Die Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase ist der Zeitraum vom Beginn der Geburtswehen bis zur vollständigen Eröffnung des Muttermundes. Sie ist der erste und längste Teil der Geburt.

Bei Frauen, die bereits entbunden haben, dauert sie etwa sechs bis sieben Stunden. Bei Erstgebärenden sind zwölf Stunden völlig normal. Diese Zahlen sind jedoch statistische Durchschnittswerte und können deutlich über-, aber auch unterschritten werden.

Die Wehen der Eröffnungsphase sind regelmäßig wiederkehrend und schmerzhaft. Anfänglich treten sie vielleicht alle 15 Minuten auf, gegen Ende der Eröffnungsphase dann im Abstand von etwa ein bis zwei Minuten und dauern ungefähr eine Minute an.

Die letzte Phase der Eröffnungsphase verläuft oftmals sehr stürmisch. Die Wehenpausen sind sehr kurz und die Wehen kommen mit großer Kraft. Dennoch sollte die Gebärende versuchen, weiterhin gut durchzuatmen und das Pressen noch hinauszuzögern, bis der Muttermund vollständig eröffnet ist. Der Muttermund ist am Ende der Eröffnungsphase etwa zehn Zentimeter geöffnet. Der Kopf des Babys liegt in der Scheide.

Die Austreibungsphase

Die Austreibungsphase beginnt, wenn der Muttermund vollständig eröffnet ist, und endet mit der Geburt des Kindes. Diese Phase kann zwischen einer Stunde und 20 Minuten dauern, je nachdem ob es das erste Kind ist oder nicht.

Diese Phase ist durch die Heftigkeit der Wehen und die starke Dehnung des Muttermundes und des Dammbereichs oft sehr schmerzhaft. Viele Frauen empfinden es jedoch als Erleichterung, dass sie jetzt aktiv mithelfen und pressen können.

Durch die Wehen wird der Kopf des Kindes weiter in das Becken geschoben. Wenn er den Beckenboden erreicht, entsteht durch den Druck auf ein Nervengeflecht im Bereich des Steißbeins ein starker Drang zum Pressen. Dieser Pressdrang dauert einige Sekunden und kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Presswehen treten ungefähr drei- bis viermal in zehn Minuten auf.

Während einer Presswehe will die Frau in der Regel zwei- bis dreimal mitpressen. Ein zu frühes Mitpressen sollte sie jedoch vermeiden, um Kraft zu sparen und um Gewebeverletzungen zu vermeiden. Die Hebamme gibt Anweisungen, wann die Gebärende mitpressen soll.

Die Eröffnungswehen bewirken, dass das Kind gegen den Muttermund geschoben wird. Der kindliche Kopf beugt sich zunehmend und tritt tiefer. Die Ausschüttung von Hormonen bewirkt dabei eine Auflockerung des Muttermundes.

Eine wirkungsvolle Erweiterung des Muttermundes kommt aber erst zustande, wenn der Druck durch die Wehen stärker ist als der Gewebewiderstand des Muttermundes. Bei zwei Drittel der Gebärenden kommt es gegen Ende der Eröffnungsphase zum Blasensprung und die Fruchtblase reißt schmerzlos auf. Meist geht nur ein Teil des Fruchtwassers ab, da der nachrückende Kopf die Öffnung abdichtet.

Beim Durchtreten des kindlichen Kopfes durch die Scheide verspürt die Frau eine sehr starke äußere Dehnung. Der Geburtshelfer wird versuchen, den Dammbereich vor einer Überdehnung zu schützen. Er stützt mit einer Hand den Damm und führt mit der anderen den Kopf des Kindes.

Wenn der Dammbereich einzureißen droht, wird oft ein Dammschnitt durchgeführt. Neueren Studien zufolge wird bei einer Geburt in aufrechter Position, zum Beispiel auf dem Gebärhocker, der Dammbereich weniger belastet und es kommt zu weniger Dammverletzungen beziehungsweise notwendigen Dammschnitten.

Wenn der Kopf des Kindes geboren ist, ist die größte Anstrengung vorüber. Für die Geburt der Schultern dreht sich der Körper des Kindes in seine Ausgangslage zurück. Die Hebamme stützt dabei den Kopf ab. Ein Absenken des Kopfes hilft schließlich, zuerst die obere und dann die untere Schulter zu gebären. Der Körper gleitet anschließend heraus, oftmals mit einem Schwall Fruchtwasser.

Die Nachgeburtsphase

Die Geburt der Plazenta wird als Nachgeburtsphase bezeichnet. Sie dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Die Freisetzung von Hormonen aus der Plazenta bewirkt ein Zusammenziehen der Gebärmutter. Dadurch löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand und wird als sogenannte Nachgeburt abgestoßen.

Bei der Lösung der Plazenta kommt es zu einem Blutverlust von bis zu 400 Millilitern. Um eine übermäßige Blutung rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können, muss die Nachgeburtsphase besonders sorgfältig überwacht werden. Die geborene Plazenta wird sorgfältig auf Vollständigkeit untersucht, da in der Gebärmutter zurückgebliebene Reste Blutungen oder Entzündungen im Wochenbett verursachen könnten.

Unmittelbar nach der Geburt wird das Kind zwischen die Beine der Mutter gelegt. Nach ungefähr einer halben Minute wird die Nabelschnur zunächst nur abgeklemmt und die Hebamme legt das Neugeborene auf den Bauch der Mutter. Das endgültige Durchtrennen der Nabelschnur kann unter Umständen der Partner übernehmen.

Wenn es notwendig war, einen Dammschnitt durchzuführen oder wenn der Damm eingerissen ist, wird die Wunde nun unter örtlicher Betäubung versorgt und genäht.