Was ist Morbus Crohn?

Der Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmentzündung, die alle Abschnitte des Verdauungstraktes - vom Mund über die Speiseröhre bis zum Enddarm - betreffen kann. Am häufigsten kommt die Entzündung jedoch im letzten Dünndarmabschnitt (Ileum) und/oder im Anfangsbereich des Dickdarms (Kolon) vor. 

Die Erkrankung verläuft meist schubweise, das heißt, beschwerdefreie Phasen wechseln sich in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen mit entzündlichen ab. Zusammen mit der Colitis ulcerosa zählt der Morbus Crohn zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED).

Bei Morbus Crohn sind alle Schichten der Darmwand entzündet. Als Komplikationen können Darmfisteln, Verbindungsgänge zum Beispiel zu anderen Darmabschnitten, sowie Engstellen (Stenosen) im Darm, bis hin zum Darmverschluss, entstehen.

Etwa 120 bis 200 von 100.000 Menschen in Deutschland leiden an Morbus Crohn. Die Krankheit beginnt häufig im Alter zwischen 15 und 34 Jahren. Aktuellen Daten zufolge sind 15 bis 25 Prozent der Patienten unter 20 Jahre alt, wenn die Krankheit diagnostiziert wird.

Wodurch wird Morbus Crohn verursacht?

Die genauen Ursachen für die Entstehung des Morbus Crohn sind nicht bekannt. Experten gehen davon aus, dass dabei eine erbliche Veranlagung und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Vermutlich ist die Barrierefunktion des Darms beeinträchtigt.

Ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung eines Morbus Crohn ist das Rauchen. So hat man eine erhöhte Häufigkeit bei Rauchern festgestellt. Studien haben gezeigt, dass Rauchen auch die Schubhäufigkeit erhöht. Deshalb ist es sinnvoll, das Rauchen aufzugeben.

Die Ansicht, dass Morbus Crohn eine durch seelische Belastungen, Stress oder falsche Ernährung verursachte Erkrankung ist, ließ sich nicht bestätigen. Dennoch können diese Faktoren den Verlauf und den Umgang mit der Erkrankung beeinflussen. Die Krankheit selbst und die damit verbundenen Beschwerden wirken sich natürlich auch auf die Psyche aus und können für den Betroffenen zu einer seelischen Belastung werden.

Welche Beschwerden verursacht die Erkrankung?

Häufigstes Krankheitszeichen des Morbus Crohn ist Durchfall, der oft mehr als sechs Wochen anhält. Weitere häufige Beschwerden sind Gewichtsverlust und Bauchschmerzen, die über den ganzen Bauchraum verteilt sein können. Nicht selten treten die Schmerzen im rechten Unterbauch auf und können leicht mit einer Blinddarmentzündung verwechselt werden. Fieber, Abgeschlagenheit und eine Blutarmut (Anämie) sind allgemeine Zeichen der Entzündung.

Aufgrund der häufigen Durchfälle und einer erschwerten Aufnahme der Nahrungsbestandteile im Darm (Malabsorptionssyndrom) kommt es unter Umständen zu einer Mangelernährung mit Gewichtsverlust. Bei Kindern können auch Wachstumsstörungen auftreten.

In etwa 40 Prozent der Fälle bilden sich Darmfisteln heraus. Das sind Verbindungsgänge zwischen zwei Darmabschnitten, zwischen dem Darm und einem anderen Organ oder zwischen dem Darm und der Haut. Bei einem Viertel der Betroffenen entstehen Abszesse (abgekapselte Entzündungen) und Fissuren (Einrisse der Haut beziehungsweise Schleimhaut). Oft ist der Analbereich betroffen.

Mitunter kommt es zu Engstellen (Stenosen) im Darm durch Verklebungen und narbige Einziehungen, die einen Darmverschluss (Ileus) zur Folge haben können.

Bei 30 Prozent der Patienten sind auch andere Organe beteiligt, Folgeerkrankungen sind unter anderem: 

  • Gelenkentzündungen (Arthritis)
  • Augenentzündungen
  • Hauterscheinungen
  • Gallen- und Nierensteinbildung
  • Knochenschwund (Osteoporose)
  • Gallenwegsentzündungen 

Mit zunehmender Krankheitsdauer steigt auch das Risiko, einen bösartigen Tumor im Darm zu entwickeln. Deshalb sind regelmäßige Untersuchungen des Darmes notwendig, um einen solchen Prozess frühzeitig zu entdecken.

Wie wird Morbus Crohn festgestellt?

In der Regel führen die geschilderten, oftmals schon über einen längeren Zeitraum bestehenden Beschwerden den Betroffenen zum Arzt. Die ärztliche Untersuchung umfasst neben der Befragung und körperlichen Untersuchung verschiedene Blut- und Stuhluntersuchungen. Hinweise auf entzündliche Ursachen der Beschwerden liefern ein erhöhter Entzündungswert (CRP) im Blut und ein erhöhter Calprotectin-Wert im Stuhl.

