Verlieren die oberflächlichen Venen ihre Spannkraft, erscheinen sie als bläuliche Schlängelungen oder Knötchen unter der Haut - sogenannte Krampfadern oder Varizen. Die bläuliche Landkarte zeichnet sich besonders häufig an den Beinen. Varizen können aber auch an anderen Körperstellen auftreten, zum Beispiel im Bereich der Speiseröhre.

Wenn Krampfadern zum Problem werden

Bereits die harmlosen Besenreiser empfinden viele Betroffene als kosmetisch störend. Allerdings geht es bei einem Venenleiden nicht allein um Schönheit: Im fortgeschrittenem Stadium werden Krampfadern zum medizinischem Problem und verursachen weitere Beschwerden: geschwollene Füße (Ödeme), schmerzende Beine oder Hautgeschwüre (Ulzerationen).  

So funktioniert unser Venensystem

Unsere Venen transportieren jeden Tag etwa 7.000 Liter sauerstoffarmes Blut aus den Gefäßen zum Herzen zurück. Dabei leisten Beinvenen Schwerstarbeit, denn das Blut muss gegen die Schwerkraft zum Herzen gelangen. Ein natürlicher Antrieb für den Blutfluss ist die Atmung, das Herz und die Fuß- und Beinmuskulatur. Die Anspannung der Beinmuskulatur drückt die Beinvenen zusammen, sodass das Blut gegen die Schwerkraft in Richtung Herz gepresst wird. Dutzende Venenklappen verhindern wie ein Rückschlagventil, dass das Blut bei der Entspannung der Muskulatur nicht wieder nach unten zurückfällt.

Wenn das Beförderungssystem nicht mehr richtig funktioniert, zum Beispiel durch den Verlust der Spannkraft in den Venenwänden, führt das zu Aussackungen in den oberflächlichen Venen: Krampfadern entstehen. 

Wann werden Krampfadern zum Problem?

Im Anfangsstadium verursachen Krampfadern in der Regel keine Symptome. Besonders die sehr feinen Besenreiser sind ungefährlich. Sie zeigen sich als harmlose rote, blaue oder violette Äderchen unter der Haut.

Krampfadern treten zunächst mit einem Spannungs- und Schweregefühl in den Beinen auf. Nach langem Stehen oder Sitzen schmerzen die Beine. Besonders am Abend und bei warmen Temperaturen verstärken sich diese Beschwerden.

Venenschwäche bleibt nicht ohne Folgen

Je länger der Blutstau in den Venen anhält, desto strapazierter und durchlässiger werden die Gefäßwände: Wasseransammlungen, sogenannte Ödeme, in den Füßen und Beinen entstehen.  Die chronische Stauung des Blutes verursacht außerdem rötliche, juckende Hautveränderungen (Stauungsdermatitis, Stauungsekzem).

Bei anhaltendem Blutstau wird das umliegende Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Geschwüre (Ulzera) können die Folge kleiner Hautverletzungen sein. Die schlechte Durchblutung sorgt für eine sehr langsame Wundheilung. Im fortgeschrittenen Stadium stirbt das Gewebe völlig ab. Die Folge sind "offene Beine" (Ulcus cruris). Die Geschwüre müssen jetzt kontinuierlich von einem Arzt versorgt werden, um eine Ausbreitung von Bakterien zu verhindern.

Venenentzündung (Phlebitis)

Patienten mit Krampfadern leiden manchmal unter einer Entzündung der oberflächlichen Venen - einer Phlebitis. An der entzündeten Gefäßwand bilden sich sehr schnell Blutgerinnsel, die ein größeres Blutgefäß der Beine verstopfen (Thrombose). Das Blutgerinnsel kann außerdem mit dem Blutstrom in den Lungenkreislauf gelangen - es entsteht eine lebensgefährliche Lungenembolie.

Risiko: Warum entstehen Krampfadern?

70 Prozent aller Krampfadern entstehen ohne bekannte Ursache. Mediziner sprechen von "primären Krampfadern". Es gibt einige Risiken, die das Venenleiden begünstigen: Bewegungsmangel, hohes Alter, Fettleibigkeit (Adipositas) und Rauchen schaden den Venen.

  • Übergewicht: Zuviel Gewicht belastet die Beine und damit auch die Beinvenen.
  • Schwangerschaft: Das Schwangerschaftshormon Progesteron weitet die Blutgefäße, die Venenwände sind weniger elastisch. Außerdem transportieren die Gefäße während der Schwangerschaft mehr Blut - eine zusätzliche Belastung der Venen.
  • Hormone: Weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) schwächen das Bindegewebe - Krampfadern treten daher bei Frauen häufiger auf. Auch die Einnahme der Anti-Baby-Pille setzt Hormone frei, die eine Bindegewebsschwäche begünstigen können.
  • Mangelnde Bewegung: Körperliche Aktivität und Bewegung in den Beinen aktiviert die Muskelpumpe. Die Venen können das Blut schneller zum Herzen pumpen. Bei langem Stehen oder Sitzen erschlafft die Muskelpumpe, und das Blut staut sich in den Venen. Häufiges Sitzen und wenig Sport kann daher die Bildung von Krampfadern begünstigen.
  • Vererbung: Der Einfluss erblicher Risikofaktoren ist umstritten: Deutsche Wissenschaftler haben im Jahr 2012 gezeigt, dass Krampfadern seltener vererbt werden, als bisher angenommen: lediglich bei 17,2 Prozent der 2.700 untersuchten Patienten konnte eine genetische Ursache der Krampfadern nachgewiesen werden. Andere Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Übergewicht oder hormonelle Veränderungen durch eine Schwangerschaft überwiegen als Ursachen mit 82,8 Prozent. Das Ergebnis zeigt: Nur jede sechste Venenerkrankung ist genetisch bedingt. Die deutsche Gesellschaft für Gefäßmedizin stuft das Risiko erblicher Einflussfaktoren dagegen höher ein: Leidet ein Elternteil an Krampfadern, besteht ein zweifach erhöhtes Risiko, selbst Krampfadern zu bekommen.
  • Alter: Fast jeder Mensch über 70 Jahre hat Krampfadern. Verglichen mit 18- bis 29-Jährigen ist das Risiko von 70- bis 79-Jährigen mindestens zwölfmal so hoch.

 Wie entsteht ein dauerhafter Venenschaden?

Sekundären Krampfadern entstehen durch eine erworbene Abflussbehinderung der Venen - zum Beispiel nach einer Beinvenenthrombose, also nachdem ein Blutgerinnsel eine tiefe Beinvene verschlossen hat.  Das Blut wird in den Venen so stark gestaut, dass der zunehmende Druck die Venenklappen oft langfristig schädigt. 

 Diagnose: Ein Blick auf die Gefäße

Der richtige Ansprechpartner für die Behandlung von Varizen ist ein Facharzt für Gefäßchirurgie oder Phlebologie. In einer ersten Untersuchung fragt der Arzt nach Ihren Beschwerden und Vorerkrankungen (Anamnese). Während der körperlichen Untersuchung vergleicht er beide Beine und Füße, um Krampfadern, Schwellungen, Hautverfärbungen oder Geschwüre zu erkennen.

Eine Ultraschall-Untersuchung (Duplexsonografie) und eine Röntgen-Untersuchung der Gefäße (Phlebografie) zeigen den Blutfluss in den Venen und einen möglichen Verschluss der Venenklappen.

Behandlung: Das können Sie selbst tun!

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Gesundheit der Beinvenen zu verbessern und weiteren Krampfadern vorzubeugen: Körperliche Aktivität, Wechselduschen, hochlegen der Beine und extreme Wärme vermeiden - Starten sie ihr eigenes Vorsorgeprogramm.

  • Bewegung im Alltag: Sport ist ein Freund Ihrer Venen - vor allem Schwimmen, Wandern oder Walking und Radfahren tun Ihren Venen gut. Bewegung fördert den Rücktransporttransport des venösen Blutes zum Herzen.
  • Hochlagern der Beine: Lagern Sie Ihre Beine in der Nacht etwas höher, dies erleichtert den Transport des Blutes aus den Beinen in Richtung Herz. Die Hochlagerung lindert Schmerzen und Spannungsgefühle in den Beinen. 
  • Vermeiden von Hitze: Extreme Hitze an heißen Sommertagen weiten die Beinvenen. Das Blut wird nicht mehr ausreichend zum Herzen transportiert und versackt in den Beinen. Patienten leiden unter dicken, geschwollenen Beinen. Meiden Sie extreme Hitze und Saunabesuche.
  • Wechselduschen: Unter der Dusche können Sie die Beine wechselnd kalt und heiß abbrausen. Das kalte Wasser bewirkt ein Zusammenziehen der Krampfadern, während das heiße Wasser eine Erweiterung der Blutgefäße herbeiführt. Wechselduschen helfen besonders gegen eine Schwellung der Beine. 

Therapie der ersten Wahl: Kompressionsstrümpfe

Kompressionsstrümpfe üben einen starken Druck auf die Beine aus. Das Ziel der Kompression liegt darin, den Durchmesser der Venen zu verringern; dies erleichtert den Blutfluss zurück zum Herzen. Außerdem schließen die Venenklappen besser. Die Strümpfe wirken auch einer Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödeme) entgegen.

Wie wirkt die Kompression?

Ein Kompressionsstrumpf übt den größten Druck im Bereich der Knöchel aus. Richtung Knie und Oberschenkel nimmt der Druck wieder ab, damit das Blut ungehindert Richtung Herz fließen kann.

Bei Krampfadern sollten die Kompressionsstrümpfe exakt passen. Im Fachhandel werden Ihre Beine daher am Vormittag ausgemessen, wenn die Beine noch nicht geschwollen sind. Die Strümpfe sind in unterschiedlichen Kompressionsklassen erhältlich (Klasse I bis IV). Je nach Lage der Krampfadern reichen die Kompressionsstrümpfe bis zur Wade, über das Knie oder bis zum Oberschenkel. Die Strümpfe sollten nach etwa sechs Monaten ausgetauscht werden. Hierfür erhalten Sie ein Rezept von Ihrem Arzt.

Naturheilkunde umstritten

Medikamente gegen Krampfadern gibt es nicht. Es werden allerdings zahlreiche Präparate auf dem Markt angeboten, die einen schützenden oder lindernden Effekt versprechen. Verschiedenen Heilpflanzen wie Rosskastanie, Mäusedorn oder Steinklee beugen möglicherweise Ödemen vor, indem sie die Gefäßwände verdichten. Ob diese natürlichen Präparate helfen, ist bisher nicht untersucht.

Salben oder Gele haben eine kühlende Wirkung. Eine zusätzliche Massage wird als sehr angenehm empfunden; sie lindert müde und schwere Beine.

Varizen entfernen - welche Methode ist die richtige?

Sie haben sich entschieden Ihre Krampfadern entfernen zu lassen, dann sollten Sie einen Facharzt für Phlebologie oder Gefäßchirurgie aufsuchen. Er kann die Varizen durch unterschiedliche operative Verfahren entfernen. Notwendig ist ein solcher Eingriff, wenn die Venen durch die Blutstauung stark ausgesackt sind und nicht mehr richtig funktionieren.

Kleine Eingriffe, die Krampfadern lindern

  • Verödung (Sklerosierung): Der Arzt spritzt ein Verödungsmittel in die Vene, dies löst eine Venenentzündung aus. Die Venenwände verkleben miteinander und vernarben. Die verschlossene Krampfader wird nicht weiter durchblutet, benachbarte Venen übernehmen die Funktion und pumpen das Blut in Richtung Herz. Die Sklerotherapie kommt vor allem bei kleinen oder mittelgroßen oberflächlichen Krampfadern infrage. Nach dem Eingriff tragen die Patienten für einige Tage Kompressionsstrümpfe. Leidet der Patient unter Durchblutungsstörungen in den Arterien oder Hautveränderungen (Ekzeme) im Operationsbereich, darf dieses Verfahren nicht durchgeführt werden.
  • Lasertherapie: Der Arzt setzt einen kleinen Schnitt im Bein und führt - unter Ultraschallkontrolle - eine  Lasersonde in die Krampfader. Der Laser erhitzt die Vene bis sie versiegelt ist. Die Laserbehandlung eignet sich besonders für gerade verlaufende, weniger stark ausgeprägte Varizen. Die Patienten tragen nach dem Eingriff für etwa vier Wochen Kompressionsstrümpfe, um eine Schwellungen und die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.
  • Radiowellentherapie: Ähnlich wie bei der Lasertherapie führt Hitze zum Verschluss der Krampfader. Der Arzt führt eine dünne Sonde in die Krampfader. Radiowellen erhitzen die Vene bis sie verschlossen ist. Auch hier tragen Patienten anschließend einen Kompressionsstrumpf.

Operation der Krampfadern

  • Venen-Stripping: Bei einem Stripping oder Teilstripping werden die komplette Krampfader oder nur die krankhaften Gefäßabschnitte entfernt. Der Arzt schiebt eine kleine Sonde in die betroffene Vene und durchsticht die Venenwand am Ende der Krampfader. Das Gefäß wird anschließend durchtrennt und herausgezogen. Nach dem Eingriff sollte der Patient vier Wochen lang Kompressionsstrümpfe tragen, um eine Schwellung und die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.
  • CHIVA-Methode: CHIVA ist eine französische Abkürzung und steht für "den Blutfluss korrigierende, venenerhaltende, ambulante Behandlung von Krampfadern". Der Arzt bindet die kranken Venenabschnitte in einem kleinen chirurgischen Eingriff ab. Die Krampfader bildet sich mit der Zeit von alleine zurück. Um die Rückbildung zu beschleunigen, tragen die Patienten nach dem Eingriff Kompressionsstrümpfe. Bei stark ausgeprägten Krampfadern wird diese Methode nicht empfohlen.
  • Externe Valvuloplastie (EVP): Der Arzt setzt einen Schnitt im Bereich der Leiste und stülpt eine kleine Manschette aus Polyester von außen über die erweiterte Vene. Durch den verkleinerten Durchmesser können die Venenklappen besser schließen. Der Eingriff eignet sich nur für eine beginnende Erkrankung der Stammvenen, aber nicht für fortgeschrittene Stadien von Krampfadern.
  • Phlebektomie: Der Arzt setzt mehrere, wenige Millimeter kleine Schnitte entlang der betroffenen Vene. Über den Schnitt wird die Vene mit Hilfe eines kleinen Häkchens herausgezogen. Dieses Verfahren wird vor allem bei kleineren Venen eingesetzt - etwa den Seitenästen größerer Venen.
  • Trivex-Verfahren: Der Arzt führt ein kleines rotierendes Messer in die Vene, um sie zu zerschneiden und das Gewebe anschließend abzusaugen. Die Vene wird von außen durch die Haut beleuchtet und ist für den Arzt so besser sichtbar. Dieser Eingriff ist für Patienten geeignet, deren "große Rosenader" (Vena saphena magna) gesund ist. Das Trivex-Verfahren ist eine neue Methode, um Krampfadern zu entfernen.

Das sollten Sie bei Krampfadern beachten: 

Nicht jede Methode ist für jede Form von Varizen geeignet! Sprechen Sie mit einem Facharzt über die unterschiedlichen Operationsverfahren sowie mögliche Risiken und Nebenwirkungen der Eingriffe. Informieren Sie sich außerdem über den langfristigen Erfolg dieser Verfahren. Erkundigen Sie sich auch bei Ihrer Techniker, für welche Verfahren die Kosten übernommen werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Entfernung von Krampfadern ist in der Regel ein kleiner chirurgischer Eingriff. Dennoch können Nachblutungen und Schwellungen der Beine durch die Ansammlung von Flüssigkeit entstehen. Die Patienten sollten nach dem Eingriff Kompressionsstrümpfe tragen. Legen Sie Ihre Beine hoch, dies stärkt den Blutfluss.

Wichtig zu wissen:

Auch nach der Entfernung von Varizen können neue Krampfadern entstehen. Werden Sie selbst aktiv und beugen sie neuen Krampfadern vor! In der Regel ist es möglich, Varizen ambulant zu entfernen, nur selten ist ein Klinikaufenthalt über Nacht erforderlich. Es kann bis zu drei Wochen dauern, bis Schwellungen zurückgehen und die Narben verheilt sind.