Die Schizophrenie ist eine psychische Störung, bei der die Gedanken und Wahrnehmungen der Betroffenen verändert sind. Auch die Gefühle, die Sprache, das Erleben der eigenen Person und die Wahrnehmung der Umgebung weichen stark vom Erleben gesunder Menschen ab.

Die Bezeichnung Schizophrenie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt. Der aus dem Griechischen stammende Begriff setzt sich zusammen aus den Wortteilen schizo (= "spalten") und phren (= "Geist" oder "Psyche").

Eine Schizophrenie geht mit Problemen bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben sowie grundlegenden Veränderungen im Umgang mit anderen Menschen und im beruflichen Alltag einher. Anders als bei vielen anderen psychischen Problemen bemerken und akzeptieren die Betroffenen oft nicht, dass sie psychisch erkrankt sind.

Ungefähr ein Prozent der Bevölkerung erkrankt an einer Schizophrenie. Der Beginn der Schizophrenie liegt meist zwischen der Pubertät und dem 35. Lebensjahr. Daneben kommen Spätschizophrenien vor, die im Durchschnitt mit dem 50. Lebensjahr beginnen.

Wie äußert sich eine Schizophrenie?

Eine Schizophrenie beginnt in rund drei Viertel der Fälle mit einem Vorstadium, das mehrere Jahre andauern kann und sich erst später zum Vollbild der Schizophrenie entwickelt. Charakteristische Symptome im Vorstadium sind Störungen des Denkens, der Stimmung und des sozialen Verhaltens.

Die Symptome im Vollbild einer Schizophrenie können sehr unterschiedlich sein und praktisch alle psychischen Funktionen verändern. Insbesondere kommt es zu Störungen des Denkens und der Wahrnehmung. Dazu gehören Wahnerleben und Halluzinationen. Gleichzeitig entwickeln Betroffene oft ein verändertes Erleben der eigenen Person (Ich-Störung), Störungen des Gefühlslebens und Störungen der Körperkoordination.

  • Aufmerksamkeitsstörung: Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.
  • Denkstörungen: Der formale Denkablauf ist zusammenhanglos, zerfahren, unlogisch und oft nicht nachvollziehbar. Ohne erkennbaren Zusammenhang können Gedankengänge abbrechen oder schnell wechseln. Es kommt zu Wortneubildungen und -verschmelzungen. Außerdem leiden viele Betroffene unter Wahnvorstellungen: Sie beurteilen die Realität falsch und sind auch durch sinnvolle Argumente nicht von der Wirklichkeit zu überzeugen. Häufig fühlen sie sich von anderen Menschen, Institutionen oder einer höheren Macht beobachtet und verfolgt. Typisch ist auch das Gefühl der Bedrohung durch Strahlungen oder Gifte.
  • Ich-Störung: Von einer Ich-Störung spricht man, wenn der Betroffene nicht in der Lage ist, zwischen der eigenen Person und der Umwelt abzugrenzen. Er hat zum Beispiel das Gefühl, Gedanken von außen eingegeben oder entzogen zu bekommen.
  • Wahrnehmungsstörungen: Die Betroffenen haben Halluzinationen. Sie hören Stimmen oder Geräusche, ohne dass diese tatsächlich vorhanden sind. Diese Stimmen können über den Betroffenen reden, seine Handlungen kommentieren oder ihm Befehle erteilen. Gelegentlich nehmen schizophrene Menschen auch die eigenen Gedanken als laut gesprochene Worte wahr. Sie können Dinge riechen, fühlen oder sehen, die andere Menschen nicht wahrnehmen.
  • Störungen der Gefühle und des Antriebs: Die Stimmungslage passt nicht zur aktuellen Situation. Der Affekt ist unpassend. Der Patient erlebt gleichzeitig gegensätzliche Gefühle (Lachen-Weinen). Viele Schizophrenie-Patienten leiden auch unter Depressionen oder Apathie und sind nicht in der Lage, Lust oder Freude zu empfinden.
  • Körperkoordination: Der Bewegungsablauf eines Schizophrenie-Patienten kann deutlich von dem eines Gesunden abweichen. Es kommt zu übermäßigen oder stark reduzierten Körperbewegungen. Manche Patienten wiederholen immer wieder dieselbe Bewegung, andere erstarren mitten im Bewegungsablauf.

Oft besteht für den Betroffenen selbst kein Leidensdruck. Daraus kann folgen, dass er eine Behandlung für nicht notwendig erachtet. Aus den genannten Symptomen resultiert häufig ein Kreislauf aus Realitätsverlust, Identitätsverlust und Isolation. Der Umgang mit Angehörigen, Freunden oder Kollegen kann sehr problematisch werden, bis hin zum Verlust von Freundschaften und Beruf. Auch die Pflege der eigenen Person oder die Bewältigung der Alltagstätigkeiten sind oft beeinträchtigt.

Was sind die Ursachen der Erkrankung?

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft gehen Experten davon aus, dass verschiedene Aspekte zusammentreffen müssen, um eine Schizophrenie auszulösen.

  • Erbkomponente: Die Veranlagung zur Schizophrenie, nicht jedoch die Erkrankung selbst, scheint vererbbar zu sein.
  • Anfälligkeit: Möglicherweise besteht eine Anfälligkeit für die Entwicklung einer Schizophrenie, wenn eine vererbte Empfindlichkeit und bestimmte Erziehungsmuster bestehen.
  • Auslösende Faktoren: Zum Ausbruch der Erkrankung kommt es allerdings erst, wenn Lebensereignisse hinzukommen, die der Betroffene nicht mehr bewältigen kann. Auch Drogenkonsum kann ein Auslöser der Schizophrenie sein. Häufig müssen mehrere Faktoren zusammenwirken.
  • Veränderungen der Hirnstruktur: In den Gehirnen schizophrener Menschen fand man Veränderungen. Inwieweit diese Veränderungen in einem direkten Zusammenhang mit der Schizophrenie stehen, ist noch nicht abschließend geklärt.
  • Botenstoffe: Eine zentrale Rolle scheint ein bestimmter Botenstoff im Gehirn zu spielen. Botenstoffe übertragen Signale von einer Nervenzelle zur anderen. Bei schizophrenen Menschen kann man einen Überschuss des Botenstoffes Dopamin nachweisen. Auch andere Botenstoffsysteme (zum Beispiel das Serotonin-System) scheinen an der Erkrankung beteiligt zu sein.

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

Voraussetzung für die Diagnose einer Schizophrenie ist, dass die beschriebenen Symptome vier Wochen oder länger bestehen.

Diese erfragt der Arzt im Rahmen eines ausführlichen Gesprächs. Manche Symptome nehmen die Betroffenen selbst nicht wahr. Hierzu können oft Angehörige oder andere Bezugspersonen Auskunft geben.

Zusatzuntersuchungen sind wichtig, um Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, wie etwa eine bestimmte Stoffwechselerkrankung oder Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Wie wird eine Schizophrenie behandelt?

Behandlungsziel ist der von Krankheitssymptomen weitgehend freie, zu selbstbestimmter Lebensführung fähige Patient. 

Hierfür erstellen alle am Behandlungsprozess Beteiligten einen Gesamtbehandlungsplan.

Zu Beginn wird ein individuelles gesamttherapeutisches Konzept erstellt. Im Mittelpunkt steht die medikamentöse Behandlung mit sogenannten Neuroleptika. Diese Medikamente gleichen das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn aus. Man unterscheidet die Behandlung der akuten Phase von langfristigen Behandlungsmaßnahmen, die insbesondere dem Schutz vor weiteren akuten Schüben dienen. Die zweite Säule der Therapie ist Psychotherapie. Sie trägt zur Stärkung der Persönlichkeit bei. Hier können Patienten Selbsthilfestrategien entwickeln und soziale Fertigkeiten trainieren. Auch eine Selbsthilfegruppe kann langfristig stabilisierend wirken. 

Da die Schizophrenie nicht selten mit einer mangelnden Krankheitseinsicht der Betroffenen einhergeht, ist eine Behandlung häufig gerade in der Akutphase schwierig.

Psychotherapie

Die Psychotherapie sollte sich an den Ressourcen des Erkrankten orientieren, sein Selbstwertgefühl stabilisieren und ihm dabei helfen, Stress und Alltagsprobleme zu bewältigen. Im Rahmen einer Therapie können auch Familienmitglieder einbezogen werden, um vor allem die bestehenden Kommunikationsmuster zu betrachten und gegebenenfalls zu verändern. Dadurch lassen sich die Rückfallraten deutlich senken.

Eine Soziotherapie kann für den Patienten hilfreich sein, den Alltag (beruflich und privat) besser zu bewältigen. Durch stufenweises Training können die Betroffenen verlorene Fähigkeiten wieder erlernen.

Was können Angehörige tun?

Angehörige eines Patienten mit Schizophrenie sind von der Erkrankung mitbetroffen. Gleichzeitig sind sie langfristig die wichtigste Quelle der sozialen Unterstützung für ihn. Wenn möglich, sollten sie sich während aller Phasen der Erkrankung in die Behandlung einbeziehen lassen. Zur Senkung der Rückfallwahrscheinlichkeit gibt es Programme zur Familienbetreuung. Betroffene und ihre Bezugspersonen nehmen hier - insbesondere nach einem Rückfall oder bei erhöhtem Rückfallrisiko - gemeinsam an einer Reihe von Familiengesprächen teil. 

Die Erkrankung verändert nicht nur das Leben des Betroffenen selbst. Angehörige stehen anfangs oft hilflos vor der Diagnose und haben viele Fragen. Sie sollten frühzeitig professionelle Hilfe und Unterstützung suchen. Rat und Hilfe bieten beispielsweise Selbsthilfegruppen für Angehörige psychisch Erkrankter. 

 Tipps für Angehörige

  • Bleiben Sie im Kontakt, auch wenn der Betroffene sich zurückzieht.
  • Gehen Sie aktiv auf den Erkrankten zu: Zeigen Sie Verständnis, bieten Sie Unterstützung an (Alltag gestalten, Medikamente einnehmen usw.), begleiten Sie ihn zu Arztbesuchen.
  • Eine positive Atmosphäre, ein offener Umgang und viel Verständnis wirken sich günstig auf den weiteren Krankheitsverlauf aus.
  • Zögern Sie nicht, bei Bedarf selbst Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Wie verläuft die Erkrankung?

Schizophrenie ist bisher nicht heilbar. Die Behandlung kann jedoch Symptome wirksam abmildern und neuen Erkrankungsschüben vorbeugen. Die Behandlung der ersten Schizophrenie-Episode führt bei etwa 20 bis 25 Prozent der Betroffenen zu einer völligen Wiederherstellung ihrer psychischen Gesundheit. Bei später behandelten Patienten ist die Rückfallquote höher.

Viele Betroffene leiden dauerhaft unter Beeinträchtigungen im Denken und in der Kommunikation. Die Bewältigung des sozialen und beruflichen Lebens fällt ihnen oft schwer. Etwa 70 Prozent der Schizophrenie-Patienten sind daher nicht oder nur eingeschränkt erwerbsfähig. Deshalb ist es wichtig, dass die Betroffenen bei Bedarf frühzeitig an berufsfördernden Maßnahmen, Umschulungen oder Maßnahmen zur Integration teilnehmen können.