Die Entzündung beginnt meist im Enddarm und breitet sich von dort kontinuierlich auf die höher gelegenen Dickdarmanteile aus. Die Ausdehnung und der Verlauf der Erkrankung können individuell sehr unterschiedlich sein. Bei einigen Patienten kann es zu einem Befall des gesamten Dickdarms kommen. In den betroffenen Darmabschnitten bilden sich Geschwüre (Ulzerationen) auf den oberflächlichen Schleimhautschichten.

Welche Beschwerden verursacht die Erkrankung?

Die Erkrankung äußert sich mit blutig-schleimigen Durchfällen und krampfartigen Bauchschmerzen häufig im linken Unterbauch. Fieber, körperliche Schwäche und häufiger Stuhldrang, einschließlich einer Stuhlinkontinenz, sind weitere mögliche Symptome.

Begleitend kann es zu Hautveränderungen, Gelenkschwellungen und Augenentzündungen kommen. Die Krankheit verläuft überwiegend in Schüben, das heißt, auf Phasen ohne Beschwerden folgen plötzliche, mehr oder weniger heftige Krankheitsattacken. Schwere Schübe können eine gesteigerte Herzfrequenz, Gewichtsverlust und eine Abwehrspannung des Bauchs auslösen.

In etwa fünf Prozent der Fälle leidet der Patient ohne Unterbrechung an den Beschwerden. Noch seltener sind plötzliche und schwere Symptome, die zu einem Schock führen können.

Welche Ursachen führen zu einer Colitis ulcerosa?

Die eigentliche Ursache der Colitis ulcerosa ist weitgehend unbekannt. Doch gehen Wissenschaftler davon aus, dass mehrere Faktoren an der Entstehung beteiligt sind.

Bestimmte erbliche Veränderungen scheinen die Krankheit zu begünstigen. Verwandte ersten Grades haben ein zehn- bis 15-fach erhöhtes Risiko, ebenfalls an einer Colitis ulcerosa zu erkranken. Dazu kommen innere Faktoren wie eine gestörte Barrierefunktion der Darmwand, Nerven- oder Gefäßstörungen und äußere Faktoren wie wiederholte Entzündungen mit Erregern. Zusammen kann das zu einer dauerhaften Aktivierung des Abwehrsystems im Darm führen. Als Folge entstehen dort Entzündungen.

Die Ansicht, dass die Colitis ulcerosa eine durch seelische Belastungen verursachte, psychosomatische Erkrankung ist, ließ sich nicht bestätigen. Sie sind nicht "die“ Ursache einer Colitis ulcerosa. Dennoch können psychische Störungen den Verlauf und die Ausprägung der Erkrankung beeinflussen. Gleichzeitig können aber auch die Krankheit selbst und die damit verbundenen Beschwerden das seelische Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen und den Patienten sehr belasten.

Welche Komplikationen können bei einer Colitis ulcerosa auftreten?

Bei Kindern, die an Colitis ulcerosa leiden, kann es zu Wachstumsstörungen kommen. Bei Erwachsenen führt die Erkrankung durch die ständigen Durchfälle und die Appetitminderung unter Umständen zu einem Gewichtsverlust und möglicherweise zu Mangelerscheinungen.

Die Geschwüre im Darm können zum Teil massive Blutungen verursachen. Außerdem erhöht der andauernde Reizzustand das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Die Krebsgefahr steigt mit dem Grad des entzündlichen Darmbefalls und der Dauer der Erkrankung.

Eine lebensbedrohliche Komplikation der Colitis ulcerosa ist das toxische Megakolon, ein erheblich erweiterter Dickdarm. Die Patienten haben starke Bauchschmerzen, Fieber, Krämpfe und Verstopfung. Sie erbrechen und der Bauch ist aufgetrieben und hart. Die überdehnte und entzündete Darmwand kann leicht einreißen. Eine solche Darmperforation kann zu einer Bauchfellentzündung und einer Blutvergiftung führen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Neben einem ausführlichen Gespräch über die Art, Intensität und den Verlauf der Beschwerden, kürzliche Reisen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Kontakt zu Patienten mit infektiösen Durchfallerkrankungen, das Vorliegen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen in der Familie sowie über eventuelle Begleit- oder Vorerkrankungen wird der Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen.

