Was ist ein Achillessehnenriss?

Als Achillessehnenriss bezeichnet man sowohl die vollständige als auch die teilweise Durchtrennung (Ruptur) der Achillessehne.

 

Die Achillessehne verbindet das Fersenbein mit der Wadenmuskulatur. Sie ist bei jeder Form des Gehens oder Laufens beteiligt und somit eine der am meisten beanspruchten Sehnen des Körpers.

 

Was sind die Ursachen eines Achillessehnenrisses?

Der Achillessehnenriss tritt vor allem im Alter zwischen 30 und 50 Jahren auf. Er kommt bevorzugt bei Männern vor, im Vergleich zu Frauen sind sie fünf- bis zehnmal häufiger betroffen. Deutschlandweit werden pro Jahr etwa 5.000 Fälle gezählt.

 

Häufig reißen vorgeschädigte Achillessehnen - meistens im Rahmen normaler sportlicher Betätigung. Krankheiten des Bindegewebes, Stoffwechselstörungen wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder bestimmte Medikamente können die Belastbarkeit der Achillessehne reduzieren. Daneben tragen auch altersbedingte Veränderungen wie Verschleißerscheinungen oder mangelnde Aktivität zur Schwächung der Achillessehne bei. So kann es beim Startschritt (zum Beispiel beim Tennis oder Squash), beim Laufen oder beim Sturz nach vorne (zum Beispiel beim Skifahren) zu einer plötzlichen Überbeanspruchung der Sehne durch das Zusammenziehen des Wadenmuskels kommen.

 

Seltener ist die Verletzung durch direkte äußere Gewalteinwirkung, wie zum Beispiel einen Verkehrsunfall. Hierbei müssen keine Vorschäden an der Achillessehne vorliegen.

 

Wie wird ein Achillessehnenriss erkannt?

Typisch bei einem Achillessehnenriss ist ein laut hörbarer Knall ähnlich einem Peitschenhieb. Neben plötzlichen starken Schmerzen - für die Betroffenen fühlt es sich an, als hätte man ihnen einen Tritt gegen die Sehne verpasst - ist häufig der Zehenstand auf dem betroffenen Bein nicht möglich. Die Gehfähigkeit ist durch den Achillessehnenriss stark eingeschränkt. Ist die Sehne vollständig gerissen, ist im Fersenbereich eine Delle tastbar. Bei einem unvollständigen Riss fehlt diese. Auch kann es zu einer Schwellung und einem Bluterguss (Hämatom) durch Mitverletzung der Blutgefäße kommen.

 

Spätestens jetzt sollte das Bein entlastet, gekühlt und ein Arzt oder Krankenhaus aufgesucht werden. Der Arzt wird das Bein untersuchen und im Zweifelsfall verschiedene Funktionstests durchführen. Einer dieser Tests ist der sogenannte Thompson-Test. Dabei drückt der Arzt von beiden Seiten auf die Wadenmuskulatur des Patienten, der auf dem Bauch liegt. Bei intakter Achillessehne beugt sich der Fuß in Richtung Fußsohle wie beim Zehenspitzengang (Plantarflexion). Bleibt die Beugung aus, besteht der dringende Verdacht auf eine Achillessehnenruptur.

 

Die anschließende Ultraschalluntersuchung (Sonografie) gibt Aufschluss über das Ausmaß der Verletzung, und es lässt sich ein vollständiger Riss von einem Teilriss (partielle Achillessehnenruptur) unterscheiden. Eine Röntgenaufnahme ist sinnvoll, um eine Beteiligung der Knochen auszuschließen. Zudem kann eine Untersuchung mit der Magnetresonanztomografie (MRT) folgen.

 

Wie wird ein Achillessehnenriss behandelt?

Ziel jeder Behandlung ist es, Funktion und Belastbarkeit der Achillessehne wieder herzustellen. Ohne Behandlung bleibt in der Regel eine beträchtliche Bewegungseinschränkung zurück, die sich im täglichen Leben deutlich auswirkt.

 

Die Erste Hilfe bei einem Achillessehnenriss besteht in einer lokalen Behandlung des Fersenbereichs mit Eis. Das Auftreten auf das verletzte Bein sollte vermieden werden. Eine Unterstützung beim Gehen, zum Beispiel durch eine andere Person oder eine Gehstütze ist daher empfehlenswert.