Die Diagnose Morbus Crohn kann der Arzt mithilfe einer Darmspiegelung (Koloskopie) sicherstellen. Bei diesem Verfahren betrachtet er die Darmschleimhaut genau und kann gezielt Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung entnehmen, um so eine eindeutige Diagnose zu stellen. Denn anhand der Gewebeproben lassen sich die für Morbus Crohn typischen Veränderungen nachweisen. Neben erkrankten Stellen der Darmschleimhaut finden sich dabei auch gesunde Abschnitte.

Weitere Untersuchungsmethoden sind zum Beispiel Ultraschall (Sonografie), spezielle Röntgenuntersuchungen (Doppelkontrastuntersuchung) sowie Computertomografie und Magnetresonanztomografie (MRT). Um einen Befall des Dünndarms zu erkennen, eignet sich auch die Kapselendoskopie. Dabei schluckt der Patient eine Kapsel, die eine Mini-Kamera enthält. Während der Passage durch den Darm macht die Kamera Bilder vom Inneren des Darms und sendet diese per Funk an ein externes Gerät.

Die Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn werden gerade aktualisiert. Die künftigen Leitlinien werden zum ersten Mal die Empfehlung enthalten, für die anfängliche Dünndarmdiagnostik vorrangig die Magnetresonanztomografie einzusetzen und weniger die Computertomografie, da bei den Patienten im Lauf ihres Lebens noch viele dieser Schnittbilduntersuchungen gemacht werden. Die Kapselendoskopie kann zum Beispiel eingesetzt werden, wenn der Ausgangsverdacht für einen Morbus Crohn besteht, die Magnetresonanztomografie aber keine Hinweise dafür bietet.

Wie kann man Morbus Crohn behandeln?

Ziel der Behandlung ist die Bekämpfung der Beschwerden und der Entzündung sowie die Vermeidung von Komplikationen. Welche Therapie zur Anwendung kommt, wird in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren und der individuellen Situation entschieden.

Medikamente

Je nach Schweregrad und Lokalisation der Entzündung kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Zur Verfügung stehen die 5-Aminosalicylsäure (Mesalazin) und Glukokortikoide (Kortison), die beide gegen die Entzündung wirken.

Glukokortikoide erhalten Patienten mit leichter Entzündung als Tabletten oder als Schaum für die Anwendung im Darm und bei schweren Entzündungen in hoher Dosierung über die Vene verabreicht. Sie führen bei akuten Schüben oft zu einer deutlichen Besserung des Zustandes. 5-Aminosalicylsäure steht in Form von Tabletten zum Einnehmen oder als Schaumpräparat, Zäpfchen und Einlauf für die Anwendung im Darm zur Verfügung. 5-Aminosalicylsäure wird auch zur Aufrechterhaltung der symptomfreien Phase verabreicht.

Weitere Arzneimittel, die vor allem bei häufigen Schüben des Morbus Crohn und ausgedehntem Befall des Verdauungstrakts zum Einsatz kommen, sind Immunsuppressiva. Diese unterdrücken das Abwehrsystem und damit ebenfalls die Entzündung. Vertreter sind zum Beispiel Azathioprin oder Methotrexat.

Wenn diese Medikamente nicht helfen oder der Patient sie nicht verträgt, kann der Arzt einen TNF-alpha-Blocker verordnen. Er blockiert bestimmte Abwehrstoffe, die für die anhaltende (chronische) Entzündung verantwortlich sind. Auch bei Fisteln ist eine medikamentöse Behandlung möglich, zum Beispiel mit einem Antibiotikum, einem Immunsuppressivum oder einem TNF-alpha-Blocker.

Die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten könnten bald erweitert werden. Zwei neue Wirkstoffe, Ustekinumab und Vedolizumab, stehen kurz vor der Zulassung für die Behandlung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Ustekinumab wird schon bei Rheuma- und Hautpatienten mit Erfolg eingesetzt. Vedolizumab, ein neu entwickelter entzündungshemmender Antikörper, verhindert das Einwandern von Entzündungszellen durch die Darmwand. Vedolizumab hat also eine darmspezifische

Wirkung

Gegen die häufigen Durchfälle und krampfartigen Bauchschmerzen kann der Arzt zusätzlich Medikamente verordnen, welche die Darmtätigkeit hemmen und die Darmmuskulatur entspannen. Diese Mittel sind aber nicht in jedem Fall zu empfehlen und sollten deshalb nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden.

Eisen- oder Vitaminmangel lassen sich durch Gabe der entsprechenden Substanzen behandeln.

Um einer Osteoporose vorzubeugen, können die Betroffenen Kalzium und Vitamin D einnehmen.

Operationen

Bei Abszessen, narbigen Einengungen des Darmes, Darmfisteln oder trotz medikamentöser Therapie weiterhin bestehender Beschwerden ist häufig eine Operation nötig. Dennoch sind der Nutzen des operativen Eingreifens und die möglichen Konsequenzen sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Bei Notfällen wie einem Darmverschluss oder einem Darmdurchbruch darf man die Operation aber keinesfalls hinauszögern.

