3.300 Nichtraucher sterben in Deutschland pro Jahr durch Passivrauchen. Weltweit sind es sogar mehr als 600.000 Tote, darunter 165.000 Kinder. Sie sterben, weil sie sich dem Qualm der anderen nicht entziehen können. 

Tabakrauch in Innenräumen ist eine Gesundheitsgefährdung mit Todesfolgen, so Studienergebnisse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) von 2005. "Passivrauch enthält giftige Substanzen wie Blausäure, Ammoniak und Kohlenmonoxid, aber auch eine Vielzahl krebserregender Stoffe“, stellt die Herausgeberin der Publikation Doktor Martina Pötschke-Langer fest. Auch kleinste Belastungen könnten zur Entwicklung von Tumoren beitragen.

Skandinavische Ärzte um Annette Prüss-Ustün von der Weltgesundheitsorganisation, die 2010 erstmals die weltweiten Schäden durch das Passivrauchen ermittelten, bestätigen die Gefährlichkeit des Passivrauchens: "Besonders Kinder können Passivrauch nicht aus dem Weg gehen, sie leiden mit Abstand am stärksten", so Prüss-Ustün. Atmen Kinder Rauch ein, schwäche dies ihr Immunsystem und beeinträchtige die Flimmerhärchen in den Bronchien, sodass sie sich schlecht gegen Keime wehren können. Lungenentzündungen und anderen Infektionen der Atemwege seien die Folge. Zudem wirken Giftstoffe im Qualm toxisch auf die Lunge und andere Gewebe.

Koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Lungenkrebs sind tödliche Folgen

Passivrauch ist auch mitverantwortlich für die Entwicklung chronischer Krankheiten mit Todesfolge. "Durch Passivrauchen versterben jährlich schätzungsweise 2.140 Nichtraucher an einer koronaren Herzkrankheit, 770 Nichtraucher an Schlaganfall, 50 Nichtraucher an chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen und 260 Nichtraucher an Lungenkrebs. Etwa 60 Säuglinge versterben jährlich durch Passivrauch im Haushalt sowie durch vorgeburtliche Schadstoffbelastungen, weil die Mutter während der Schwangerschaft rauchte“, erklären die Epidemiologen Professor Ulrich Keil von der Universität Münster und Professor Heiko Becher von der Universität Heidelberg, Koautoren der DKFZ-Studie.

Beide Epidemiologen betonen: "An den Folgen des Passivrauchens versterben in Deutschland derzeit jährlich vermutlich mehr als 3.300 Nichtraucher, das sind mehr Todesfälle als gegenwärtig pro Jahr in Deutschland durch illegale Drogen, Asbest, BSE und SARS zusammen.“

Das Ausmaß der Tabakrauchbelastung in Deutschland sei beträchtlich, so die Autoren in ihrem Buch: Über 170.000 Neugeborene jährlich werden bereits im Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt, schätzungsweise über acht Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher.

In der erwachsenen Bevölkerung werden mehr als 35 Millionen Nichtraucher zu Hause, am Arbeitsplatz oder in ihrer Freizeit mit den Schadstoffen des Passivrauchs belastet. Allein am Arbeitsplatz sind noch immer etwa 8,5 Millionen Nichtraucher dem Passivrauch ausgesetzt.

Die Publikation "Passivrauchen ein unterschätztes Gesundheitsrisiko" und weitere Informationen zum Passivrauchen sind zu finden auf der Internetseite des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ):

Der Giftcocktail: Arsen, Blausäure, Formaldehyd

Zigarettenrauch ist ein chemischer Cocktail aus über 4.800 verschiedenen Stoffen, mindestens 250 davon sind giftig oder krebserregend.

Zigarettenrauch enthält unter anderem Teer, die Gifte Blausäure, Ammoniak und Kohlenmonoxid sowie krebserregende (kanzerogene) Substanzen wie Arsen, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, N-Nitrosamine und Formaldehyd.

