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"Ich kann noch nicht aufstehen"

Wenn wieder der ungnädige Alltag beginnt, gibt es oft schon morgens den ersten Stress mit dem Nachwuchs. Unausgeschlafen und mies gelaunt kämpfen sich Jungen und Mädchen aus den Betten. "Lass mich doch noch!" oder "Ich kann auch später los", sind noch die harmlosesten Wünsche der Gegenwehr. 

Hormone verschieben den Schlaf

Es ist aber kein Ungehorsam oder böse Absicht, wenn der Nachwuchs abends nicht müde ist. Es ist in der Pubertät vielmehr so, dass die meisten Jugendlichen einfach erst nach 23 Uhr einschlafen können. Und somit wachen sie am nächsten Morgen mit einem Schlafdefizit auf. Warum sich der Schlafrhythmus so verschiebt, erklärt Albrecht Vorster, Schlafforscher und Autor des Buches "Warum wir schlafen": "Jugendliche in der Pubertät sind eine ganz besondere Spezies Mensch. Davon können nicht nur leidgeplagte Eltern ein Lied singen. Ihre Hormone gehen mit ihnen durch, denn ihre Gehirnverkabelung wird generalüberholt." 

Ihre Gehirnverkabelung wird generalüberholt. Schlafforscher Albrecht Vorster über Jugendliche in der Pubertät

Und in diesem Zusammenhang stellt sich auch der Biorhythmus für einige Jahre grundlegend um. So verwandeln sich Jugendliche in spät- bis nachtaktive Wesen. So konnten Studien - laut Vorster - belegen: "Schülerinnen und Schüler, die einst Frühaufsteher waren, werden in der Umstellungsphase zum Normaltyp; Normaltypen werden zum Abendtyp und Abendtypen werden zum richtigen Nachttyp, der seiner inneren Uhr folgend erst um 2 Uhr nachts müde wird."

Wer so spät erst zur Ruhe kommt, hat morgens in der Schule verständlicherweise Probleme, kognitiv mitzuhalten. Etwa 16 Prozent der Jugendlichen werden ab der Pubertät für einige Jahre zu Nachteulen - und würden in der Medizin als Patienten mit Delayed Sleep Phase Syndrom bezeichnet. Die beruhigende Nachricht ist: Das Problem wächst sich aus. Aber: Zwischenzeitlich können die Schulnoten leiden. So bekam der Lernwissenschaftler und Chronobiologe Christoph Randler heraus, dass die Abitur-Note beeinflusst wird davon, ob man ein Morgen- oder Abendtyp ist. "Es scheint", wagt Vorster die Prognose, "als hätten die biologischen Abendtypen deutlich geringere Chancen auf einen Medizin- oder Psychologiestudienplatz. Allein, weil sie morgens zu den Lern- und Prüfungszeiten nicht fit sind."

Frühaufsteher oder Nachteule - das Abi wird davon beeinflusst. Chronobiologe Christoph Randler

Später aufstehen - bitte! 

Was könnte helfen? Eine Verschiebung des Schulbeginns. In unterschiedlichen Projekten zu "späterer Anfangszeit" konnte inzwischen nachgewiesen werden, dass Schüler sehr wohl davon profitieren. In Seattle beispielsweise beginnt die Schule in allen öffentlichen Highschools seit drei Jahren erst um 8.45 statt um 7:50. Die Effekte des verschobenen Schulstarts wurden wissenschaftlich evaluiert. Das Ergebnis: Die Schüler sind wacher. Seit Umstellung der Zeiten schlafen sie jede Nacht mindestens sieben Stunden und 24 Minuten (zuvor waren es nur 6 Stunden und 50 Minuten). Die Zu-Bett-geh-Zeiten verschoben sich übrigens nicht noch weiter nach hinten.   

Länger schlafen - geht doch

Vorreiter Niedersachsen: Schon seit 2014 hat das Kultusministerium in Hannover seinen Schulen maximale Flexibilisierung in Sachen Schulbeginn ermöglicht: Dort darf seither an den jeweiligen Schulen selbst entschieden werden, wann sie mit dem Unterricht starten wollen. Früher als 7:30 Uhr soll es nicht sein, nach hinten wurde keine zeitliche Grenze vorgegeben. Einen echten Langschläfer-Einstieg  bieten aber dennoch nur wenige der weiterführenden Schulen an.  

In Hamburg startet der Unterricht am Gymnasium Marienthal schon seit vier Jahren erst um 8.30 Uhr. Also eine halbe Stunde später als an den meisten anderen Schulen im Umkreis. Das habe dem gesamten Schulklima gut getan, heißt es zu dieser Entscheidung der Schulgemeinschaft. Es gehe deutlich entspannter zu und auch der Konzentration der Schüler komme der spätere Start in den Tag zugute. Für die Mittagspause bleiben trotzdem noch 55 Minuten Zeit, der Schulschluss ist gerade mal fünf Minuten verschoben. Damit können alle prima leben - Lehrkräfte ebenso wie Schülerinnen und Schüler. Denn: Die halbe Stunde, die morgens für längeres Ausschlafen sorgt, ist einfach unschlagbar cool.