Der operative Eingriff kann die Entfernung eines betroffenen Darmabschnittes (Resektion) beinhalten. Die Devise dabei heißt: so wenig Darm wie möglich, aber so viel wie nötig. Der Operateur wird so wenig Darm wie möglich wegnehmen, um durch den verkürzten Darm bedingte Funktionsstörungen möglichst zu vermeiden. In der Folge können aber, abhängig vom entfernten Darmabschnitt, Verdauungsstörungen auftreten. Dies ist zum Beispiel eine nicht genügende Eindickung des Stuhls mit wässrigen Durchfällen.

Fehlt ein großer Teil des oberen Dünndarms, resultiert oftmals eine mangelhafte Aufnahme der Nahrungsbestandteile ins Blut und eine Mangelernährung. Musste der Enddarm entfernt und ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) angelegt werden, belastet dies den Betroffenen auch in seinem sozialen Leben, da viele Menschen einen künstlichen Darmausgang als unangenehm oder unästhetisch und damit als störend empfinden, zum Beispiel beim Besuch eines Schwimmbades, im Urlaub oder in der Partnerschaft.

Ballondilatation

Eine Alternative zur Operation kann in einigen Fällen die Aufdehnung verengter Darmabschnitte mit einem Ballonkatheter sein. Nach der derzeitigen Erfahrung kann die Ballondilatation eine Operation bei vielen Patienten zwar hinauszögern, aber oft nicht endgültig verhindern.

Unterstützende Psychotherapie

Nach aktuellen Erkenntnissen verursachen psychische Faktoren einen Morbus Crohn wohl nicht, ihr Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung ist jedoch nachgewiesen. Das Leben verändert sich mit der chronischen Krankheit. Lebensqualität und Leistungsfähigkeit können beeinträchtigt sein. Psychotherapeutische Verfahren stellen eine sinnvolle Ergänzung zur rein körperlichen Behandlung dar. Psychotherapie führt häufig zu einem besseren Umgang mit der Krankheit und fördert das psychische Wohlbefinden und die Lebensqualität.

Ernährung

Eine spezielle Diät bei Morbus Crohn gibt es nicht. Allerdings sollten die Betroffenen auf eine ausreichende Kalzium- und Vitaminzufuhr achten, da die Nährstoffaufnahme im Darm beeinträchtigt sein kann.

Nahrungsmittel können die Beschwerden beeinflussen. Insbesondere sollten die Betroffenen ballaststoffreiche Speisen meiden. Oft weiß der Betroffene selbst, welche Speisen er gut verträgt und welche Nahrungsmittel er lieber meiden sollte, da sie Beschwerden oder sogar einen entzündlichen Schub provozieren.

Morbus Crohn-Patienten haben überdurchschnittlich häufig eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz). Entsprechende Nahrungsmittel sind dann zu meiden.

Beim leicht akuten Schub eignet sich eine ballaststoffarme oder flüssige Ernährung (Astronautenkost), um den Darm zu entlasten. Bei einem schweren Schub kann es in seltenen Fällen sein, dass eine sogenannte parenterale Ernährung mittels Infusionen nötig wird.

Wie ist die Prognose?

Eine Heilung des Morbus Crohn ist zurzeit nicht möglich. Die Erkrankung neigt dazu, auch nach einer Operation immer wieder an einer anderen Stelle im Magen-Darm-Trakt aufzutreten.

Die Komplikationen führen dazu, dass sich die meisten Erkrankten früher oder später einer Operation unterziehen.

Bei optimaler Therapie hat die Mehrzahl der Betroffenen eine normale Lebenserwartung. Aufgrund des erhöhten Risikos einer bösartigen Entartung sollten regelmäßige Darmspiegelungen zur Kontrolle erfolgen.

Da der Morbus Crohn sowohl durch die Beschwerden (häufige Bauchschmerzen, Durchfälle) als auch durch mögliche Therapiefolgen (zum Beispiel künstlicher Darmausgang) den Betroffenen in seinem Alltag und in seiner Lebensqualität stark einschränken kann, empfehlen sich Selbsthilfegruppen, in denen man auf Menschen trifft, die von der gleichen Erkrankung betroffen sind. Auch kann man hier Tipps und Informationen über Ärzte, Kliniken, neue Therapien, Ernährung oder Ähnliches austauschen.

Online-Fragebogen für Betroffene mit entzündlichen Darmerkrankungen

Die Universität zu Lübeck hat in Kooperation mit der TK einen Online-Fragebogen für Betroffene mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), also Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn entwickelt.

Dieser Fragebogen gibt Ihnen Hinweise, wie Sie mit Ihren individuellen Problemen, die gegebenenfalls durch die Erkrankung ausgelöst werden, umgehen können. Eine Studie, an der 500 TK-Versicherte beteiligt waren, hat gezeigt, dass die Empfehlungen geholfen haben, ihren individuellen Gesundheitszustand zu verbessern.

Hier erhalten Sie weitere Informationen und gelangen auch zum Fragebogen: