Viele Kinder stottern, wenn sie sprechen lernen. Dabei wiederholen sie Laute oder ganze Silben, der Redefluss gerät ins Stocken. Meist hört das Stottern schon bald von selbst wieder auf. Stottert das Kind aber weiter, dann könnte eine Sprechstörung dahinterstecken.

Wer ist betroffen vom Stottern?

Stottern entsteht meist im Alter von zwei bis fünf Jahren. Doppelt so viele Jungen wie Mädchen sind betroffen. Mädchen verlieren das Stottern häufiger wieder, sodass fünfmal so viele Jungen wie Mädchen unter der Sprechstörung leiden. Von den Erwachsenen stottern schätzungsweise ein Prozent, rund 80 Prozent davon sind Männer.

Frühzeitige Diagnose ist wichtig

Kinder beginnen ab einem Alter von sechs Monaten, Sprache nachzuahmen. Mit einem bis eineinhalb Jahren sprechen Kleinkinder die ersten Wörter, im Alter von zwei Jahren sind Zweiwortsätze typisch. Ab dem Kindergartenalter sprechen sie in ganzen Sätzen, haben aber teilweise noch Probleme mit der richtigen Aussprache und der Grammatik.

Haben Sie den Verdacht, dass das Sprechen bei Ihrem Kind bleibend gestört sein könnte, sollten Sie rechtzeitig einen Arzt aufsuchen. Wichtig ist, dass der Arzt das Problem möglichst früh und exakt diagnostizieren kann. Dann kann er nämlich eine geeignete Behandlung in die Wege leiten.

Stottern kann seelisch belasten 

Die Sprache ist unsere Verbindung zur Umwelt. Sie ist unser wichtigstes Mittel, um mit anderen Menschen zu kommunizieren. Das Sprechen ist allerdings ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Aktionen: Atmung, Stimmgebung und Artikulation müssen wir dabei in Sekundenbruchteilen koordinieren. Das Gehirn steuert diese Vorgänge. Wenn dieses Zusammenspiel nicht richtig funktioniert, dann kann es passieren, dass Menschen stottern.

Was ist Stottern?

Stottern (Balbuties) ist die häufigste und bekannteste Sprechstörung. Die Ursache ist ein rein körperliches Problem, das nichts mit der Psyche zu tun hat. Beim Stottern ist der Redefluss gestört. Typisch ist, dass Probleme dabei auftreten, die Worte flüssig zu sprechen. Stottern ist individuell, das heißt, jeder Stotternde stottert auf andere Weise und in unterschiedlichen Situationen.

Viele Stotternde bemühen sich, ihr Problem zu vertuschen. Sie vermeiden bestimmte, für sie schwierige Anfangsbuchstaben. Oder sie tauschen problematische Begriffe schnell gegen andere Wörter aus, damit ihr Gesprächspartner das Stottern nicht bemerkt.

Was ist typisch beim Stottern?

Menschen, die stottern, wiederholen und dehnen Laute beziehungsweise Silben. Es gibt verschiedene Formen des Stotterns:

  • Menschen, die klonisch stottern, wiederholen Buchstaben, Silben oder Wortteile (zum Beispiel: w-w-w-warum?).
  • Beim tonischen Stottern entstehen dagegen Pausen im Sprachablauf (zum Beispiel: Bahn-n-nhof). Tonische Stotterer dehnen Silben und versuchen vergebens, bestimmte Anfangslaute herauszubekommen. Diese Laute unterstützen sie zudem durch Bewegungen des Oberkörpers, der Arme und Beine oder auch durch ihre Mimik.
  • Das tonisch-klonische Stottern ist eine Mischung beider Formen.

Menschen, die stottern, können weitere Beschwerden haben, die vom Nervensystem ausgehen (vegetative Beschwerden): Sie atmen unregelmäßiger, schwitzen und werden rot.

Erwachsene Stotterer haben oft ausgeprägte Beschwerden, die seit der Kindheit oder Jugend immer weiter fortgeschritten sind.  

Symptome und mögliche Ursachen für das Stottern

Symptome

Symptome Mögliche Ursache

Stottern oder Verschlimmerung des Stotterns in bestimmten Situationen, zum Beispiel in mündlichen Prüfungen oder bei Referaten

Erwartungsdruck/Erwartungsängste

Je nach Art und Ausmaß der Hirnschädigung zusätzliche Beschwerden und Ausfälle (zum Beispiel Lähmungen, Intelligenzminderung et cetera): Gründliche ärztliche Diagnostik notwendig!

