Bei Jungen bis zu einem Alter von etwa drei bis fünf Jahren ist es völlig normal, dass sich die Vorhaut nicht über die Eichel schieben lässt. Oftmals klebt dabei das innere Blatt der Vorhaut (noch) an der Eichel fest. In diesem Fall sollte man nicht versuchen, die Vorhaut gewaltsam über die Eichel zurückzustreifen. Durch die dabei entstehenden kleinen Verletzungen können sich Narben bilden, die zu einer krankhaften Verengung der Vorhaut führen. Eine Phimose kann auch zusätzlich zu einer Vorhautverklebung bestehen.

Auch Erwachsene können eine Phimose entwickeln, beispielsweise in Folge einer Entzündung der Eichel oder des inneren Vorhautblatts. Eine weitere mögliche Ursache ist eine unerkannte Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Wenn eine Phimose im Erwachsenenalter neu auftritt, sollte deshalb immer eine Überprüfung des Blutzuckerspiegels erfolgen. Einige Hauterkrankungen können ebenfalls zu einer Vorhautenge führen. Durch regelmäßige Hygiene und vorsichtiges Zurückziehen der Vorhaut beim Wasserlassen und Baden können Männer Entzündungen und einer Phimose vorbeugen.

Ein weiterer Grund dafür, dass sich die Vorhaut nicht zurückziehen lässt, kann ein verkürztes Vorhautbändchen sein. Dieses kann alleine oder gleichzeitig mit einer Phimose auftreten. Das Vorhautbändchen setzt an der Unterseite der Eichel unterhalb der Harnröhrenmündung an und zieht bis zum Vorhautansatz. Ist es zu kurz, spannt es beim Zurückziehen der Vorhaut und/oder bei der Erektion und zieht die Eichel nach unten. Oft reißt ein zu kurzes Bändchen später beim Geschlechtsverkehr ein.

Welche Beschwerden und Komplikationen können entstehen?

Bei sehr engen Vorhäuten kann das Wasserlassen erschwert sein. Dann bläht sich die Vorhaut zunächst auf, bevor der Urin nach außen tritt. Die Harnentleerung ist erschwert, der Harnstrahl ist dünn. Häufig sind Eichel und Vorhaut entzündet. Schmerzen bei der Erektion gehören ebenfalls zu den typischen Beschwerden.

Wenn sich eine enge Vorhaut nach dem Zurückschieben hinter die Eichel nicht wieder in die Ausgangsposition bewegen lässt, spricht man von einer Paraphimose oder von einem "spanischen Kragen". Der enge Anteil der Vorhaut schnürt dann den Rückfluss von Blut und Lymphflüssigkeit ab. Dadurch schwillt das innere Blatt der Vorhaut an und die Enge nimmt noch weiter zu. Das Vorschieben der Vorhaut wird dadurch immer schwerer. Schlimmstenfalls stirbt sogar Gewebe ab.

Wie wird eine Phimose behandelt?

Ziel der Therapie bei der krankhaften Vorhautverengung ist es, die enge Vorhaut zu erweitern oder zu entfernen, um zu erreichen, dass Körperhygiene, Harnentleerung und Sexualität ungestört funktionieren. Es hängt vom Einzelfall ab, welche Maßnahmen am besten zur Behandlung der Phimose geeignet sind.

Liegt bei Jungen lediglich eine Verklebung der Vorhaut, aber keine Verengung und auch keine weitere Erkrankung vor, dann erfolgt eine Behandlung mit kortisonhaltigen Salben. Auch wenn Kinder eine Vorhautverengung ohne weitere Komplikationen aufweisen, ist ein Behandlungsversuch mit kortisonhaltigen Salben sinnvoll. Nach etwa zwei Wochen können die Eltern beginnen, die Vorhaut regelmäßig vorsichtig zurückzuschieben und die Vorhautverengung zu dehnen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Haut nicht einreißt. Diese Behandlung führt bei 50 bis 75 Prozent der Kinder zum Erfolg.

Wann ist eine Operation erforderlich?

Einige Situationen erfordern unabhängig vom Alter des Kindes eine Operation der Phimose. Dazu gehören wiederkehrende Entzündungen der Vorhaut, Narbenbildung oder ein deutlich erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen, Hautveränderungen durch die Krankheit Lichen sclerosus et atrophicus und eine Aufblähung der Vorhaut beim Wasserlassen. Allerdings muss eine akute Entzündung zum Zeitpunkt der Operation bereits abgeklungen sein.

Einige Psychologen empfehlen, eine Beschneidung bei vier- und fünfjährigen Jungen zu vermeiden, da Operationen an den Geschlechtsorganen in dieser Entwicklungsphase Kastrationsängste hervorrufen können.

