteht für

  • Menschen, die häufig wechselnde Sexualkontakte haben;
  • Beschäftigte im Gesundheitswesen, die in Kontakt mit Blut oder Blutprodukten kommen;
  • Neugeborene, deren Mutter infiziert ist;
  • Drogenkonsumenten, die Utensilien wie Spritzbesteck oder Röhrchen gemeinsam verwenden. 

Was sind die Symptome?

Die Symptome einer Hepatitis B und D ähneln denen einer Hepatitis B alleine. Bei einer frischen Infektion gibt es oft keine Symptome. Es können leichte, grippeähnliche Symptome auftreten, heller Stuhl, dunkler Urin, Fieber oder eine Gelbfärbung der Haut und/oder der Augen.

70 bis 90 Prozent der Patienten entwickeln eine chronische Leberentzündung mit schwerem Verlauf. Die meisten Betroffenen haben anfangs zwar keine Symptome, entwickeln später aber Zirrhose oder Leberkrebs.

Besonders gefährlich ist die Doppelinfektion, wenn ein Patient zunächst nur eine chronische Hepatitis B hat und das Delta-Virus später hinzukommt. Leberschäden entwickeln sich dann häufig schneller und schwerer als bei einer Simultaninfektion. Das Sterberisiko ist für Patienten mit einer Hepatitis D zehnmal so hoch wie bei einer alleinigen Hepatitis-B-Infektion.

Wie wird eine Hepatitis-D-Infektion diagnostiziert?

Der Verdacht auf eine Lebererkrankung besteht beim Auftreten charakteristischer Symptome wie zum Beispiel einer Gelbfärbung der Haut. Auch erhöhte Leberwerte (Transaminasen) können Hinweise auf eine Lebererkrankung sein. Diese Symptome können jedoch auch bei anderen Lebererkrankungen auftreten. Daher sollte der Arzt mithilfe weiterer Untersuchungen das Ausmaß der Leberschädigung und die Art der Erkrankung feststellen. Weitere Hinweise erhält er durch die Befragung des Patienten nach besonderen Risiken für eine Hepatitis-B- oder -D-Infektion.

Bei nachgewiesener Hepatitis-B-Infektion wird der Arzt auch untersuchen, ob zusätzlich eine Hepatitis-D-Infektion vorliegt. In Laboruntersuchungen lassen sich beispielsweise Antikörper gegen Hepatitis-D-Viren und Genmaterial der Viren nachweisen.

Außerdem kann der Arzt die Leberfunktion anhand weiterer Blutparameter beurteilen. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann er Krebserkrankungen der Leber und Begleiterkrankungen entdecken. Zusätzlich wird der Arzt HBV-infizierte Patienten auf weitere Infektionen untersuchen, zum Beispiel HIV sowie Hepatitis A und C, da diese häufig gemeinsam vorkommen.

Bei chronischer Hepatitis entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe aus der Leber (Biopsie), um das Ausmaß der Erkrankung beurteilen zu können.

Laut Infektionsschutzgesetz ist jede Hepatitis-D-Infektion meldepflichtig. Die namentliche Meldung durch den behandelnden Arzt ist bei Verdacht auf eine Hepatitis D-Infektion, bei Vorliegen einer nachgewiesenen Erkrankung und im Falle des Todes erforderlich.

Wie wird eine Hepatitis D behandelt?

Es steht bisher keine wirksame antivirale Therapie zur Verfügung.

Die Behandlung einer akuten Hepatitis B und D basiert auf körperlicher Schonung und absolutem Alkoholverzicht des Patienten. Weiterhin ist auf eine leichte und ausgewogene Ernährung mit mehreren Mahlzeiten am Tag zu achten. Auf stark fetthaltige Speisen sollten die Betroffenen verzichten. Die Einnahme von Medikamenten darf nur nach Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Da eine Infektion mit Hepatitis B und D häufig einen schweren Verlauf nimmt, ist eine Behandlung in speziellen Fachkliniken erforderlich.

Wie bei der Hepatitis B, kommen seit einiger Zeit auch bei der Hepatitis D Interferon-Präparate zum Einsatz, die bei einem Teil der Patienten auch gegen die Hepatitis-D-Viren wirken. Interferone aktivieren die Abwehrkräfte des Körpers gegen die Viren.

Entwickeln sich schwere Leberschäden, ist oftmals eine Lebertransplantation notwendig.

Wie kann man sich schützen?

Wer erfolgreich gegen Hepatitis B geimpft ist, kann auch keine Hepatitis D bekommen. Diese Schutzfunktion gilt allerdings nur, bevor eine Infektion mit Hepatitis B erfolgte. Bei Menschen, die schonchronisch an Hepatitis B erkrankt sind, hilft die Impfung nicht mehr.

Auch eine Hepatitis-A-Impfung ist sinnvoll.

Folgende Maßnahmen sind sinnvoll, um einer Infektion mit Hepatitis-D-Viren vorzubeugen:

  • Beim Geschlechtsverkehr schützen Kondome vor einer Infektion mit Hepatitis-B- und -D-Viren sowie vor anderen Erkrankungen. Das Benutzen von Kondomen ist vor allem bei neuen und häufig wechselnden Partnern sinnvoll.
  • Drogenabhängige sollten Nadeln und Spritzen nicht gemeinsam verwenden.
  • Medizinisches Personal sollte entsprechende hygienische Maßnahmen einhalten, zum Beispiel Tragen von Schutzhandschuhen, Desinfektion von Gegenständen.
  • Personen mit engem Kontakt zu Infizierten sollten darauf verzichten, Zahnbürsten, Rasierapparate, Nagelscheren und so weiter gemeinsam zu benutzen.

Hepatitis E - in Deutschland selten

Hepatitis E ist eine akute Leberentzündung, deren Ursache eine Infektion mit Hepatitis-E-Viren (HEV) ist. Dieses Virus kommt in Deutschland recht selten, in Gegenden mit niedrigem hygienischem Standard (zum Beispiel einige Regionen in Asien und Afrika sowie in Mittel- und Südamerika) dagegen häufiger vor.

Wie kann man sich anstecken?

Besonders gefährdet sind Reisende in Risikogebiete oder Menschen, die in Gebieten mit hoher Hepatitis-E-Verbreitung leben. Hepatitis-E-infizierte Personen, meist junge Erwachsene im Alter von 15 bis 40 Jahren, scheiden die Viren mit dem Stuhlgang aus. Die Ansteckung erfolgt meistens über Trinkwasser oder Lebensmittel, die Hepatitis-E-Viren enthalten.

Auch in Deutschland kann man sich mit Hepatitis E infizieren: Der Genotyp 3 des Hepatitis-E-Virus kommt auch bei Tieren (zum Beispiel Hausschweinen, Wildschweinen, Hirschen) vor. Eine Übertragung kann durch den Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch oder von Innereien infizierter Tiere erfolgen.

Die Anzahl der Fälle, die als in Deutschland erworben an das Robert-Koch-Institut übermittelt wurden, hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Ursache für diese Zunahme ist nicht bekannt. Im Jahr 2013 wurden dem Robert-Koch-Institut insgesamt 459 Hepatitis-E-Erkrankungen übermittelt. Gegenüber dem Vorjahr (388 Erkrankungen) entspricht dies einer Zunahme um etwa 18 Prozent.

Eine Studie ergab, dass 17 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung eine Infektion mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) durchgemacht haben. Somit ist diese Infektion häufiger als bisher angenommen.

Selten kommt es zu einer Übertragung der Viren durch enges Zusammenleben mit Infizierten. Außerdem ist eine Übertragung der Viren während der Geburt von der Mutter auf das Kind sowie durch Organtransplantationen möglich.

Was sind die Symptome?

Die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten von Krankheitszeichen (Inkubationszeit) beträgt etwa zwei bis neun Wochen. Eine Hepatitis E äußert sich ähnlich wie eine Hepatitis A. Ein Teil der Patienten entwickelt keine Symptome, andere leiden an unspezifischen Allgemeinbeschwerden wie Müdigkeit, Fieber, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Erbrechen und/oder Druckgefühl im Oberbauch. Es können auch Muskel- und Gelenkbeschwerden auftreten. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es zu den für eine Hepatitis typischen Symptomen: dunkler Urin, heller Stuhl und Gelbfärbung der Haut beziehungsweise Augen (Ikterus).