Diese Stoffe nehmen nicht nur die Raucher selbst, sondern auch Nichtraucher auf, wenn sie sich in der Umgebung von Rauchern befinden. Passivrauch besteht zum einen aus den Bestandteilen des Zigaretten- oder Hauptstromrauchs, die der Raucher wieder ausatmet, und dem Rauch der glimmenden Zigarette, dem Nebenstromrauch. Neben- und Hauptstromrauch enthalten prinzipiell ähnliche Substanzen, der Unterschied liegt lediglich in der Konzentration bestimmter Stoffe.

Passivrauch ist stark belastet

Im Allgemeinen enthält der Nebenstromrauch die schädigenden Substanzen in höheren Mengen als der Hauptstromrauch. So liegt die Konzentration des kanzerogenen Formaldehyds im Nebenstromrauch um etwa das Sechs- bis Achtfache höher als im Hauptstromrauch. Die krebserregende Stickstoffverbindung N-Nitrosodimethylamin kommt im Nebenstromrauch sogar um den Faktor 20 bis 100 häufiger vor.

Die Folgen für Kinder

Leben Kinder in einem Raucherhaushalt, sind sie den giftigen und krebserregenden Substanzen im Tabakrauch bereits frühzeitig ausgesetzt. Passivrauchen gefährdet kleine Kinder besonders. Ihre körperliche Entwicklung ist bei Weitem noch nicht ausgereift, sodass ihr Körper anfälliger für die Giftstoffe des Zigarettenrauchs ist.

Außerdem atmen Kleinkinder in Relation zu ihrem Körpergewicht mehr Luft ein als Erwachsene, mit der Folge, dass sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht deutlich mehr giftige Substanzen aufnehmen.

Akute Folgereaktionen können Atembeschwerden, Kopfschmerzen und Schwindel sein.

Passivrauchen kann bereits im Kindesalter das Herz-Kreislauf-System nachhaltig beeinträchtigen. Folgen sind Sauerstoffmangel, Gefäßschäden und eine reduzierte Leistungsfähigkeit des Körpers.

Besonders schädlich ist Passivrauchen für die Atemwege von Kindern und Säuglingen. Diese erkranken umso häufiger an Entzündungen der Atemwege und der Lunge, je mehr Zigaretten in ihrer Umgebung geraucht werden. Ihre Lungenfunktion ist beeinträchtigt und asthmatische Beschwerden können die Folge sein.

Passivrauchen verringert die Denkleistung von Kindern

Passivrauchen kann bereits in sehr geringen Dosen die Denkleistung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen. Besonders stark betroffen sind demnach die Lese- und Rechenfähigkeit sowie das logische Denkvermögen.

Ein Team von US-Medizinern hat mehr als 4.000 Kinder im Alter von sechs bis sechzehn Jahren untersucht, die in ihrem Alltag Tabakrauch indirekt ausgesetzt sind.

Um die Nikotin-Belastung zu messen, untersuchten die Forscher den Cotinin-Spiegel im Blut der Kinder. Cotinin entsteht, wenn der Körper Nikotin abbaut. Die Substanz lässt sich unter anderem in Urin, Blut und Speichel nachweisen. Die Wissenschaftler konnten belegen, dass die Denkleistungen der Kinder nachließen, wenn der Cotinin-Spiegel im Blut zunahm.

Um den Zusammenhang deutlich zu machen, legten die Forscher den Kindern standardisierte Lese- und Rechenaufgaben vor. Im Durchschnitt erreichten die Kinder bei diesen Aufgaben 100 Punkte. Schon eine minimale Rauchbelastung verminderte jedoch die Leistung beim Lesen um drei und die Rechenleistung um zwei Punkte. Ähnlich verhielt es sich beim logischen Denken und Argumentieren. Auch hier sanken die Fähigkeiten der Kinder proportional zur Cotinin-Belastung.

Mehr Karies

Passivrauchen während der Stillzeit und im Kindesalter fördert zudem, laut dem Informationskreis Mundhygiene und Ernährungsverhalten (IME) in Frankfurt, Karies, weil der Rauch bereits die Milchzähne angreift. Den Milchzähnen der Kleinen solle aber eine hohe Aufmerksamkeit zukommen. Nur wenn es gelinge, diese gesund zu erhalten, können sich auch die bleibenden Zähne optimal entwickeln.