Insbesondere bei Verdacht auf eine entzündliche Darmerkrankung gehört auch eine rektale Untersuchung dazu. Auch auf Symptome an der Haut, den Augen und den Gelenken achtet der Arzt.

Im Labor erfolgen Untersuchungen von Blut und Stuhlproben. In der Blutanalyse sind vor allem Werte bedeutsam, die eine Entzündung, eine Blutarmut sowie einen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen im Körper anzeigen. Der Stuhl wird auf Bakterien und möglicherweise enthaltene Blutspuren untersucht.

Mit dem Ultraschall des gesamten Bauchraumes und einer Darmspiegelung lässt sich gezielt der Darm untersuchen. Regelmäßige Darmspiegelungen sind bei Patienten mit Colitis ulcerosa auch deswegen wichtig, weil sie ein erhöhtes Darmkrebsrisiko haben. Eventuell sind Gewebeproben des Darmes nötig. In einigen Fällen kann auch eine Magnetresonanztomografie, kurz MRT, des gesamten Darmes hilfreich sein.

Eine klare Abgrenzung der Colitis ulcerosa vom Morbus Crohn, einer weiteren entzündlichen Darmerkrankung, dient der Therapieplanung und Verlaufsprognose. Sie ist jedoch nicht immer möglich.

Wie wird eine Colitis ulcerosa behandelt?

Die Therapie der Colitis ulcerosa steht auf vier Säulen:

  • Ernährungstherapie
  • Medikamentöse Therapie
  • Chirurgische Therapie
  • Begleitende Psychotherapie 

Ernährungstherapie

Eine spezielle Diät bei Colitis ulcerosa gibt es nicht. Oft hat der Patient selbst Erfahrungen gesammelt, welche Speisen gut verträglich und welche Nahrungsmittel Beschwerden oder sogar einen entzündlichen Schub fördern. Während einer Entzündungsphase kann es hilfreich sein, auf Reizstoffe, zum Beispiel scharfe Gewürze, zu verzichten. Wichtig ist in dieser Zeit eine ausreichende Vitaminzufuhr.

In Abhängigkeit vom Ernährungszustand kann der Patient über eine Magensonde oder Infusionen ernährt werden. Bestehen zusätzlich Mangelzustände, zum Beispiel an Vitaminen oder Eisen, erhält er diese Stoffe ebenfalls über eine Sonde oder Infusion.

Medikamentöse Therapie

Das Therapieziel im akuten Schub der Colitis ulcerosa ist zum einen das Zurückdrängen der Entzündung, zum anderen soll eine bleibende Schädigung und eine weitere Ausbreitung der Erkrankung mit möglichen Komplikationen vermieden werden.

Je nach Schweregrad und Ort der Entzündung werden verschiedene entzündungshemmende Medikamente eingesetzt.

Bei akuten Schüben einer Colitis ulcerosa oder bei chronischen Verläufen, die auf andere Therapien nicht mehr ansprechen, können Immunsuppressiva gegeben werden. Diese Substanzen unterdrücken das körpereigene Abwehrsystem. Zur Anwendung kommen in der Regel 5-Aminosalicylate in Form von Zäpfchen, Schäumen oder Einläufen, eventuell auch als Tabletten, bei Bedarf auch Kortisonpräparate.

Sind Kortisonpräparate nicht ausreichend wirksam oder können sie aufgrund von Unverträglichkeiten oder Gegenanzeigen nicht zum Einsatz kommen, stehen Alternativen wie Cyclosporin, Tacrolimus oder Infliximab zur Verfügung.

Bei schweren Schüben kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein.

Auch in den Phasen zwischen akuten Schüben werden weiter entzündungshemmende Medikamente oder sogar Immunsuppressiva eingesetzt, um weitere Schübe zu vermeiden (Remissionserhaltung). Bei Patienten, die 5-Aminosalicylate nicht vertragen, besteht außerdem die Möglichkeit, eine Behandlung mit einem nicht pathogenen Escherichia-coli-Stamm oder bei Kindern mit einem probiotischen Präparat durchzuführen.

Bei anhaltenden Bauchschmerzen kann der Arzt zusätzlich schmerzlindernde Medikamente verordnen.

Unter einer immunsuppressiven Therapie besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Besonders gefährdet sind ältere und mangelernährte Menschen. Zur Vorbeugung vor Infektionen wird empfohlen, neben den Standardimpfungen verschiedene weitere Schutzimpfungen (zum Beispiel gegen Influenza, Pneumokokken, Varizellen, Hepatitis B, humane Papillomaviren) vornehmen zu lassen.

Auch bei der Ernährung ist das mögliche Infektionsrisiko zu beachten. Deshalb sollten Patienten unter einer immunsuppressiven Therapie Rohmilch, Rohmilchkäse, rohe Eier, Tartar, rohen Fisch und Meeresfrüchte meiden und auch auf Auslandsreisen das mögliche Infektionsrisiko berücksichtigen.

Chirurgische Therapie

Ein chirurgisches Eingreifen kommt dann infrage, wenn sich ein schwerer Schub trotz medikamentöser Therapie nicht bessert, wenn schwere Schübe häufig auftreten und sich der Allgemeinzustand des Patienten stetig verschlechtert.

Auch Komplikationen und die Unwirksamkeit oder Unverträglichkeit einer medikamentösen Therapie können Grund zur Operation sein. Unbedingt notwendig ist eine operative Behandlung, wenn schwere Blutungen auftreten, ein toxisches Megakolon besteht oder es bereits zu Perforationen der Darmwand gekommen ist.

Dies bedeutet in der Regel eine vollständige Entfernung des Dickdarms. Bei Teilentfernungen des Dickdarms ist das Risiko oft zu hoch, dass die Erkrankung erneut ausbricht. Deshalb entfernt der Chirurg meist den gesamten Dickdarm. Da die Erkrankung nicht auf den Dünndarm übergreift, wird dieser Darmabschnitt belassen.

In den meisten Fällen kann heutzutage Kontinenz erhaltend operiert werden. Das heißt, der Darmschließmuskel bleibt erhalten, sodass kein künstlicher Darmausgang erforderlich ist.

Begleitende Psychotherapie

Zusätzlich kann eine ergänzende psychotherapeutische oder psychosomatische Behandlung sinnvoll sein. Psychotherapie und Entspannungsübungen können einen positiven Effekt auf die Krankheitsbewältigung, das psychische Befinden und die Schmerzverarbeitung haben.

Was kann man selbst tun?

Wichtig ist auch, dass man über die Krankheit Bescheid weiß. Schlecht informierte Patienten haben eine schlechtere Lebensqualität, fühlen sich durch die Krankheit stärker belastet, sind häufiger depressiv und benötigen häufiger eine Behandlung beim Arzt.

Wie werden Beschwerden außerhalb des Darms behandelt?

Bei Gelenkbeschwerden sind eventuell schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente notwendig. Bei Bedarf muss eine Entlastung und Ruhigstellung der betroffenen Gelenke erfolgen. Zusätzlich kann eine Physiotherapie hilfreich sein.

Bei den typischen Symptomen an der Haut kommt meist hoch dosiertes Kortison zum Einsatz. Eine Entzündung der Augenhaut (Uveitis) kann eine immunsuppressive Behandlung lindern. Liegt eine Osteoporose vor, erhalten die Patienten oft Kalzium, Vitamin D und Medikamente, die dem Knochenabbau entgegenwirken und die Knochendichte erhöhen.

Online-Fragebogen für Betroffene mit entzündlichen Darmerkrankungen

Die Universität zu Lübeck hat in Kooperation mit der TK einen Online-Fragebogen für Betroffene mit entzündlichen Darmerkrankungen, also Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn entwickelt.

Mit Hilfe dieses Fragebogens bekommen Sie Hinweise, wie Sie mit Ihren individuellen Problemen, die gegebenenfalls durch die Erkrankung ausgelöst  werden, umgehen können. Eine Studie, an der 500 TK-Versicherte beteiligt waren, hat gezeigt, dass die Empfehlungen geholfen haben, ihren individuellen Gesundheitszustand zu verbessern.

Hier erhalten Sie weitere Informationen und gelangen auch zu dem Fragebogen:

www.ced-aktiv-werden.de