Jährlich erkranken in Deutschland etwa 50 von 100.000 Menschen an einem Magengeschwür. In den meisten Fällen sind die Betroffenen älter als 50 Jahre. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Ein Zwölffingerdarmgeschwür erleiden pro Jahr etwa 150 von 100.000 Menschen. Die meisten Zwölffingerdarmgeschwüre kommen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr vor, Männer sind etwa dreieinhalbmal so häufig betroffen wie Frauen.

Stressfaktoren wie Bakterien, bestimmte Medikamente oder schwere Erkrankungen können die Schutzschicht der Magenschleimhaut nachhaltig schädigen. Dabei entstehende oberflächliche Schleimhautverletzungen können wieder abheilen. Hält die Belastung jedoch an, kann sich aus dieser Verletzung ein Geschwür entwickeln. Unbehandelt kann es auch tiefe Wandschichten des Magens oder des Zwölffingerdarms erreichen. Überschreitet das Geschwür (Ulkus) alle Wandschichten, kommt es zur Perforation. Das bedeutet, dass der Inhalt des Magens beziehungsweise des Zwölffingerdarms in die Bauchhöhle gelangt, was für den Betroffenen lebensbedrohlich werden kann.

Woran ist ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür zu erkennen?

Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm verursachen in der Regel Schmerzen im Oberbauch (epigastrische Schmerzen) oder im Bereich des Bauchnabels.
Es kann zu Übelkeit, Erbrechen und Gewichtsverlust kommen.

Nahrungsabhängige Schmerzen

Die Beschwerden können unter Umständen nahrungsabhängig sein. Während Zwölffingerdarmgeschwüre oft eine leichte Linderung nach der Nahrungsaufnahme zeigen, nehmen die Schmerzen des Magengeschwürs hierbei eher zu. Längere Perioden der Nüchternheit, beispielsweise während der Nacht, können bei einem Zwölffingerdarmgeschwür zu einer erheblichen Zunahme der Beschwerden führen.

Schwarzer Stuhlgang

Kommt es im Rahmen der Veränderung der Magenschleimhaut zu einer Blutung, verfärbt sich der Stuhlgang schwarz. Die schwarze Verfärbung ist auf eine Reaktion des Blutes mit der Magensäure zurückzuführen, kann aber auch andere Ursachen haben wie zum Beispiel die Einnahme von Eisentabletten.

Welche Ursachen hat ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür?

Verantwortlich ist ein Bakterium

Zu den magenschleimhautschädigenden Faktoren zählt in erster Linie das Bakterium Helicobacter pylori. Dieses Bakterium wird bei etwa 99 Prozent der Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür und bei 75 Prozent der Patienten mit einem Magengeschwür gefunden. Da Helicobacter pylori aber auch bei der Hälfte aller Gesunden gefunden wird, scheinen noch andere, zusätzlich schädigende Faktoren eine Rolle zu spielen.

Häufig entsteht ein Zwölffingerdarmgeschwür aufgrund einer übermäßigen Absonderung (Hypersekretion) von Magensaft. Magensäure im Übermaß zerstört die Schleimhaut. Auch Menschen, die ein Magengeschwür haben, produzieren häufig zu viel Magensäure.

Dauereinnahme von Schmerzmitteln kann zum Geschwür führen

Aber auch die Einnahme von entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten (zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Ibuprofen) zur Behandlung von Gelenkbeschwerden und chronischen Schmerzen kann zur Bildung eines Ulkus führen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Kortisonpräparaten erhöht sich das Risiko einer Geschwürbildung um ein Vielfaches.

Seltene Ursachen für ein Magengeschwür

Es gibt seltene körpereigene Ursachen, die ein Magengeschwür hervorrufen können: das sogenannte Zollinger-Ellison-Syndrom und eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen.

Beim Zollinger-Ellison-Syndrom wird das Hormon Gastrin aufgrund eines Tumors im Überschuss produziert. Gastrin löst eine übermäßige Säureproduktion im Magen aus und kann so zur Entwicklung eines Magengeschwürs führen.

Eine Nebenschilddrüsen-Überfunktion (Hyperparathyreoidismus) bringt ein Überangebot an Calcium mit sich. Calcium stimuliert unter anderem auch Gastrin produzierende Zellen. Daher erhöht eine Nebenschilddrüsen-Überfunktion letztlich auch die Säureproduktion im Magen und kann so bewirken, dass sich ein Magengeschwür entwickelt.

Begünstigende Faktoren

Sowohl genetische Faktoren als auch Umwelteinflüsse und belastende Lebenssituationen begünstigen zusätzlich die Entstehung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren.

Ebenso tragen Nikotin-, Kaffee- und Alkoholkonsum zur Entstehung bei.

Was macht Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre gefährlich?

Im Rahmen der Geschwürbildung kann in einem begrenzten Bereich die gesamte Wand des Magens oder Zwölffingerdarms zerstört werden. Dabei kann es zur Öffnung eines in der Wand gelegenen Blutgefäßes mit der Folge einer starken, mitunter lebensgefährlichen Blutung kommen. Bei starken Blutungen wird das Blut erbrochen, bei schwächeren Blutungen mit dem Stuhlgang ausgeschieden.

Ebenso ist der komplette Durchbruch eines Geschwürs in die Bauchhöhle oder die Ausbreitung des Geschwürs in ein benachbartes Organ möglich. Man spricht von einem Magendurchbruch (Ulkusperforation), wenn ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür die Magen- beziehungsweise Darmwand durchbricht und der Magensaft Verbindung zur freien Bauchhöhle hat.

Bei etwa zehn Prozent der Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür und bei zwei bis fünf Prozent der Patienten mit einem Magengeschwür tritt ein solcher Magendurchbruch im Verlauf der Erkrankung auf. Durch den Durchbruch (Perforation) der Magen- oder Darmwand kann sich eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) entwickeln, die schnellstmöglich operativ versorgt werden muss.

In drei Prozent der Fälle entartet ein Magengeschwür zu einem bösartigen Magenkrebs.

Wie wird ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür diagnostiziert?

Die Spiegelung des Magens und des Zwölffingerdarms, im medizinischen Sprachgebrauch Gastroduodenoskopie genannt, ist derzeit die sicherste Methode, um ein Geschwür festzustellen. Dabei wird mit einem Endoskop die Wand des Magens und des Zwölffingerdarms untersucht.

Gleichzeitig kann eine gezielte und schmerzlose Gewebeentnahme vorgenommen werden. In dem entnommenen Gewebe kann man gegebenenfalls das Bakterium Helicobacter pylori nachweisen.

Eine Kontrolluntersuchung in Form einer weiteren Gastroduodenoskopie ist auch bei Rückgang der Beschwerden meist erforderlich. Sie klärt die Frage, ob sich das Geschwür durch die Therapie tatsächlich zurückgebildet hat, oder ob es vielleicht zu anderen, möglicherweise sogar bösartigen Veränderungen gekommen ist.

Wie wird ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür behandelt?

Meist ist eine Behandlung mit Medikamenten ausreichend wirksam. Beispielsweise hemmen sogenannte Protonenpumpenblocker die schädigende Magensäureproduktion zuverlässig.

Falls eine Helicobacter-pylori-Infektion vorliegt, ist eine zusätzliche Behandlung mit Antibiotika angezeigt. Neben einem Protonenpumpenhemmer kommen dabei zwei bis drei verschiedenen Antibiotika (Metronidazol, Clarithromycin, Amoxicillin) zum Einsatz. Die Behandlung dauert sieben bis zehn Tage.

Falls Medikamente für die Entstehung der Geschwüre verantwortlich sind, besteht die Behandlung im Absetzen der auslösenden Wirkstoffe. Ist dies jedoch nicht möglich oder für sich alleine nicht ausreichend, kommen Medikamente, die die Magensäureproduktion vermindern, zum Einsatz.

Tritt bei einem Geschwür eine Blutung auf, können Diagnose und Therapie mittlerweile im Rahmen einer einzigen Endoskopie erfolgen. Auf diese Weise bleibt dem Patienten eine Operation meist erspart, eine medikamentöse Anschlussbehandlung ist jedoch weiterhin notwendig.

Gleichzeitig sollten alle schleimhautschädigenden Faktoren wie Nikotin, Rauchen, Stress und bestimmte Schmerzmittel vermieden werden.

Was können Sie als Betroffener selbst tun?

  • Vermeiden Sie Alkohol, Nikotin und Koffein.
  • Verzichten Sie auf alle den Magen reizenden und individuell nicht gut verträglichen Speisen und Getränke, zum Beispiel auf sehr scharfes Essen.
  • Verteilen Sie die Nahrungsaufnahme auf mehrere kleine Mahlzeiten täglich.
  • Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, die den Magen schädigen können (nichtsteroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure), sollte diese nach Rücksprache mit dem Arzt gegebenenfalls absetzen.
  • Meiden Sie Stresssituationen. Versuchen Sie, Stress abzubauen, zum Beispiel mit Entspannungsübungen wie der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson. Damit lässt sich Stress auch gut vorbeugen.
  • Versuchen Sie, die verordneten Medikamente regelmäßig und für die angesetzte Dauer der Behandlung einzunehmen, um den Erfolg der Therapie zu gewährleisten.