Was ist eine Arthrose?

Eine Arthrose ist eine fortschreitende Schädigung von Gelenkknorpeln, die mit der Zeit auch Gelenkflächen und angrenzende Knochen in Mitleidenschaft zieht. Die Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung erwachsener Menschen.

 

Jedes Gelenk besteht aus den beteiligten Knochen, den die Gelenkflächen überziehenden Knorpel und der alles umfassenden Gelenkkapsel mit der Gelenkinnenhaut. Bei einer Arthrose kommt es aufgrund einer übermäßigen Belastung des Knorpels zu Abrieb, Schädigung und Zerstörung von Knorpel.

 

Die Folge sind Funktionseinbußen der Gelenke und manchmal auch eine Entzündung. Andere Bezeichnungen für die Arthrose sind zum Beispiel Arthrosis deformans, degenerative Gelenkerkrankung und Osteoarthrose.

 

Eine Arthrose entsteht meist infolge von Vorschädigungen des Knorpels. Häufige Ursachen sind:

  • Gelenkverletzungen, zum Beispiel durch direkte Knorpelverletzung (etwa bei Unfällen)
  • Fehlstellungen, zum Beispiel X- oder O-Beine
  • Fehl- beziehungsweise Überbelastungen der Gelenke, zum Beispiel durch Übergewicht, Bänderschwäche, einseitige Abnutzung aufgrund von beruflichen und sportlichen Aktivitäten, Schonhaltung oder bei angeborenen Deformitäten (zum Beispiel Achsenfehlstellungen, Hüftgelenksdyplasien)
  • Bakterielle Infektionen
  • Gelenkentzündungen
  • Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel Gicht

Die Arthrose ist weltweit die häufigste Gelenkerkrankung. In Deutschland sind etwa 27 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer betroffen. Im Alter über 65 Jahren leiden mehr als die Hälfte der Frauen und mehr als ein Drittel der Männer an Arthrose.

 

Arthrose der Fingerendgelenke, die Heberden-Arthrose, tritt bevorzugt bei älteren Frauen auf, während die Hüfte (Koxarthrose) eher bei älteren Männern betroffen ist. Die Arthrose der Kniegelenke (Gonarthrose) kommt häufiger bei Frauen vor. Oft finden sich arthrotische Gelenkveränderungen auch an der Wirbelsäule.

 

Wie äußert sich eine Arthrose?

Ein Teil der Patienten mit Arthrose leidet unter Schmerzen, einige Patienten haben keinerlei Beschwerden. Charakteristischerweise treten Arthroseschmerzen nach Ruhe zu Beginn der Bewegung auf und verbessern sich mit zunehmender Bewegung (Anlaufschmerz). Eine kurze Morgensteifigkeit der Gelenke kann kurz (unter einer halben Stunde) vorkommen. Bei entzündlichen Erkrankungen wie etwa der rheumatoiden Arthritis dauert die Morgensteifigkeit dagegen oft mehrere Stunden an.

 

Zunächst treten Schmerzen nur bei stärkerer, stoßartiger Belastung des Gelenks auf. Später klagen Betroffene auch bei normalen Bewegungen über Schmerzen, schließlich auch in Ruhe oder nachts. Häufig berichten Patienten von Reibegeräuschen und Knirschen in den Gelenken.

 

Mit Fortschreiten der Arthrose kommt es zu typischen Veränderungen und Verformungen der betroffenen Gelenke, die der Arzt auf dem Röntgenbild erkennen kann. Ist der Knorpel vollständig abgerieben, kann das Gelenk sogar komplett versteifen.

 

Bei einer aktivierten Arthrose mit einer Entzündung kommen Symptome wie Überwärmung, Druckschmerz und Schwellung durch einen Erguss im Bereich des betroffenen Gelenks hinzu.

 

Körperliche Belastung sowie kaltes und feuchtes Wetter können die Schmerzen verstärken. Bei einer Kniearthrose sind insbesondere stoßartige Bewegungen, wie etwa beim Hinabsteigen einer Treppe, schmerzhaft. Radfahren hingegen verursacht meist keine Probleme.

 

Welche anderen Ursachen für Gelenkschmerzen gibt es?

Gelenkschmerzen können auch andere Ursachen haben, etwa Infektionen und Verletzungen oder sie können auf inneren Grunderkrankungen beruhen. Beispiele dafür sind entzündlich-rheumatische Krankheiten, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Gicht.

 

Steckt hinter den Gelenkschmerzen eine innere Grunderkrankung, muss der Arzt nicht nur das einzelne Gelenk, sondern auch die zugrunde liegende Krankheit behandeln.

 

Welche Untersuchungen sind sinnvoll?

Der Arzt befragt den Patienten zunächst genau nach seinen Beschwerden und untersucht Haut, Bindegewebe, äußere Form und die Funktion des betroffenen Gelenks. Er beurteilt in einer körperlichen Untersuchung zum Beispiel druckschmerzhafte Punkte, Bewegungsumfang und -schmerz sowie die Bandstabilität. Sind Knie- und/oder Hüftgelenke von Arthrose betroffen, so sind Auffälligkeiten im Gangbild erkennbar.

 

Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, Kernspintomografie oder Computertomografie helfen dem Arzt, die typischen Gelenkveränderungen zu erkennen. Laboruntersuchungen von Blut oder der Gelenkflüssigkeit können ihm weitere wichtige Informationen liefern.

 

Typische im Röntgenbild erkennbare Veränderungen bei Arthrose sind zum Beispiel ein enger gewordener Gelenkspalt und sichtbare Schäden (Geröllzysten) im Knochen, der unter dem Knorpel liegt.

 

Körperliche Untersuchungen und bildgebende Verfahren erlauben die Einteilung der Arthrose in Krankheitsstadien.

 

Welche Therapiemöglichkeiten bestehen?

Eine Heilung der Arthrose ist nicht möglich. Das Ziel jeder Behandlung besteht darin, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit und Funktion des Gelenks zu verbessern und möglichst lange zu erhalten.

 

Für die einzelnen Stadien und Formen der Arthrose stehen unterschiedliche nicht-operative und operative Therapieformen zur Verfügung.

 

Physikalische Therapie

Wichtige Säule der nicht-operativen, konservativen Behandlung ist die gezielte Krankengymnastik. Die Bewegungstherapie soll die das Gelenk umgebende Muskulatur kräftigen und die Bewegungsabläufe des Patienten verbessern. Diese Maßnahmen reduzieren die Belastung der Gelenkflächen, verringern Fehlbelastungen und sollen so das Fortschreiten des Verschleißes verlangsamen.

 

Wärme-, Kälte- und Elektrotherapie können die krankengymnastische Behandlung begleiten. Sie dienen vor allem zur Schmerzreduktion. Kältebehandlungen helfen bei entzündeten Gelenken, Wärme entspannt Muskeln und fördert die Durchblutung. Auch Akupunktur wird seit Jahren erfolgreich bei Kniegelenksarthrose eingesetzt.

 

Medikamentöse Therapie

Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente kann der Arzt in Tablettenform verordnen oder direkt in das Gelenk spritzen. Die Behandlung der Schmerzen soll verhindern, dass der Patient das schmerzhafte Gelenk fehlbelastet. Außerdem unterdrücken die Medikamente die Entzündung im Gelenk.

 

Zur Therapie gibt es unterschiedliche Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen: Schmerzmittel (Analgetika), beispielsweise mit dem Wirkstoff Paracetamol, Entzündungshemmer ohne Kortison (nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR) als Tabletten oder als Salbe oder Gel, etwa mit den Wirkstoffen Diclofenac oder Ibuprofen, Gelenkinjektionen und Spülung des Gelenks mit Kortisonpräparaten in Phasen der Entzündung oder mit örtlichen Betäubungsmitteln als Schmerztherapie im akuten Zustand. Ob die Wirkstoffe Chondroitin und Glucosamin die Knorpeleigenschaften verbessern und schmerz- und entzündungslindernd wirken können, ist bisher nicht geklärt. Die Ergebnisse verschiedener Studien sind widersprüchlich.
Hyaluronsäure ist ein Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und sorgt dafür, dass die Gelenke reibungslos funktionieren. Das Spritzen von Hyaluronsäure ins Gelenk kann sich möglicherweise positiv auf die Gelenkfunktion auswirken und Schmerzen reduzieren. Welche Auswirkungen eine Therapie mit Hyaluronsäure langfristig hat, muss durch Studien noch näher belegt werden.

 

Die Entzündung hemmen kann der Wirkstoff Kortison. Medikamente aus dieser Wirkstoffklasse werden vor allem als Injektionen bei der Bildung von Gelenkergüssen eingesetzt. Bei stärksten Schmerzen kommen auch Opioide als Schmerzmittel zum Einsatz.

 

Orthopädische Hilfen

Orthopädisch-technische Hilfsmittel wie Arthrose-Schienen, Einlagen, Pufferabsatz, Keilsohlen oder auch Abrollhilfen können manchen Patienten Linderung verschaffen.

 

Operative Maßnahmen

Je nach Ursache der Arthrose und dem Stadium der Erkrankung kommen unterschiedliche operative Verfahren infrage. Berücksichtigt werden dabei das Alter und mögliche Begleiterkrankungen. Ob und wann eine Operation notwendig ist, hängt vor allem davon ab, wie stark die Arthrose die Lebensqualität des Patienten beeinträchtigt.

 

Bei jeder Operation kann es zu Komplikationen kommen. Dazu gehören Blutergüsse, Wundheilungsstörungen, Wundinfekte, eine tiefe Beinvenenthrombose, Lungenembolie sowie Gefäß- und Nervenverletzungen.

 

Je nach der Art der betroffenen Gelenke und dem Ausmaß der Arthrose kommen folgende operative Verfahren zum Einsatz: 

  • Gelenkspiegelung oder Arthroskopie

Vor allem Schulter-, Ellenbogen-, Hüft- oder Kniegelenke kann der Arzt mit einer Gelenkspiegelung operieren. Je nach Art der Veränderungen kommen dabei chirurgische Instrumente zum Einsatz, die zum Beispiel geschädigtes Gewebe entfernen oder Knorpelgewebe beeinflussen können. So lassen sich Irritationen des Gelenkes oft beseitigen oder reduzieren.

 

Die Chancen einer dauerhaften Linderung der Beschwerden durch diese Maßnahmen sind abhängig vom Krankheitsstadium. Oft kann der Arzt mit einer Gelenkspiegelung zumindest den Zeitpunkt hinauszögern, an dem er das Gelenk mit einem künstlichen Gelenkersatz endgültig versorgen muss.

  • Achsenkorrektur

Bei manchen Fehlstellungen kann eine Achsenkorrektur die mechanische Beanspruchung des Gelenks verringern und damit die Entstehung einer Arthrose verhindern oder aber zumindest das Fortschreiten der Arthrose verzögern. Bei der Operation sägt der Chirurg einen Keil aus dem Knochen heraus und verbindet ihn anschließend mithilfe einer Metallplatte und Schrauben wieder. 

  • Gelenkersetzende Operationen

Für einen Gelenkersatz entfernt der behandelnde Arzt die zerstörten Gelenkanteile und ersetzt sie durch künstliche Gelenkteile beziehungsweise ein ganzes Gelenk, eine Endoprothese. Dies geschieht vor allem an Knie- und Hüftgelenken. 

  • Gelenkversteifende Operationen

Operationen, die das Gelenk versteifen, kommen vor allem bei Arthrosen mit starken Schmerzen im Schulter-, Ellenbogen-, Hand-, Fuß- und Sprung- sowie in den Wirbelsäulengelenken zum Einsatz. 

  • Autologe Chondrozyten-Transplantation

Die autologe Chondrozyten-Transplantation oder auch ACT ist kein Standardverfahren zur Behandlung der Arthrose. Sie erfolgt in der Regel in speziellen Krankenhäusern.

 

Bei diesem Verfahren entnimmt der Arzt dem Patienten im Rahmen einer Gelenkspiegelung Gelenkknorpelzellen. Diese Knorpelzellen vermehren sich im Labor in einem Kultivierungsprozess erheblich. Anschließend erfolgt eine erneute Operation, um die neuen Knorpelzellen ins Gelenk einzubringen. In ersten Untersuchungen zeigte dieses Verfahren bei begrenzten Knorpelschäden erste erfolgversprechende Ergebnisse. Langzeitresultate fehlen allerdings bislang noch.

 

Was können Betroffene tun?

Wenn Sie unter Arthrose leiden, können Sie zur Linderung Ihrer Beschwerden aktiv beitragen:

  • Reduzieren Sie Ihr Gewicht, wenn Sie übergewichtig sind.
  • Wechseln Sie zwischen Be- und Entlastung ab.
  • Machen Sie gymnastische Lockerungsübungen.
  • Treiben Sie Sport, der die betroffenen Gelenke nicht zu stark belastet, zum Beispiel Radfahren, Schwimmen, Walking.
  • Wenn Sie beruflich den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, dann sollten Sie zwischendurch immer wieder aufstehen und sich bewegen.

Knorpelgewebe besitzt keine Blutgefäße und wird aus der Gelenkflüssigkeit mit Nährstoffen versorgt. Die Bewegung des Gelenkes fördert die Verteilung der Gelenkflüssigkeit und verbessert dadurch die Ernährung des Knorpels. Daher ist bei Arthrose regelmäßige Bewegung des betroffenen Gelenkes sinnvoll und wichtig.

 

Für Patienten mit Arthrose im Frühstadium können gelenkschonende Maßnahmen wie Gewichtsreduktion und die gelegentliche Einnahme von Schmerzmitteln bereits als Behandlung ausreichen.

 

Wie sollte eine Erste Hilfe bei Gelenkschmerzen aussehen?

Bei plötzlich auftretenden Gelenkschmerzen helfen Schonung, Kühlung und Schmerzmittel. Sobald die Schmerzen abklingen, sind leichte Bewegungsübungen sinnvoll, die das Gelenk nicht belasten. Verletzungen sollten zuvor vollständig abgeheilt sein, damit das Gelenk keinen Schaden nimmt. Sportler dürfen auf keinen Fall zu früh wieder mit dem Training beginnen.

 

Bei akuten Gelenkschmerzen, die nicht innerhalb von drei bis vier Tagen wieder abklingen, sollten Sie die Ursache der Beschwerden ärztlich abklären lassen.

 

Hat die Ernährung einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf?

Patienten mit Arthrose sollten auf ein normales Körpergewicht achten. Bei Übergewicht lohnt es sich abzunehmen, um die Überbelastung der Gelenke zu reduzieren. Außerdem kann eine Diät die degenerativen Prozesse in Gelenken und Knorpel positiv beeinflussen, möglicherweise auch die Entzündungsprozesse.

 

Ob Antioxidanzien, Vitamin D, Chondroitin, Glucosamin, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Lipidgemische und Pflanzenextrakte bei Arthrose wirksam sind, ist bisher nicht geklärt.