Ein Drittel der Menschheit ist mit dem Erreger infiziert, allerdings erkranken nur etwa fünf bis zehn Prozent der Infizierten an einer aktiven Tuberkulose.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich fast neun Millionen Menschen an einer Tuberkulose und etwa 1,4 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen dieser Krankheit, häufig aufgrund einer unzureichenden Behandlung. Somit ist die Tuberkulose auch noch heute weltweit die häufigste zum Tode führende behandelbare bakterielle Infektionskrankheit bei Jugendlichen und Erwachsenen und die führende Todesursache bei HIV-Infizierten.

Die Situation ist besonders im südlich der Sahara gelegenen Afrika problematisch, da aufgrund der hohen HIV-Infektionsraten der Tuberkulose-Epidemie besonderer Vorschub geleistet wird. Die Erkrankung schwächt das Immunsystem und erhöht damit das Risiko, an Tuberkulose zu erkranken. Tuberkulose gewinnt heutzutage auch in den Industriestaaten durch Einwanderung wieder an Bedeutung. Die Anzahl von Neuerkrankungen ist aber insgesamt in den Industriestaaten rückläufig.

Am häufigsten kommt die im Volksmund auch als "Schwindsucht" bekannte Krankheit in den ärmeren Ländern vor. Rund 85 Prozent aller an Tuberkulose neuerkrankten Menschen leben in Afrika, Südostasien und der westlichen Pazifikregion. Vor allem ein geschwächtes Immunsystem begünstigt die Infektion. Ob sich jemand mit Tuberkulose infiziert, hängt außerdem von der Häufigkeit und Dauer des Kontakts zu einem an Tuberkulose erkrankten Menschen, der Menge und dem infektiösen Potenzial der Erreger und der individuellen Empfindlichkeit der jeweiligen Person ab.

Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 4.330 Neuerkrankungen an aktiver Tuberkulose gemeldet, etwa 150 Menschen starben daran.

Wie steckt man sich an und wer ist besonders gefährdet?

Die von Robert Koch 1882 entdeckten Tuberkelbakterien werden durch Tröpfcheninfektion - über Speichel, Bronchial- oder Nasensekret beim Sprechen, Husten oder Niesen von Mensch zu Mensch übertragen. Infektiös sind all jene, die an einer sogenannten offenen Tuberkulose leiden, bei der die Erreger nach außen gelangen können.

Nicht jeder, der sich mit TBC angesteckt hat, erkrankt auch zwangsläufig. Risiko- und Personengruppen, bei denen am häufigsten eine aktive Tuberkulose (TBC) ausbricht, sind: 

  • AIDS-Kranke (30 Prozent aller Aids-Todesfälle sind durch TBC bedingt)
  • Drogenabhängige
  • Alkoholiker
  • Unterernährte
  • Obdachlose
  • Flüchtlinge/Asylanten
  • Gefängnisinsassen
  • Alte Menschen
  • Kleinkinder
  • Menschen, die an einer Tumorerkrankung leiden, zum Beispiel Lymphdrüsenkrebs, Leukämie
  • Personen, die dauerhaft mit Kortison, Zellgiften (Zytostatika, beispielsweise zur Behandlung eines Krebsleidens) oder das Abwehrsystem unterdrückenden Medikamenten (Immunsuppressiva) behandelt werden
  • Diabetiker (Zuckerkranke) 

Wie verläuft die Tuberkulose?

Die Tuberkulose verläuft in verschiedenen Stadien.

Primärtuberkulose

Durchschnittlich sechs bis acht Wochen nach der Ansteckung kommt es zur sogenannten Primärtuberkulose. Die Tuberkelbakterien gelangen meist in die Lunge, wo sie Fresszellen (Makrophagen) der körpereigenen Abwehr aufnehmen. Normalerweise töten Makrophagen die meisten Krankheitserreger ab. Da die Tuberkelbakterien allerdings aufgrund ihrer Zellwand sehr widerstandsfähig sind, können sie meist überleben und sich weiter vermehren.