Rauchen schädigt das ungeborene Kind

Raucht die werdende Mutter während der Schwangerschaft, gibt es für das ungeborene Kind kein Entrinnen vor den schädlichen Folgen des Nikotinkonsums. Die Giftstoffe erreichen über die kindliche Blutversorgung das Ungeborene und können dort ihre schädliche Wirkung entfalten. Damit steigt das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, Fehl- und Totgeburten sowie für Erkrankungen der Kinder.

So verringern rauchende Mütter ungewollt zum Beispiel die Durchmesser der kindlichen Blutgefäße, was den Blutfluss erschwert. Darüber hinaus kann das aus dem Zigarettenrauch eingeatmete Kohlenmonoxid zu einer Sauerstoffunterversorgung führen. Beide Nebenwirkungen können die körperliche Entwicklung des werdenden Kindes nachhaltig beeinträchtigen.

Geringeres Geburtsgewicht und kleinerer Kopfumfang

Rauchen während der Schwangerschaft beeinflusst dementsprechend auch das Längenwachstum der Kinder im Mutterleib ungünstig. Kinder von Raucherinnen haben ein um bis zu 250 Gramm geringeres Geburtsgewicht und einen geringeren Kopfumfang als Kinder von Nichtraucherinnen.

Verminderte Lungenfunktion

Als Folge des Rauchens wird zudem die vorgeburtliche Entwicklung der Lunge beeinträchtigt, sodass eine verminderte Lungenfunktion bei den Neugeborenen nachweisbar ist. Darüber hinaus nimmt das Risiko für den plötzlichen Kindstod deutlich zu, wenn die Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben.

Außerdem haben die betroffenen Kinder ein erhöhtes Risiko für Gesichtsspalten, Übergewicht, erhöhten Blutdruck und Verhaltensauffälligkeiten. Zudem sind Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft geraucht haben, später häufiger selbst tabakabhängig.

Rauchverzicht in der Schwangerschaft dringend notwendig

Die negativen Folgen des Rauchens sind für die Entwicklung des ungeborenen Kindes gravierend. Deshalb sollten Frauen während der Schwangerschaft unbedingt auf das Rauchen verzichten. Auch im ersten Schwangerschaftsdrittel lohnt sich ein Rauchstopp noch. Dadurch lassen sich viele Schäden verhindern. Auch Partner sollten das Rauchen aufgeben, denn Passivrauchen der Mutter gefährdet das ungeborene Kind ebenfalls.

Worauf Sie achten sollten

Die Gesundheit des eigenen Kindes ist ein guter Grund mit dem Rauchen aufzuhören.

Gelingt Ihnen das nicht, sollten Sie einige wichtige Punkte beherzigen, um Ihr Kind zu schützen:

  • Machen Sie Ihre Wohnung zu einem rauchfreien Raum. Weisen Sie auch Ihre Gäste darauf hin.
  • Rauchen Sie auf keinem Fall im Auto. Die Konzentration der Tabakgifte in einem verrauchten Auto ist besonders hoch.
  • Verzichten Sie Ihrem Kind zuliebe auch auf den gemeinsamen Besuch von Raucherräumen in Gaststätten oder ähnlichen Einrichtungen.
  • Bitten Sie Großeltern, Babysitter und andere Bezugspersonen Ihres Kindes, nicht in Anwesenheit des Kindes zu rauchen. 

Rauchen auf dem Balkon: Hilft nur bedingt

"Zum Rauchen gehe ich immer auf den Balkon“ - dieses Verhalten schützt den Nachwuchs nur bedingt.

Kinder von Rauchern haben einer schwedischen Studie zufolge auch dann überdurchschnittlich viel Nikotin im Körper, wenn ihre Eltern Tabak nur außerhalb der eigenen vier Wände konsumieren. Laut dem Schwedischen Forschungsrat in Stockholm haben Kleinkinder von Rauchern, die ausschließlich draußen vor verschlossenen Türen und Fenstern rauchen, doppelt so viel Reststoffe von Nikotin im Körper wie Kinder von Nichtrauchern. Rauchen die Eltern in Gegenwart der Kinder, so ist die Menge sogar 15-mal so hoch. Vermutlich gelangt das Nikotin noch durch Kleidung und Haare der Raucher zu den Kindern.