Bei anhaltender Schädigung kommt es zu einer Verhärtung, Vernarbung und Schrumpfung der Leber. Diesen Zustand bezeichnet man als Zirrhose. Folge ist, dass die Leber ihre Entgiftungs- und Synthesefunktion nur noch unzureichend erfüllen kann.

Welche Aufgaben hat die Leber?

Die Leber ist das zentrale Verdauungs- und Stoffwechselorgan des Körpers. Im Magen und Dünndarm wird die aufgenommene Nahrung in ihre verwertbaren Bestandteile zerlegt und vom Blut aufgenommen. Das Blut fließt dann von den Verdauungsorganen durch die Pfortader zur Leber. Diese verarbeitet die mit dem Blut aufgenommenen Nährstoffe wie Glukose (Zucker) oder Triglyzeride (Fette). Daneben produziert die Leber Gallenflüssigkeit, die vor allem für die Fettverdauung im Dünndarm wichtig ist.

Die Leberzellen, die das funktionstüchtige Lebergewebe bilden, sind eine Art Filterstation des Körpers. Substanzen, die für den Körper giftig wirken, können beseitigt oder umgebaut werden, sodass sie entweder mit dem Blut über die Nieren oder auch direkt mit der Gallenflüssigkeit über den Darm ausgeschieden werden.

Was sind die Ursachen einer Leberzirrhose?

Die häufigste Ursache für eine Leberzirrhose stellt mit etwa 60 Prozent der Alkohol dar. Eine chronische Entzündung der Leber, die sogenannte Hepatitis, die meist durch Viren hervorgerufen wird (Virushepatitis B, C, D), spielt mit etwa 30 Prozent eine geringere Rolle.

Eher seltene Ursachen sind angeborene Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel die Eisenspeicherkrankheit namens Hämochromatose, Morbus Wilson mit gestörter Kupferausscheidung oder Mukoviszidose, die mit vermehrter Schleimbildung einhergeht. Auch Erkrankungen, die einen Gallenstau in der Leber verursachen, können die Zerstörung des Lebergewebes und so einen zirrhotischen Umbau hervorrufen.

Ebenfalls selten tritt eine Leberzirrhose in der Folge von Gefäßerkrankungen, zum Beispiel bei Blutgerinnseln in den Lebervenen oder nach der Einnahme beziehungsweise nach Kontakt mit bestimmten Medikamenten, Chemikalien oder organischen Lösungsmitteln auf.

In einigen Fällen von Leberzirrhose ist die Ursache für die Erkrankung nicht bekannt. Dann spricht man von einer kryptogenen Leberzirrhose.

Welche Beschwerden verursacht die Erkrankung?

Es kommt zu allgemeinen Erscheinungen wie Müdigkeit, Leistungsminderung, Appetitverlust und Gewichtsabnahme. Veränderungen der Haut, wie zum Beispiel eine Gelbfärbung - der sogenannte Ikterus - Übelkeit, Erbrechen, Druckschmerzen und Völlegefühl im Bauch können ebenfalls auftreten.

Es können zusätzlich die sogenannten Lederhautzeichen vorkommen. Das sind unter anderem deutliche Hautrötungen des Daumen- und Kleinfingerballens (Palmarerythem), auffallend rote, glänzende Lippen und eine glatte, auffällig glänzend-rote Zunge (sogenannte Lacklippen und Lackzunge) und rote, punktförmige Gefäßknötchen (Gefäßspinnen).

Beim Mann kann sich eine fortgeschrittene Leberschädigung dadurch bemerkbar machen, dass sich Brüste ausbilden (Gynäkomastie), da der Hormonhaushalt durch den Ausfall der Leberfunktion beeinträchtigt ist. Außerdem kann es zu Potenzstörungen kommen. Frauen klagen vor allem über Unregelmäßigkeiten der Monatsblutung.

Ist die Leber zu einem großen Teil bindegewebig umgebaut und geschrumpft, kann das Blut das Organ nicht mehr in ausreichender Menge passieren: Es wird gestaut. In der Folge wird Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in den Bauchraum abgepresst. Es bildet sich freies Wasser im Bauch, die sogenannte Aszites, bei der auch der Bauchumfang zunehmen kann.

Eine Leberzirrhose kann zu Blutungen in der Speiseröhre führen

Eine andere Folge des Blutstaus vor der Leber ist die Bildung von Kollateralgefäßen. Diese Umgehungsgefäße bilden sich zum Beispiel oft in der Speiseröhre und können zu Blutungen in den Magen führen.

Bestandteile, die für die Blutgerinnung notwendig sind, werden von der Leber nicht mehr in ausreichenden Mengen produziert. Auch aus diesem Grund kann ein erhöhtes Blutungsrisiko bestehen. Durch die mangelnde Entgiftungsfunktion der Leber kann es zu Hirnschäden bis hin zum Leberkoma kommen. Als Spätfolge der Leberzirrhose bilden sich manchmal bösartige Tumoren im Lebergewebe.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Durch Abtasten der Leber, eine Ultraschalluntersuchung und eine Blutuntersuchung kann die Leberzirrhose relativ rasch diagnostiziert werden. Die exakte Diagnose wird meist durch die Entnahme einer Gewebeprobe aus der Leber (Leberpunktion) gestellt.

Mit einer Spiegelung der Speiseröhre und des Magens lassen sich Krampfadern an der Speiseröhre feststellen. Meist sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Ursachen der Leberzirrhose zu ermitteln.

Der Schweregrad der Leberzirrhose wird nach dem sogenannten Child-Pugh-Score bemessen. Mit der Child-Pugh-Klassifikation lässt sich die Leberfunktion bewerten und eine Prognose zur Leberzirrhose erstellen. Das Ergebnis Child A hat die beste Prognose und Child C hat die schlechteste Prognose. Die Stadieneinteilung ermöglicht eine bessere Therapieanpassung.

Wie wird eine Leberzirrhose behandelt?

Eine Zirrhose kann nicht geheilt werden. Ziel jeder Therapie ist es, zu verhindern, dass die Erkrankung weiter fortschreitet und zu erreichen, dass möglichst wenige Komplikationen auftreten.

Der Betroffene muss jede weitere Schädigung der Leber meiden, zum Beispiel durch Verzicht auf Alkohol und leberschädigende Medikamente. Wichtig ist, dass der Patient ausreichend viele Kalorien zu sich nimmt und eine eiweißausgewogene Ernährung nach ärztlicher Vorgabe mit eventuell zusätzlichen Vitamingaben erhält.

Der Stuhlgang sollte durch ballaststoffreiche Kost, ausreichend Flüssigkeit und Bewegung gefördert werden, um so die Entgiftungsfunktion zu unterstützen.

Entstand die Zirrhose auf dem Boden einer Krankheit, zum Beispiel einer viralen Entzündung der Leber, kann durch Behandlung eben dieser Grunderkrankung der fortschreitende Leberumbau verhindert werden.

Bei größeren Krampfadern der Speiseröhre kann der Blutdruck medikamentös gesenkt werden, um das Blutungsrisiko zu senken. Starke Blutungen aus den Venen an der Speiseröhre müssen mittels einer Spiegelung mit einem Schlauch gestillt werden. Durch eine Operation kann man einen Shunt (Umleitung) anlegen. Durch diese Umleitung umgeht das gestaute Blut die Leber.

Zwar kann man mittels entwässernder Medikamente das Wasser im Bauch verringern, doch wenn zu viel davon vorhanden ist, muss dieses durch einen Einstich in die Bauchdecke nach außen abgelassen werden. Auch eine künstliche Blutgefäßverbindung kann die Situation verbessern.

In manchen Fällen hilft nur noch eine Lebertransplantation, die aber nur unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt werden kann.