Durch den anschließenden Zerfall der Fresszellen entsteht ein Entzündungsherd, der sogenannte Primäraffekt, der meist verkalkt. Die Tuberkelbakterien gelangen vom Primäraffekt in die örtlichen Lymphknoten und kapseln sich im Bindegewebe ab. Rund 90 Prozent aller Erstinfektionen kommen nun zum Stillstand.

Postprimäre Tuberkulose

Werden die noch lebenden, in den verkalkten Herden schlummernden Tuberkelbakterien reaktiviert, spricht man von einer postprimären Tuberkulose. Sie kann jedes Organ befallen, betrifft zu 80 Prozent jedoch die Lunge.

Das Erkrankungsrisiko ist vor allen in den ersten zwei Jahren nach der Infektion erhöht. Aber auch nach mehreren Jahren kann es noch zu einer Erkrankung kommen, zum Beispiel wenn die Abwehrleistung nachlässt.

Die Erregerherde schmelzen ein und verflüssigen sich. Es entsteht eine flüssigkeitsgefüllte Höhle, die sogenannte Kaverne. Bekommt diese Kaverne Anschluss an eine nach außen leitende Struktur wie beispielsweise einen Lungenbronchus, können die Tuberkelbakterien beim Husten aus dem Körper des Erkrankten in die Umwelt gelangen: Die TBC ist "offen" und damit ansteckend.

In 20 Prozent der Fälle betrifft die Postprimärtuberkulose andere Organe als die Lunge. Sie wird dann als extrapulmonal (außerhalb der Lunge liegend) bezeichnet. Bei einer offenen Tuberkulose scheidet der Körper die Erreger dann zum Beispiel über den Stuhl oder den Urin aus.

Wie äußert sich die Tuberkulose?

Die Primärtuberkulose verursacht nur bei etwa zwei bis fünf Prozent der infizierten Menschen Beschwerden. Manchmal haben die Betroffenen eine leicht erhöhte Körpertemperatur und klagen über Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder starkes nächtliches Schwitzen. Gelegentlich kommt es zu Hautveränderungen (Erythema nodosum) oder Augenentzündungen. Ein blutiger Husten ist selten und weist auf eine Erkrankung an "offener" Tuberkulose hin.

Die Primärtuberkulose kann auch außerhalb der Lunge Beschwerden hervorrufen und zum Teil lebensbedrohliche Komplikationen verursachen. Vor allem bei abwehrgeschwächten Menschen beobachtet man:

Hiluslymphknoten-Tuberkulose

Tuberkelbakterien sind über die Lymphgefäße in die sogenannten Hiluslymphknoten gewandert. Am Lungenhilus treten die großen Blutgefäße und die Bronchien in die Lunge ein und aus. Durch den Befall mit Tuberkelbakterien schwellen die Lymphknoten in diesem Bereich an und drücken auf die Bronchien. Dies kann eine Minderbelüftung der Lunge zur Folge haben.

Rippenfellentzündung (Pleuritis exsudativa)

Die Entzündung des Rippenfells (Pleura) verursacht Schmerzen beim Atmen. Bildet sich Flüssigkeit (Pleuraerguss), spricht man von einer nassen (exsudativen) Rippenfellentzündung.

Käsige Lungenentzündung (käsige Pneumonie)

Bei der auch als "galoppierende Schwindsucht" bezeichneten käsigen Lungenentzündung stirbt letztlich Lungengewebe ab, was die Betroffenen ohne Therapie im Allgemeinen nicht überleben.

Miliar-Tuberkulose

Wenn die Tuberkelbakterien über den Blutweg in andere Organe streuen und dort kleine Herde bilden, spricht man von einer Miliar-Tuberkulose. Am häufigsten sind die Lunge, Hirnhäute, Leber und Milz, Nieren und Nebennieren sowie die Gefäßhaut des Auges betroffen. Die Miliar-Tuberkulose kann zu schwerwiegenden Entzündungen (zum Beispiel Hirnhautentzündung) führen und vor allem für Abwehrgeschwächte lebensbedrohliche Folgen haben.

Sepsis Landouzy

Diese Blutvergiftung (Sepsis) durch Tuberkelbakterien ist sehr selten und trifft vor allem Menschen mit sehr schlechter Abwehrlage. Die Sepsis Landouzy ist innerhalb weniger Tage tödlich.

Wie wird TBC diagnostiziert?

Die Symptome der Tuberkulose sind meist so uncharakteristisch, dass die Erkrankung oft übersehen oder fehldiagnostiziert wird. Wichtig ist, überhaupt an die Möglichkeit einer Tuberkulose zu denken. Falls jemand in der näheren Umgebung des Patienten an TBC erkrankt ist und auch nur leichte Beschwerden wie Husten, Abgeschlagenheit oder Nachtschweiß auftreten, sollte unbedingt eine Untersuchung beim Arzt erfolgen. Dieser sollte auch über bestehende Vorerkrankungen oder eine Immunschwäche unterrichtet werden.

Der Arzt wird eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen und die Lungen mit dem Stethoskop abhören.

Tuberkulin-Hauttest

Der Tuberkulintest ist ein Hauttest, der eine Infektion mit Tuberkelbakterien nachweisen kann. Ein positiver Test tritt jedoch im Durchschnitt erst sechs Wochen nach einer Infektion auf. Er beweist eine durchgemachte Infektion, fällt aber auch bei einer TBC-Impfung positiv aus. Ein negativer Tuberkulin-Test macht eine Tuberkulose zwar unwahrscheinlich, kann aber zum Beispiel bei älteren oder abwehrgeschwächten Menschen trotz TBC vorkommen. Deshalb erfolgt der Nachweis der Tuberkelbakterien in einem Zweistufenverfahren, bestehend aus dem Tuberkulin-Hauttest und einem immunologischen Testverfahren, das bei positivem Ergebnis des Tuberkulin-Hauttests oder bei abwehrgeschwächten Menschen zusätzlich Anwendung findet.

Immunologische Testverfahren

Seit einigen Jahren gibt es auch ein immunologisches Testverfahren, den Interferon-Gamma Release Assay (IGRA). Der Test misst die Menge an Interferon-gamma in Blutproben nach Zugabe von Antigenen gegen Tuberkulosebakterien. Interferon-gamma entsteht nur dann, wenn das Immunsystem vorher bereits Kontakt mit Tuberkulosebakterien hatte.

Röntgenaufnahmen

Auf einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs kann der Arzt die Lungen beurteilen. Manchmal erkennt man TBC-typische Veränderungen wie abgekapselte verkalkte Kavernen oder Herde. Eine frische TBC kann jedoch im Röntgenbild völlig unauffällig sein, weshalb bei Verdacht auf Tuberkulose Kontrolluntersuchungen nach ein bis drei Monaten und weitere Nachweisverfahren unbedingt notwendig sind.

Nachweis der Erreger

An drei aufeinanderfolgenden Tagen wird potenziell Tuberkelbakterien-haltiges Sekret wie Sputum (Sekret, das beim Abhusten gewonnen wird), Magensaft, Bronchialsekret oder Urin untersucht. Sicher bestätigt der Nachweis von Tuberkelbakterien aus befallenem Gewebe die Diagnose. Die Bakterien lassen sich aber nur bei offener Tuberkulose nachweisen.

Meldepflicht für TBC-Erkrankungen

Nach dem Infektionsschutzgesetz ist jeder Arzt, der eine Erkrankung oder den Tod durch Tuberkulose feststellt, verpflichtet, dies dem Gesundheitsamt zu melden.

Wie sieht die Behandlung aus?

Jede aktive Tuberkulose muss behandelt werden. Die Behandlung der Tuberkulose erfolgt mit sogenannten Antituberkulotika, also Medikamenten, die den Erreger abtöten. Die Therapie muss mindestens sechs Monate andauern, bei Risikopatienten sogar noch länger. Grundsätzlich werden mindestens drei, besser vier Antituberkulotika miteinander kombiniert und über zwei Monate eingenommen. Liegen nach zwei Monaten keine Resistenzen der Tuberkelbakterien gegen diese Medikamente vor, kann die Therapie mit zwei Antituberkulotika über vier Monate fortgesetzt werden.

Die regelmäßige Einnahme der Medikamente ist unbedingt notwendig, um die Tuberkulose zu bekämpfen und eine Resistenzentwicklung der Tuberkelbakterien gegen die Medikamente zu verhindern. Scheidet der Erkrankte Tuberkelbakterien aus, erfolgt die Therapie zunächst isoliert in einem Einzelzimmer im Krankenhaus. Patienten, die über zwei bis drei Wochen eine Kombinationstherapie erhalten, sind, sofern die Tuberkelerreger auf die Medikamente sensibel reagieren, in der Regel nicht mehr ansteckend.

Leider gibt es zunehmend TBC-Erreger, die auf die antituberkulotischen Medikamente nicht ansprechen (Resistenzentwicklung). Dies erschwert die Behandlung und verschlechtert die Aussicht auf Heilung erheblich.

Antituberkulotika haben zum Teil erhebliche Nebenwirkungen: Je nach Präparat können sie Schäden an Leber, Nieren, Nerven, Augen, Ohren und anderen Organen verursachen. Auch Übelkeit, Hautveränderungen, allergische Reaktionen oder Störungen der Blutbildung können vorkommen. Deshalb muss der Arzt regelmäßig die gefährdeten Organe kontrollieren.

Die Therapie der Tuberkulose in anderen Organen als der Lunge unterscheidet sich nicht von der der Lungentuberkulose, allerdings kann die Behandlung länger als sechs Monate dauern. Unterstützend erhalten Tuberkulose-Kranke Medikamente gegen die Beschwerden, zum Beispiel gegen den Husten. Während der Therapie dürfen sie nicht rauchen und keinen Alkohol trinken.

Nach der Behandlung muss der Patient zwei Jahre lang regelmäßige Kontrolluntersuchungen vornehmen lassen. Der Arzt überprüft, ob die Therapie erfolgreich war und keine Komplikationen eingetreten sind.

Wie kann man einer Tuberkulose vorbeugen?

Menschen, die an einer offenen Tuberkulose leiden, müssen von ihrer Umwelt isoliert und behandelt werden.

Laut Infektionsschutzgesetz dürfen Personen, die an ansteckungsfähiger Tuberkulose erkrankt oder dessen verdächtig sind, in Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstigen Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben. Dies gilt solange, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist. Entsprechend dürfen auch die in Gemeinschaftseinrichtungen Betreuten, die an ansteckungsfähiger Tuberkulose erkrankt sind, die dem Betrieb der Gemeinschaftseinrichtung dienenden Räume nicht betreten oder Einrichtungen benutzen und an Veranstaltungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht teilnehmen.

Erst nach drei unauffälligen mikroskopischen Untersuchungen ihres Sputums, in denen keine Tuberkelbakterien mehr zu finden sind, sind von einer offenen Tuberkulose Betroffene nicht mehr ansteckend.

Früher wurde eine Impfung gegen die Tuberkelbakterien durchgeführt. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) empfiehlt diese Impfung allerdings nicht mehr, da sie nicht sicher wirksam ist, Nebenwirkungen haben kann und weil hierzulande TBC-Infektionen ohnehin insgesamt recht selten sind.

Für Kinder unter fünf Jahren gibt es die Möglichkeit einer sogenannten Chemoprophylaxe, bei der diese drei Monate lang ein Antituberkulotikum vorbeugend einnehmen. Auch Patienten, bei denen eine ausgeprägt immunsuppressive Therapie (zum Beispiel mit einem TNF-alpha-Blocker) geplant und eine Tuberkulose-Infektion nachweisbar ist, sollten vor dem Beginn der immunsuppressiven Therapie eine Chemoprophylaxe erhalten.