Manche Betroffene haben in der akuten Phase der Hepatitis E außerdem starken Juckreiz.

Die in der Regel leichten Beschwerden klingen nach etwa sechs Wochen ab.

Die Infektion heilt gewöhnlich ohne Folgen von selbst aus. Allerdings kann das Hepatitis-E-Virus für Frauen im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel rasch einen schweren Verlauf nehmen. Die Infektion führt bei bis zu 20 Prozent zum Tode.

Bei Männern und nicht schwangeren Frauen liegt die Todesrate bei 0,5 bis vier Prozent.

Auch bei Patienten mit Vorerkrankungen der Leber kann die Hepatitis E einen schweren Verlauf nehmen. Bei Transplantierten und HIV/AIDS-Patienten sind auch chronische Verläufe möglich, kommen aber selten vor.

Wie wird Hepatitis E diagnostiziert?

Der Verdacht auf eine Lebererkrankung besteht beim Auftreten charakteristischer Symptome wie zum Beispiel einer Gelbfärbung der Haut. Auch erhöhte Leberwerte (Transaminasen) können Hinweise auf eine Lebererkrankung sein.

Diese Symptome können jedoch auch bei anderen Lebererkrankungen auftreten. Daher sollte der Arzt mithilfe weiterer Untersuchungen das Ausmaß der Leberschädigung und die Art der Erkrankung feststellen. Weitere Hinweise erhält er durch die Befragung des Patienten, zum Beispiel nach Reisen in Risikogebiete.

Das Blut kann er auf Antikörper gegen Hepatitis-E-Viren untersuchen. Bei einer aktiven Infektion lässt sich im Blut und im Stuhl mit einem PCR-Test genetisches Material der Hepatitis-E-Viren (HEV-RNA) nachweisen. Die spezifischen Antikörper im Blut (Anti-HEV-IgM) sind der einzige sichere Nachweis, um andere Krankheiten bei der Diagnose auszuschließen.

Speziallaboratorien sind zum Beispiel das Institut für Virologie am Universitätsklinikum Essen und das Konsiliarlaboratorium für HAV und HEV am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Regensburg.

Wie wird Hepatitis E behandelt?

Es gibt derzeit keine antiviralen Medikamente gegen Hepatitis E.

Daher verfolgt die Behandlung im Wesentlichen das Ziel, die Beschwerden zu lindern.

Die Betroffenen sollten sich körperlich schonen und gegebenenfalls Bettruhe halten.  Auf Alkohol sollten sie verzichten, um die Leber nicht zusätzlich zu belasten. Bei einem milden Verlauf der Hepatitis E-Erkrankung können die Betroffenen zu Hause gesund werden. Bei ausgeprägteren Symptomen ist unter Umständen eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich.

Die Einnahme von Medikamenten sollte nur nach ärztlicher Anordnung erfolgen. Regelmäßig eingenommene Medikamente muss der Arzt auf ihre Verträglichkeit hin überprüfen.

Auch nach Abklingen der Symptome der Hepatitis E sollten Betroffene für einige Monate auf Alkohol und fetthaltiges Essen verzichten, um den Heilungsprozess zu fördern.

Für Hepatitis E gilt in Deutschland seit 2001 die Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod sowie bei direktem oder indirektem Erregernachweis in Verbindung mit einer akuten Infektion.

Wie kann man sich schützen?

Es gibt noch keine Impfung gegen Hepatitis E. In Risikogebieten ist es wichtig, Trinkwasser abzukochen und nur ausreichend erhitzte Speisen zu verzehren.

Auch hierzulande sollte man vermeiden, rohes oder unzureichend gekochtes Fleisch (insbesondere Wild- oder Schweinefleisch) zu verzehren. Schwangere Frauen sollten auch bei der Zubereitung von Wildschweinfleisch besondere Hygienemaßnahmen beachten.