 

Für die Therapie stehen zum einen operative, zum anderen konservative, das heißt nichtoperative, Verfahren zur Verfügung. Für Letztere entscheidet man sich zum Beispiel bei älteren Menschen oder Vorliegen von Begleiterkrankungen. Das erfordert allerdings vom Verletzten intensive Mitarbeit. Über spezielle Gipsverbände, Spezialschuhe und Absatzerhöhungen lassen sich die Sehnenenden in sogenannter Spitzfußstellung aneinanderfügen. Über mehrere Wochen heilen die Sehnenenden zusammen. Krankengymnastische Übungen und Muskeltraining unterstützen diesen Vorgang. Komplikationen der Fußruhigstellung wie zum Beispiel eine Blutgerinnselbildung (Thrombose) lassen sich durch eine Thrombosevorsorge mit täglichen Spritzen verhindern.

 

In den meisten Fällen ist jedoch eine Operation die Behandlung der Wahl. Es gibt verschiedene operative Methoden, wobei die beiden Sehnenenden meist durch Fäden wieder zusammengefügt werden. Diese verbleiben im Körper und lösen sich im Verlauf von Wochen von selbst auf. In einigen Kliniken werden die Sehnenenden mit einem speziellen Gewebeklebstoff miteinander verklebt.

 

Die Nachbehandlung im Anschluss an eine Operation entspricht in groben Zügen der konservativen Behandlung. Es wird ein Unterschenkelgips angelegt oder der Patient erhält einen Spezialschuh (für etwa sechs Wochen).

 

Bei der konservativen wie auch bei der operativen Therapie schließt sich an die Behandlung eine Bewegungstherapie an. Beginnend mit einer Teilbelastung des betroffenen Fußes wird die Belastung schrittweise gesteigert. Außerdem erfolgt eine Mobilisierung des Sprunggelenks.

 

Nach einer Operation ist die Belastbarkeit der Achillessehne in der Regel höher als nach einer konservativen Versorgung; Sport können die Betroffenen meist wieder ausüben. Das ist in der Regel spätestens nach einem halben Jahr wieder möglich. Als weitere Vorteile der Operation sehen Fachleute die etwas schnellere Heilung sowie die geringere Rate an erneuten Sehnenrissen an. Nachteil der Methode ist die Möglichkeit von Wundinfektionen, insbesondere wenn Durchblutungsstörungen vorliegen.

 

Sowohl nach der konservativen Behandlung als auch nach der Operation leidet ein geringer Teil der Betroffenen an dauerhaften belastungsabhängigen Schmerzen. Die Gefahr einer erneuten Rissbildung scheint größer zu sein, wenn die Sehne bereits einmal gerissen war. Auch Achillessehnenrupturen am anderen Bein sind häufiger - wahrscheinlich liegt der Verletzlichkeit eine gewisse Veranlagung zu Grunde.

 

Was kann man selber tun?

Stoffwechselstörungen, die das Auftreten von Achillessehnenverletzungen begünstigen, sollten bestmöglich behandelt werden. Wer Medikamente einnimmt, sollte sich vor der sportlichen Betätigung mit dem Arzt beraten.


Egal, welche Sportart betrieben wird, sie sollte unter fachkundiger Anleitung (bei einem ausgebildeten Trainer) erlernt beziehungsweise ausgeübt werden, um Schäden durch Fehlbelastungen zu vermeiden. Wenn dauerhafte Schmerzen, Fehl- oder Überbelastungen vorliegen, sollte sich der Betroffene von einem Arzt oder Krankengymnasten beraten lassen, ob zum Beispiel die ausgewählte Sportart für ihn günstig ist.

Um einem Achillessehnenriss so gut wie möglich vorzubeugen, ist es wichtig, vor dem Sport auf eine ausreichende Aufwärmphase zu achten und die Belastung nur allmählich zu steigern. Es ist günstig, regelmäßig und moderat Sport zu treiben und abrupte, besonders schnelle und starke Belastungen zu vermeiden. Denn diese verursachen besonders oft einen Achillessehnenriss.

 

Wie ist die Prognose bei einem Achillessehnenriss?

Die Prognose hängt bei einem Achillessehnenriss maßgeblich von der Behandlung ab. Mit der angemessenen Therapie und Nachbehandlung mit Physiotherapie ist es fast immer möglich, die Belastbarkeit der Achillessehne und die vor der Verletzung vorhandene Leistungsfähigkeit wiederherzustellen.