Frühkindliche Hirnschädigung

Ständige Besorgtheit; Minderwertigkeitsgefühle; Angst vor Ablehnung; Vermeidung von Angst bereitenden Situationen; eventuell Lern- und Kontaktschwierigkeiten: Gründliche ärztliche und (kinder-)psychiatrische Diagnostik notwendig!

Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

Stottern oder Verschlimmerung des Stotterns bei Wut, Aufregung, beim Schimpfen und in anderen Situationen

Unterdrückte Aggressionen

Warum stottern manche Kinder?

Es ist nicht genau bekannt, wie und warum Stottern entsteht. Derzeit gehen die Wissenschaftler davon aus, dass mehrere Faktoren dafür verantwortlich sind. Erbanlagen, Nervensystem und Psyche spielen hier vermutlich zusammen. Wahrscheinlich besteht zunächst eine Veranlagung zum Stottern, dann kommen weitere Faktoren hinzu, die das Stottern auslösen und aufrechterhalten.

Stottern kommt in manchen Familien besonders häufig vor. Das spricht dafür, dass eine erbliche Veranlagung besteht. Für eine erbliche Komponente spricht auch, dass Jungen und Männer wesentlich häufiger stottern als Mädchen und Frauen. Allerdings wird Stottern nicht direkt vererbt.

Stottern ist nur zum Teil Veranlagung

Vermutlich geben die Eltern eine entsprechende Veranlagung weiter. Diese Veranlagung kann zum Stottern führen, muss aber nicht. Trifft diese Veranlagung auf einen Auslöser für das Stottern, zum Beispiel eine Stresssituation, beginnt ein Kind möglicherweise zu stottern. Kommen weitere Bedingungen hinzu, die das Stottern aufrechterhalten, verfestigt sich die Sprechstörung.

So wahrscheinlich ist die Vererbung

Wissenschaftler schätzen, dass im Durchschnitt 70 bis 80 Prozent der Wahrscheinlichkeit, ob ein Kind stottert, genetisch bedingt sind, während Einflüsse aus der Umgebung etwa 20 bis 30 Prozent dazu beitragen.

Bei einigen stotternden Kindern können Mediziner auffällige organische Befunde im Gehirn finden. Dazu passt, dass etwa jedes fünfte Kind mit einer Hirnschädigung zu stottern anfängt.

Auch die aktuelle seelische Verfassung hat Einfluss darauf, wie stark jemand stottert. Dennoch ist Stottern keine psychische Störung, sondern ein körperlich bedingtes Phänomen.

Wie wird Stottern diagnostiziert?

Eltern, Erzieher im Kindergarten oder Lehrer liefern oft die ersten Hinweise auf eine mögliche Sprechstörung eines Kindes. Die Diagnose stellt dann meist ein Kinderarzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Logopäde (Logopädie = Sprachheilkunde).

Die Sprachfähigkeit eines Kindes hängt vom Alter und vom Entwicklungsstadium ab. Das muss der Arzt bei der Beurteilung berücksichtigen. Bei vielen Kindern im Alter zwischen dem drei und fünf Jahren ist es ganz normal, dass sie nicht flüssig sprechen. Das gibt sich meist von selbst.

Entwicklungsverzögerungen und Erkrankungen

Liegt beim Stottern eine echte Störung vor, prüft der Arzt, ob die Sinnesorgane richtig entwickelt sind, ob das Kind richtig hört und sieht und ob es auch in anderen Bereichen seinem Alter gemäß entwickelt ist. Ziel ist es auch, auszuschließen, dass eine Erkrankung die Ursache für die Sprechstörung ist.

Bei der Untersuchung verwenden Ärzte eine Reihe erprobter Methoden. Sie ermitteln die Sprechflüssigkeit und verwenden Fragebögen, um Befindlichkeiten, Emotionen und Einstellungen zu erfassen.

Behandlung von Stottern

Die Behandlung stotternder Kinder soll dabei helfen, dass sich die Kinder bestmöglich weiterentwickeln können. Wichtig ist, mit der Behandlung frühzeitig zu beginnen, frühestens aber ab einem Alter von zwei Jahren. Eine Altersbeschränkung nach oben gibt es jedoch nicht. Auch bei Erwachsenen kann eine Therapie gegen Stottern das flüssige Sprechen noch deutlich verbessern.

Außerdem sollten die Eltern eine umfassende Beratung erhalten. Gute Ansprechpartner sind der Kinderarzt und der Logopäde. Weitere Unterstützung bietet die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e. V.

Wenn Kinder stottern - der richtige Umgang

Auch ein verständnisvolles Umfeld ist wichtig: Das stotternde Kind soll immer ausreden können und merken, dass ihm alle geduldig zuhören!

Prinzipiell ist Stottern gut behandelbar, sodass die Kinder weniger unter ihrer Sprechstörung leiden. Dies bedeutet: Sie können wieder unbefangen sprechen. Auch für Erwachsene gibt es vielfältige, wirksame Behandlungsansätze zur Behandlung von Stottern. Häufig kommen verschiedene Behandlungsformen gegen das Stottern in Kombination zum Einsatz.

Wie Logopädie hilft gegen Stottern

Bei logopädischen Übungsbehandlungen muss der Stotternde verschiedene Sprechübungen mitmachen. Dabei soll er sich der Atmung, Rhythmik und Sprache bewusst werden und diese verändern. Dies kann auch in Kombination mit Entspannungsübungen wie autogenem Training oder progressiver Muskelentspannung nach Jacobson geschehen.

Die Verhaltenstherapie sieht das Stottern als eine erlernte Verhaltensweise an. Das bedeutet, dass der Stotternde diese Verhalten durch eine gezielte Therapie auch wieder verlernen kann.

Medikamente haben keinen Einfluss auf die Sprechstörung, können aber dazu dienen, Angst und Anspannung zu mildern.

Verlauf des Stotterns

Wie sich das Stottern bei Kindern weiterentwickelt, hängt stark davon ab, wann die Therapie beginnt. Je jünger ein Kind bei Behandlungsbeginn ist und je kürzer der Zeitraum, in dem es stottert, desto besser ist die Chance, dass die Sprechstörung wieder ganz aufhört. Mit zunehmender Dauer des Stotterns sinkt die Heilungswahrscheinlichkeit.

Etwa vier bis fünf Prozent der Schulkinder stottern in unterschiedlichem Ausmaß. Bei vielen Kindern verschwindet das Stottern spontan oder durch eine Therapie. Eine frühzeitige Behandlung kann bei etwa einem Drittel von ihnen das Stottern vollständig heilen. Bei einem zweiten Drittel verbessert sich die Symptomatik durch die Therapie erheblich, das letzte Drittel ist nur schwer beeinflussbar.

Auch eine späte Behandlung kann das Stottern positiv beeinflussen. Dann ist es noch immer möglich, das Stottern zu reduzieren oder doch so zu verändern, dass es die Betroffenen in ihrem Alltag nicht stört.

Lässt sich Stottern vorbeugen?

Um Stottern vorzubeugen, ist es hilfreich, mit Kindern viel zu sprechen und zu singen. Dabei wird die Sprache geschult. Vorlesen, Gespräche, Sprachspiele und Erzählen sind wichtig, um die Sprachentwicklung von Kindern zu fördern. Immer lässt sich Stottern, Stammeln oder Poltern dadurch aber nicht verhindern. Dann ist es wichtig, dass die Kinder rechtzeitig professionelle Hilfe bekommen.

Stottern im Erwachsenenalter

Erwachsene Stotternde wissen meist genau, was sie sagen möchten, schaffen es aber nicht, es störungsfrei herauszubringen. Das erzeugt einen hohen Leidensdruck. Vor allem Jugendliche und Erwachsene, die stottern, haben oft schon viele Therapieversuche hinter sich - ohne tiefgreifenden und anhaltenden Erfolg.

Therapie und Selbsttherapie können deutliche Veränderungen bewirken, um flüssig und unbeschwert zu sprechen. Dies ist nicht nur im frühen, sondern auch im späten Erwachsenenalter möglich. Dabei muss allerdings damit gerechnet werden, dass nicht jeder Veränderungsanlauf gleich zum gewünschten Ergebnis führt: Ein dauerhafter Erfolg ist meist das Ergebnis eines längeren Veränderungsprozesses beziehungsweise mehrerer Behandlungsversuche.

Teletherapie Stottern

Die Teletherapie hilft Stotternden, flüssig sprechen zu lernen - jetzt bundesweit über das Internet am heimischen Computer für Betroffene ab dreizehn Jahren.

Zusammen mit dem Institut der Kasseler Stottertherapie hat die Techniker ein Online-Konzept entwickelt, das auf dem Prinzip des "Fluency Shaping" - einer Veränderung der Sprechweise - basiert. Betroffene können die Therapie über eine Online-Plattform bequem von zu Hause aus nutzen: