Tetanus - Achtung: Erde, Staub und Tierkot!

Bakterien lösen die gefährliche Infektionskrankheit Tetanus aus. Symptome sind starke und langanhaltende Muskelkrämpfe. Der Wundstarrkrampf führt unbehandelt zum Tod. Selbst unter medizinischer Betreuung sterben 50 Prozent der Patienten. Ein Schreckgespenst für Eltern, deren Kinder häufig draußen spielen und sich dort blutige Knie, aufgeschürfte Ellbogen und andere Wunden zuziehen.

Der Tetanus-Erreger "Clostridium tetani" kommt in Erde, Staub und besonders häufig in Tierkot wie Pferdemist vor. Typischerweise infizieren sich Menschen durch in die Haut eindringende Nägel, Messer, Werkzeuge, Holzsplitter oder Dornen, an denen die von den Bakterien gebildeten Sporen heften. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, sich gegen Tetanus impfen zu lassen.

 

Wann der Erreger besonders gefährlich ist

Tetanus-Erreger sind Anaerobier. Das heißt, sie vermehren sich nur unter Sauerstoffmangel. Um auch bei ungünstigen Bedingungen wie z. B. im Erdreich jahrelang überleben zu können, bilden die stäbchenförmigen Bakterien Sporen, eine Dauerform des Keims. Sie können prinzipiell in jede Wunde eindringen, besonders gefährlich sind aber tiefe, verschmutzte Wunden und Wunden mit stark ausgefransten Rändern oder Wundtaschen. Dort finden die Keime ideale Bedingungen vor, um sich unter Sauerstoffmangel zu vermehren.

 

Bei einer Tetanus-Infektion bilden die Bakterien Giftstoffe, die an den Nerven entlang zum Rückenmark und ins Gehirn wandern. Die Gifte behindern die Muskelkontrolle und lösen Krämpfe aus.

 

Tetanus ist nicht ansteckend: Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist beim Wundstarrkrampf nicht möglich, die betroffenen Patienten sind also nicht ansteckend.

 

Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Tetanus. Erwachsene mit einer vollständigen Grundimmunisierung benötigen alle zehn Jahre eine Auffrischung der Impfung. Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Impfstatus im Impfpass!

 

Tetanus - Zahlen & Fakten

Durch die Schutzimpfung ist Tetanus in der westlichen Welt selten geworden. Weltweit sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich über eine Million Menschen an dieser gefährlichen Krankheit. Für Deutschland variieren die Angaben zwischen 15 und 70 Krankheitsfällen pro Jahr. In den Entwicklungsländern sterben viele Neugeborene am sogenannten neonatalen Tetanus, der durch die Nabelschnur übertragen wird.

 

Formen von Tetanus

Ärzte unterscheiden vier Formen von Tetanus:

  • Die generalisierte Form: Die Symptome der Erkrankung treten am gesamten Körper auf.
  • Die lokale Form: Die Muskelkrämpfe bleiben auf die Körperbereiche beschränkt, an der sich die Eintrittspforte der Bakterien befindet.
  • Der zephale Tetanus: Eine Sonderform der Erkrankung. Hier befindet sich die Wunde direkt am Kopf, sodass Bakterien schnell über die Nervenbahnen zum Gehirn gelangen. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und den ersten Symptomen).
  • Der neonatale Tetanus betrifft nur Neugeborene, deren Mütter nicht geimpft sind. Die Infektion erfolgt oft aufgrund mangelnder Hygiene, wobei die Erreger meist über die Nabelschnur eindringen. Die neonatale Form des Wundstarrkrampfs ist weltweit am häufigsten und tritt in erster Linie in Ländern mit niedrigem Hygienestandard und schlechter medizinischer Versorgung auf.

Wie reagiert der Körper?

Die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten erster Krankheitszeichen (Inkubationszeit) ist ganz unterschiedlich: In einigen Fällen zeigen sich schon nach wenigen Tagen erste Symptome, manchmal dauert es zwei oder drei Wochen bis die Krankheit ausbricht. Bei einzelnen Patienten sind erst nach Monaten Symptome aufgetreten.  

 

Eine kurze Inkubationszeit deutet auf eine hohe Bakterienzahl, die für einen schweren Krankheitsverlauf sorgt. Die Wunde selbst erscheint dabei immer unauffällig. Schließlich beginnt die Erkrankung meist mit einem seltsamen oder unangenehmen Gefühl im Wundbereich, einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen und Unruhe. Schreckhaftigkeit und Schweißausbrüche treten auf.

 

Schon nach kurzer Zeit entstehen die typischen Muskelkrämpfe: Sie beginnen an der Kau- und Gesichtsmuskulatur. Die Patienten bekommen einen unnatürlichen Gesichtsausdruck (Risus sardonicus) zwischen Grinsen und Weinen. Später greifen die Krämpfe auf die übrige Muskulatur. Der Körper wird massiv überstreckt und liegt nur noch mit Hinterkopf und Ferse auf. In extremen Fällen können sogar Wirbelkörper brechen. Die schmerzhaften Krämpfe werden durch äußere Reize wie laute Geräusche, helles Licht oder Berührungen verstärkt. Der Patient ist die ganze Zeit über bei vollem Bewusstsein.

 

Schließlich kommt es zu Störungen der Atemmuskulatur, des Herzrhythmus und der Nierenfunktion. Die Körpertemperatur steigt. Das Krankheitsbild ist so schwer, dass trotz moderner Intensivmedizin bis zu 50 Prozent der Betroffenen versterben. Unbehandelt führt Tetanus meist durch einen Atemstillstand zum Tod.

 

Wie wird Tetanus festgestellt?

Treten nach einer offenen Verletzung Muskelkrämpfe auf, ist die Diagnose Tetanus in der Regel eindeutig. Bestätigt wird der Verdacht durch eine Untersuchung der Wunde und des Blutes auf das Gift (Toxin) der Tetanusbakterien.

 

Generell ist eine Tetanuserkrankung unwahrscheinlich, wenn eine Impfung und die regelmäßige Auffrischungen nach zehn Jahren stattgefunden haben. Ausschlaggebend für die Wirksamkeit der Impfung ist die Zahl der Antikörper, die gegen die Tetanus-Toxine gerichtet sind.

 

Wie wird Tetanus behandelt?

Menschen, die an Tetanus erkrankt sind, müssen sofort auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt werden. Die Behandlung von Tetanus erfolgt in drei Schritten:

  • Chirurgische Versorgung der Wunde, dabei wird die Wunde gesäubert und die Wundränder ausgeschnitten (Wunddébridement)
  • Neutralisierung des Tetanus-Gifts durch Medikamente
  • Sofortmaßnahmen gegen die Symptome

Die Wunde wird sofort sorgfältig ausgeschnitten, um die Tetanuserreger zu entfernen. Der Patient erhält ein Antibiotikum, in der Regel Metronidazol, um das Tetanusbakterium abzutöten. Gegen die Tetanus-Gifte ist das Antibiotikum jedoch nicht wirksam. Um diese Gifte zu neutralisieren, spritzt der Arzt Antikörper (Immunglobuline) in die Muskulatur und die Wundränder.

 

In der Intensivtherapie geht es darum die Atemwege offen zu halten und die Herzfunktionen zu kontrollieren. Das Freihalten der Atemwege ist oft lebensrettend. Der Patient erhält Sauerstoff oder eine künstliche Beatmung an einer Beatmungsmaschine. Gegen die Muskelkrämpfe verordnet der Arzt spezielle Medikamente, sogenannte Muskelrelaxantien, die für eine Entspannung der Muskulatur sorgen.

 

Es kann helfen den Patienten in einen dunkelten, geräuschlosen Raum zu verlegen, um ihn von äußerlichen Reizen fernzuhalten, die Krämpfe auslösen.

 

Je kürzer die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung, desto schlechter sind die Überlebenschancen. Besonders gefährlich sind die Tage eins bis fünf nach Krankheitsbeginn, in dieser Zeit ist die Zahl der Todesfälle am höchsten.

 

Erste Hilfe bei Tetanus-Gefahr

Damit Tetanus-Bakterien keine Chance haben, helfen folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen bei offenen Wunden:

  • Fremdkörper entfernen: Eingedrungene Fremdkörper müssen aus der Wunde entfernt werden. Dazu kann ein Mulltupfer oder, bei tief eingedrungenem grobem Schmutz eine sterile Bürste mit abgerundeten Borsten verwendet werden.
  • Reinigung: Spülen Sie die Wunde gründlich mit steriler physiologischer Kochsalzlösung, oder besser mit Ringerlösung, weil sie eine Verschiebung des Elektrolytgleichgewichts in der Wunde verhindert. Wenn Sie gerade nichts dabei haben, spülen Sie die Wunde zumindest mit lauwarmem Leitungswasser (möglichst Trinkwasser) aus dem Hahn. Dadurch kann die Keimzahl in der Wunde stark reduziert werden. Auch Schürfwunden sollten gereinigt werden.
  • Desinfektion: Desinfizieren Sie die Wunde mit einem Wunddesinfektionsmittel. Sie können gebrauchsfertige Desinfektionssprays aus der Apotheke nutzen oder natürliche Alternativen wie Johanniskrautöl.
  • Verbinden: Leichte Schürfwunden werden nach Reinigung und Desinfektion mit einem Sprühverband oder einem Pflaster abgedeckt. Tiefere Verletzungen oder Tierbisse sollten mit einem keimfreien Tuch abgedeckt und einer Mullbinde verbunden werden.
  • Impfschutz checken: Ist der Tetanusschutz unklar, fehlend oder unvollständig, empfiehlt die STIKO: Ab zum Arzt und die vollständige Impfung nachholen! Der Arzt säubert die Wunde noch einmal fachmännisch, entfernt mit einem Skalpell möglichst vollständig das verschmutzte Gewebe und holt die Impfung nach. Abhängig von der Zahl der bisher erhaltenen Impfungen sowie der Größe und Verschmutzung der Wunde erhält der Patient entweder nur eine Tetanusimpfung oder gleichzeitig eine aktive und passive Immunisierung.  
Aktive und passive Immunisierung

Bei einer aktiven Impfung injiziert der Arzt unschädliche Tetanusgifte, die das körpereigene Immunsystem des Patienten mobilisieren, selbst Antikörper zu bilden. Bei der passiven Immunisierung wird der fertige Antikörper, der aus menschlichem Blut gewonnen wird, direkt gespritzt. Der Vorteil ist, dass der Körper nicht erst selbst Antikörper ausbilden muss, was bis zu einer Woche dauern kann.

 

Wie schützen Sie sich vor Tetanus?

Verletzungen lassen sich niemals ganz sicher vermeiden. Deshalb empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Tetanus als einzig sicheren Schutz. Die Impfung wird als Kombinationsimpfstoff schon für Säuglinge empfohlen.

 

Die weitere Auffrischung der Impfungen sind lebenslang alle zehn Jahre notwendig. Geimpft wird mit einem Toxoid, das heißt mit dem unschädlich gemachten Gift des Bakteriums. Der Impfschutz sollte immer im Impfpass dokumentiert werden. Besonders wichtig ist ein aktueller Impfschutz für ältere Menschen, die unter Durchblutungsstörungen leiden, für Diabetiker und Menschen mit Erkrankungen der Haut.

 

Bei einer tiefen Verletzung oder größeren Wunden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen und den Impfpass mit sich führen. Der Arzt reinigt die Wunde, holt gegebenenfalls die fehlende Impfung nach oder frischt den vorhandenen Impfschutz auf. Besteht ein erhöhtes Tetanusrisiko führ der Arzt eine sogenannte Tetanus-Immunprophylaxe durch.