Bei der Operation entfernt der Arzt entweder die gesamte Vorhaut (radikale Beschneidung) oder nur den verengten Anteil (vorhauterhaltende Operation, plastische Zirkumzision). Nach der radikalen Beschneidung liegt die Eichel vollständig frei. Ziel der plastischen Zirkumzision ist es dagegen, so viel Vorhaut zu erhalten, dass sie im nicht erigierten Zustand die Eichel noch bedeckt. Die Übergänge beider Varianten sind fließend.

Bestehende Vorhautverklebungen mit der Eichel löst der Arzt zu Beginn der Operation. Bei der Operation der Phimose trennt er das Vorhautbändchen oft mit durch und vernäht es entsprechend weit. Bleibt es bei der Teilbeschneidung erhalten, kann er es ebenfalls erweitern.

Bei Kindern führt man die Operation in Narkose durch, bei Erwachsenen ist auch ein Eingriff unter örtlicher Betäubung möglich. Mögliche Operationskomplikationen sind Blutungen, Entzündungen, Narbenbildung oder das frühzeitige Auflösen der Fäden mit Auseinanderweichen der Naht. Vor allem nach einer plastischen Beschneidung entwickelt sich gelegentlich eine erneute Enge der Restvorhaut. Verletzungen der Eichel oder der Harnröhre sind extrem selten. Allerdings kann es langfristig zu einer Verengung der Harnröhrenmündung kommen.

Eine bestimmte Operationstechnik, die man vor allem bei Neugeborenen einsetzt, ist die Plastibell-Technik. Dabei schneidet der Arzt zunächst die Vorhaut ein und schnürt sie dann über einer angelegten Plastikglocke ab, um die Blutzufuhr der Vorhaut zu unterbrechen. Die Glocke fällt dann zusammen mit der Vorhaut nach einigen Tagen ab. In einzelnen Fällen kann nach der Behandlung die Blasenwand infolge von Harnverhalten einreißen oder Teile des Penis-Gewebes können absterben.

Die Paraphimose ist ein Notfall. Sollte auch dem Arzt das Vorstreifen der Vorhaut nicht mehr gelingen, muss er den Schnürring in einer Operation spalten. Auch wenn es gelingt, eine Paraphimose mit der Hand vorzustreifen, empfiehlt sich oft eine spätere Beschneidung.

Welche Auswirkungen hat die Beschneidung?

In vielen Kulturkreisen wird die männliche Beschneidung aus religiösen, rituellen und kulturellen Gründen durchgeführt. Ein medizinischer Grund ist bei entsprechenden Hygienemaßnahmen nicht gegeben.

Welchen Einfluss die Beschneidung auf das sexuelle Erleben hat, wird sehr emotional und kontrovers diskutiert. Während die Eichel noch einige Tage nach der Beschneidung auf Berührung äußerst empfindlich reagiert, schwächt sich dieser Effekt im Laufe der Zeit deutlich ab. Die Eichel wird dann unempfindlicher.

Wie der betroffene Junge oder Mann die Beschneidung empfindet, hängt auch von seiner Einstellung zur Zirkumzision vor der Operation ab. Die persönliche Haltung des Betroffenen sollte daher neben dem medizinischen Aspekt in die Entscheidung für oder gegen eine Beschneidung mit einbezogen werden.

Ist die Beschneidung eine krankheitsvorbeugende Maßnahme?

Beschnittene Männer erkranken nahezu nie an Peniskrebs. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass sich bei ihnen kein Smegma sammeln kann. Das Smegma gilt auch als Mitursache für den Gebärmutterhalskrebs der Frau. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass beschnittene Männer sich seltener mit dem humanen Papillomavirus (HPV), dem Erreger von Feigwarzen, infizieren. Einige Unterarten dieses Virus können bei Frauen Gebärmutterhalskrebs auslösen. Auch HIV-Infektionen sind bei beschnittenen Männern seltener, zumindest in den ersten zwei Jahren nach der Beschneidung.

Einige Zeit lang wurde deshalb die Beschneidung aller Männer als krankheitsvorbeugende Maßnahme diskutiert. Experten sind sich jedoch inzwischen einig darüber, dass eine gute Hygiene ebenso wirksam ist. Unbeschnittene Männer sollten daher die Intimhygiene sehr genau nehmen und so dafür sorgen, dass sich kein Smegma sammelt. Da die Hygienemaßnahmen durch eine Phimose oft behindert sind, kann man eine Beschneidung in solchen Fällen als Krebsvorbeugung bezeichnen.